Roger Federer

28. Januar 2018 18:24; Akt: 29.01.2018 16:48 Print

«Ohne Mirka würde ich nicht mehr spielen»

von Simon Graf - Roger Federer erklärt nach seinem 20. Major-Titel, was ihn mit 36 Jahren noch antreibt. Und worauf er achten muss, um weitere Erfolge zu feiern.

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Melbourne liebt Federer, und Federer liebt Melbourne: Der Champion hat im ganzen Turnier nur zwei Sätze abgegeben. Ein Küsschen in Ehren: Federer herzt den Pokal. Applaus, Applaus: Der unterlegene Finalist Cilic klatscht Federer Beifall. Überglücklich: Sekunden nach dem Matchball geniesst Federer mit geschlossenen Augen den Triumph. Es ist vollbracht: Der neue und alte Australian-Open-Champion hat soeben seinen 20. Majortitel gewonnen. Wegweisend: Federer nimmt Cilic im fünften Satz auf Anhieb den Aufschlag ab. Grosse Emotionen beim Team Federer: Trainer Severin Lüthi und Frau Mirka feiern einen Punkt. Abgefangen: Erst hatte Federer im vierten Satz die Chance zum Doppelbreak, dann musste er ihn mit 3:6 abgeben. Die Federer-Vorhand: Stilstudie des Schweizers. Das Stadion im Rücken: Diese Fans verfolgen den Final auf einer Grossleinwand. Die Freude muss raus: Cilic hat Federer soeben den ersten Satz im Turnier abgenommen. Schweisstreibend: Die beiden Finalisten können ihre Tücher gut gebrauchen. Tenüwechsel: Federer zieht sich ein neues Shirt über. Grosse Bühne: Die Rod Laver Arena war natürlich restlos ausverkauft. Stilsicher: Federer suchte von Anfang an sein Heil in der Offensive und überraschte Cilic so sichtlich. Unter die Räder gekommen: Cilic verlor seine beiden ersten Service-Games, geriet im Auftaktsatz gleich 0:4 in Rückstand. Doppelte Vorfreude: Federer und Cilic posieren für die Fotografen. Für die Erinnerung: Federers Frau Mirka fängt mit dem Smartphone die Stimmung in der Arena ein. Und ewig lockt der Pokal: Die silberne Trophäe glänzt vor dem Match im Scheinwerferlicht.

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Was ging Ihnen zu Beginn des fünften Satzes durch den Kopf?
Ich versuchte einfach, wieder einmal ein Game zu gewinnen, seinen Schwung zu bremsen. Ich fokussierte mich darauf, gut aufzuschlagen. Und hoffte, dass ich ein bisschen Glück haben würde. Ich dachte, wenn ich dieses erste Game hole, verändert sich vielleicht das Momentum. Und genau das passierte. Sicher half mir die Erfahrung. Und das Glück. Davon brauchte ich schon ein Stück.

Hat die 20 eine spezielle Bedeutung für Sie?
Die Zahl per se nicht, nein. Ich habe keine spezielle Erinnerung, in der die 20 eine Rolle gespielt hat. Vielleicht fällt mir etwas ein, wenn ich darüber nachdenke. Aber ich verbot mir, vor dem Match über die 20 nachzudenken. Es war ohnehin nicht einfach, meine Gedanken zu beherrschen. Den ganzen Tag dachte ich: Wie wird es sich anfühlen, wenn ich gewinne? Wenn ich verliere? Ich dachte: Ich bin so nah dran und doch noch so weit entfernt. Den ganzen Match lang gingen mir solche Gedanken durch den Kopf. So extrem wie diesmal war es noch nie.

Was dachten Sie über die Entscheidung, unter geschlossenem Dach zu spielen?
Ich war mir nicht sicher, ob es gut sein würde für mich. Natürlich spiele ich gut bei Indoor-Bedingungen. Da erzielte ich auch meine ersten Erfolge. Aber mich stört die Hitze nicht. Ich dachte, sie könnte einem grossgewachsenen Mann wie Marin (Cilic) mehr Mühe bereiten im Verlaufe der Partie. Es war nicht meine Entscheidung, das Dach zu schliessen, aber ich wurde auf dem Laufenden gehalten. Ich war überrascht, dass es auch eine Hitzeregel für Abendspiele gibt. Das hatte ich zuvor noch nie gehört.

Mit Ihrem sechsten Australian-Open-Titel sind Sie mit Roy Emerson und Novak Djokovic gleichgezogen. Was bedeutet das Ihnen?
Das steht für mich nicht im Vordergrund. Ich denke eher daran, dass es mir gelang, den Titel vom Vorjahr zu verteidigen. Das Märchen geht weiter. Das sticht für mich hervor. Nicht, dass ich mit Emerson oder Novak gleichgezogen bin. Aber natürlich bewundere ich beide für ihre Karrieren.

Haben Sie schon einen neuen Namen für den Pokal?
Nein. Letztes Jahr bekam ich hier ja erstmals einen Pokal in Originalgrösse, die Norman-Brookes-Trophäe. Und so dachte ich, wäre es cool, ihr einen Namen zu geben. Norman schien mir passend. Es klingt auch besser, wenn ich sage, ich bringe Norman mit. Und nicht nur einfach den Pokal. Norman ist ein Freund geworden. Wir haben uns gut kennengelernt. Es war witzig letztes Jahr. Aber ich weiss nicht, ob ich das nochmals tun werde.

