Nach dem Out

12. Juli 2018 12:24; Akt: 12.07.2018 16:30 Print

Warum Federer schon an 2019 denkt

von René Stauffer, London - Der abgesetzte Wimbledon-Champion richtet seinen Fokus nach dem schmerzhaften Aus gegen Anderson rasch in die Zukunft.

Überraschung in Wimbledon: Roger Federer scheitert an Kevin Anderson. Video: SRF
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Was tun mit dem angefangenen Sommer? Diese Frage könnte sich für Roger Federer stellen, nachdem sein Wimbledon-Aufenthalt etliche Tage früher zu Ende ging, als dies geplant war. Gegen den Südafrikaner Kevin Anderson musste er in seinem 53. Grand-Slam-Viertelfinal erst die 10. Niederlage hinnehmen, womit er an seinem Lieblingsturnier erstmals seit fünf Jahren wieder die Halbfinals verpasste.

Dies eröffnet vor allem Rafael Nadal eine goldige Gelegenheit. Sollte der Mallorquiner, der Del Potro in fünf Sätzen niederrang und nun auf Djokovic trifft, am Sonntag seinen dritten Wimbledonsieg holen nach 2008/10, würde Federer in der Weltrangliste schon 3500 Punkte hinter dem Spanier liegen; ein Rückstand, der sich in diesem Jahr nur noch schwerlich aufholen liesse. Und damit sässe ihm Nadal mit 18 Majortiteln in der Liste der häufigsten Grand-Slam-Sieger zudem wieder bedrohlich eng im Nacken.

«Analysieren bringt nicht viel»

Für den 20-fachen Majorchampion geht es vorerst darum, seine Enttäuschung zu verarbeiten, umso mehr, als er bereits eine 2:0-Satzführung und einen Matchball herausgespielt hatte. «Diese Partie zu analysieren bringt aber nicht viel», sagte er. «Spiele gegen grosse Aufschläger sind immer tückisch, da ist man nie sicher, selbst wenn man zu Matchbällen kommt. Ein einziger Punkt kann den Unterschied ausmachen, und drei Stunden später sitzt du da und erklärst eine Niederlage.» Es hätten ihm die aussergewöhnlichen Schläge gefehlt, die speziellen Returns. Und am Ende habe er auch den ersten Aufschlag zu sehr forciert, anstatt diesen präziser und schlauer zu schlagen und dadurch zu vermeiden, dass Anderson zu viele Chancen erhielt, seine zweiten Bälle anzugreifen, «denn darin ist er gut.» Es sei sehr enttäuschend, dass er diese Absicht nicht besser umgesetzt habe, so Federer.

Der Plan sei, nun einige Tage zu pausieren, dann aber schon bald das Training aufzunehmen, um für die nordamerikanische Hartplatzsaison in guter Form zu sein, zuerst mit Fitnesscoach Pierre Paganini. «Ich denke, dass ich rasch etwas anderes in Angriff nehmen werde.» Beim Bewältigen der Enttäuschung dürfte ihm auch helfen, dass er nun mit der Familie in die Schweiz zurückkehren und dort Freunde treffen könne, spekulierte Federer. «Ich bin zwar schon sehr enttäuscht, aber man braucht sich nicht zu beunruhigen. Ich habe genug Erfahrung, um zu wissen, dass es im Leben solche Partien gibt, die einem wie Sand durch die Finger rutschen können. Das sind die harten, die tun speziell weh.»

Offen ist, ob seine Rückkehr auf die Tour im August in Toronto (ab dem 6. August) oder erst eine Woche später in Cincinnati erfolgt. Üblicherweise bestreitet er zwischen Wimbledon und dem US Open, das am 27. August beginnt, lediglich ein Hartplatzturnier. Als er letztes Jahr in Cincinnati und Montreal antreten wollte, verletzte er sich in Kanada, wo er das Endspiel gegen Alexander Zverev verlor, am Rücken um war danach wochenlang angeschlagen.

Kehrt Federer 2019 wieder zurück auf Sand?

