Parallel-Slalom Stockholm

30. Januar 2018 22:03; Akt: 30.01.2018 23:57 Print

Zenhäuserns doppelte Premiere im Weltcup

Überraschend hat Ramon Zenhäusern den City-Event von Stockholm gewonnen. Wendy Holdener verpasst den Sieg knapp.

Entfesselt: Ramon Zenhäusern überrascht die Konkurrenz in Stockholm. (Video: SRF/Tamedia)
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Ramon Zenhäusern errang beim Weltcup-Parallelslalom in Stockholm einen nie erwarteten Triumph. Der Zwei-Meter-Riese aus dem Wallis feierte damit doppelte Premiere.

Der Walliser sicherte sich seinen ersten Sieg im Weltcup in einer Disziplin, in der er zuvor noch nie gestartet war. Er schlug im Format Mann gegen Mann im Final den favorisierten Schweden André Myhrer, der am Neujahrstag in Oslo den ersten der beiden City-Events dieser Saison gewonnen hatte und als grosser Spezialist für diese Art von Rennen gilt. In Zenhäusern fand der Skandinavier nun aber einen Gegner, der in allen seinen Duellen absolut überzeugend auftrat und sich auch im Final grossartig hielt.

Feiner Exploit im Norden Europas

Wie ein Raubtier in der Startbox

Zenhäusern, eigentlich ein sanftmütiger Typ, von seiner Statur her aber eine beeindruckende Erscheinung, gebärdete sich am Start wie ein Raubtier. In der Startbox pushte er sich jeweils geräuschvoll auf, und auf der Piste war er dann nicht zu halten. Der Reihe nach eliminierte er auf dem Weg in den Final den Italiener Stefano Gross, den Österreicher Michael Matt und den Deutschen Linus Strasser, einen weiteren Spezialisten im Parallelslalom.

Nach seinem Sieg im Endlauf bedankte er sich beim Publikum für die Fairness. Er verhinderte den Heimsieg von Myhrer. «André hat ja schon Rennen gewonnen» meinte er fast entschuldigend. «Für einmal war zudem meine Grösse ein Vorteil.» Ähnlich wie der ebenfalls grossgewachsene Myhrer boxt Zenhäusern die Riesenslalom-Tore mit den Armen weg, was kleinere Fahrer nicht machen können.

Zufall war Zenhäuserns Erfolg aber mitnichten. Der 25-Jährige fährt in diesem Winter so stark wie noch nie. Beim Slalom in Wengen realisierte er als Vierter sein zuvor bestes Weltcup-Ergebnis, aber auch in Kitzbühel überzeugte er als Sechster. Dort hatte er erklärt: «Wenn die Bedingungen gut sind, kann auch ich das Podium erreichen.» Dass es gleich die oberste Stufe war, dürfte aber auch ihn überrascht haben.

Holdener vergibt den Sieg beim Sprung

Auch bei den Frauen stand eine Schweizerin im Final. Dort aber bezog Wendy Holdener gegen Nina Haver-Löseth eine deutliche Niederlage. Die Norwegerin feierte ihren zweiten Weltcupsieg, nachdem sie vor zwei Jahren in Santa Caterina einen Slalom für sich entschieden hatte.

Wendy Holdener war vor zwei Jahren im Parallelslalom in Schwedens Hauptstadt siegreich geblieben, diesmal blieb ihr aber in Abwesenheit von Mikaela Shiffrin, die auf den Abstecher nach Skandinavien verzichtete, ein weiterer 2. Rang. Holdener lag im Final voraus, ehe ihr der Sprung komplett missriet. Auch hatte sie kurz vor dem Start zum zweiten Umgang Probleme mit dem Startblock. Doch insgesamt zeigte die Schwyzerin auf dem Weg in den Final erneut überzeugende Leistungen.

(Probleme beim Start: Wendy Holdener missglückt ausgerechnet der letzte Lauf. Video: SRF/Tamedia)

Feierabends Vorfall vor dem Rennen

Gut hielt sich auch Luca Aerni, der es in die Halbfinals schaffte und letztlich Vierter wurde. Der Berner schaltete in den Viertelfinals den österreichischen Weltcup-Gesamtleader Marcel Hirscher aus, scheiterte dann aber an Myhrer, wie zuvor in den Viertelfinals bereits Daniel Yule.

