Doping-Affäre

05. Dezember 2017 21:30; Akt: 05.12.2017 21:30 Print

IOK schliesst Russland für Olympia 2018 aus

Russland darf nicht an den nächsten Winterspielen teilnehmen. Dennoch bleibt für russische Athleten eine Hintertür offen.

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Russland wurde wegen Staatsdopings von den Winterspielen im kommenden Februar im südkoreanischen Pyeonchang ausgeschlossen. Das entschied die 14-köpfige Exekutive des Internationalen Olympische Komitees (IOK) mit Sitz in Lausanne am Dienstagabend. Russische Sportlerinnen und Sportler aber, die nachweisen können, dass sie sich an einem unabhängigen Testprogramm unterworfen haben, dürfen unter neutraler Flagge starten.

Der Internationale Leichtathletik-Verband wendet dieses System bereits an. Die IAAF schloss Russland bereits vor den Sommerspielen 2016 in Rio aus und lässt seither vereinzelte Athleten unter neutraler Flagge starten. Russland kann vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS noch einen Einspruch einlegen. Ausserdem wurde der frühere russische Sportminister Witali Mutko, der aktuell Chef des russischen Fussball-Verbandes und WM-Organisationschef ist, für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen.

25 Sotschi-Teilnehmer gesperrt

Das IOK bestrafte damit das seiner Ansicht nach staatlich orchestrierte Dopingsystem in Russland, das bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren seinen Höhepunkt erfahren hatte. Mithilfe des Geheimdienstes wurden zahlreiche Dopingproben von russischen Sportlern ausgetauscht. Das IOK hat bislang durch seine zwei Kommissionen 25 Sotschi-Teilnehmer lebenslang gesperrt und Russland elf Medaillen, darunter vier goldene, aberkannt.

In einer ersten Reaktion hat das russische Staatsfernsehen angekündigt, die Olympischen Spiele in Pyeongchang nun zu boykottieren.

Die brisante Meinung des Ex-Bundesrates

Pikant sind die Äusserungen des ehemaligen Bundesrates Samuel Schmid, der als zweiter Sonderermittler in der Doping-Affäre wirkte. Der Schweizer erklärte: «Wir haben eine solche Form des Betrugssystems vorher noch nie gesehen.»

Schmid erklärte zudem, dass die Ergebnisse des Verfahrens auf einem festen Fundament von objektiven Beweisen stehen würden.

«Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports», sagte IOK-Präsident Thomas Bach. Darum habe das Exekutivkomitee ausgewogene Sanktionen für die systematische Manipulation ausgesprochen. Der Deutsche glaubt nicht an einen Boykott. «Ein olympischer Boykott hat noch nie etwas gebracht.» Er sähe auch keinen Grund für einen solchen Akt durch russische Sportler, weil man ja den sauberen Athleten die Starterlaubnis geben würde. «Diese Athleten können eine Brücke bauen in die Zukunft eines sauberen Sports statt eine neue Mauer zu errichten.» Corinne Schmidhauser, die Präsidentin von Antidoping Schweiz, meinte: «Das ist ein beeindruckendes Signal zugunsten des sauberen Sports.»

Auswirkungen auf die Fussball-WM?

Vor der Entscheidung des IOK hatte Russlands Staatschef Wladimir Putin vor einer «ernsthaften Schädigung der olympischen Bewegung» gewarnt. Es gebe «zwei Optionen». «Entweder Russland zu zwingen, unter neutraler Flagge anzutreten, oder es überhaupt nicht zu den Olympischen Spielen zuzulassen», erklärte Putin. «Jede ist eine Erniedrigung für das Land».

Die nun gefällte Entscheidung überschattet zudem Russlands Ausrichtung der Fussball-WM im kommenden Jahr. Der nun auf Lebenszeit ausgeschlossene Mutko steht ja dem Organisationskomitee des grossen Fussball-Anlasses vor. Die staatlichen Fernsehsender in Russland werden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang wegen der Strafen nicht übertragen. Das teilte die Pressestelle der TV-Holding WGTRK nach dem Verdikt von Lausanne mit.

(fal/sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verfasser am 05.12.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sport und Politik verschmelzen

    Leider wird der Sport durch solche Massnahmen, auch wenn er gerechtfertigt sein mag, mehr und mehr politisiert. Eine gefährliche Entwicklung.

  • g.a. am 05.12.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bösi

    Die bösen Russen sind alles Doper! Und der Rest der Welt ist sauber! Ich finde es gut, das Politik und Sport getrennt betrachtet wird!

  • Diana Karisma am 05.12.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russland Bashing

    Gedopte Sportler sollen ausgeschlossen werden. Aber zu verlangen, dass die anderen Sportler nicht für ihr Land starten dürfen, das geht zu weit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sashi am 06.12.2017 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als ob

    Als wären die Russen die einzigen die das machen würden/gemacht haben.

  • Francis mMm am 06.12.2017 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Dopingtests

    Als ehem. Reha-Trainer, weiss ich, dass es Dopingsubstanzen gibt, die noch nicht auf der Dopingliste erwähnt sind und erst Monate gar Jahre später bekannt werden. Und genau hier liegt ein grosses Problem, denn die Dopingliste hinkt immer hinterher, da immer wieder neuere und raffiniertere Substanzen erfunden werden.

  • Gruss aus Bern am 06.12.2017 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so, ohne offen gelassene Hintertüre

    wäre der Entscheid noch etwas überzeugender. Doping geht generell nicht, Staatsdoping aber ist das Letzte vom Letzten.

  • Arthur Gubler am 06.12.2017 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Behindertensport

    In Amerika und vielen anderen Ländern, so auch in der Schweiz, haben Spitzensportler Asthma oder der gleichen und werden von Ärzten betreut- ganz egal. Ich meine, dass man für "kranke" Sportler eine Kategorie bei den behinderten Sportlern machen sollte, alles andere ist unfair.

  • Michel am 06.12.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Politik nicht Sport

    Bei den grossen Events geht es schon lange nicht mehr um Sport sondern nur um Politik viel Kohle und du mir gebe ich dir. Siehe Fussball WM, Olympische Spiele ob Sommer oder Winter und vieles mehr....