Comebacks, Umstürze, Ausraster

20. November 2017 17:27; Akt: 20.11.2017 17:32 Print

Das hat uns das Tennisjahr 2017 gelehrt

von Kai Müller - Die abgelaufene Saison bot viel Abwechslung. 25 Erkenntnisse, die wir aus den vergangenen elf Monaten gewonnen haben.

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Roger Federer ist entgegen vieler Prognosen auch im Jungseniorenalter noch fähig, Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Der beste Spieler der Saison beendet das Jahr nicht zwingend als Nummer 1. Roger Federer und Rafael Nadal sind nicht nur die grössten Spieler aller Zeiten, sondern inzwischen auch Freunde. Ihr Doppel am Laver-Cup war eines für die Geschichte. Und: Man sollte Champions wie sie nie abschreiben. Nadal kann den Schweizer momentan aber nicht mehr schlagen. Beim Mallorquiner macht sich langsam ein Federer-Komplex bemerkbar. Nick Kyrgios (l.) kann ein hochmotivierter Teamplayer sein – nicht umsonst vergoss er nach der entscheidenden Niederlage gegen Federer am Laver-Cup Tränen. Der Laver-Cup hat eine Zukunft, wenn die Spieler und Captains mit gleicher Verve wie bei der Premiere dabeibleiben. Alexander Zverev braucht noch Zeit für seinen ersten Major-Triumph. Die Schweizerinnen werden nach dem Abschied von Martina Hingis eine Weile auf den nächsten Grand-Slam-Titel warten müssen. Aber: Belinda Bencic ist nach ihrer Verletzungspause auf bestem Weg zurück nach oben. So kontrovers sie auch ist, eine Figur wie Maria Scharapowa tut dem Frauentennis gut. Ihre Berufskolleginnen können sich nicht entscheiden, wer die Nummer 1 sein soll. Fünf verschiedene Spielerinnen waren es in diesem Jahr, zuletzt Simona Halep, die noch immer ihren ersten Grand-Slam-Titel jagt. Die Fluktuation an der Spitze dürfte 2018, wenn Serena Williams von ihrer Babypause zurückkehrt, früher oder später Geschichte sein. Eugenie Bouchard wird ihre und andere Fans auch künftig mehr mit ihrem Instagram-Account als mit ihrem Tennis erfreuen. Die Verpflichtung einer Legende wie Andre Agassi als Trainer ist keine Garantie für eine Trendwende. Siehe Novak Djokovic. Federers Beispiel – sich nach einer Verletzung genügend Zeit zu gönnen – hat Schule gemacht. Siehe Djokovic und andere Topspieler. Ohne Djokovic, Andy Murray (Bild) und Stan Wawrinka fehlt dem Tennis eine gehörige Portion Würze. Auf Wawrinka wartet eine immense Herausforderung. Er muss nach dem Rückzug von Magnus Norman – für viele der weltbeste Trainer – ohne den Mann, der ihn zum dreifachen Grand-Slam-Champion gemacht hat, zu alter Stärke finden. Die Amerikaner haben mit Jack Sock nach Andy Roddick endlich wieder einen Spieler, der grosse Titel gewinnen kann – zumindest, wenn die Umstände günstig sind. Bernard Tomic spielt nur Tennis, weil er schnell viel Geld verdienen und sich zur Ruhe setzen möchte. Und weil er nichts anderes kann. Der Job als Schiedsrichter kann nach wie vor undankbar sein – etwa wenn der frustrierte Denis Shapovalov Arnaud Gabas (Bild) versehentlich abschiesst und ihm einen Augenhöhlenbruch zufügt oder wenn der Russe Daniil Medwedew Münzen vor den Schiedsrichterstuhl wirft, um anzudeuten, dass er mit der Leistung der Unparteiischen nicht einverstanden war. Ballbuben leben in Gegenwart von Adrian Mannarino gefährlich. In Wimbledon lief der Franzose absichtlich in einen hinein. Es war nicht das erste Mal, dass er mit so einer Aktion für Kopfschütteln sorgte. Fabio Fognini ist und bleibt ein Heisssporn, der auch 2018 für negative Schlagzeilen sorgen wird. Der Legendenstatus verzeiht nicht alles. Die 24-fache Grand-Slam-Siegerin Margaret Court und der zweifache Major-Champion Ilie Nastase (Bild) lieferten mit homophoben respektive rassistischen Äusserungen Skandale. Auch das Tennis ist nicht vor Hymnen-Patzern gefeit – vor der Fed-Cup-Partie auf Hawaii wurde die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen. Bleibt der Ausblick auf 2018. Und mit ihm folgende Erkenntnis: Das Australian Open im Januar wird zum vielleicht spektakulärsten Major-Turnier seit langem, weil der Rückfall einiger Topspieler im Ranking frühe Schlagerpartien möglich macht. Man darf gespannt sein, wie schnell Djokovic, Wawrinka, Murray, Raonic und Nishikori wieder ihr altes Niveau erreichen, ob sich Nadal und Federer an der Spitze behaupten und ob die Jungen um Zverev den nächsten Schritt machen. Sicher ist: Es wird auch im nächsten Jahr einiges zu erzählen geben.