Mélanie Meillard und Denise Feierabend schieden bereits in Runde 1 aus. Feierabend wirkte noch geschockt von ihrem Intermezzo mit dem Taxi: Auf dem Weg zum Event kam das Auto ins Schleudern und musste die Strasse verlassen. Die Ski-Fahrerin aus Engelberg kam mit Schrecken davon und blieb unverletzt.

Stockholm. Weltcup-Parallelslalom. Männer: 1. Ramon Zenhäusern (SUI). 2. André Myhrer (SWE). 3. Linus Strasser (GER). 4. Luca Aerni (SUI). 5. Daniel Yule (SUI), Marcel Hirscher (AUT), Michael Matt (AUT) und Mattias Hargin (SWE). 9. Clément Noël (FRA), Sebastian Foss-Solevaag (NOR), Marco Schwarz (AUT), Jonathan Nordbotten (NOR), Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR), Stefano Gross (ITA), Dave Ryding (GBR) und Henrik Kristoffersen (NOR).

Final: Zenhäusern s. Myhrer (disqualifiziert). - Um Platz 3: Strasser. s. Aerni (0,08 Sekunden). - Halbfinals: Myhrer s. Aerni (0,98). Zenhäusern s. Strasser (0,10). - Viertelfinals: Aerni s. Hirscher. Myhrer s. Yule. Zenhäusern s. Matt. Strasser s. Hargin. - Achtelfinals: Hirscher s. Noël. Aerni s. Foss-Solevaag. Yule s. Schwarz. Myhrer s. Nordbotten. Matt s. Nestvold-Haugen. Zenhäusern s. Gross. Hargin s. Ryding. Strasser s. Kristoffersen.

Frauen: 1. Nina Haver-Löseth (NOR). 2. Wendy Holdener (SUI). 3. Petra Vlhova (SVK). 4. Frida Hansdotter (SWE). 5. Katharina Gallhuber (AUT), Bernadette Schild (AUT), Christina Geiger (GER) und Irene Curtoni (ITA). 9. Denise Feierabend (SUI), Mélanie Meillard (SUI), Resi Stiegler (USA), Katharina Truppe (AUT), Chiara Costazza (ITA), Lena Dürr (GER), Anna Swenn Larsson (SWE) und Marina Wallner (GER).

Final: Haver-Löseth s. Holdener (0,52). - Um Platz 3: Vlhova s. Hansdotter. - Halbfinals: Haver-Löseth s. Hansdotter. Holdener s. Vlhova (0,21). - Viertelfinals: Hansdotter s. Gallhuber. Haver-Löseth s. Schild. Holdener s. Geiger. Vlhova s. Curtoni. - Achtelfinals: Hansdotter s. Stiegler. Gallhuber s. Feierabend. Haver-Löseth s. Truppe. Schild s. Costazza. Holdener s. Dürr. Geiger s. Meillard. Curtoni s. Swenn Larsson. Vlhova s. Wallner.

Weltcup, Männer, Gesamtwertung (nach 29 von 37 Rennen): 1. Marcel Hirscher (AUT) 1294. 2. Henrik Kristoffersen (NOR) 1045. 3. Aksel Lund Svindal (NOR) 716. 4. Kjetil Jansrud (NOR) 665. 5. Beat Feuz (SUI) 636. 6. Alexis Pinturault (FRA) 627. Ferner: 17. Daniel Yule (SUI) 370. 19. Luca Aerni (SUI) 325. 24. Ramon Zenhäusern (SUI) 266. 29. Justin Murisier (SUI) 247.

Slalom (nach 10 von 12 Rennen): 1. Hirscher 774. 2. Kristoffersen 630. 3. André Myhrer (SWE) 453. 4. Michael Matt (AUT) 388. 5. Yule 370. 6. Aerni 297. 7. Zenhäusern 266. Ferner: 21. Loïc Meillard (SUI) 108.

Frauen. Gesamtwertung (nach 29 von 39 Rennen): 1. Mikaela Shiffrin (USA) 1513. 2. Wendy Holdener (SUI) 842. 3. Petra Vlhova (SVK) 754. 4. Viktoria Rebensburg (GER) 714. 5. Frida Hansdotter (SWE) 657. 6. Tina Weirather (LIE) 601. 7. Lara Gut (SUI) 592. Ferner: 12. Michelle Gisin (SUI) 556. 15. Mélanie Meillard (SUI) 431. 23. Denise Feierabend (SUI) 277. 26. Jasmine Flury (SUI) 235.

