Knie kaputt

21. November 2012 13:08; Akt: 21.11.2012 19:03 Print

Beat Feuz muss Saison beenden

Beat Feuz, der Gesamtweltcup-Zweite 2011/12, muss die Ski-Saison beenden. Sein linkes Knie ermöglicht keine weiteren Einsätze in diesem Winter. Erklärbar ist die Entzündung weiterhin nicht eindeutig.

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Beat Feuz ist am 11. Februar 1987 geboren und wächst in Schangnau im Berner Emmental auf. 1994 gelingt ihm auf der Elsigenalp in einem Animationsrennen der erste offizielle Sieg. 2005 und 2007 wird Feuz von der Schweizer Sporthilfe zum Nachwuchsathleten des Jahres gekürt. Mit 19 Jahren bestreitet der Berner im Jahre 2006 auf der Reiteralm sein erstes Weltcuprennen. Beim Weltcupfinale 2007 auf der Lenzerheide gewinnt Feuz als 14. der Abfahrt die ersten Weltcup-Punkte. An der Junioren-WM 2007 in Flachau wird Feuz dreifacher Weltmeister. Er holt Gold in der Abfahrt, dem Super-G und der Super-Kombination sowie Bronze im Slalom. Im gleichen Jahr wird der Berner an der Sportnacht Davos mit einem Award ausgezeichnet. In den Saisons 2007/08 und 2008/09 wird Feuz vom Pech verfolgt. Er verpasst sie wegen Knieverletzungen. Feuz kämpft sich zurück und feiert im März 2011 mit dem Abfahrtssieg in Kvitfjell seinen ersten Weltcupsieg. Erst 24-jährig gewinnt der Berner im Januar 2012 bereits die Lauberhornabfahrt. Es ist sein dritter Weltcupsieg. An seinem 25. Geburtstag siegt Feuz bei der Olympia-Hauptprobe in Sotschi. Er bekommt am 11. Februar 2012 den Abfahrts-Siegerpokal aus den Händen des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew überreicht. Der fünfte Weltcupsieg des Berners datiert vom 2. März 2012. Feuz gewinnt den Super-G in Kvitfjell. Feuz verliert den Kampf um den Gesamtweltcup 2011/12 gegen Marcel Hirscher erst im zweitletzten Saisonrennen. Kurz nach dem Saisonende muss Feuz am linken Knie operiert werden. Die Probleme entstanden aus einem Knochenanriss. Seither erlitt er immer wieder körperliche Rückschläge. Für Sölden (Saisonauftakt 2012/13) muss er kurzfristig absagen, die Untersuchung ergab, dass Feuz an einer Entzündung im linken Kniegelenk mit starker Flüssigkeitsbildung leidet. Am 31. Oktober 2012 wird klar: Es braucht eine mehrwöchige Trainingspause. Der Schock für Beat Feuz kommt am 21. November 2012: Aufgrund seines entzündeten linken Knies muss er die Saison 2012/13 schon beenden, bevor er ein Rennen bestritten hat. Die Ursache für die Entzündung ist weiterhin unklar.

Die Karriere von Beat Feuz.

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Die Saison 2012/13 ist für Beat Feuz beendet, bevor sie für ihn überhaupt begonnen hat. Statt auf der Skipiste zum Speed-Auftakt in Lake Louise befindet sich der Gesamtweltcup-Zweite des letzten Winters wegen einer Entzündung im linken Knie seit drei Wochen im Spital.

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«Im Moment ist es nicht möglich eine Prognose abzugeben, wann Beat das Spital verlassen kann. Geschweige denn, wann er wieder auf den Ski steht», so Lorenz Liechti Torre, Leiter Kommunikation von Swiss-Ski. Feuz, der selber derzeit keine Interviews gibt, entschloss sich deshalb nach Absprache mit den Ärzten, seine Saison bereits jetzt zu beenden.

