Grosse Kugel für den Überflieger

12. März 2010 19:49; Akt: 12.03.2010 21:58 Print

Ammann macht den Schweizer Tag perfektAmmann macht den Schweizer Tag perfekt

Simon Ammann ist der erste Schweizer Gesamtweltcup-Sieger im Skispringen. Mit seinem sechsten Sieg in Folge sicherte sich der Toggenburger in Lillehammer vorzeitig die grosse Kugel. Damit krönte Ammann einen historischen Schweizer Tag, der mit Carlo Jankas Sieg im alpinen Gesamt-Weltcup begonnen hatte.

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1993: Früh übt sich, wer ein Meister werden will: Schnappschuss aus dem privaten Fotoalbum der Familie Ammann aus dem Jahre 1993. 1997: Im zarten Alter von 16 Jahren sprang Simon Ammann aus Unterwasser beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee 1997 erstmals in die Weltelite. 1998: Ein Schnappschuss - blutjung streichelte Simon sein geliebtes Arbeitsgerät. 1999 - Simon Ammann belegte hinter Sieger Sylvain Freiholz und Marco Steinauer den 3. Platz an den Schweizermeisterschaften. 2002 - Ammann stürzte kurz vor Olympia beim Springen in Willingen schwer ... ... die Verletzungen waren aber nicht so gravierend wie befürchtet, der Start in Salt Lake war nicht gefährdet. Die Schweizer Skispringer von links, Freiholz, Küttel und Ammann kurz vor dem Olympia-Start in Salt Lake City. Das 1. Gold: Simon Ammann verwies Sven Hannawald, links, und Adam Malysz auf der K90-Schanze auf die Plätze. Bei der Siegerehrung liess sich Simon Ammann feiern und Harry Potter war geboren. Aber nicht genug damit, Ammann räumte gleich richtig ab und holte sich auch noch den Sieg auf der Grossen Schanze - Doppelolympiasieger 2002. Zurück in der Schweiz erwartete den Doppel-Olympiasieger ein Bad in der Menge auf dem Flughafen Zürich Kloten. Simon Ammann war ein gefragter junger Mann, bei der Sendung «Wetten dass..?» fühlte sich auch die kolumbianische Sängerin Shakira vom Schweizer angezogen. Auch die Confiseure liessen sich von Ammanns Erfolg inspirieren und feierten vorzeitig Ostern. In Oslo feierte Ammann dann nach den Spielen seinen ersten Weltcup-Sieg und bestätigte seine zwei Goldmedaillen von Salt Lake. Trotz den Erfolgen verlor Simon Ammann nie den Kontakt zur Basis und gab dem Nachwuchs wichtige Tipps. Höhepunkt auf Höhepunkt folgte nach dem Doppelsieg bei Olympia, aber als Testfahrer bei F1-Mann Peter Sauber wollte er sich dann doch nicht melden. Auch beim Sports Awards 2002 räumte Simon Ammann ab und bekam von Altmeister Walter Steiner die Auszeichnung überreicht. 2003: Simon Ammann versucht sich zwischendurch mal als Fussballer, natürlich nur für wohltätige Zwecke. 2004: Der Überflieger musste ins Militär einrücken. 2005: Simon Ammann zeigte sich an einer Presseorientierung auf der neuen Skisprungschanze in Einsiedeln mit neuer Brille und neuem Haarschnitt. Beim Superzehnkampf 2005 machte Simon Ammann beim Einlaufen schmerzhafte Bekanntschaft mit der hängenden Kamera... 2006: Bei den Olympischen Spielen in Turin kam Simon Ammann nicht auf Touren und blieb weit unter seinen Möglichkeiten. Der Doppel-Olympiasieger von Salt Lake 2002 stürzte in Turin ab. Ammann beendete das Seuchenjahr doch noch mit einem Vollerfolg - 2. Weltcupsieg in Lillehammer und dank Andreas Küttel gleich noch ein Schweizer Doppelsieg. 2007: Simon Ammann beendete die Vierschanzentournee auf dem 3. Platz. Er zeigte sich zurecht stolz auf seine errungene Trophäe. Ammann war wieder auf den Geschmack gekommen - An der WM in Sapporo sicherte sich Simon Gold auf der grossen Schanze ... ... und legte auf der Normalschanze gleich noch die Silbermedaille drauf. Die Weltcup-Saison 06/07 schloss Simon Ammann erstmals auf dem Podest ab, hinter dem Norweger Jacobsen, links, und Gesamtsieger Adam Malysz aus Polen belegte Amman den 3. Schlussrang. 2008: Simon Ammann gewinnt das Heimspringen in Engelberg. 2009: Bei der Vierschanzen-Tournee belegte Simon Ammann den 2. Schlussrang, nur von Wolfgang Loitzl geschlagen. Der nächste Höhepunkt folgte bei der WM in Liberec: Simon Ammann gewann auf der 100m-Schanze die Bronzemedaille. Zum Saisonausklang sicherte sich Ammann noch den 2. Platz im Gesamt-Weltcup, hinter Schlierenzauer, aber noch vor Tournee-Sieger Loizl. Ehre, wem Ehre gebührt: Simon Ammann bei der Taufe der 77m Schanze in Einsiedeln, welche seinen Namen trägt. Zum Aufgalopp in die Olympiasaison gewann Simon Ammann 2010 erstmals den Sommer-GP und setzte ein erstes Zeichen für sich und seine Gegner. Bis zu den Olympischen Spielen lieferten sich Ammann und Gregor Schlierenzauer ein heisses Rennen um den Gesamtsieg im Weltcup, der erst nach Vancouver 2010 entschieden sein wird. Und dann kam der grosse Auftritt auf der Normalschanze - Simon Ammann zauberte zwei perfekte Sprünge aufs Parkett und sicherte sich sein drittes Gold an Olympischen Spielen. Das musste gefeiert werden, natürlich im House of Switzerland - wo denn sonst? Nur eine Woche nach dem Sieg auf der Normalschanze doppelte Simon Ammann auf der Grossschanze nach und holte wie 2002 den Doppel-Olympiasieg. 4x Gold bei Olympia - Simon Ammann hat gut lachen :-) Auch nach Olympia ritt der Toggenburger weiter auf der Erfolgswelle. Ammann reihte Sieg an Sieg und holte als erster Schweizer den Gesamt-Weltcup 2010. Zum Abschluss seiner Traumsaison wurde Ammann in Planica dann auch noch Weltmeister im Skifliegen. Mit 236,5 Meter flog er nur 2,5 Meter am Weltrekord vorbei. An der nordischen Ski-WM 2011 auf dem Holmenkollen flog Ammann zu Bronze auf der Grossschanze.

