Skiflug-WM

20. März 2010 12:25; Akt: 20.03.2010 12:25 Print

Ammann ist Skiflug-WeltmeisterAmmann ist Skiflug-Weltmeister

Simon Ammann hat in Planica seine unglaubliche Saison gekrönt. Nach Doppelgold bei Olympia und dem Gewinn des Gesamtweltcups wird der Toggenburger auch Skiflug-Weltmeister.

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1993: Früh übt sich, wer ein Meister werden will: Schnappschuss aus dem privaten Fotoalbum der Familie Ammann aus dem Jahre 1993. 1997: Im zarten Alter von 16 Jahren sprang Simon Ammann aus Unterwasser beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee 1997 erstmals in die Weltelite. 1998: Ein Schnappschuss - blutjung streichelte Simon sein geliebtes Arbeitsgerät. 1999 - Simon Ammann belegte hinter Sieger Sylvain Freiholz und Marco Steinauer den 3. Platz an den Schweizermeisterschaften. 2002 - Ammann stürzte kurz vor Olympia beim Springen in Willingen schwer ... ... die Verletzungen waren aber nicht so gravierend wie befürchtet, der Start in Salt Lake war nicht gefährdet. Die Schweizer Skispringer von links, Freiholz, Küttel und Ammann kurz vor dem Olympia-Start in Salt Lake City. Das 1. Gold: Simon Ammann verwies Sven Hannawald, links, und Adam Malysz auf der K90-Schanze auf die Plätze. Bei der Siegerehrung liess sich Simon Ammann feiern und Harry Potter war geboren. Aber nicht genug damit, Ammann räumte gleich richtig ab und holte sich auch noch den Sieg auf der Grossen Schanze - Doppelolympiasieger 2002. Zurück in der Schweiz erwartete den Doppel-Olympiasieger ein Bad in der Menge auf dem Flughafen Zürich Kloten. Simon Ammann war ein gefragter junger Mann, bei der Sendung «Wetten dass..?» fühlte sich auch die kolumbianische Sängerin Shakira vom Schweizer angezogen. Auch die Confiseure liessen sich von Ammanns Erfolg inspirieren und feierten vorzeitig Ostern. In Oslo feierte Ammann dann nach den Spielen seinen ersten Weltcup-Sieg und bestätigte seine zwei Goldmedaillen von Salt Lake. Trotz den Erfolgen verlor Simon Ammann nie den Kontakt zur Basis und gab dem Nachwuchs wichtige Tipps. Höhepunkt auf Höhepunkt folgte nach dem Doppelsieg bei Olympia, aber als Testfahrer bei F1-Mann Peter Sauber wollte er sich dann doch nicht melden. Auch beim Sports Awards 2002 räumte Simon Ammann ab und bekam von Altmeister Walter Steiner die Auszeichnung überreicht. 2003: Simon Ammann versucht sich zwischendurch mal als Fussballer, natürlich nur für wohltätige Zwecke. 2004: Der Überflieger musste ins Militär einrücken. 2005: Simon Ammann zeigte sich an einer Presseorientierung auf der neuen Skisprungschanze in Einsiedeln mit neuer Brille und neuem Haarschnitt. Beim Superzehnkampf 2005 machte Simon Ammann beim Einlaufen schmerzhafte Bekanntschaft mit der hängenden Kamera... 2006: Bei den Olympischen Spielen in Turin kam Simon Ammann nicht auf Touren und blieb weit unter seinen Möglichkeiten. Der Doppel-Olympiasieger von Salt Lake 2002 stürzte in Turin ab. Ammann beendete das Seuchenjahr doch noch mit einem Vollerfolg - 2. Weltcupsieg in Lillehammer und dank Andreas Küttel gleich noch ein Schweizer Doppelsieg. 2007: Simon Ammann beendete die Vierschanzentournee auf dem 3. Platz. Er zeigte sich zurecht stolz auf seine errungene Trophäe. Ammann war wieder auf den Geschmack gekommen - An der WM in Sapporo sicherte sich Simon Gold auf der grossen Schanze ... ... und legte auf der Normalschanze gleich noch die Silbermedaille drauf. Die Weltcup-Saison 06/07 schloss Simon Ammann erstmals auf dem Podest ab, hinter dem Norweger Jacobsen, links, und Gesamtsieger Adam Malysz aus Polen belegte Amman den 3. Schlussrang. 2008: Simon Ammann gewinnt das Heimspringen in Engelberg. 2009: Bei der Vierschanzen-Tournee belegte Simon Ammann den 2. Schlussrang, nur von Wolfgang Loitzl geschlagen. Der nächste Höhepunkt folgte bei der WM in Liberec: Simon Ammann gewann auf der 100m-Schanze die Bronzemedaille. Zum Saisonausklang sicherte sich Ammann noch den 2. Platz im Gesamt-Weltcup, hinter Schlierenzauer, aber noch vor Tournee-Sieger Loizl. Ehre, wem Ehre gebührt: Simon Ammann bei der Taufe der 77m Schanze in Einsiedeln, welche seinen Namen trägt. Zum Aufgalopp in die Olympiasaison gewann Simon Ammann 2010 erstmals den Sommer-GP und setzte ein erstes Zeichen für sich und seine Gegner. Bis zu den Olympischen Spielen lieferten sich Ammann und Gregor Schlierenzauer ein heisses Rennen um den Gesamtsieg im Weltcup, der erst nach Vancouver 2010 entschieden sein wird. Und dann kam der grosse Auftritt auf der Normalschanze - Simon Ammann zauberte zwei perfekte Sprünge aufs Parkett und sicherte sich sein drittes Gold an Olympischen Spielen. Das musste gefeiert werden, natürlich im House of Switzerland - wo denn sonst? Nur eine Woche nach dem Sieg auf der Normalschanze doppelte Simon Ammann auf der Grossschanze nach und holte wie 2002 den Doppel-Olympiasieg. 4x Gold bei Olympia - Simon Ammann hat gut lachen :-) Auch nach Olympia ritt der Toggenburger weiter auf der Erfolgswelle. Ammann reihte Sieg an Sieg und holte als erster Schweizer den Gesamt-Weltcup 2010. Zum Abschluss seiner Traumsaison wurde Ammann in Planica dann auch noch Weltmeister im Skifliegen. Mit 236,5 Meter flog er nur 2,5 Meter am Weltrekord vorbei. An der nordischen Ski-WM 2011 auf dem Holmenkollen flog Ammann zu Bronze auf der Grossschanze.

