Nachtslalom

18. Dezember 2012 14:20; Akt: 18.12.2012 23:07 Print

Bestes Weltcup-Resultat für Vogel - Hirscher siegt

Marcel Hirscher gewinnt den Slalom von Madonna di Campiglio vor Felix Neureuther und Überraschungsmann Naoki Yuasa. Markus Vogel fährt auf den tollen sechsten Rang.

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Die besten Bilder des Weltcup-Slaloms in Madonna di Campiglio.

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Ein Jubilar dominiert das Jubiläum. Der Österreicher Marcel Hirscher gewinnt bei seinem 50. Start in dieser Disziplin den Slalom in Madonna di Campiglio, das als 1500. Rennen in die Weltcup-Geschichte eingehen wird. Markus Vogel steigert mit Rang 6 seine Bestleistung.

Die Jubiläums-Veranstaltung des Weltcups, der am 5. Januar 1967 mit einem Slalom in Berchtesgaden (De) seinen Anfang genommen hatte, war auch eine Rückkehr. Zum ersten Mal nach sieben Jahren Absenz war die alpine Elite wieder in Madonna di Campiglio zu Gast. Damals war Marcel Hirscher erst 16 Jahre alt und noch als einer unter vielen in FIS-Rennen unterwegs. Aus dem Talent ist längst ein Dominator geworden. Und die Rolle des überragenden Fahrers spielte der Salzburger im gestrigen Nacht-Slalom perfekt. Nach Bestzeiten in beiden Durchgängen wies er in der Schlussabrechnung einen Vorsprung von 1,67 Sekunden auf den Deutschen Felix Neureuther auf - eine Marge, die an die Auftritte des Amerikaners Ted Ligety bei dessen drei Riesenslalom-Siegen in diesem Winter erinnerte.

Hirscher wie Tomba

Hirscher hielt mit dem 14. Vollerfolg im Weltcup seine imponierende Serie aufrecht. Er klassierte sich in sämtlichen sieben technischen Wettbewerben in diesem Winter unter den ersten drei; sein saisonales Palmarès weist nun zwei Siege, drei zweite und zwei dritte Ränge aus. Damit steht Hirscher auf einer Stufe mit einem anderen (ehemaligen) Grossen der Zunft. Dem Italiener Alberto Tomba war Selbiges vor 21 Jahren gelungen.

Neureuther stellte seine ausgezeichnete Frühform erneut unter Beweis, nachdem er in den Slaloms in Levi (Fi) Siebenter und in Val d'Isère ebenfalls Zweiter geworden war. Zudem zeigte der Filius der einstigen Skiasse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auch im Riesenslalom starke Aufwärtstendenz. Keine Selbstverständlichkeit für einen, dessen Vorbereitung im Sommer und Herbst durch einen Bandscheibenvorfall beeinträchtigt gewesen war. Die Schmerzen waren just vor dem Prolog in Sölden zurückgekehrt und hatten Neureuther zum Verzicht auf den Start auf dem Rettenbach-Gletscher gezwungen.

Das Podium komplettierte ein Fahrer, den niemand auf der Rechnung hatte. Naoki Yuasa, der bisher über zwei fünfte Plätze nicht hinausgekommen war, sicherte sich als Drittklassierter als einer Japaner seit über sechs Jahren eine Platzierung unter den ersten drei. Als zuvor letztem Fahrer aus dem Land der aufgehenden Sonne war dies Akira Sasaki im März 2006 als Zweiter in Shigakogen gewesen. Yuasa hatte nach dem ersten Lauf lediglich Rang 26 eingenommen.

