Sagan zum Sturz

05. Juli 2017 08:41; Akt: 05.07.2017 10:49 Print

«Habe ihn nicht gesehen – er kam schnell von hinten»

Der Weltmeister leistet sich im Gerangel um den Tagessieg in der 4. Etappe ein Foul. Die Jury schliesst ihn deshalb von der Tour de France aus.

Sagan drückt Cavendish in die Absperrung. (Video: Tamedia/AFP)
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Innert 24 Stunden vom umjubelten Star zum Buh-Mann – dieses Szenario erlebte Peter Sagan an der 104. Tour de France. Am Montag in Longwy noch siegreich, sah sich der Weltmeister in Vittel von der Jury nach einer unfairen Aktion gegen Mark Cavendish disqualifiziert.

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Peter Sagan werde von der diesjährigen Tour de France ausgeschlossen, weil er mit seiner Aktion auf der Zielgeraden mehrere Rennfahrer-Kollegen in Gefahr gebracht habe. Dieses Urteil verkündete Jury-Präsident Philippe Marien im Medienzentrum gut 90 Minuten nach dem Ende der 4. Etappe über 207,5 km von Mondorf-les-Bains nach Vittel.

Verschärfung der Strafe

Der slowakische Sprintstar vom deutschen Team Bora-Hansgrohe hatte rund 200 m vor der Ziellinie den rechten Ellbogen ausgefahren und Cavendish bei Tempo 60 gegen die Absperrgitter gedrängt. Dieser stürzte ebenso wie zwei nachfolgende Fahrer, die dem am Boden liegenden Briten nicht mehr ausweichen konnten.

Zunächst hatte die Rennjury Sagan nur mit einer Deklassierung vom 2. Platz (hinter Tagessieger Arnaud Démare) sowie einer 30-Sekunden-Strafe belegt, zudem wären ihm in der Punktewertung nicht weniger als 80 Zähler abgezogen worden. Bereits damit wäre es äusserst schwierig geworden für den zweifachen Strassenweltmeister, der seit seiner ersten Tour-Teilnahme 2012 fünfmal in Serie das grüne Trikot nach Paris gebracht hatte. Eine Stunde danach aber wurde die Strafe maximal verschärft.

Von Sagan selbst war nach seiner Disqualifikation keine Aussage greifbar. Doch offenbar hatte der Slowake nach dem Vorfall ein schlechtes Gewissen. Er begab sich umgehend zum Teambus von Cavendish, wo er sich entschuldigen wollte. «Ich konnte ihm nicht mehr ausweichen», schilderte Sagan seine Sicht der Dinge – die Jury sah dies freilich anders.

Cavendishs Aufgabe – Sagan-Team legt Protest ein

Die Verletzungen bei Cavendish, den mit 30 Etappensiegen bei der Tour erfolgreichsten aktiven Rennfahrer, sind doch schwerer als zunächst befürchtet. Wie sein Team Dimension Data in der Nacht auf Mittwoch mitteilte, erlitt der frühere Weltmeister bei seinem schweren Sturz einen Bruch des rechten Schulterblatts und muss die Tour beenden. Dies ergaben Untersuchungen im Spital in Nancy. Eine Operation bleibt Cavendish zunächst erspart.

«Ich bin natürlich unheimlich enttäuscht», so Cavendish. «Ich sah mich in einer guten Position zu gewinnen, diese zu verlieren und sogar die Tour verlassen zu müssen, ein Rennen, um das ich meine ganze Karriere gebaut habe, ist wirklich traurig.» Den Rest der Rundfahrt werde er nun gezwungenermassen vor dem Fernseher verfolgen.