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Mit dem Gewinn des Gesamt-Weltcups hat Simon Ammann seiner grossartigen Karriere einen weiteren Glanzpunkt aufgesetzt. Mit dem 16. Weltcuperfolg seiner Karriere legte der Olympiasieger in Lillehammer (No) so viele Punkte vor, dass er bereits vor dem abschliessenden Wettkampf am Sonntag am Holmenkollen in Oslo nicht mehr eingeholt werden kann. Der Konkurrenz um Gregor Schlierenzauer und Adam Malysz blieb einmal mehr nur das Nachsehen.

Bevor sein neuester Erfolg feststand, musste Ammann ein klein wenig zittern. Bei Halbzeit führte in Lillehammer Adam Malysz. Doch dem Polen misslang im Final die Bestätigung. Malysz rutschte noch auf den 3. Platz ab. Ammann hingegen gefiel erneut mit Beständigkeit. Mit dem 14. Platz hätte es ihm schon gereicht, die Kristallkugel sicherzustellen. Mit seinem Sieg zeigte Ammann erneut auf, welche Ausnahme-Erscheinung er im Lager der Springer ist.

Ammann: «Viiiiictooooryyyyy»

Ammann war nach seinem grossen Triumph überglücklich. «Das ist ein fantastischer Tag für mich und die ganze Schweiz. Ich bin Stolz, das erreicht zu haben», sagte Ammann unmittelbar nach der Vorentscheidung um den Weltcup. Es sei ungewohnt gewesen als Zweitletzter vom Bakken zu müssen, «danach war es aber ein riesen Gefühl.» Der Toggenburger kündigte sogleich an, dass er bis zur WM 2011 in Oslo weitermachen will. «Obwohl, so was sollte man nich unbedingt nach einem solchen Erfolg bekannt geben.» Zum Schluss durften natürlich auch sein Markenzeichen nicht fehlen. Die zwei gespreizten Finger flogen begleitet von einem lauten «Viiiiictooooryyyyy» in Richtung Kamera.

In Lillehammer, dem Olympia-Ort von 1994, hatte Ammans unvergleichlicher Winter bereits seinen Anfang genommen. Nach zwei 12. Plätzen zum Auftakt in Kuusamo (Fi) und in Lillehammer feierte der Toggenburger am 6. Dezember seinen ersten Vollerfolg dieses Winters. Es folgte eine Serie, die ihresgleichen sucht. Schlechter als im 5. Rang war Ammann nie klassiert. Dies trug ihm den Vorteil gegenüber Gregor Schlierenzauer ein, seinem hartnäckigsten Gegner. Der Österreicher verzichtete auf die beiden Wettkämpfe in Sapporo (Jap) am 16./17. Januar. Ammann seinerseits passte am 6. Februar in Willingen (De), um besser für die Winterspiele gerüstet zu sein.

Erste grosse Kugel für einen Schweizer

Im vergangenen Winter hatte Ammann den Weltcup als Zweiter mit lediglich 19 Punkten Rückstand auf Schlierenzauer beendet und damit Walter Steiner egalisiert, der 1974 und 1977 ebenfalls Weltcup-Zweiter geworden war. Nun entschied der Toggenburger als erster Schweizer die in diesem Winter aus 24 Springen bestehende Serie für sich. Unter den Springern geniesst der Gewinn des Gesamt-Weltcups grosse Anerkennung, weil er die Leistungskonstanz im Verlaufe des ganzen Winters widerspiegelt.