Wie bewahren Sie Ihren Hunger nach Grand-Slam-Titeln?
Indem ich nicht zu viel spiele, nicht an jedem Turnier antrete. Ich geniesse es zu trainieren. Die Reiserei stört mich nicht. Ich habe ein gutes Team um mich herum. Und es treibt mich an, dass meine Eltern unglaublich stolz auf mich sind. Sie geniessen es, an die Turniere zu kommen. Das macht mich glücklich. Und natürlich macht meine Frau alles möglich. Ohne Mirkas Support würde ich schon lange nicht mehr spielen. Wir hatten vor ein paar Jahren ein sehr offenes Gespräch darüber, ob sie Spass habe, dies noch zu tun. Ich bin happy, dass sie mich so unterstützt, dass sie bei den Kindern so viel übernimmt. Ich würde auch nicht gerne länger als zwei Wochen von meinen Kindern getrennt sein. Dieses Leben würde nicht funktionieren, wenn Mirka nicht voll dahinterstehen würde. Es braucht viele Puzzleteile, die zusammenpassen, damit ich hier sitzen kann.

Wieso waren Sie nach dem Spiel so emotional? Sogar Rod Laver war sichtlich gerührt.
Ich sah durch meine Tränen nicht, dass er Fotos davon schoss, wie ich weinte. Ich weiss nicht genau, wie ich meine Gefühle erklären soll. Ich kam sehr schnell in den Final, der Halbfinal war verkürzt. Ich hatte noch sehr viele Emotionen in mir drin, weil ich auf dem Weg ins Endspiel nicht solch extreme Spiele gehabt hatte wie im Jahr zuvor gegen Nishikori oder Stan. Als alles vorbei war, erinnerte mich das an den Baghdatis-Final (2006). Damals war ich ebenfalls der Favorit gewesen und ohne grössere Probleme ins Endspiel gekommen. Und dann überreichte mir Rocket (Rod Laver) den Pokal. Auch heute war es sehr emotional. Ich hoffte, ich könnte während meiner Rede etwas lockerer werden. Aber das gelang mir nicht. Wenn so viele Leute im Stadion sind, rührt mich das einfach. Und es ist ja auch schön, meine Gefühle mit ihnen zu teilen.

Sie sind 36 und spielen gegen Jungs, die grösser, kräftiger und jünger sind als Sie. Wie lange können Sie noch auf diesem Niveau weiterspielen?
Keine Ahnung. Wirklich, ich weiss es nicht. Ich habe nun drei Grand Slams innert zwölf Monaten gewonnen. Ich kann es selber auch nicht glauben. Ich muss einfach weiter gut planen und hungrig bleiben, dann können mir weitere gute Dinge passieren. Ich finde nicht, dass das Alter entscheidend ist. Das Alter ist nur eine Zahl. Aber ich muss sehr vorsichtig sein bei meiner Planung, frühzeitig entscheiden, was meine Prioritäten sind. Es kommen aufregende Zeiten auf mich zu. Ich bin happy, mich in diese Position gebracht zu haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Feder am 28.01.2018 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke,dass du uns so stolz machst! Danke Roger Federer.

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  • Sali am 28.01.2018 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KING

    Unglaublich dieser Federer! Einer der grössten Sportler aller Zeiten! Herzliche Gratulation zum 20. Grand-Slam-Titel!!! KING ROGER!

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  • Cleanearth am 28.01.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    King Roger Federer

    Herzlichen Glückwunsch Roger. Ich wünsche dir noch viel Spass und viele Jahre den Hunger so grossartiges Tennis zu spielen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • kati perri am 29.01.2018 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hosen

    da sieht man(n) wer im Hause Federer die Hosen an hat!

  • W.Spahni sen. am 29.01.2018 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses wunderbare Wunder

    MUSS jetzt aber auch zur Heiligsprechung führen!

    • Maik am 29.01.2018 11:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Spahni

      gern, wegen mir - keiner von denen spielte besser Tennis

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  • marko 33 am 29.01.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roger Federer

    Er ist der grösste

  • Szenekenner am 29.01.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Neid ist eine starke Emotion...

    Unglaublich was die Leute hier für hasserfüllte und neiderfüllte Beiträge posten. Ihr müsst euch echt mal fragen was genau ihr für Probleme habt in eurem Leben um so über Roger Federer und seine Familie her zu ziehen. Aber die Anonymität im Internet ermöglicht halt das halt leider. Neid scheint wirklich eine (zu) starke Emotion zu sein, die kleinen Leute können damit nicht umgehen. Roger, ich hoffe du bleibst uns noch einige Jahre auf der Tour erhalten, es gibt keine Sportveranstaltung im TV, der man mehr entgegenfiebert als ein Tennis-Finale mit dir! Grandiose Leistung gestern, congratz!

  • Syli76 am 29.01.2018 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roger for Mister Schweiz!!

    Abgesehen davon, dass er ein unvergleichlicher Sportler ist in Leidtung und Persönlichkeit, vertritt er auch deswegen die Schweiz wie kein anderer!