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07. Januar 2015 15:06; Akt: 07.01.2015 15:06 Print

Hier lauert bei einem Skisprung die Sturzgefahr

Skispringen ist ein gefährlicher Sport. Stürze passieren oft und haben nicht selten gravierende Folgen. Die Gefahren lauern primär in der Luft und bei der Landung.

Simon Ammann stürzt in Bischofshofen bei der Landung, weil er zu viel Vorlage hat. (Quelle: srf.ch)
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Angesichts der Steilheit von Anlauf und Aufsprungfläche einer Skisprungschanze scheint es nur logisch, dass mit so einem Sprung erhebliche Risiken verbunden sind. Dazu fliegt ein Skispringer je nach Grösse der Schanze vier bis acht (Skifliegen) Sekunden durch die Luft. Für Zuschauer ist kaum nachzuvollziehen, was während eines Sprungs beim Athleten alles passiert.

Ein Skisprung kann grundsätzlich in drei Phasen unterteilt werden: Anfahrt und Absprung, Flug sowie Landung und Auslauf. Jede Phase ist für einen gelungenen, sprich weiten und gut bewerteten Sprung wichtig.

Anfahrt und Absprung

Die Anfahrt auf den Schanzentisch ist insofern wichtig, als dass die Geschwindigkeit beim Absprung grossen Einfluss auf die Sprungweite hat. Eine tiefe Hocke mit möglichst geringem Luftwiderstand ist hier gefragt. Die Position ist aber von Springer zu Springer ein bisschen verschieden, weil der Absprung aus der Hocke heraus sowohl so kraftvoll wie möglich als auch perfekt getimet sein muss. Die Springer müssen also die Position finden, die ihnen den optimalen Krafteinsatz beim Absprung ermöglicht.

Beim Absprung selbst ist das Timing entscheidend. Ziel ist es, den Schanzentisch zu treffen, also die ganze Kraft präzise in dem Moment einzusetzen, wenn die Skier die Absprungkante erreichen. Ist der Druck zu früh da, erfolgt der Absprung vor der Kante, ist er zu spät dran, verpufft die Kraft ohne Gegendruck in der Luft und der Springer kann sich nicht in die Höhe drücken. In beiden Fällen gehen Tempo, Flughöhe und damit Weite verloren.

Flugphase

Ist der Springer in der Luft, muss er so schnell wie möglich die Flugposition finden. Der Körper wird durchgestreckt und nach vorne gelehnt. Die Ski werden zum Körper gezogen und in die bekannte V-Position geöffnet. Die Arme liegen nach hinten gestreckt am Körper und die Hände dienen während des Flugs dazu, die Position zu stabilisieren oder zu korrigieren.

Landung und Auslauf

Für die Landung bringt der Springer die Ski aus der V-Position wieder parallel unter seinen Körper, dieser richtet sich auf. Für gute Haltungsnoten muss der Sprung in einem so genannten Telemark gelandet werden. Das heisst, der Springer macht beim Aufsetzen auf dem Schnee einen Ausfallschritt und fährt so den Landehang hinunter. Je weiter ein Sprung geht, umso schwieriger ist eine Telemarklandung, oft setzen die Springer dann mit den Füssen parallel nebeneinander auf, weil das stabiler und sicherer ist.

Die Gefahren

Die Anfahrt in der fixen Spur ist grundsätzlich kein Problem, beim Absprung kann aber bereits einiges schieflaufen. Ist der Springer zu früh dran, kann es passieren, dass er in der Luft in Rücklage gerät und so seine Flugposition nicht findet und sich nach hinten überschlägt. Ist er zu spät, drückt er womöglich die Ski nach unten weg, statt sie zum Körper zu ziehen. Er würde dann zu viel Vorlage bekommen und könnte sich nach vorne überschlagen.