Federers Blick wanderte aber schon weiter voraus, in den Sommer 2019. Gefragt, ob er dieses Jahr mit Stuttgart, Halle und Wimbledon auf Rasen möglicherweise zu viel gespielt habe, sagte er: «Nein, ich fühlte mich wunderbar auf dem Platz, bewegte mich gut, fühlte mich spritzig. Das Konditionstraining zahlte sich aus. Aber ich weiss nicht, ob ich den Sommer nächstes Jahr gleich plane wie dieses Jahr. Ich weiss ja nicht einmal, was dann mit der Sandsaison läuft. Das einzige, das ich weiss, ist dass ich dann wieder in Halle spielen werde.»

Und, natürlich, in Wimbledon. Denn so viel ist klar: Die Partie gegen Anderson kann nicht der letzte Auftritt des Rasenkönigs in Wimbledon gewesen sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sünneli am 12.07.2018 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Positiv

    Das schätze ich an RF. Immer positiv denken und nicht darüber diskutieren was Gestern war. Nach vorne schauen. Roger Federer wurde schon öfters abgeschrieben, und hat uns eines Besseren belehrt.

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  • Martin Pupschnüffler am 12.07.2018 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Genieße es...

    Das kann noch mal mächtig spannend werden. Sollte Nadal Wimbledon gewinnen und nächstes Jahr erneut in Paris, hat er 19 GS Titel. Langsam könnte es eng werden. Finde es gut, so macht es Spaß.

  • Ernst Moser am 12.07.2018 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Vergötterung

    Na gut, man muss sich also damit abfinden, dass die Vergötterung von Roger Federer auch 2019 weitergeht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • KvB am 13.07.2018 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in Valbella

    Diese Bergluft wird Federer mit seiner Familie geniessen und dann wieder mit Freude und vollem Tank seinen geliebten Sport geniessen und ausüben. Der Tennissport braucht Federer und er soll diesen Sport solange ausführen, wie es ihm Spass macht.

  • Sahra Vakuum am 13.07.2018 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Halten die, die Schläger auch richtig?

    Gale schluckt. Wieso spielen die denn immer mit dem anderen Ende. Das Gitter am Schläger verwirrt mich. Hätära

  • Sarah Griffinsklo am 13.07.2018 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Roger ist alles doof...

    Wimbledon kommt mir derzeit vor, wie die Fußball WM. Ohne Federer ist es als wäre Deutschland oder die Schweiz ausgeschieden und damit langweilig geworden. Ich weiß zu meiner Schande noch nicht einmal wer da am Sonntag im Finale steht.

    • Steffi am 13.07.2018 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sarah Griffinsklo

      Du meine Güte muss Dein Leben langweilig sein

    • Sarah Griffinsklo am 13.07.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Steffi

      Nein, liebe Steffi. Ich habe ein sehr glückliches, erfülltes neues Leben. Schön, dass du dir als Unbekannte Gedanken um mein Wohl machst.

    • Steffi am 13.07.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sarah Griffinsklo

      Jaa. Es hört sich ja auch sehr depremierend und verzweifelnd an wenn man es so liest. Umso schöner ist es ja wenn es nicht so ist.

    • Sarah Griffinsklo am 13.07.2018 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Steffi

      Du hast vollkommen Recht Steffi. Ich mag lieber Nationalstolz als gutes Tennis. Deshalb ist mein Leben auch so deprimierend wenn Federer ausscheidet. Von Tennis habe ich, wie viele andere RF Fans, leider keine Ahnung.

    • Benno am 13.07.2018 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sarah Griffinsklo

      Ja weil du nur ein Modefan bist und kein richtiger Tennis Fan bist. Sonst würdest du annähernd wissen wer im 1/2 Finale ist.

    • Benno am 13.07.2018 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sarah Griffinsklo

      Immerhin bist du ehrlich und sagst das andere Pederer Fans keine Ahnung haben. Respekt

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  • Stefan am 13.07.2018 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt noch Helden

    Anderson wollte die Welt retten und Federer besiegen. Er hat beides getan. Die Welt vor Federer gerettet in dem er ihn besiegt hat.

  • Gottfried am 13.07.2018 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp an Roger ...

    HF Nadal-Djokovic im TV schauen, da kann er von richtigen Meistern ihres Fachs was dazulernen ...

    • Werni am 13.07.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gottfried

      Und dann nochmals schauen, nochmals...

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