Sepp Brunner

21. März 2017 17:16; Akt: 21.03.2017 17:21 Print

«Ich war schockiert»

Illoyales Verhalten nennt Swiss-Ski als Grund für die Entlassung von Sepp Brunner. Der 58-jährige Österreicher blickt auf den bitteren Moment zurück.

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Sepp Brunner ist nicht mehr Trainer der Schweizer Abfahrer. Die Verantwortlichen von Swiss-Ski haben den 58-jährigen Österreicher völlig überraschend entlassen. Als Grund wird illoyales Verhalten genannt.

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«Es wird im Trainerstab Wechsel geben. Konkretes kann ich dazu aber noch nicht vermelden», sagte Stéphane Cattin, der Alpin-Direktor von Swiss-Ski, am Sonntag beim Weltcup-Finale in Aspen gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Zu jenem Zeitpunkt war der Entscheid, Brunner freizustellen, längst gefallen. Der Steirer hatte am Donnerstag in Colorado die Heimreise als entlassener Trainer angetreten.

Die Fahrer, die anderen Coaches von Swiss-Ski und selbst Trainer anderer Nationen wussten über Brunners Freistellung Bescheid - und deshalb bald auch einmal der Boulevard, der in der Ausgabe vom Dienstag in grossen Lettern auf der Frontseite berichtete. Die Chefs von Swiss-Ski aber schwiegen. Von Seiten des Verbandes sollte die Öffentlichkeit von der Entlassung erst erfahren, wenn Brunners Nachfolger bestimmt ist. Eine etwas eigenartige Informationspolitik.

Entlassung kurz vor der Abreise

«Ich war schockiert. Das war unter jeder Würde», blickt Brunner auf den bitteren Moment zurück, in dem er von Cattin den für ihn nicht nachvollziehbaren Bescheid erhalten hat. «Eine Viertelstunde, bevor ich nach dem Super-G ins Auto steigen wollte, teilte mir Stéphane (Cattin) mit, dass ich freigestellt bin. Zeit für ein Gespräch blieb nicht. Das ist eine unmenschliche Art, die ich nie und nimmer verstehen und akzeptieren kann.»

Den Vorwurf der Illoyalität lässt Brunner nicht auf sich sitzen. «Ich bin ein Trainer, der seine Vorstellung umsetzen will. Logisch, dass es da Reibereien gibt. Und dass ich mit Cheftrainer Tom Stauffer nicht immer einer Meinung war, ist auch bekannt. Aber illoyal? Das bin ich nicht.»

Gemäss Cattin hat sich Brunner mehrmals nicht so verhalten, wie er es von den Angestellten von Swiss-Ski erwartet. «Seine Aussagen nach unserem Entscheid, das amerikanische Team im Vorfeld der WM nicht auf der Strecke in St. Moritz trainieren zu lassen, waren nicht der einzige Grund.» Ins Detail mochte Cattin nicht gehen.

«Ich hätte gerne Erklärungen»

Brunner hatte in Bezug auf die Absage an den US-Skiverband (USSA) seine Meinung ebenfalls in der Boulevard-Presse kundgetan. «Das Verhalten gegenüber den Amerikanern ist nicht in Ordnung», sagte er in einem Interview mit dem «Blick». «Im Gegenzug werden sie uns in Zukunft in Copper Mountain nicht mehr trainieren lassen. Ich habe deshalb unseren Chefs mitgeteilt, dass sie im nächsten November vor die Mannschaft stehen können, um zu erklären, warum wir keine guten Trainingsbedingungen mehr haben.» In Copper Mountain in Colorado, rund eine halbe Autostunde von Vail entfernt, unterhält die USSA seit gut fünf Jahren ein nationales Trainingszentrum für die Alpinen.

Brunner hätte gerne Details zu den Vorwürfen erfahren. Die Verbandsspitze ist sie ihm bis heute schuldig geblieben. «Ich hätte gerne Erklärungen. Doch ich habe bisher weder den Präsidenten (Urs Lehmann) noch den Direktor (Markus Wolf) telefonisch erreicht.»

«Brutaler Imageverlust»

Brunner nennt die Entlassung einen «brutalen Imageverlust. Jeder denkt natürlich, dass da etwas ganz Schlimmes vorgefallen sein muss.» Auch den Zeitpunkt der Freistellung sieht er als Handicap, zumal am Ende einer Saison schon viele Planungen, auch betreffend Trainer-Crews, abgeschlossen sind. Allerdings weiss auch Brunner selber, dass der Leistungsausweis für ihn spricht.