Hoffnungen jäh zerschlagen

Noch vor einem Monat hatte sich Feuz trotz stark reduzierter Vorbereitung noch grosse Hoffnungen gemacht, plangemäss mit dem Riesenslalom in Sölden in den Winter steigen zu können. Der 25-jährige Emmentaler reiste nach Österreich an, verzichtete danach aber am 28. Oktober kurzfristig auf einen Einsatz. Nun ist Feuz seit fast drei Wochen in Bern hospitalisiert - zuerst im Salem-Spital, seit vergangenem Wochenende im Inselspital. «Die Verlegung wurde unumgänglich, weil die Situation so komplex geworden war. Im Inselspital sind alle Spezialisten vorhanden, die Beat benötigt», sagt Liechti Torre. In Feuz' Fall wurden Spezialisten aus den Disziplinen Orthopädie, Hämatologie, Infektiologie, Gefässchirurgie, Radiologie und interventionelle Radiologie zugezogen.

Feuz' drei Probleme

Gemäss Dr. Matthias Zumstein, dem seit der Verlegung ins Inselspital zuständigen Arzt, hat Feuz drei Probleme. «Erstens handelt es sich um diese Entzündung, bei welcher wir nicht genau wissen, ob es eine Infektion war oder eine starke Reaktion auf den Bluterguss», so Dr. Zumstein. Der Leitende Arzt Universitätsklinik für Orthopädie am Inselspital Bern führt als weitere Punkte die sogenannten «Micro-Aneurysmen (Gefässerweiterungen - Red.) an, die mit einem Katheter von der Leiste aus mittels Mikrospiralen verschlossen werden konnten. Zudem hat Beat Feuz eine leichte Blutungsneigung.»

Deshalb habe der Patient auch «Blutplättli» zugeführt bekommen, sagt Zumstein. Der Patient befinde sich in einem stabilen Zustand. «Die Entzündungswerte gehen runter, das ist positiv.» Es gelte aber, so der zuständige Arzt, abzuwarten und «Schritt für Schritt zu nehmen. In der Skisprache würde ich sagen, dass Beat Feuz eine gute Zwischenzeit hat, aber es ist noch ein weiter Weg ins Ziel.»

Angesprochen darauf, ob diese neuerliche Verletzung im linken Knie im schlimmsten Fall gleichbedeutend mit dem Karriereende für Beat Feuz sein kann, sagt Dr. Zumstein: «Die Hoffnung ist gross, dass Beat Feuz wieder wird Rennen fahren können. Er hat in der Vergangenheit schon bewiesen, dass er den nötigen Willen dazu hat. Doch versprechen kann man es zum jetzigen Zeitpunkt aus ärztlicher Sicht nicht.»

Lange Liste an Verletzungen

Feuz hatte in seiner Karriere immer wieder mit (Knie-)Verletzungen zu kämpfen, die er oftmals kurz vor Saisonbeginn erlitt. Ende November 2003 brach er sich beim Riesenslalom-Training in Davos die Kniescheibe. Gerade das linke Knie von Feuz gilt schon seit längerem als seine «Schwachstelle»: Ende September 2007 riss er sich im Abfahrtstraining in Zermatt ohne zu stürzen das vordere Kreuzband, dazu wurde auch der Innenmeniskus am linken Knie beschädigt. Feuz verpasste daraufhin die gesamte Saison. Das gleiche Pech ereilte ihn ein Jahr später erneut. Im Abschlusstraining zur Abfahrt von Lake Louise zog sich der Berner einen Korbhenkelriss am Innenmeniskus am linken Knie zu, wodurch er auch den Weltcup-Winter 2008/09 vorzeitig abhaken musste.

