Riesenslalom St. Moritz

08. Dezember 2012 19:02; Akt: 09.12.2012 17:20 Print

Maze ist nicht zu schlagen, Gut und Gisin überzeugen

Tina Maze sichert sich den Sieg im Riesenslalom von St. Moritz hauchdünn vor Viktoria Rebensburg. Mit Lara Gut und und Dominique Gisin fahren zwei Schweizerinnen in die Top 10.

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Das Schweizer Frauen-Team ist am Heim-Weltcup in St. Moritz ohne Podestplatz geblieben. Auch im abschliessenden Riesenslalom fehlte wenig; Lara Gut wurde starke Vierte. Tina Maze rundete ihr phantastisches Wochenende mit einem zweiten Sieg ab.

Im dritten Frauen-Riesenslalom dieser Weltcup-Saison musste zum dritten Mal eine Schweizerin mit einem 4. Platz vorlieb nehmen, während zum dritten Mal die Siegerin Tina Maze hiess. Lara Gut verpasste in St. Moritz das Podest um 0,51 Sekunden. Neben Weltmeisterin Maze waren am Sonntag auch Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg (De) und Tessa Worley (Fr) schneller. In Aspen hatte Gut 19 Hundertstel hinter Rang 3 gelegen. Zwei Zehntel hatte Dominique Gisin beim Prolog in Sölden auf das Podest eingebüsst. In St. Moritz dokumentierte die Engelbergerin ihre im «Riesen» erlangte Konstanz als Zehnte. Bei Rennhälfte war sie noch Siebte gewesen.

So also geht das lange Warten auf den nächsten Podestplatz einer Schweizerin in einem Weltcup-Riesenslalom weiter. Diesem Ziel hinken die Swiss-Ski-Athletinnen nun schon seit knapp vier Jahren nach. Im Dezember 2008 war Lara Gut am Semmering einmal Dritte geworden. Ansonsten ist die Bilanz seit dem Rücktritt der legendären Sonja Nef nicht berauschend.

Konkurrenzkampf beflügelt

Nefs heutiger Ehemann Hans Flatscher, der neue Chef-Trainer der Schweizer Frauen, mag den Teufel aber nicht an die Wand malen. Er ist sich sicher, dass seine Schützlinge auf dem richtigen Weg sind. Gut bestätigt: «Die Richtung stimmt, unsere harte Arbeit zahlt sich aus.» Man bedenke, dass Gut in der letzten Saison im Riesenslalom weiter weg war von der Spitze und Gisin in dieser Disziplin erst sechs Weltcup-Rennen bestritten hat. Flatscher glaubt: «Wenn es noch härter und noch eisiger ist, hat eine wie Gisin noch mehr Potenzial.» Er regte an, dass man einfach die Geduld nicht verlieren dürfe. Die Fahrerinnen sprechen von einem gesunden teaminternen Konkurrenzkampf. Dieser werde in den qualitativ hochwertigen Trainings auch bereichert durch die Liechtensteinerin Tina Weirather, die derzeit wegen ihrer Schuhrandprellung eine kleine Pause einlegen muss.

Gut sorgte in St. Moritz im Riesenslalom wie bereits in der Super-Kombination für das Highlight aus Schweizer Sicht. Das Out im Super-G sollte sie mühelos verkraften. Was sie besonders optimistisch stimme, sei die Tatsache, dass sie im Moment bei den verschiedensten Verhältnissen vorne dabei sei, so die Tessinerin. Mit dem aggressiven Engadiner Schnee kamen zahlreiche andere bedeutend schlechter zurecht. Mit der Materialabstimmung ist die Rossignol-Fahrerinnen sehr zufrieden. Kann Gut sogar bald die «Riesen«-Dominatorin Maze gefährden?

Maze müde, Vonn fiel zurück

Noch scheint Maze in ihrer Parade-Disziplin unschlagbar zu sein. Und weil sie sich auch in den anderen Disziplinen auf höchstem Niveau bewegt, steuert sie ihrem ersten Gesamtweltcup-Sieg entgegen, wenn sie ihre Form konservieren kann. Nach den Rängen 1 (Super-Kombi), 2 (Super-G) und 1 konnte das Stöckli-Aushängeschild getrost sagen: «Thank you St. Moritz!» Die Erfolge sind umso erstaunlicher, weil sie am Sonntagnachmittag erzählte, sie sei sehr erschöpft. Seit sie aus Nordamerika nach Europa zurückgekehrt sei, habe sie kaum einmal richtig geschlafen.

