Lob und Trost

01. Februar 2010 08:23; Akt: 01.02.2010 09:18 Print

«Er traf auf einen Gott»«Er traf auf einen Gott»

Die sonst so brutalen britischen Medien zeigten sich nach dem Australian-Open-Final für einmal sanftmütig: Murray sei «der beste sterbliche Tennisspieler» tröstete zum Beispiel die «Times» und die «Sun» doppelt nach, dass niemand Federer hätte besiegen können – nicht einmal Agassi auf Drogen.

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«Kein Tennisspieler auf seinem besten Niveau hätte ihn gestern besiegen können. Nicht ein fitter Rafa Nadal. Nicht Pistol Pete oder Andre Agassi – nicht einmal auf Crystal Meth»: So frech tröstete die «Sun» Andy Murray über den Verlust des Finals der Australian Open hinweg. «Federer hätte John McEnroe, Björn Borg oder auch den guten alten Fred Perry, welcher der letzte britische Grand-Slam-Gewinner seit 1936 bleibt, weggefegt.»

Ein Gott

Gewohnt differenzierter, aber nicht weniger wohlwollend analysiert die «Times» die Dreisatz-Niederlage: «Es ist keine Schande gegen den verrückten Champion zu verlieren» – «Murray zeigte Heldenmut, liess aber einen starken Aufschlag vermissen», so die Überschriften zweier Artikel. Der vielfach ausgezeichnete Sportkolumnist Simon Barnes sprach aus, was wohl viele Zuschauer des Finals gedacht haben: «Andy Murray ist vermutlich der beste sterbliche Tennisspieler auf Erden. Gestern aber traf er auf einen Gott. Selbstbewusstsein ist eine zu schwache Bezeichnung für das, was Federer in solchen Zeiten auszeichnet. Es umgibt ihn eine Aura von Unantastbarkeit.»

Selbstironie

«Das lange Warten einer Nation fand in der Rod-Laver-Arena endlich ein Ende, als die Schweiz den ersten Grand Slam Titel seit sechs Monaten gewann…», witzelte der «Telegraph» und spielte auf die 74 Jahre dauernde britische Durststrecke bei Grand-Slam-Turnieren an. Und der «Guardian» stiess in dasselbe Horn, wie die meisten britischen Medien, liess es sich mit stolz geschwellter Brust aber nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei Andy Murray nicht um einen Engländer handelt: «Trotz seinen Tränen, der Schotte sollte nicht zu enttäuscht sein. In Melbourne ist er auf einen Mann getroffen, der einfach nur brilliantes Tennis spielte», und weiter, «manchmal muss man einfach zugeben, dass der andere Mann besser spielte an diesem Tag.»

(tog)

ATP-Weltrangliste

Rang Vorname Name Herkunft Punkte
1. Novak Djokovic Serbien 13630
2. Rafael Nadal Sp 10435
3. Roger Federer Schweiz 8010
4. Andy Murray GB 6900
5. David Ferrer Sp 4565
6. Jo-Wilfried Tsonga Fr 4425
7. Tomas Berdych Tschechien 3860
8. Mardy Fish USA 2965
9. Janko Tipsarevic Serbien 2700
10. Juan Martin Del Potro Argentinien 2630
11. Nicolas Almagro Sp 2380
12. Gilles Simon Fr 2050
13. Gaël Monfils Fr 1970
14. Robin Söderling Schweden 1940
15. Feliciano Lopez Sp 1890
16. Richard Gasquet Fr 1855
17. John Isner USA 1800
18. Alexander Dolgopolow Ukraine 1760
19. Andy Roddick USA 1745
20. Kei Nishikori Jap 1680
28. Stanislas Wawrinka Schweiz 1345
190. Marco Chiudinelli Schweiz 255
196. Stéphane Bohli Schweiz 250
251. Michael Lammer Schweiz 187
429. Adrien Bossel Schweiz 83
565. Alexander Sadecky Schweiz 45
583. Sandro Ehrat Schweiz 41
589. Yann Marti Schweiz 39
648. Henri Laaksonen Schweiz 30