Federers Kunststück

28. Oktober 2017 02:08; Akt: 28.10.2017 15:29 Print

«Diesen Schlag treffe ich nur in 5 von 100 Fällen»

Roger Federer kämpft sich in den Basel-Halbfinal. Er ist sich im Klaren darüber, dass es gegen Adrian Mannarino auch ganz anders hätte laufen können.

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Zweimal hatte Roger Federer leichtes Spiel gehabt an seinem Heimturnier, im Viertelfinal folgte schliesslich der erste Test. Das hatte auch damit zu tun, dass der Baselbieter ungewohnt fehlerhaft ins fünfte Duell mit Adrian Mannarino startete. «Ich liess mich zu sehr von seinem Spiel leiten, was überhaupt nicht mein Plan war», sagte Federer nach dem 4:6, 6:1, 6:3-Erfolg, der ihm bei der 17. Teilnahme an den Swiss Indoors den 14. Halbfinal-Einzug einbrachte.

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Er verwies aber auch darauf, dass die früheren Begegnungen mit dem Franzosen keineswegs eine Garantie für weitere Siege seien. «Da Mannarino noch nie nahe dran war, einen Satz gegen mich zu gewinnen, denken die Leute schnell einmal, das gehe ewig so weiter. Aber das ist falsch, denn die Marge ist extrem klein, wenn du nicht dein bestes Tennis spielst.»


Zuerst Enttäuschung, dann Analyse

Nach dem verlorenen Satz habe er sich selber «ein bisschen getröstet, dann ging es besser», scherzte Federer, ehe er verriet, wie er grundsätzlich mit solchen Schwächephasen umgeht. «Nach so einem Satz bin ich zuerst einmal enttäuscht von meiner Leistung», sagte er. «Ich versuche dann zu analysieren, was falsch gelaufen ist. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und sich weiterhin auf den eigenen Aufschlag zu konzentrieren.»

Der 36-Jährige war sich in der Pause schnell im Klaren darüber, welche taktischen Anpassungen er gegen Mannarino vorzunehmen hat. «Ich musste öfter ans Netz, denn es ist gegen ihn schwierig, von der Grundlinie Winner zu schlagen, weil er so flach und mit einer guten Länge spielt», sagte Federer. «Ich habe mich dann besser bewegt, zum Glück kam dann auch die Energie.»

Auf Messers Schneide

Obwohl er sich steigerte, hatte Federer im dritten Satz dennoch eine heikle Situation zu überstehen, als er sich beim Stand von 2:3 und 15:40 zwei Breakbällen gegenübersah. Den ersten wehrte er mit einem Servicewinner ab, den zweiten mit einem zauberhaften Rückhand-Halbvolley der Linie entlang.

Seine Gedanken in jener Phase beschrieb er so: «Zuerst hatte ich gehofft, keinen solchen Schlag spielen zu müssen. Dann hoffte ich, dass der Ball reingeht und Mannarino ihn nicht erreicht, und am Ende dachte ich: Gott sei Dank hat es geklappt.» Federer gab jedoch zu, dass viel Glück dabei gewesen war. «Diesen Schlag treffe ich vielleicht in fünf von hundert Fällen.»


Unter Druck: Hier wehrt Federer den zweiten Breakball ab. Video: Tamedia/Tennis TV

5:0 gegen Goffin

Im zweiten Halbfinal am Samstagnachmittag (ab ca. 16.30 Uhr im Ticker) spielt Federer gegen den Belgier David Goffin, der den Amerikaner Jack Sock 7:6, 6:3 bezwang. Gegen die Weltnummer 10 führt der Schweizer im Head-to-Head 5:0. Die beiden standen sich in Basel bereits 2014 im Final gegenüber, als Federer 6:2, 6:2 siegte.

Er freut sich auf das neuerliche Aufeinandertreffen mit Goffin: «Ich bin ein grosser Fan von ihm.» Er habe oft mit ihm trainiert, und Goffins Trainer Thierry van Cleemput kenne er schon, seit er zwölf Jahre alt sei. «David spielt eine sehr konstante und solide Saison. Vor allem seine Rückhand und seine Beinarbeit gehören momentan zu den besten auf der Tour.»

(kai)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • guhu am 28.10.2017 03:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Der RF ist einfach genial. Ein King und der genialste Tennisspieler. Kann immer wieder nur staunen.

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  • Jakob am 28.10.2017 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Federer ist so ein fairer Spieler. Es gehört schon zu seiner Charakterstärke, wie er sich jeweils selber analysiert und seinem Gegenüber Respekt zollt und deren Stärke lobt!

  • Gianni am 28.10.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Damen drücken, respektive Finger kreuzen

    Wäre toll, RF könnte Basel gewinnen. Wir drücken jedenfalls die Daumen. Schade können wir das Finale nicht sehen. Wird in Florida nicht live übertragen. Go for it Roger. Viel Glück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Rauber am 28.10.2017 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Danke RF

    Roger Federer ist ein Glücksfall für die kleine Schweiz. Talent, zielstrebige Arbeit und vor allem eiserner Wille ist die Leitschnur für diesen einmaligen Sportler! Dazu braucht es einen standhaften Charakter. Sein jetziger Auftritt im lf.Jahr ist mit jedem Auftritt unvergesslich, besonders in seinem hohen Alter als Spitzensportler. Und dies bei Sieg und Niederlage. Wir verwöhnten Schweizer können und nur vor RF verneigen.

  • Edo Ram am 28.10.2017 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Roger is the number !

    "Diesen Schlag treffe ich nur in 5 von 100 Fällen"... schön und gut aber genau da wo es mal sinnvoll wäre ein Video zu zeigen, sieht man Fotos?

  • Pete am 28.10.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adrenalin pur Danke!

    War gestern am Match. Adrenalin pur, nichts für schwache Nerven.....Danke Roger, einfach genial. Und hoffentlich reichts zum Sieg in Basel!

  • jch am 28.10.2017 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Noch genialer!

    Wenn RF mit dem "Rücken zur Wand steht", packt er noch einen drauf und spielt noch genialer! Einfach Weltklasse dieser Mann!

  • ANSTAND und RESPEKT am 28.10.2017 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..kann nicht so schwer sein

    Man muss IHN nicht Sympatisch finden.. Liegt immer im Auge des betrachters.. Aber seine Leistung in sachen Tennis ist Weltklasse.. Wer das nicht sieht, hat entweder ein Problem mit sich selber oder einen schlechten Charakter.. Schreibt was ihr wollt; aber Schreibt mit Niveau und mit Respekt. Der 'Respekt' wo ihr selbst im eigenen Leben auch von anderen erwartet.. Wollte das mal Komunizieren...;-) Nice Weekend