Abfahrt in Lake Louise

24. November 2012 12:45; Akt: 24.11.2012 23:03 Print

Grösste Schweizer Schlappe aller Zeiten

Der Norweger Aksel Lund Svindal verhinderte in der ersten Weltcup-Abfahrt des Winters einen doppelten Erfolg der Österreicher. Derweil kassieren die Schweizer die grösste Schlappe aller Zeiten.

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Silvan Zurbriggen war als 24. noch der beste seiner schwer geschlagenen Mannschaft. «Wir bewegen uns auf dünnem Eis», hatte Cheftrainer Osi Inglin im Verlauf der Woche gesagt, nachdem die Nachricht bekannt geworden war, dass Beat Feuz für die gesamte Saison ausfallen würde. Ohne den zurückgetretenen Didier Cuche und ohne Feuz, den Shootingstar des letzten Winters, das wusste Inglin, würde die Aufgabe schwer. Vor einem Jahr hatte Cuche vor Feuz zum Saisonstart in Lake Louise gewonnen. Doch ohne diese beiden setzte es nun eine historische Niederlage ab.

So weit hinten war der bestklassierte Schweizer Abfahrer in der ganzen Weltcup-Geschichte noch nie anzutreffen. Das bin anhin schlechteste Ergebnis datiert aus dem Jahr 1995, als Bruno Kernen als bester Swiss-Ski-Fahrer in Kitzbühel auf Platz 21 gelandet war. Das ist ein besonders harter Schlag, vor allem auch wenn bedenkt, dass in den letzten drei Jahren der beste Schweizer Abfahrer nie schlechter als Vierter war.

Défago auf dem Schuh ausgerutscht

Aber eben, das Eis ist dünn geworden. Sinnbildlich dafür steht Didier Défago, der derzeit wohl beste Schweizer Abfahrer, der durch einen schweren Fehler nach hinten durchgereicht wurde. «Ich bin mit dem Schuh auf den Schnee gekommen», erklärte Défago sein Malheur. Défago kam weit von der Linie ab und verlor jeglichen Schwung für die folgende Fläche. Der Romand büsste über 4 Sekunden ein und wurde in die hintersten Regionen der Rangliste verwiesen.

Silvan Zurbriggen verlor als bester Schweizer über zwei Sekunden. «Wenn du mit Startnummer 4 als Vierter ins Ziel kommst, weisst du gleich Bescheid», erklärte der Walliser. «Einen grossen Fehler habe ich eigentlich nicht begangen, aber bei diesen weichen Verhältnissen war ich einfach schlicht zu langsam. Die einfachen Stellen bereiten mir noch am meisten Mühe.» Dennoch: Zurbriggen glaubt sich auf gutem Weg, zumindest auf einem weit besseren als in der verpatzten letzten Saison. «Bei anderen Schneeverhältnissen kann sich die Sache schnell ändern.»

Der Glarner Patrick Küng war noch der einzige Schweizer, der mit seinem Abschneiden einigermassen zufrieden sein durfte. In seinem ersten Rennen nach seinem im Februar erlitten Kreuzbandriss reichte es ihm als 28. immerhin zu ein paar Weltcuppunkten. «Ich hatte zuletzt Hüftprobleme und zudem auch das Pech, dass bei meiner Fahrt die Sonne hinter den Wolken verschwand. Aber natürlich will auch ich eigentlich viel weiter vorne sein.»

Einen ratlosen Eindruck hinterliess Carlo Janka, der wie schon im Training weit hinterher fuhr. «Zuletzt beim Training in Copper Mountain hatte ich mich auf gutem Weg gewähnt, doch jetzt tappe ich in der Abfahrt bezüglich der Abstimmung wieder völlig im Dunkeln.»

Svindal in einer eigenen Liga

Dominiert wurde das Rennen von Super-G-Olympiasieger Aksel Lund Svindal, für den Lake Louise zu seinen liebsten Destinationen zählt, was seine Erfolge anbelangt. Dreimal hatte er hier schon einen Super-G für sich entschieden, nun triumphierte er in den kanadischen Rocky Mountains erstmals auch in einer Abfahrt. Der knapp 30-jährige Norweger fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden. 64 Hundertstel nahm er dem zweitplatzierten Kärntner Max Franz ab. Svindal hatte im letzten Training schon Bestzeit gefahren. «Da habe ich gemerkt, dass etwas möglich ist. Ich wollte meine Chance nutzen und fuhr voll auf Risiko. Im Steilhang wäre es beinahe schief gegangen», erzählte Svindal lachend. In Lake Louise errang Svindal vor sieben Jahren den ersten seiner inzwischen 17 Weltcup-Siege.

