Belinda Bencic

21. November 2017 09:53; Akt: 21.11.2017 10:21 Print

«Ich war total am Durchdrehen»

Belinda Bencic verblüfft mit ihrem Comeback nicht zuletzt sich selber. Nach der Rückkehr spricht sie über die letzten Wochen und darüber, was sie in Zukunft besser machen will.

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Die Ostschweizerin kämpft sich zurück, gibt ihr Comeback im September. Sie gewinnt im Herbst drei kleinere Turniere: in Taipeh, in Hua Hin und St. Petersburg. Rückschlag nach der sportlichen Talfahrt: Bencic musste sich am linken Handgelenk operieren lassen und fällt deshalb mehrere Monate aus. Auch im vierten Turnier des Jahres, in Acapulco, kassiert Bencic eine Erstrunden-Niederlage. Im Fed-Cup gegen Frankreich sichert Bencic der Schweiz mit dem Sieg im entscheidenden Einzel immerhin den Halbfinal-Einzug. Nach dem verkorksten Jahr geht Bencic über die Bücher. Sie trennt sich vom langjährigen Manager Marcel Niederer. Auch ihr Vater Ivan (Bild) gehört nicht mehr zum Team. Beim US Open ist für Bencic in der dritten Runde Schluss. Olympia-Aus: Belinda Bencic muss wegen einer Verletzung am linken Handgelenk für das Turnier in Rio passen. Wegen desselben Leidens muss die 19-Jährige in Wimbledon in der zweiten Runde aufgeben. Auch das French Open verpasst die Ostschweizerin verletzungshalber, weil der Rücken zwickt. Ohne die angeschlagene Belinda Bencic (l.) verliert das Schweizer Team mit Viktorija Golubic, Timea Bacsinszky und Martina Hingis (v.l.) den Fed-Cup-Halbfinal gegen Tschechien. Bencic zieht sich beim Turnier in Indian Wells eine Rückenverletzung zu. Zwar spielt sie danach noch das Turnier von Charleston, scheitert dort aber in der Startrunde. Danach muss sie pausieren. Die junge Schweizerin legt in Toronto nach: Bencic gewinnt den Final gegen Simona Halep, die im dritten Satz aufgeben muss, und damit ihren zweiten Titel bei den Profis. In Wimbledon erreicht Bencic - mit Knieproblemen - die Achtelfinals, wo sie gegen Viktoria Asarenka (2:6, 3:6) chancenlos bleibt. Beim WTA-Turnier in Eastbourne holt sich Bencic ihren ersten Einzel-Titel auf der Tour. Im Final des Rasenturniers setzt sie sich gegen Agnieszka Radwanska durch. Auch der zweite Einzel-Final ihrer Karriere geht verloren. Beim WTA-Turnier von 's-Hertogenbosch unterliegt sie der Italienerin Camila Giorgi. Die junge Schweizerin feiert beim WTA-Turnier in Prag den ersten Titelgewinn bei den Profis. Bencic gewinnt die Doppel-Konkurrenz. Belinda Bencic (WTA 35) verliert in Tianjin (China) ihren ersten Final auf der WTA-Tour. Die 17-jährige Ostschweizerin unterliegt der US-Amerikanerin Alison Riske 3:6, 4:6. Auch in der Weltrangliste geht es steil nach oben: In nur neun Monaten klettert sie von Rang 212 auf Platz 33. An den US Open gewinnt sie 25 Ränge. Die 17-jährige Belinda Bencic sorgt am US Open für Furore und stösst bis in den Viertelfinal vor. Dort hat der Höhenflug der Schweizerin aber ein Ende: Sie unterliegt Shuai Peng 2:6, 1:6. Bencic beim WTA-Turnier in Charleston: Sie bestreitet ihren ersten Viertelfinal als Profi. Das erste Jahr auf der Profitour beginnt vielversprechend. Bencic gewinnt auch ihr drittes Spiel in der Qualifikation für die Australian Open und nimmt zum ersten Mal an einem Grand-Slam-Turnier teil. Die Teenagerin triumphiert am French Open und in Wimbledon am Turnier der Juniorinnen. Die 16-Jährige gehört bereits dem Schweizer Fedcup-Team. Hinter dem Erfolg steht bei Bencic die Familie. Vater Ivan hat die Karriere seiner Tochter schon früh geplant. Mutter Dana und Bruder Brian sind ebenfalls verrückt nach Tennis. Belinda galt schon früh als grosses Talent.