Am Sonntagmorgen hatte zunächst alles danach ausgesehen, als würde das spannende sportliche Duell zwischen Maze und Lindsey Vonn in die nächste Runde gehen. Die Amerikanerin schlug sich im ersten Lauf wacker. Bei Halbzeit war sie Fünfte gewesen. Doch am Ende setzte es im Riesenslalom wie in Sölden und Aspen eine Ernüchterung ab. Sie geriet aus der Balance, verhinderte nur knapp einen Sturz und büsste so etliche Punkte ein. Abseits der Piste gab es zum Verhältnis zwischen Maze und Vonn Positives zu berichten. Die Slowenin entschuldigte sich per Handshake dafür, dass sie und ihr Staff am Vortag zu Unrecht vermutet hätten, Vonn habe nach ihrem Super-G-Triumph wüste Beleidigungen ausgesprochen. Im Disput haben sich die Wogen geglättet. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass Maze und Vonn Weihnachten nicht gemeinsam verbringen.

Suters Pech mit der Nummer

Swiss-Ski schöpfte beim Heim-Weltcup im Riesenslalom das Maximalkontingent von sechs Startplätzen aus. Vier dieser Fahrerinnen mussten allerdings aus sehr ungünstiger Position ihre Aufgabe in Angriff nehmen. Wendy Holdener, Fabienne Suter, Andrea Dettling und Fränzi Aufdenblatten trugen Nummern ab 50 aufwärts. Alle aus diesem Quartett blieben im Kampf um die Teilnahme am Final-Durchgang ohne Chance. Suter musste nach dem Aufsteller im Super-G vom Samstag (4.) nicht unerwartet einen Rückschlag einstecken. Sie büsste bei ihrem Riesenslalom-Comeback im ersten Lauf als 46. mehr als viereinhalb Sekunden auf Maze ein. Die Schwyzern meinte, ihr gehe momentan in dieser Disziplin komplett die Konstanz ab, manchmal fahre sie sogar schrecklich. «Aber es war ja schon vor der letzten schweren Verletzung nicht mehr wirklich gut, was ich im 'Riesen' gezeigt habe», so Suter. Ihr letztes Highlight in dieser Sparte geht auf den Februar 2010 zurück, als sie in Whistler (Ka) nur knapp eine Olympia-Medaille verpasst hatte. Sie müsse nun in den nächsten Tagen mit den Trainern analysieren, was im Riesenslalom in Zukunft Sinn mache und was nicht. Dass sie mit einer optimaleren Startnummer zu einigem fähig wäre, davon ist Coach Hans Flatscher überzeugt.

Für Wendy Holdener war der Sonntag ebenfalls eine Enttäuschung. Rang 44 entsprach nicht ihren Erwartungen. Beim Weltcup-Auftakt in Sölden hatte sie als Siebzehnte Hoffnungen geweckt. Der Durchbruch an die Weltspitze mag ihr aber noch nicht gelingen. Das Gute, was sie aus dem Engadin mitnehmen kann, ist der Slalom aus der Super-Kombination, als sie mit der sechstbesten Laufzeit brilliert hat. Bei ihr stehen als nächstes Trainingseinheiten in Veysonnaz im Programm.

Die Speed-Frauen ziehen nun weiter nach Val d'Isère. In der französischen Station sind für das kommende Wochenende ein Super-G und eine Abfahrt geplant. Gisin sagt: «Es geht Schlag auf Schlag. Das ist gut, denn so erhält man schnell wieder eine neue Chance.» In den Speed-Disziplinen fordert sie von sich eine Aufwärtstendenz. Chef-Trainer Flatscher glaubt, dass der Super-G in Val d'Isère einigen seiner Girls besser entgegen kommen wird als jener in St. Moritz. Deshalb rechnet er mit Blick auf den nächsten Samstag mit einer Steigerung.

St. Moritz (Sz). Weltcup-Riesenslalom der Frauen:
1. Tina Maze (Sln) 2:11,07.
2. Viktoria Rebensburg (De) 0,08 zurück.
3. Tessa Worley (Fr) 0,55.
4. Lara Gut (Sz) 1,06.
5. Marlies Schild (Ö) 2,28.
6. Kathrin Zettel (Ö) 2,32.
7. Michaela Kirchgasser (Ö), Irene Curtoni (It) 2,50.
9. Maria Höfl-Riesch (De) 2,73.
10. Dominique Gisin (Sz) 2,87.
Ferner: 27. Lindsey Vonn (USA) 5,85.

(si)

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