Der erst 23-jährige Kärntner Max Franz unterstrich, dass seine Bestzeit im ersten Training kein Zufall gewesen war. Der Neffe des einstigen Abfahrer Werner Franz schaffte es erstmals aufs Podest, nachdem er in der Abfahrt bisher mit dem 13. Rang von Kitzbühel, herausgefahren im letzten Winter, zu Buche stand. Im Super-G war Franz schon zweimal Fünfter.

Zwei Athleten mit höheren Nummern sorgten für die Überraschungen. Der Amerikaner Marco Sullivan, vor knapp fünf Jahren Sieger der Weltcup-Abfahrt von Chamonix, inzwischen aber in die hinteren Gefilde der Weltrangliste verdrängt, schaffte es mit Nummer 42 aufs Podest, zeitgleich mit dem Österreicher Klaus Kröll, dem Abfahrts-Weltcupsieger der vergangenen Saison. Kröll hatte sich im April beim Motocrossfahren den Fusswurzelknochen im rechten Bein gebrochen, weshalb er erst im Oktober wieder auf die Ski stehen konnte. Jubeln durften sie aber auch im kleinen deutschen Team. Tobias Stechert, mit Nummer 32 gestartet, fuhr auf den 5. Platz und damit erstmals in die Top 10. In der Abfahrt war der Oberstdorfer noch nie über Rang 18 hinausgekommen.

Lake Louise (ka). Weltcup-Abfahrt der Männer:
1. Aksel Lund Svindal (No) 1:48,31.
2. Max Franz (Ö) 0,64 zurück.
3. Marco Sullivan (USA), Klaus Kröll (Ö) 0,66.
5. Tobias Stechert (De) 0,85.
6. Erik Guay (Ka) 1,17.
7. Guillermo Fayed (Fr) 1,21.
8. Dominik Paris (It) 1,24.
9. Kjetil Jansrud (No) 1,28.
10. Johan Clarey (Fr) 1,53.
11. Florian Scheiber (Ö) 1,55.
12. Joachim Puchner (Ö) 1,58.
13. Adrien Théaux (Fr) 1,59.
14. Peter Fill (It) 1,65.
15. Johannes Kröll (Ö) 1,78.
Ferner: 24. Silvan Zurbriggen (Sz) 2,18. 28. Patrick Küng (Sz) 2,36. 47. Vitus Lüönd (Sz) 3,50. 51. Carlo Janka (Sz) 3,87. 53. Marc Gisin (Sz) 3,97. 57. Didier Défago (Sz) 4,30. 58. Christian Spescha (Sz) 4,33. 59. Tobias Grünenfelder (Sz) 4,66.
69 Fahrer gestartet, 62 klassiert; ausgeschieden: u.a. Sandro Viletta (Sz).

(si)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter M. am 26.11.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Dilettanten auf Bretter.

    Schweizer Skifahrer kann man höchstens nur noch für einheimische Brillenwerbung gebrauchen. Skifahrer ist eigentlich auch schon falsch. Eher Schweizer Dilettanten auf Bretter.

  • Nopanic am 25.11.2012 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Jo mei...

    ...dann gibts halt mal eine oder zwei Saisons ohne Schweizer in den vorderen Rängen. Die kommen dann schon wieder.

  • Henryman am 24.11.2012 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Segeln und Tennis

    Eben! Sind wir nicht eine Tennis- und Segelnation?

  • Skilehrer am 24.11.2012 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg mit der alten Gardr

    Alte Garde durch B + C Kader ersetzen und Leistungslohn einführen. Qualifikationen vor wichtigen Rennen auslassen und Druck auf aktuelle Termine setzen.

  • Obito am 24.11.2012 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das war ein Schlag ins Gesicht

    Ohne Feuz und Cuche wird das nix dieses Jahr. Mann, vor uns liegt wohl der schlechteste Wintersportwinter dieses Jahrtausends.

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