Sagans Team Bora-Hansgrohe legte am späten Dienstagabend offiziell Protest ein gegen den Ausschluss seines Stars. Der Slowake habe versichert, Cavendishs schweren Sturz «weder verursacht noch in irgendeiner Weise beabsichtigt zu haben», liess das Team verlauten. «Im Sprint habe ich Mark nicht gesehen. Er kam von rechts und ich wollte an das Hinterrad von Kristoff. Mark kam sehr schnell von hinten und hat mich berührt. Ich hatte keine Zeit zu reagieren und er kam zu Sturz», wurde Sagan in der Mitteilung seines Teams zitiert. Die Bora-Mannschaft sei mit der Disqualifikation nicht einverstanden und fordere die Wiederaufnahme in die Ergebnisliste, hiess es weiter.

(20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aus die Maus am 04.07.2017 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Aktuell: Aus für Sagan

    die Tour schliesst ihn von der weiteren Teilnahme aus. Richtig so.

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  • Mario am 04.07.2017 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absicht

    Wenn man das Video einige male schnell von Anfang an wiederhold, sieht man schon eine absichtliche Ellbogen bewegung...

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  • W G am 04.07.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sagan der Schläger

    Scheint in Mode zu kommen, den Gegner mit dem Ellenbogen zu schlagen, siehe Fussball.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Merlin am 05.07.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sagan

    Sagan Fans Die Strafe ist zu hart! Sagan gib nicht auf. Was dich nicht umbringt, macht dich stark!!

  • Fotiadis Ch. am 05.07.2017 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    nicht gesehen ....

    ......und der Ellbogen kam von alleine hoch oder was ? Windstoss von unten ....

  • Mike am 05.07.2017 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    tja....

    Wenn das Doping nicht wirkt wird halt ge-elbögelt ;)

  • Gümmeler am 05.07.2017 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    mit Sprinter

    Wer schon einmal in einem Sprint war, der weiss, dass die Geschwindigkeit relativ ist. Von aussen sieht ein Sprint hektisch aus, wer aber mitten drin ist der spürt die relativ kleinen Geschwindigkeits Unterschiede. Das macht die Situation für einen Fahrer sehr übersichtlich. ein Profi soll mit nicht erzählen er habe einen anderen nicht gesehen, das glaube ich aus eigener Erfahrung schlicht nicht.

  • Hölzli am 05.07.2017 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Skandal

    dieses Urteil ist ein Skandal. Bin sleber jahrelang Radrennen gefahren. Passiert doch seit eh und je wie auch in Zukunft bei jedem Sprint. Jede Lücke wird gesucht, auch wenn mann genau weiss dass kein Platz ist. Lest mal auf Twitter die Kommentare namhafter Exprofis. Sogar Greippel hat nach Studium des Videos gesagt die Strafe sei viel zu hart.

    • Felix Thoma am 05.07.2017 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Sieg für den Sport!

      Es geht darum ein Zeichen zu setzen! Hier hätte es locker TOTE geben können! Den Fahrern muss bewusst sein, dass es eine Grenze gibt! Wird diese überschritten, ist der Tarif seit gestern bekannt! Das ist gut für den Sport und für die Gesundheit der Fahrer!

    • Emil Krauss am 05.07.2017 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Felix Thoma

      Whoa, jetzt also bitte nicht gleich übertreiben!!! Von wegen "Tote geben können". Wer Radsport sehen will, muss auch solche harten Endspurt-Kämpfe in Kauf nehmen. Wenn Sie null Risiko wollen, müssen Sie alles verbieten, das kann aber nicht der Sinn sein. Wir streben immer "höher, schneller, weiter", im Sport sowieso. Mit dem "Zeichen setzen" gebe ich Ihnen Recht, an Sagan wird jetzt ein Exempel statuiert. Ob das korrekt ist, sei dahingestellt...

    • sven am 05.07.2017 11:43 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      und die Grenze ist klar ersichtlich (abgesperrt) wenn er denkt er kann bei einem Zielsprint in der kleinen Lücke vorbeidüsen hat sich geirrt. Aber alle Rad-Profis sind sich einig das das Urteil nicht in Ordnung ist.

    • Marcos am 05.07.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Felix Thoma

      Bei einer Bergabfahrt von 80km/h kann es ja keine Tote geben

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