Vogels Steigerung im zweiten Lauf

Vogel hatte schon im ersten Lauf Kurs auf eine persönliche Bestmarke genommen. Mit einer guten Sekunde Rückstand auf die Bestzeit Hirschers nahm der Nidwaldner Platz 7 ein - just jene Klassierung, die er bis gestern als wertvollstes Resultat ausgewiesen hatte. Siebenter war Vogel im März 2011 im Slalom in Kranjska Gora (Sln) geworden. Seine gute Form hatte der gelernte Elektromonteur aus Beckenried zuletzt mit den Plätzen 3 und 2 in Europacup-Slaloms in Obereggen (It) und Pozza (It) angedeutet. Die verbesserte Performance schlug sich nun auch auf höchster Ebene nieder, nachdem bei den ersten beiden Auftritten im Weltcup in Levi (Fi) und in Val d'Isère die Ränge 17 beziehungsweise 18 herausgeschaut hatten.

Mit der Verbesserung der Bestleistung um eine Position sorgte Vogel auch für das zweitbeste Ergebnis eines Schweizer Alpinen im laufenden WM-Winter. Besser war bisher einzig Didier Défago als Fünfter im Riesenslalom in Sölden gewesen. Ein Lichtblick für das tief gesunkene und arg in die Kritik geratene Männer-Team von Swiss-Ski - ausgerechnet im Slalom, der noch bis vor kurzem als die Schweizer Sorgendisziplin schlechthin gegolten hatte.

Die ersten Punkte für Gini

Einen ersten kleinen Schritt auf dem Weg zurück tat Marc Gini. Der Bündner, der vor gut fünf Wochen in Levi nach 17 Monaten Absenz in den Weltcup zurückgekehrt, danach aber zu einer erneuten Pause und dem Verzicht auf die Teilnahme am Slalom in Val d'Isère gezwungen war, sicherte sich mit Rang 23 seine ersten Punkte in diesem Winter. Gini hatte sich im vergangenen Jahr gleich zwei Operationen an den Knien unterziehen müssen; vorerst wurde ein Knorpelschaden gerichtet, später wurden Schleimhautfalten entfernt.

Der Rest des Schweizer Quintetts blieb nach dem ersten Durchgang auf der Strecke. Der 19-jährige Walliser Luca Aerni beendete sein Weltcup-Debüt im 41. Rang und verpasste die Qualifikation fürs Finale um 36 Hundertstel. Das Mitglied des C-Kaders hatte sich die Premiere mit drei zehnten Plätzen im Europacup verdient. Deutlicher scheiterten die ein Jahr älteren Reto Schmidiger und Ramon Zenhäusern. Der Nidwaldner, 2010 und 2011 Junioren-Weltmeister im Slalom, und der Walliser scheinen im Klassement erst auf den Positionen 48 und 49 auf.

Tragischer Todesfall sorgt für Rennunterbruch

Der Weltcup-Slalom von Madonna di Campiglio wurde von einem Todesfall überschattet. Ein 70-jähriger Torrichter starb an den Folgen eines Herzinfarkts. Wegen des tragischen Zwischenfalls war das Rennen im ersten Lauf nach acht Fahrern für rund 20 Minuten unterbrochen worden.

Madonna di Campiglio (It). Weltcup-Slalom der Männer:
1. Marcel Hirscher (Ö) 1:42,50.
2. Felix Neureuther (De) 1,67 zurück.
3. Naoki Yuasa (Jap) 2,28.
4. André Myhrer (Sd) 2,34.
5. Manfred Mölgg (It) 2,52.
6. Markus Vogel (Sz) 2,68.
7. Reinfried Herbst (Ö) 2,75.
8. Leif Kristian Haugen (No) 2,96.
9. Ted Ligety (USA) 3,04.
10. Ivica Kostelic (Kro) 3,20.
11. Markus Larsson (Sd) 3,28.
12. Benjamin Raich (Ö) 3,34.
13. Steve Missillier (Fr) 3,43.
14. Henrik Kristoffersen (No) 3,70.
15. Mitja Valencic (Sln), Steven Théolier (Fr) 3,83.
17. Manfred Pranger (Ö) 3,89.
18. Alexander Choroschilow (Russ), Krystof Kryzl (Tsch) 3,93.
20. Roberto Nani (It) 4,02.
21. Jean-Baptiste Grange (Fr) 4,07.
22. Fritz Dopfer (De) 4,30.
23. Marc Gini (Sz) 4,57.
24. Wolfgang Hörl (Ö) 5,11.
25. Thomas Mermillod Blondin (Fr) 8,84.