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Fehler gesehen?

Die 22 Stunden Flug sind Belinda Bencic nicht anzusehen. Die 20-jährige Ostschweizerin strahlt, als sie ihre Mutter und ihre beste Freundin in die Arme schliesst. Mit Siegen bei kleineren WTA-Turnieren in Hua Hin und Taipeh hat sie zwei erfolgreiche Wochen hinter sich. Im September kehrte die ehemalige Nummer 7 der Welt nach einer Operation am linken Handgelenk und fast fünf Monaten Pause zurück und hat seither – auf tieferer Stufe als früher – 23 von 26 Spielen gewonnen.

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Schafft Belinda Bencic noch einmal den Sprung in die Top Ten?

Einen Business-Class-Flug gab es dafür nicht. «Ich war ja noch nicht Top 100», meint sie lachend. «Das hatte ich noch nicht verdient.» Das ehemalige Wunderkind ist sichtlich erwachsener geworden und reist jetzt schon Mal alleine durch die Welt. Der neue Coach Iain Hughes und ihr Sparringpartner flogen vom Zwischenstopp in Dubai nach London respektive Wien. Das letzte Stück der Rückreise machte sie alleine. Bei einem Grüntee im Flughafen-Cafe sprach Bencic danach über die letzten Wochen und Fehler in der Vergangenheit.

Belinda Bencic, wie lautet Ihr Fazit der Asienreise?
Ich habe mit Sicherheit nicht erwartet, so viele Matches zu spielen. Ich habe bei jedem Turnier mindestens zwei Spiele gewonnen. das ist super, das hätten wir nie erwartet. Ich ging sehr relaxt an die Sache heran und habe mich von Turnier zu Turnier gesteigert. Ich habe laufend besser gespielt, besser aufgeschlagen, mich besser bewegt.

Ist diese Lockerheit der Schlüssel?
Ja. Wenn man Top Ten ist, ist es klar, dass man selber und die Leute mehr von einem erwarten. Jetzt ist es wie automatisch so gekommen, dass die Erwartungen kleiner waren. Ich war schon froh, dass ich eine Rückhand spielen konnte und mir nichts weh tat. Das hat mir geholfen, nicht so «hässig» zu werden, wenn ich einen Fehler machte.

Das Handgelenk ist also wieder völlig in Ordnung?
Ja. Es hat seit der Operation kein einziges Mal weh getan. (Bencic zeigt die Narbe)

Hätten Sie im Nachhinein die Operation schon früher machen lassen sollen?
Ich hatte die Probleme mit dem Handgelenk schon vorher während neun Monaten immer wieder. Ich habe wirklich alle Behandlungsmethoden versucht, und es wurde mir auch gesagt, dass eine Operation möglich wäre. Als Tennisspieler ist dies aber erst die letzte Möglichkeit. Man hört ja auch von anderen, Del Potro oder Keys, dass sie viermal operiert wurden und immer noch Probleme hatten. Bei mir war es aber eigentlich eine einfache Sache.

War es ein Vorteil, bei kleineren Turnieren wieder einzusteigen und so nicht gleich in der ersten Runden auf Topspielerinnen zu treffen?
Ja. Ich konnte das ja auch beeinflussen. Ich hätte noch einen Monat warten und das geschützte Ranking in Anspruch nehmen können. Ich entschied mich aber dagegen, weil ich vom Handgelenk her bereit war und keinen Sinn darin sah, länger zu warten. Ich wollte gegen schwächere Gegnerinnen viele Matches spielen und ausprobieren, ob das Handgelenk hält.

Nach vier Monaten ohne Tennis, fühlten Sie sich da wie ein Tiger im Käfig, der endlich raus will?
Nach der Operation spielte ich sechs Wochen gar nicht. Dann spielte ich wieder Vorhand und Rückhand-Slice (einhändig; d. Red.).

