Missbrauchsvorwürfe im Skisport

09. Februar 2018 10:01; Akt: 09.02.2018 10:01 Print

«So, heut' kommst du dran»

Schwere Vorwürfe gegen Karl «Charly» Kahr: Der österreichische Ski-Trainer soll in den 1960er-Jahren eine 16-jährige Sportlerin vergewaltigt haben.

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Kurz vor dem Auftakt der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang tauchen die nächsten schweren Anschuldigungen auf, die österreichische Ski-Legenden betreffen.

Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, erheben zwei ehemalige Fahrerinnen schwere Vorwürfe gegen Karl «Charly» Kahr. Der heute 85-jährige Schladminger – einer der erfolgreichsten Ski-Trainer der Geschichte – soll Ende der 1960er-Jahre betrunken eine damals 16-jährige Sportlerin vergewaltigt haben.

Kahr bestreitet Vorwürfe

Eine zweite Ex-Fahrerin berichtet von zwei weiteren sexuellen Übergriffen. Bei einem davon (Mitte der 1970er in Kanada) soll auch der 2009 verstorbene Toni Sailer, der mit drei Olympiasiegen und sieben WM-Titeln zu den ganz Grossen der Ski-Geschichte zählt, im Raum gewesen sein. Kahr habe die Frau mit den Worten «So, heut' kommst du dran» ins Hotelzimmer gezerrt. Sie habe sich aber losreissen und flüchten können.

Die SZ, der eidesstattliche Erklärungen vorliegen, konfrontierte Kahr mit den Anschuldigungen. Über einen Anwalt lässt er ausrichten, dass «die erhobenen Vorwürfe samt und sonders aus der Luft gegriffen sind und kein einziger der genannten Vorfälle jemals stattgefunden hat».

«Sodom und Gomorrha»

Nicola Werdenigg, die im November als erste ehemalige ÖSV-Athletin auspackte, will von den Übergriffen jedoch gewusst haben. Sie lässt kein gutes Haar an Kahr und Sailer. «Die zwei haben in den Betrieb der Serviceleute und der anderen Trainer Sodom und Gomorrha reingebracht. Es gab keine Grenzen mehr. Da war nichts mehr so, wie es in einem Umfeld im Sport sein sollte», wird sie zitiert.

Kahr, für den die Unschuldsvermutung gilt, war von 1967 bis 1970 Chef-Trainer der ÖSV-Frauen. Danach ging er nach England. 1972 kehrte er als Männer-Abfahrtstrainer zurück, ehe er 1976 zum Chef-Betreuer aufstieg. 1985 trat er zurück.

(heute.at)