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Was war das für ein Tennisjahr. Es begann mit einer faustdicken Überraschung, als sich Roger Federer und Rafael Nadal plötzlich im Melbourne-Final gegenüberstanden und der Baselbieter sein Comeback mit dem Triumph im hochklassigen Fünfsätzer krönte. Und es endete mit einer faustdicken Überraschung, als Grigor Dimitrov und David Goffin am Sonntag den Titel an den ATP Finals in London ausspielten, wo der Bulgare zum grössten Sieg seiner Karriere kam.

Auch in den Monaten dazwischen ereignete sich vieles, was einem tollkühnen Wettenden viel Geld hätte einbringen können. So führten die langwierigen Verletzungen mehrerer Topspieler zu einem Umsturz in der Weltrangliste und ermöglichten Figuren aus der zweiten Reihe den Schritt ins Rampenlicht, während bei den Frauen in Abwesenheit von Serena Williams ein unterhaltsamer Kampf um die Nummer 1 entbrannte.

2017 war aber auch eine Bestätigung dafür, dass sich manche Dinge respektive Personen nie ändern – und gleichzeitig ein Versprechen, dass 2018 erneut spektakulär werden wird.

Was uns das turbulente Tennisjahr gelehrt hat, erfährst du in der Bildstrecke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jakob Meile am 20.11.2017 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Die wahren Könige des Tennis

    Die Grand-Slam-Titel wurde unter den wahren Titanen des Tennis aufgeteilt. Der Maestro Roger Federer und Rafael Nadal haben in den letzten 15 Jahren dem Tennis-Sport mit Charakter, Freude und Sportgeist geprägt. Egal wie lange ihr noch spielt, ihr seid LEGENDEN! Danke dafür.

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  • Sulejka am 20.11.2017 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sypathisches Duo

    das tollste Duo seit es Tennis gibt :-) Raphael Nadal und Roger Federer.

  • Alex10 am 20.11.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big moment

    Der schönste Moment? Als Rafa den Roger regelrecht ansprang beim Sieg am Rod Laver Cup. Hühnerhaut-Moment !!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • RF Fan am 21.11.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    nicht immer zu verstehen

    So ein paar Dinge fehlen hier noch. Etwa dass uns das Tennisjahr 2017 auch gelehrt hat, dass Rafa nur dann antritt, wenn er sicher ist zu gewinnen, ansonsten gibt er Forfait. Auch eine Möglichkeit die Nummer 1 zu bleiben.

    • Toni am 21.11.2017 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF Fan

      Ihre Rechnung geht nicht auf. Er verliert die punkte ob er verliert oder nicht antritt. Das ändert nichts. A propos nur antreten wenn er sicher ist, dass er gewinnt. Warum hat federer wohl kein einziges Turnier auf sand gespielt.....

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  • Herrcool.es am 21.11.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich

    geht die Verjüngung der Cracks weiter. Persönlich habe ich genug von den aktuellen Nummern 1,2 und 16. Bleibt zuhause und geniesst das Leben.!

  • Quokka am 20.11.2017 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Toller Artikel!

  • Alex10 am 20.11.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big moment

    Der schönste Moment? Als Rafa den Roger regelrecht ansprang beim Sieg am Rod Laver Cup. Hühnerhaut-Moment !!!

  • Herr Max Bübzlig am 20.11.2017 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Herr Federer wird 2018, vermutlich ganz aufhören, Tennis zu spielen

    • Chrümel am 20.11.2017 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herr Max Bübzlig

      Und sie werden endlich ihre Ruhe finden

    • Tamara Hutzli am 20.11.2017 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herr Max Bübzlig

      Wie wahr! Der Tag des Sieges naht!

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