Andreas Küttel zeigte einen enttäuschenden Wettkampf: Der Einsiedler verpatzte seinen Sprung komplett und verpasste als 48. den Finaldurchgang mehr als deutlich


Weltcup-Skispringen in Lillehammer. Schlussklassement:
1. Simon Ammann (Sz) 274,5 (135/133,5).
2. Gregor Schlierenzauer (Ö) 271,4 (132,5/132).
3. Adam Malysz (Pol) 265,9 (135,5/127,5).
4. David Zauner (Ö) 252,7 (130,5/130).
5. Thomas Morgenstern (Ö) 251,8 (129/130,5).
6. Andreas Kofler (Ö) 241,2 (122/133).
7. Emmanul Chedal (Fr) 235,6 (122,5/131,5).
8. Björn Einar Romoeren (No) 234,9 (123,5/126,5).
9. Noriaki Kasai (Jap) 233,6 (123,5/129,5).
10. Kamil Stoch (Pol) 233,0 (119,5/130).
Ferner nicht im Final: 48. Andreas Küttel (Sz) 73,9 (108,5).

Weltcup (23/24): 1. Ammann 1548 (Gesamtsieger). 2. Schlierenzauer 1346. 3. Morgenstern 899. 4. Kofler 833. 5. Malysz 762. 6. Loitzl 731. - Ferner: 33. Küttel 111.


LIVE-TICKER
mit Philipp Reich

- Adam Malysz landet bereits bei 127,5 Meter. Damit fällt der Pole hinter Ammann und auch Schlierenzauer zurück. Der Toggenburger feiert damit seinen sechsten Sieg in Serie und holt auch den Gesamtweltcup.

- Simon Ammann zeigt einen guten, aber keinen Supersprung. Der Toggenburger landet bei 133,5 Meter und übernimmt ganz knapp die Führung.

- Gregor Schlierenzauer setzt sich mit einem Sprung auf 132,5 Meter and die Spitze. Ammann wird er mit diesem Satz aber kaum bedrängen können.

- Morgensterns Landsmann David Zauner fleigt wie einen halben Meter weniger weit als sein Teamkollege. Trotzdem übernimmt er die Spitze.

- Thomas Morgenstern springt auf 130,5 Meter und übernimmt die Führung. Noch stehen vier Springer oben.

- Überraschungsmann Chedal landet hinter Kofler auf dem zweiten Rang. Auch Björn Einar Romören kommt nicht am Österreicher vorbei.

- Andreas Kofler zeigt einen tollen Sprung und fliegt auf 133 Meter. Der Österreicher übernimmt mit diesem Satz deutlich die Führung.

- Auch Wolfgang Loitzl fällt zurück. Der Tournee-Sieger von 2009. Mit seinem Sprung auf 127 Meter liegt er lediglich auf dem siebten Zwischenrang.

- Chedal bleibt auch nach dem Sprung von Peter Prevc an der Spitze des Zwischenklassement. Nun kommen aber die zehn Besten des ersten Durchgangs.

- Der Pole Kamil Stoch, der Tscheche Robert Kranjec und der Deutsche Martin Schmitt kommen nicht an Emmanuel Chedal vorbei. Sie reihen sich allesamt hinter dem Franzosen ein.

- Emmanuel Chedal stürzt nach einem tollen Sprung auf 131,5 Meter im Auslauf. Die Bindung hatte sich nach der roten Linie geöffnet, der Franzose übernimmt also trotzdem die Führung.

- Johan Remen Evensen nimmt Martin Koch die Führung ab. Der Norweger landet bei 127,5 Meter.

- Michael Uhrmann kommt nicht an Martin Koch vorbei. In seinem vorletzten Karriere-Springen liegt also kein Topergebnis für den Deutschen drin.

- Der Österreicher Martin Koch setzt sich mit einem Sprung auf 126,5 an die Spitze. Noch folgen aber 20 der 30 Finalspringer.

- Colloredo und Meznar kommen nicht an Jacobsen vorbei. Der Norweger wird dank seinem Sprung auf 128 Meter einige Plätze gut machen.

- Anders Jacobsen springt zwar einen Meter weniger weit als Harri Olli. Dank seinem Vorsprung aus dem ersten Durchgang übernimmt der Norweger aber die Führung.

- Antonin Hajek fällt hinter Daiki Ito zurück. Der Tscheche verliert 2,4 Punkte auf den Japaner.

- Der zweite Durchgang hat begonnen! Daiki Ito hat die Entscheidung lanciert.

20 Minuten Online berichtet ab 18.05 Uhr live vom zweiten Durchgang in Lillehammer.

(pre)