Dann sind Sie jetzt richtig gut mit dem Slice...
(lacht laut) Ich habe keinen einzigen Slice gespielt im Match. Aber es war schon eine lange Zeit. Als ich dann die ersten Trainingspunkte und dann das erste Turnier spielen konnte, fühlte ich mich schon mega, wie der Tiger, der aus dem Käfig kommt.

Was haben Sie in den ersten Wochen gemacht?
Mit dem Gips war es schon sehr mühsam. (Schaut zur Mutter) Puzzles habe ich gemacht. Ich war total am Durchdrehen. (lacht) Einen Hund habe ich nach Hause gebracht, einen jungen Golden Retriever namens Snowy, als Geschenk für meine Mutter.

Wo ist im Moment Ihre Trainingsbasis?
(sehr bestimmt) Das will ich noch richtigstellen. Es stimmt also nicht, dass ich der Schweiz den Rücken gekehrt habe. Ich habe im Sommer in der Slowakei meine Vorbereitung gemacht, weil ich da viele Trainingsmöglichkeiten habe. Aber ich war auch viel in der Schweiz.

Wo trainieren Sie in der Schweiz?
Mal in Wollerau, mal im Gründenmoos (St. Gallen) oder auch in Biel mit Viki (Golubic) und Timea (Bacsinszky). Ich brauche die Abwechslung.

Mit Melanie Molitor arbeiten Sie nicht mehr zusammen?
Ja, das ist abgeschlossen.

Und Vater Ivan?
Er ist jetzt mehrheitlich mit meinem Bruder (Brian, 17-jährig) unterwegs. Er wird aber zur Vorbereitung nach Dubai kommen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer Iain Hughes zustande gekommen?
Ich hatte schon länger gesehen, dass er frei ist und dachte nach der Verletzung, es wäre gut, einen Test von zwei Wochen zu machen. Ich war begeistert. Er ist mega ruhig, eher ein taktischer Typ. Er lebt fürs Tennis, und ich habe das Gefühl, dass er mir taktisch weiterhelfen kann. Bis jetzt läuft es super. Und er kommt da hin, wo ich trainieren möchte.

Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Wochen aus?
Jetzt nehme ich sicher mal eine Woche frei, dann beginne ich mit Kondition und etwas Tennis. Am 6. Dezember fliege ich nach Dubai, mache dort die Vorbereitung und spiele im Rahmen des Trainings ein 100'000-Dollar-Turnier. Von dort fliege ich dann nach Australien.

Dort spielen Sie mit Roger Federer am Hopman Cup. Vor einem Jahr war er in einer ähnlichen Situation. Haben Sie damals schon darüber gesprochen, wie es ist, von einer Verletzung zurückzukommen?
Er wusste, wie seine Planung aussieht und welche Turniere er spielt. Ich habe dann nach meiner Verletzung versucht, meine Planung etwas cleverer zu gestalten.

Das heisst auch, dass Sie in der Vergangenheit nicht so clever geplant haben?
Ich war halt neu, habe gut gespielt und war motiviert. Jetzt würde ich eher eine Pause machen, wenn ich gut gespielt habe. Zwischen dem Hopman Cup und dem Australian Open werde ich zum Beispiel kein anderes Turnier spielen. Zum Teil habe ich sicher zu viel gespielt, dann kamen die Verletzungen und ich kam nicht mehr aus dem Kreis heraus.

Jetzt sind Sie bereits wieder in den Top 100. Hätten Sie damit gerechnet?
Nein. Ich wäre zufrieden gewesen, wenn ich es am Australian Open in die Qualifikation geschafft hätte, jetzt müsste es zu 95 Prozent für das Hauptfeld reichen. Das Ranking spielt im Moment aber keine Rolle.

Wegen des Hopman-Cups verpassen Sie Weihnachten.
Ja, das ist etwas schade. (lacht) Aber Roger ist mir das wert.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Philip Gerber am 21.11.2017 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere

    Ich mag ihr den Erfolg wirklich gönnen! Sie ist sympathisch und spielt super. Sie könnte die weibliche Nachfolgerin von Roger werden. Ich freue mich und wünsche toi toi toi!

