Slalom-Ass Gini

08. November 2012 08:00; Akt: 08.11.2012 08:01 Print

«Ich war nahe am Verzweifeln»

von Sandro Compagno - Heute Donnerstag feiert Marc Gini seinen 28. Geburtstag. Am Sonntag in Levi gibt der Slalomfahrer sein Comeback - 19 Monate nach dem letzten Rennen.

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Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Marc Gini! Was wünschen Sie sich?
Marc Gini:
Ich wünsche mir, dass ich die Saison 2012/13 erfolgreich beenden kann. Das heisst: mit wenig Schmerzen. Das ist mein grösster Wunsch.

Das klingt für einen Spitzensportler einigermassen bescheiden.
Ja, das mag für Sie so tönen. Für mich aber wäre es eine Riesen-Sache.

Sie haben Ihr letztes Rennen im März 2011 bestritten. Wissen Sie noch, wie es damals lief und wo Sie sich klassierten?
Ja, das war am Weltcup-Final auf der Lenzerheide. Ich fuhr damals auf Platz 4. Ich hatte zuvor eine durchzogene Saison, in der ich nicht zeigte, was ich drauf hatte. Im letzten Rennen der Saison auf der Lenzerheide – quasi vor meiner Haustüre, wo ich im Sommer trainiere – wollte ich unbedingt etwas bieten. Doch im ersten Lauf fuhr ich nur auf Platz 19. Ich war richtig hässig und habe im zweiten Durchgang alles riskiert. Es ist super aufgegangen.

Seither sind 19 Monate ohne Rennen vergangen: Wo stehen Sie in der Weltrangliste? Wird es Ihnen in Levi noch in die TV-Übertragung reichen?
Ich habe vom Verletztenstatus profitiert und werde in der Weltrangliste immer noch auf Platz 30 geführt. Da sehr wahrscheinlich ein paar Athleten verletzt fehlen werden, rechne ich mit einer Startnummer zwischen 26 und 28.

Im Frühling 2011 liessen Sie sich am Knie operieren. Was lief danach falsch?
Ursprünglich ging es um einen Meniskusschaden. Die Ärzte sagten mir, das sei eine Sache von sechs Wochen. Doch während der Operation entdeckte der Chirurg einen Knorpelschaden und operierte auch diesen. Und wie das bei Knorpelschäden halt so ist: Das dauert halt einfach seine Zeit. Ich erlebte in der Folge ein stetes Auf und Ab. Sobald ich etwas mehr trainierte, hielt das Knie der Belastung nicht stand. Nur schon an ein Konditionstraining war kaum zu denken. Deshalb entschloss ich mich im November 2011 erneut zu einer Operation, diesmal bei Dr. Roland Biedert in Biel. Zunächst bestand die Hoffnung, dass ich gegen Ende Saison wieder fahren könne. Doch ich hatte den ganzen Winter keine Chance, ernsthaft zu trainieren. Deshalb brach ich die Übung ab und verzog mich an die Sonne nach Australien. Ich hatte keinen Bock, herumzusitzen und zuzuschauen, wie andere Skirennen fahren.

Wir haben uns ja in den letzten Monaten immer mal wieder gesehen. Sie liefen meistens an Krücken. Wie ist es Ihnen gelungen, nicht zu verzweifeln?
Das schlimmste an meiner Situation war die Ungewissheit: Wie lange muss ich mich gedulden, bis ich wieder trainieren, Rennen fahren kann? Kommt das mit dem Knie überhaupt mal wieder gut? Es gab diese Momente, als ich nahe am Verzweifeln war. Aber ich liebe diesen Sport so sehr, dass ich unbedingt zurück wollte. Es war die Freude am Sport, die mich weitermachen liess.

Was erwarten Sie von sich am Sonntag in Levi?
Es ist schwierig einzuschätzen, wo ich stehe. Wir haben derzeit keine Top-Fahrer in unserem Slalom-Team, so dass ich mir sagen könnte: ‹Wenn ich mit dem mithalte, dann sollte es für die Top-10 reichen.› Ich denke, ich bin schon noch ein Stück weit von dem entfernt, was ich wirklich drauf habe. Wenn ich in Levi in die Top-30 fahre, dann ist das für mich ein Riesenerfolg.

Im Slalom waren Sie, Silvan Zurbriggen und Justin Murisier einst die Schweizer Hoffnungsträger. Sie waren ein Jahr weg, Zurbriggen fährt nicht mehr Slalom, Murisier fällt erneut aus. Wo steht das Schweizer Slalom-Team heute?
Der Slalom hatte in der Schweiz immer einen schweren Stand. Es gab schlicht zu wenige Athleten auf einem hohen Niveau. Seit einigen Jahren aber führt Swiss-Ski im Slalom eine Future-Gruppe: Das Projekt trägt allmählich Früchte. Da gibt es einen Reto Schmidiger, der zweimal Junioren-Weltmeister wurde, da sind aber auch Fahrer wie Ramon Zenhäusern oder Daniel Yule, zwei junge Walliser, die sehr stark fahren und in Levi auch dabei sein werden. Ich bin optimistisch, dass die Schweiz in Zukunft auch im Slalom wieder eine Rolle spielen wird.

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