Danach blieb Feuz während zwei Jahren von Verletzungen verschont. Zwar musste er sich Ende November 2010 nach der Weltcup-Abfahrt in Lake Louise (18. Platz) einer Arthroskopie am linken Knie unterziehen. Doch der Berner bestritt schon im Januar wieder Rennen und im März gelang ihm mit dem ersten Sieg (in der Abfahrt von Kvitfjell (No) der endgültige Durchbruch auf höchster Stufe. Im letzten Winter kämpfte er bis zuletzt gegen den späteren Sieger Marcel Hirscher (Ö) um die grosse Kristallkugel. Dies obwohl er in der zweiten Saisonhälfte oft nur mit Schmerzmitteln fahren konnte, da ihm das (linke) Knie erneut weh tat.

Fischöl-Injektionen im Herbst

Feuz, der letzte Saison vier Rennen gewann und insgesamt 13-mal auf dem Podest stand, hatte sich erst nach dem Weltcup-Finale in Schladming im linken Knie einen Knochenabriss fixieren lassen. «So weit ich das beurteilen kann, gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen seinen jetzigen Problemen und denjenigen im letzten Winter», so Dr. Matthias Zumstein. Restbeschwerden der Operation im Frühling verhinderten im Juli allerdings den plangemässen Einstieg mit dem Skitraining. Im Trainingslager in Ushuaia (Arg) schliesslich verletzte sich der Emmentaler gleich nochmals an seinem Problemgelenk. Ein Knorpel- und Meniskusschaden wurde diagnostiziert. Danach suchte Feuz Hilfe bei Dr. Rolf Hohmeister in Bad Ragaz, der mit seinen sogenannten Fischöl-Injektionen in der Vergangenheit bei Sonja Nef gute Dienste hatte leisten können. Feuz' Knie allerdings scheint gerade diese Therapie nicht vertragen zu haben.

(si)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FlurinaGR am 21.11.2012 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit geht vor

    Richtiger Entscheid, lieber das Knie heilen lassen als noch mehr kaputt machen. Ist keine Olympiasaison. Gute Genesungswünsche an Beat Feuz!

  • Christian Zahnd am 21.11.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Besserung

    Ich hoffe das dein Knie wieder 100% fit wird und du in der nächsten Saison wieder erfolgreich Rennen fahren kannst.

  • Renatio Wyss am 21.11.2012 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Saison zum Abhaken

    Das wird die Skination Schweiz schmerzlich treffen. Wir sind ja nicht mehr allzu gut bestückt mit exzellenten Skifahrer. Herr Cuche hat sich würdig verabschiedet, die Herren Janka und Albrecht haben Probleme. Und Didier Defago wird auch nicht jünger. Wir müssen uns auf eine leider erfolglose Saison gefasst machen. Auf diesem Weg gute Besserung Beat Feuz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • XIINCH am 21.11.2012 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute aus Österreich

    Gute Besserung auch aus Österreich - die ganze Nation hofft auf eine baldige Wiederkehr. Wer wenn nicht die Schweiz - und vorallem Sie Herr Feuz - liefert uns packende Duelle und spannende Entscheidungen!

  • Besserung am 21.11.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gute

    hoffentlich kommt er wieder auf die Beine! Gute Besserung

  • cj am 21.11.2012 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Carlo Janka

    Jetzt müssen sich die Trainer wieder vermehrt um Janka kümmern und können ihn nicht mehr links liegen lassen. Trotzdem wünsche ich Beat natürlich alles Gute, denn er wird uns bestimmt fehlen.

  • FlurinaGR am 21.11.2012 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit geht vor

    Richtiger Entscheid, lieber das Knie heilen lassen als noch mehr kaputt machen. Ist keine Olympiasaison. Gute Genesungswünsche an Beat Feuz!

  • ibkm am 21.11.2012 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GUTE BESSERUNG!

    Wie auch immer die Saison 12/13 ausfallen mag ist in solchen Momenten absolut sekundär. Jetzt steht die Gesundheit eines Menschen im Vordergrund. Wir, IBKM, wünschen dir Beat Feuz ganz einfach GUTE BESSERUNG!

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