Weltcup in Engelberg

13. Dezember 2012 10:25; Akt: 13.12.2012 10:55 Print

Zuversichtlicher Ammann vor dem Heimspringen

Simon Ammann tritt am Wochenende beim Weltcup in Engelberg zum Heimspringen an. Der vierfache Olympiasieger hegt Ambitionen auf seinen siebten Podestplatz auf der Titlis-Schanze.

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1993: Früh übt sich, wer ein Meister werden will: Schnappschuss aus dem privaten Fotoalbum der Familie Ammann aus dem Jahre 1993. 1997: Im zarten Alter von 16 Jahren sprang Simon Ammann aus Unterwasser beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee 1997 erstmals in die Weltelite. 1998: Ein Schnappschuss - blutjung streichelte Simon sein geliebtes Arbeitsgerät. 1999 - Simon Ammann belegte hinter Sieger Sylvain Freiholz und Marco Steinauer den 3. Platz an den Schweizer Meisterschaften. 2002 - Ammann stürzte kurz vor Olympia beim Springen in Willingen schwer ... ... die Verletzungen waren aber nicht so gravierend wie befürchtet, der Start in Salt Lake war nicht gefährdet. Die Schweizer Skispringer Freiholz, Küttel und Ammann kurz vor dem Olympia-Start in Salt Lake City. Das 1. Gold: Simon Ammann verwies Sven Hannawald, links, und Adam Malysz auf der K90-Schanze auf die Plätze. Bei der Siegerehrung liess sich Simon Ammann feiern und Harry Potter war geboren. Aber nicht genug damit, Ammann räumte gleich richtig ab und holte sich auch noch den Sieg auf der Grossen Schanze - Doppelolympiasieger 2002. Zurück in der Schweiz erwartete den Doppel-Olympiasieger ein Bad in der Menge auf dem Flughafen Zürich. Simon Ammann war ein gefragter junger Mann, bei der Sendung «Wetten, dass..?» fühlte sich auch die kolumbianische Sängerin Shakira vom Schweizer angezogen. Auch die Confiseure liessen sich von Ammanns Erfolg inspirieren und feierten vorzeitig Ostern. In Oslo feierte Ammann dann nach den Spielen seinen ersten Weltcup-Sieg und bestätigte seine zwei Goldmedaillen von Salt Lake. Trotz der Erfolge verlor Simon Ammann nie den Kontakt zur Basis und gab dem Nachwuchs wichtige Tipps. Höhepunkt auf Höhepunkt folgte nach dem Doppelsieg bei Olympia, aber als Testfahrer bei F1-Mann Peter Sauber wollte er sich dann doch nicht melden. Auch bei den Sports Awards 2002 räumte Simon Ammann ab und bekam von Altmeister Walter Steiner die Auszeichnung überreicht. 2003: Simon Ammann versucht sich zwischendurch mal als Fussballer, natürlich nur für wohltätige Zwecke. 2004: Der Überflieger musste ins Militär einrücken. 2005: Simon Ammann zeigte sich an einer Presseorientierung auf der neuen Skisprungschanze in Einsiedeln mit neuer Brille und neuem Haarschnitt. Beim Superzehnkampf 2005 machte Simon Ammann beim Einlaufen schmerzhafte Bekanntschaft mit der hängenden Kamera ... 2006: Bei den Olympischen Spielen in Turin kam Simon Ammann nicht auf Touren und blieb weit unter seinen Möglichkeiten. Der Doppel-Olympiasieger von Salt Lake 2002 stürzte in Turin ab. Ammann beendete das Seuchenjahr doch noch mit einem Vollerfolg - 2. Weltcupsieg in Lillehammer und dank Andreas Küttel gleich noch ein Schweizer Doppelsieg. 2007: Simon Ammann beendete die Vierschanzentournee auf dem 3. Platz. Er zeigte sich zu Recht stolz auf seine errungene Trophäe. Ammann war wieder auf den Geschmack gekommen - an der WM in Sapporo sicherte sich Simon Gold auf der grossen Schanze ... ... und legte auf der Normalschanze gleich noch die Silbermedaille drauf. Die Weltcup-Saison 06/07 schloss Simon Ammann erstmals auf dem Podest ab, hinter dem Norweger Jacobsen, links, und Gesamtsieger Adam Malysz aus Polen belegte Ammann den 3. Schlussrang. 2008: Simon Ammann gewinnt das Heimspringen in Engelberg. 2009: Bei der Vierschanzentournee belegte Simon Ammann den 2. Schlussrang, nur von Wolfgang Loitzl geschlagen. Der nächste Höhepunkt folgte bei der WM in Liberec: Simon Ammann gewann auf der 100-m-Schanze die Bronzemedaille. Zum Saisonausklang sicherte sich Ammann noch den 2. Platz im Gesamt-Weltcup, hinter Schlierenzauer, aber noch vor Tournee-Sieger Loizl. Ehre, wem Ehre gebührt: Simon Ammann bei der Taufe der 77-m-Schanze in Einsiedeln, die seinen Namen trägt. Zum Aufgalopp in die Olympiasaison gewann Simon Ammann 2010 erstmals den Sommer-GP und setzte ein erstes Zeichen für sich und seine Gegner. Bis zu den Olympischen Spielen lieferten sich Ammann und Gregor Schlierenzauer ein heisses Rennen um den Gesamtsieg im Weltcup, der erst nach Vancouver 2010 entschieden sein wird. Und dann kam der grosse Auftritt auf der Normalschanze - Simon Ammann zauberte zwei perfekte Sprünge aufs Parkett und sicherte sich sein drittes Gold an Olympischen Spielen. Das musste gefeiert werden, natürlich im House of Switzerland - wo denn sonst? Nur eine Woche nach dem Sieg auf der Normalschanze doppelte Simon Ammann auf der Grossschanze nach und holte wie 2002 den Doppel-Olympiasieg. 4-mal Gold bei Olympia - Simon Ammann hat gut lachen. Auch nach Olympia ritt der Toggenburger weiter auf der Erfolgswelle. Ammann reihte Sieg an Sieg und holte als erster Schweizer den Gesamt-Weltcup 2010. Zum Abschluss seiner Traumsaison wurde Ammann in Planica dann auch noch Weltmeister im Skifliegen. Mit 236,5 Meter flog er nur 2,5 Meter am Weltrekord vorbei. An der nordischen Ski-WM 2011 auf dem Holmenkollen flog Ammann zu Bronze auf der Grossschanze. Zu Beginn der Saison 2012/13 läuft es für Ammann nicht nach Wunsch. Enttäuschend verläuft vor allem die Vierschanzentournee. Es reicht lediglich für Rang 27. Ganz anders sieht die Angelegenheit ein Jahr später aus. Im Eröffnungsspringen in Oberstdorf springt Simi auf Rang eins und zählt zu den Topfavoriten auf den Gesamtsieg. Am Schluss wird er Dritter der Tournee. Ammann ist nach diesem Erfolg gewillt, auch an den Olympischen Winterspielen in Sotschi eine starke Leistung zu zeigen. Doch dies gelingt ihm bei weitem nicht. Sowohl auf der Normal- wie auch auf der Grossschanze enttäuscht der Schweizer.