Brunner feierte in seiner fast 20 Jahre dauernden Tätigkeit für Swiss-Ski zahlreiche Erfolge. Der von Beat Feuz in St. Moritz gewonnene WM-Titel in der Abfahrt steht am Ende einer langen Liste mit Top-Ergebnissen von Athleten, die mit dem Österreicher zusammengearbeitet haben. Sonja Nef, die er trotz unüberwindlich scheinenden Knieproblemen zur Weltmeisterin und zweifachen Disziplinen-Weltcupsiegerin im Riesenslalom formte, war aus Schweizer Sicht die Erste, die vom Wissen und Können Brunners profitierte. Unter dessen Leitung wurden auch Daniel Albrecht, Carlo Janka, Sandro Viletta und Patrick Küng zu Weltmeistern und/oder Olympiasiegern.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rbcchevzch am 21.03.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre es nicht an der Zeit

    dass man fast alle Verbandsleute von Lehmann angefangen in die Wüste schickt.

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  • ali am 21.03.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz schlechter Stil

    Dieser Urs Lehmann trifft und unterstützt fragwürdige Entscheidungen. Auch sein Stillschweigen ist ganz schlechter Stil.

  • Der Empfinder am 21.03.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Und ewig grüsst das Murmeltier

    Ich kenne ja die genauen Umstände im Swiss-Ski-Verband nicht. Es ist aber augenfällig, dass in regelmässigen Abständen mit ähnlichen Begründungen Entlassungen ausgesprochen werden. Ich empfinde: wer eine anders lautende Meinung als der Verband vertritt ist unerwünscht. Schade: Wenn alle die gleichen Meinungen haben, ist dies nicht sehr förderlich für die Weiterentwicklung einer Organisation. Viele ehemalige Trainer von Swiss-Ski haben im Ausland wunderbare Erfolge vorzuweisen. Lernfähig scheint man nicht zu sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • fb am 22.03.2017 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechnung ohne Wort gemacht

    Habe heute den Einzahlungsschein von swiss ski für die Nachwuchsförderung erhalten. Lieber swiss ski, aufgrund der Kündigung werde ich inskünftig und zusehends darauf verzichten. Nimmt mich Wunder, wer auch noch davon Gebrauch machen wird.

    • Blüemlär am 22.03.2017 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fb

      Solange Lehmann und co am Ruder sind, werde ich ich den SSV nicht mehr unterstützen!!

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  • Leserin54 am 22.03.2017 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was sagt Swiss Ski?

    Und was meint Swiss Ski? Zu Feige um Stellung zu beziehen? Die kompetenten, unbequemen Mitarbeiter kündigt man mit fadenscheinigen Begründungen. Erinnert mich an den aktuellen Führungsstyl made in USA. Traurig und sowas vor Olympia. Ich schäme mich als Skifan für das unmögliche und unsportliche Verhalten von Swiss Ski.

    • Roli, Seeland am 22.03.2017 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leserin54

      Und was meinen die direkt betroffenen Sportler? Angst? Feige? Mir isch glich!! Liebe Athleten meldet euch doch auch bitte.. Habt keine Angst wir sind in der Schweiz und nicht in der Türkei oder Nordkorea. Im schlimmsten Fall entlässt euch der Verband aber ihr könnt ja zB. für Monaco starten für nächste Saison und Olympia

    • Skifan 2017 am 22.03.2017 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      Wer zahlt befiehlt

      @Roli Seeland Wäre alles so einfach wie es angenommen wird! Die Skirennfahrer, das Aushängeschild von SwissSki sind auch den Sponsoren verpflichtet! Tragisch ist, der Lohn der drei Herren an der Spitze von SwissSki wird hauptsächlich durch Sponsorengelder oder durch Beiträge der Athleten etc. generiert! Warum gilt hier nicht wer bezahlt befiehlt! Aber vielleicht muss man nur abwarten und Tee trinken. Unüberlegte Schnellschüsse macht nur die Chefetage von SwissSki!

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  • Anonym am 22.03.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Knebelvertrag

    Dies ist bereits seit Jahren gang und gäbe im Swiss-ski, spreche leider aus Erfahrung (auch in den anderen Disziplinen). Athleten und Trainer dürfen sich nicht negativ über Entscheide äussern, schon gar nicht öffentlich und intern verliert man leider nur. So wird es Schrittweise bergab gehen, denn konstruktive Kritik ist der einzige Weg um besser zu werden.

  • Roli, Seeland am 22.03.2017 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldhahn zudrehen..

    Herr Lehmann&CO treten Sie bitte sofort ab! Sie können dann sagen sie hätten sich auf Druck beugen müssen und nicht weil sie unfähig gewesen waren..

  • b.w. am 22.03.2017 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh je wird immer schlimmer

    alle die Mitglieder von Swiss-Ski sind sollten kündigen mit dem vermerk Lehmann und Co. sind nicht mehr tragbar. Wenn das Geld in der Kasse fehlt wird dies vielleicht gehen. Und was heisst erst wenn der Trainernachfolger gewählt ist wird gesagt warum,! ist der auch mitschuldig an dieser Situation.