(si)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Lenherr SH am 18.12.2012 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Ehrlich gesagt finde ich es als Schweizer schon peinlich, wenn man den 6. Rang hochjubeln muss als bestes Weltcupresultat im Alpinen Skizirkus (sowas haben früher nur die Deutschen gemacht). Was man dann auch auf keinen Fall darf, ist den Rückstand mit mehr als 2,5 Sekunden anschauen. Aus diesem Blickwinkel sollte man dann vielleicht doch einen 6 Rang bejubeln, das lässt nämlich kaum etwas besseres erwarten für den Rest des Winters.

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  • Alf am 18.12.2012 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer 

    Bravo Markus Doch noch ein Schweizer der weis wie man schnell fahren kann.

  • Zina am 19.12.2012 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Krass diese zeitabstände, man könnte meinen es sei eine superkombi...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elba am 19.12.2012 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Super Resulatat Markus Vogel! Sechster muss man im Spitzensport erst mal werden. Hoffentlich lässt man ihn nun in Ruhe sein Ding und seinen Fahrstil durchziehen. Lasst bloss keine Verschlimmbesserer an ihn ran!

  • Zina am 19.12.2012 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Krass diese zeitabstände, man könnte meinen es sei eine superkombi...

    • Ybfab am 19.12.2012 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Von rang 1 zu 2 und zu 3 ok aber dahinter wars eng! Fürdich bedeutet superkombi wohl riesenslalom? In alta badia verlor der 3. über 3 sekunden!! Es gibt in den technischen disziplinen nun mal 2-3 dominatoren! Dahinter ist vieles eng!

    • zina am 19.12.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Ybfab

      Die Super-Kombination besteht aus nur einem Slalomlauf sowie einem Abfahrts- oder Super-G-Lauf...

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  • K. Lenherr SH am 18.12.2012 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Ehrlich gesagt finde ich es als Schweizer schon peinlich, wenn man den 6. Rang hochjubeln muss als bestes Weltcupresultat im Alpinen Skizirkus (sowas haben früher nur die Deutschen gemacht). Was man dann auch auf keinen Fall darf, ist den Rückstand mit mehr als 2,5 Sekunden anschauen. Aus diesem Blickwinkel sollte man dann vielleicht doch einen 6 Rang bejubeln, das lässt nämlich kaum etwas besseres erwarten für den Rest des Winters.

    • Ybfan am 19.12.2012 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aber hallo?!!! 

      Im riesenslalom von alta badia hat dieser rückstand für rang 3 gereicht.. Vogel fehlten 4/10 aufs podest! Wenn man mit den bisherigen resultaten vergleicht ist das sehr gut!! Und ja, die schweiz muss sich bei den männern mit weniger zufrieden geben!!!

    • Aless am 19.12.2012 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Relativ anschauen

      Die Zeitdifferenz sieht gross aus, muss man aber doch auch berücksichtigen, dass Hirscher schon 1,7 Sekunden vor Neureuther liegt. Vogel hat eine Sekunde Rückstand auf Neureuther und 4 Zehntel auf das Podium. So sieht die Sache nämlich schon ganz anders aus. Hier darf man Hirscher nicht als Messwert anschauen, da dieser in einer völlig anderen Liga fuhr!

    • Otti am 19.12.2012 08:58 Report Diesen Beitrag melden

      Fahr doch selber

      Man muss als Schweizer unsere Mannschaft auch in schlechteren Zeiten unterstützen - was ein guter Trainer, der etwas Ruhe und Vertrauen schafft bringt, sieht man jetzt langsam bei den Ski-Damen. Und bei den Männern wird es auch wieder...

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  • Alf am 18.12.2012 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer 

    Bravo Markus Doch noch ein Schweizer der weis wie man schnell fahren kann.

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