Die Karriere von Simon Ammann.

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Der 31-jährige Toggenburger blickt nach fünf Weltcupspringen auf einen geglückten Saisoneinstand zurück. Dreimal flog Ammann in die Top Ten, vor zwei Wochen am Polarkreis in Kuusamo stand er sogar auf dem Podium, zum 67. Mal im Weltcup. Als Nummer 8 der laufenden Overall-Wertung zählt er für die Springen auf seiner Heimschanze zu den Vorqualifizierten.

Engelberg 2012 ist für Ammann von grosser Tragweite. Es geht um mehr als um einen gelungenen Auftritt vor dem Schweizer Publikum oder um eine Hauptprobe für die Vierschanzentournee. Das neue Regelwerk mit den engen Anzügen hat das Feld der Skispringer aufgemischt. Ammann hält diesmal mit den Besten mit, nachdem der dreifache Sieger von Engelberg letzten Winter verbissen um den Anschluss kämpfte. Das soll so bleiben.

Konstanz steht im Vordergrund

Für den Schweizer Trainer Martin Künzle steht in Engelberg nicht das nackte Resultat im Vordergrund, sondern die Konstanz in den Sprüngen. Nur wer Stabilität an den Tag legt, kann sich an einer Tournee in der Spitze behaupten. «Wir sind auf gutem Weg. Ich bin mit der Entwicklung von Simon sehr zufrieden», sagte Künzle.

Die geringere Tragfläche der Anzüge ist ein gravierender Eingriff in das Flugsystem, der die Aufgabe für die Springer erschwert. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren können die Fehler beim Absprung oder im Übergang nicht mehr mit einer tollen Flugphase gerettet werden. Jetzt fehlen nicht nur die Flügel für die letzte Flugphase. Durch den geringeren Widerstand hat der Springer weniger Halt in der Luft und somit mehr Schwierigkeiten, seinen Körper in der Balance zu halten.

Deschwanden und Grigoli mit Problemen

Ammanns Ränge 3, 6, 8, 13 und 17 sind mehr Wert, als dies beim blossen Betrachten den Anschein macht. Kein Athlet ist aktuell vor Rückschlägen gefeit. Die zweifachen Saisonsieger Severin Freund und Gregor Schlierenzauer mussten auch schon mit den Rängen 16 beziehungsweise 25 Vorlieb nehmen. Als Einziger stiess der Norweger Anders Bardal fünfmal in die Top Ten vor. Eine neue Generation nützt die Umstellung, um gleich auf Anhieb Fuss zu fassen. Der 17-jährige Andreas Wellinger (De) oder der Slowene Jaka Hvala (19) mischen vorne mit.

Dies lässt sich von Gregor Deschwanden und Marco Grigoli nicht behaupten. Ersterer liess immerhin sein Potenzial durchschimmern und flog in Kuusamo (Fi) seinen ersten Weltcuppunkt ein. «Gregor fehlt die Konstanz, die Simon an den Tag legt», erklärte Künzle. «Gleichwohl spüre ich, dass er in den Top 30 Fuss fassen kann.» Grigoli hingegen kommt nicht vom Fleck und dürfte die Selektion für die Tournee kaum schaffen. Er kämpft gegen Fehler im Grundlagenbereich. Mit dem geringen Anlauf der Besten kommt er nicht auf Weite.

Schanze in bestem Zustand

Für Deschwanden, Grigoli und zwei oder drei Schweizer Nachwuchsspringer steht der erste Ernstkampf am Freitagnachmittag mit der Qualifikation an. Die Anlage präsentiert sich in bestem Zustand. Musste im vergangenen Winter der Schnee noch zusammengekratzt werden, lief diesmal die Vorbereitung in die andere Richtung. Es galt, die grossen Mengen an Neuschnee aus dem Weg zu räumen.

(si)

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