Slalom (nach 10 von 12 Rennen): 1. Shiffrin 780. 2. Vlhova 605. 3. Hansdotter 561. 4. Holdener 545. 5. Bernadette Schild (AUT) 378. 6. Meillard 292. Ferner: 11. Feierabend 221. 18. Gisin 132.

Nationen (nach 58 von 77 Wertungen): 1. Österreich 8172. 2. Schweiz 6475. 3. Italien 5185. 4. Norwegen 4854. 5. Frankreich 3547. 6. USA 3278. Ferner: 12. Liechtenstein 601.

(fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.H. am 30.01.2018 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere

    Gratuliere Ramon Zenhäuser rechtherzlich, freu mich soooo für dich!! Braaaaavvvvvooo!!!!! Gratuliere auch allen anderen Schweizer rechtherzlich!! Wendy kopfhoch der Sieg kommt!! Sei einfach stolz auf deine Leistung.

  • Petschili am 30.01.2018 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Ramon

    Super Ramon, super sympathisch, super schnell, super super super......

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  • Schweizerfan am 30.01.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Schweiz

    Super Leistung der Schweiz. Gratulation ins Wallis und auch an Luca Aerni! (besser als Hirscher, Sensation) Schade für Wendy, hoffe sie kann es trozdem geniesen! Dein Sieg im Slalom wird kommen! Bleib dran! Die Schweiz steht hinter dir und ist Stolz auf dich!! Hopp Schwiiz

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 31.01.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Typ ist

    RocknRoll

  • Felix am 31.01.2018 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gatuliere...

    Super Ramon...!!! Und auch gut ist der Deutsche nicht zuoberst auf dem Podest..!!!

  • Morti Der Riegel am 31.01.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausreden

    Feierabend verpasst wegen Unfall Rang 28. So ein Pech. Wäre das vierzigste Top 50 Resultat für sie.

    • Mändi am 31.01.2018 09:37 Report Diesen Beitrag melden

      Hopp Denise

      Hast du diese Saison überhaupt mitverfolgt? Möchtegernkommentare wie deine sind absolut unnötig. Mach's doch besser...aber vermutlich beherrschst du noch nicht so den stemmbogen.

    • Stöffel Raider am 31.01.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Morti Der Riegel

      Richtig so. Die Schweiz hat einige ewige Talente, die auf ihrem Startplatz kleben und den Jüngeren den Platz wegnehmen.

    • Lars Mars am 31.01.2018 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Morti Der Riegel

      Zurbriggen, Janka, Feierabend, C . Suter und sogar Päde Küng sind echt eine Zumutung. Haben wahrscheinlich nichts anderes zu tun.

    • Marc B. am 01.02.2018 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mändi

      Viele haben keine Ahnung was es braucht um in dieser Liga mitfahren zu können. Sie glauben wenn sie auf den breiten Pisten in den Skigebieten einwenig rumrutschen und runter kommen ohne zu stürzen. Das sie mit den Cracks mithalten könnten. In einem Lauf im Riesenslalom würden sie aber an 15 Sekunden verlieren. Du hast völlig recht da kommen Kommentare die jenseits sind.

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  • Lohmeyer am 31.01.2018 03:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wechselt

    Komisch, vor 2 Wochen haben die Schweizer auf ihre Sportler draufgehauen, weil sie ( nur) 2. 3. etc geworden sind und jetzt heben sie ab. Leute, im Sport wechseln die Sieger oft ab, es braucht auch mal Glück. Also lasst eure Sportler mal machen, sie geben ihr Bestes.

    • Dachs am 31.01.2018 05:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lohmeyer

      Die Kommentare von den Rennen von vor ca. Zwei Wochen findet man noch online und sind zu 95% positiv. Lieber Herr Wutbürger. Die Intelligenz scheint mir da mangelhaft zu sein.

    • Lohmeyer am 31.01.2018 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dachs

      Ich bin ueberhaupt nicht wuetend, sondern wundere mich einfach ueber die Fahnen, die mit dem Wind wehen. Immer gegen Wendy. Wenn sie die Kombi gewinnt, nur, weil Shiffrin nicht gefahren ist, usw. ich bin immer hopp Sport

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  • WF am 30.01.2018 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    2m der Grösste

    Ich finde es toll, dass man sich mitteilen darf. Aber irgendwann soll es gut sein. Ich freue mich riesig, dass der Riese gewonnen hat. Herzlichen Glückwunsch auch an das ganze Seite Team. Jetzt besteht wieder eine Mannschaft, grossartige Leistung auch von dem Hintergrund-Team.