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Simon Ammann hat seinem unvergleichlichen Winter mit dem Gewinn des Skiflug-WM-Titels eine weiteres Glanzlicht aufgesetzt. Im ersten Durchgang des Titelkampfes in Planica (Sln) steigerte der Olympiasieger seine persönliche Bestleistung auf 227 Meter. Damit konsolidierte Ammann seine Führung. Im Final setzte der Toggenburger noch einen drauf. Die 236,5 Meter von Ammann bedeuteten den weitesten Flug beider Wettkampftage. Nur 2,5 Meter fehlten, und der beste Skispringer der Gegenwart hätte den fünf Jahre alten Weltrekord des Norwegers Björn Einar Romoeren von 239 Meter egalisiert.

«Absolut phänomenal. Ich bin von meinen Gefühlen überwältigt. Am Schluss des vierten Fluges vermisste ich etwas den Druck. Ich bin dankbar, dass ich einen solchen Sprung erleben durfte», erklärte Ammann nach dem Gewinn des Skiflug-Titels. Ammanns Vorgänger aus Schweizer Sicht heisst Walter Steiner. Der «Vogelmensch» hatte den Titel in dieser Disziplin in den Jahren 1972 und 1977 gewonnen. Ammann sprang und flog in dieser Saison in einer eigenen Kategorie. Olympiasieger auf beiden Schanzen, Gewinn des Weltcups, nun der Skiflug-WM-Titel - einzig die Vierschanzentournee fehlt noch in der grossartigen Bilanz des Toggenburgers.

Malysz' Absturz im letzten Durchgang

Für einmal ging der 2. Platz nicht an Adam Malysz. Der Pole hatte nach den beiden Wettkämpfen vom Freitag nur 2,8 Punkte Rückstand auf Ammann aufgewiesen. Insbesondere der vierte Einsatz von Malysz geriet nach Problemen in der Luft mit 211,5 Meter zu kurz. Der Pole fiel deshalb auf den vierten Platz zurück. Im Aufwind befand sich dafür Gregor Schlierenzauer (Ö). Der Vorgänger Ammanns als Skiflug-Weltmeister steigerte sich enorm und kam dank seinen 230 Meter im vierten Durchgang noch zum Gewinn der Silbermedaille. Bronze ging an Anders Jacobsen (No) mit lediglich 0,4 Punkten Vorsprung auf Malysz.

Eine bemerkenswerte Leistung gelang Antonin Hajek. Der 23 Jahre alte Tscheche flog im Final auf 236 Meter und war mit dieser Weite dafür verantwortlich, dass die Jury den Anlauf verkürzte. Dies kostete Ammann letztlich die Verwirklichung seines grossen Zieles, auch den Weltrekord an sich zu bringen.

Die glorreichen Vier

1972 fand die erste Skiflug-Weltmeisterschaft statt . Simon Ammann ist erst der vierte Athlet, der sowohl an Olympischen Spielen als auch an Skiflug-Weltmeisterschaften Gold im Einzel gewonnen hat. Im gleichen Jahr schaffte das zuvor erst Kazuyoshi Funaki (1998). Allerdings wurde erst zum achten Mal in einer Olympia- Saison auch ein Skiflug-Weltmeister gekürt. Im Gegensatz zu Funaki sicherte sich Ammann auch noch den Gesamtweltcup.

Das Quartett mit dem Double Olympiasieger und Skiflug- Weltmeister kann auch mindestens einen Einzel-Titel an nordischen Ski-Weltmeisterschaften vorweisen. Ammann ist der einzige der glorreichen Vier, dem ein Gesamtsieg an der Vierschanzentournee im Palmares fehlt. Den Gesamtweltcup (erst 1979/1980 eingeführt) holte neben Ammann auch Nykänen - und das gleich viermal.


Planica (Sln). Skiflug-WM. Schlussklassement nach vier Wettkämpfen:
1. Simon Ammann (Sz) 935,8 (236,5)
2. Gregor Schlierenzauer (Ö) 910,3 (230,5)
3. Anders Jabosen (No) 894,0 (227,5)
4. Adam Malysz (Pol) 893,6 (211,5)
5. Robert Kranjec (Sln) 873,5 (222,5)
6. Wolfgang Loitzl (Ö) 865,3 (200)

(pre/si)