  • a.s. am 21.11.2017 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zwiespältig

    Der erneute Erfolg seit dem Comeback sei Ihr absolut gegönnt. Es ist aber zu hoffen, dass sie diesmal etwas bewusster und schonender umgeht. Die Rakete war ja schon mal gestartet und relativ kurz danach am Boden gegroundet. Jetzt gehts wieder ab wie die Rakete und ich habe meine Bedenken, dass man bald wieder auf dem Boden aufschlagen wird... Ein so junger Körper vergisst solche stark wechselnde Belastungen einfach nicht.

  • ENU am 21.11.2017 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häb Sorg ......

    Das ist toll was Belinda nach ihrer Handverletzung wieder leisten kann. Egal welche Topplatzierung kommt lass dich nicht etwa wegen den Dollars verheizen. Mach es wie Federer und stell die Gesundheit in den Vordergrund, gehe das Comeback ruhig an dann werden die Erfolge seriös einfahren. Du hast ja die Zukunft noch vor Dir....Häb Sorg derzue.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pummerli am 21.11.2017 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übergewicht

    Muss trotzdem weiter abspecken. 10 kg Übergewicht. So wird es nicht ganz nach vorne reichen.

    • Big Mac am 21.11.2017 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pummerli

      Sie kann ja als plus size model arbeiten... :D

    • Pummerli am 21.11.2017 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Big Mac

      Auch eine Option - evtl. sogar lukrativer

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  • Herrcool.es am 21.11.2017 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich halte alle Daumen

    für unsere sympa BB. Sie hat derart viel Pozenzial. Get it!

  • Roger am 21.11.2017 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Stronger than ever

    Herzlichen Glückwunsch, weiter so Belinda! Meine beiden kleinen Töchter (4 & 5) haben begonnen Tennis zu spielen und sind natürlich riesen Fans von Belinda.

  • ENU am 21.11.2017 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häb Sorg ......

    Das ist toll was Belinda nach ihrer Handverletzung wieder leisten kann. Egal welche Topplatzierung kommt lass dich nicht etwa wegen den Dollars verheizen. Mach es wie Federer und stell die Gesundheit in den Vordergrund, gehe das Comeback ruhig an dann werden die Erfolge seriös einfahren. Du hast ja die Zukunft noch vor Dir....Häb Sorg derzue.

  • Heiri Müller am 21.11.2017 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewicht

    Frau Bencic sieht objektiv nicht austrainiert aus. Auf Bildern scheint sie sogar stark übergewichtig zu sein für eine professionelle Tennisspielerin. Bei den Herren wäre es unter diesen Umständen kaum möglich Profi zu sein. Vielleicht führt dieser Aspekt zu ihrer unterdurchschnittlichen Athletik bzw. Defensivarbeit.

    • schuschleid am 21.11.2017 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heiri Müller

      Ihre subjektive Meinung täuscht leider!

    • wasp am 21.11.2017 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      Luft nach oben

      Sie ist fit, ansonsten wäre sie nicht dort, wo sie ist bzw. war. Aber natürlich kann sie noch zulegen.

    • Heiri Müller am 21.11.2017 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @wasp

      Die Bilder sprechen eine andere Sprache. Haben Sie schon einmal ein Spiel von Frau Bencic gesehen? Dann verstehen Sie den Kommentar. Spielerisch ist diese Frau locker in den Top 10, die Fitness dazu fehlt aber noch. Bringt Frau Bencic die überschüssigen Pfunde noch weg, bin ich gespannt wie weit der Weg gehen kann. Beim Aufschlag kommt man besser hoch und ist zudem flinker in der Defensive. Sie wird das schaffen

    • Schöanker Boy am 21.11.2017 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heiri Müller

      Die auperschlanken Williams-Schwestern sind auch zu wenig fit? Das Körpergewicht spielt sicher eine Rolle, hat jedoch mit Ihrer Reaktionen beide Turniere gewonnen. Zugegeben,gegen erfahrene mit mehr Schnelligkeit hätte sie weniger bis keine Chance. Die Zeit des Erfolgs wird wieder kommen. 2018 in die Top 50

    • Heiri Müller am 21.11.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schöanker Boy

      Die Williams-Schwestern? Venus ist sehr schlank und Serena ein Muskelprotz, welcher einfach viel härter schlägt. Aber keine der beiden Schwestern hat Speckrollen...

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