Im Flug selber ist eine Gefahr, dass der Springer seine Position nicht findet, weil er zum Beispiel etwas Schieflage hat und in eine Fluglage kommt, die er nicht mehr richtig kontrollieren und sauber landen kann. Immer wieder sieht man bei Skisprung-Wettkämpfen auch, dass unter schwierigen Windbedingungen gesprungen wird. Von unberechenbaren Windböen geht für die Springer in solchen Momenten eine gewisse Gefahr aus, wobei bei zu prekären Verhältnissen normalerweise gar nicht gesprungen wird. Packt eine Böe aber einen Springer in der Luft, ist er dieser praktisch wehrlos ausgesetzt.
Thomas Morgenstern verliert die Kontrolle über seinen Flug und stürzt schwer. (Quelle: youtube.com)

Die grösste Sturzgefahr besteht aber bei der Landung. Hier kann der Springer zu viel Vorlage haben und Kopf voran über seine Skier hinwegstürzen. Bei zu viel Rücklage können ihm die Skier auch unter dem Körper wegrutschen. Kommen die beiden Latten nicht sauber parallel im Schnee auf, passiert es immer wieder, dass sich eine oder beide verkanten und dem Springer die Beine nach aussen wegreissen oder zusammenknallen und so Stürze auslösen. Oder der Athlet landet nicht ganz sauber und verliert das Gleichgewicht.
Adam Malysz verkantet nach der Landung ein Ski und er stürzt. (Quelle: youtube.com)

Vor einiger Zeit haben sich drei Redaktoren von 20 Minuten auf eine Skisprungschanze gewagt und am eigenen Leib erfahren, wie schwierig Skispringen ist und wie leicht man dabei zu Fall kommen kann:

(ofi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 07.01.2015 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Scharfsinnige Analyse

    "Die Gefahren lauern primär in der Luft und bei der Landung." - Na das hätte ich jetzt aber nicht gedacht. Ich habe vermutet das die grösste Verletzungsgefahr davon ausgeht zur Schanze hoch zu kommen...Nein, ernsthaft: Skispringen ist nun mal eine gefährliche Sportart. Jeder weiss das, vor allem die, welche diesen Sport betreiben. Trotzdem ist es natürlich nicht schön so einen Sturz mit ansehen zu müssen. Gute Besserung Simi!

  • Alpin Fahrer am 07.01.2015 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Echt?

    Dachte bisher immer, die grösste Gefahr lauere bei der Blumenstrauss- und Medaillenübergabe. Es könnte ja ne Biene auf der Blüte sitzen oder die Ehrendame Pfnüsel haben.

  • S.Kispringer am 07.01.2015 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN???

    Die Gefahren lauern primär in der Luft und bei der Landung. AHA. Vielen Dank für diese Information.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Skispringer am 08.01.2015 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung vom Skispringen

    Sorry, aber weder der Autor des Berichtes noch die meisten Kommentar Schreiber haben eine Ahnung vom Skispringen. Das Risiko im Skispringen ist nicht speziell hoch. Skifahren auf der Skipiste zum Beispiel ist deutlich gefährlicher. Es passieren auch sehr selten gravierende Unfälle. Es ist für den Skisprungsport nicht sehr hilfreich wenn solche Berichte geschrieben werden. Im Nächsten Bericht jammert ihr dann wieder dass es keinen Nachwuchs hinter Simon gibt.

  • Koi Splunski am 07.01.2015 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stabilitätsstab

    Schuld ist vielleicht auch der Stabilitätsstab hinten bei der Bindung dadurch verkandet es ein wenig bei der Landung.

  • Hanspeter Strehler am 07.01.2015 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Simon Ammanns Frau geschockt

    Eine Frage stellt sich, wieso haben sich die Sanitäter nicht um die Frau und das Baby von Simon Ammann gekümmert, als Simon verunglückte??? Die Frau war offensichtlich geschockt!!!

  • Hi Hi am 07.01.2015 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    landen

    springen kann er vielleicht aber das mit dem landen muss er sich noch von den Österreichern abschauen

  • Ab Sturz am 07.01.2015 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter, höher, schneller!

    Das kommt davon, wenn man ständig über den K-Punkt einer Schanze springt. So ist eine sichere Landung eben eine Lotterie.