Goldene Tage von Sapporo

03. Februar 2012 18:55; Akt: 03.02.2012 18:56 Print

«Ogis Leute siegen heute»«Ogis Leute siegen heute»

von Herbie Egli - Vor 40 Jahren wurden die Olympischen Winterspiele in Sapporo eröffnet. Die Schweizer Goldmedaillen-Gewinner Marie-Theres Nadig, Bernhard Russi und Hausi Leutenegger erinnern sich.

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Bernhard Russis Fahrt zu Abfahrtsgold an den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo. (Video: YouTube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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3. Februar 1972. Die Sportwelt blickte nach Sapporo. In der grössten Stadt von Hokkaidō, der nördlichsten der vier japanischen Hauptinseln, fand die Eröffnungsfeier der 11. Olympischen Winterspiele statt. Edmund «Edy» Bruggmann, der Flumser Riesenslalom-Spezialist, war Schweizer Fahnenträger. Der spätere Bundesrat Adolf Ogi technischer Direktor des Verbandes. Dass an diesen Spielen der Slogan «Ogis Leute siegen heute» entstehen würde, wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Es war ein Wunder, dass Bruggmann bei der Eröffnungsfeier die Finger nicht abfroren. «Es war saukalt», sagt Marie-Theres Nadig zu 20 Minuten Online. Bis zu drei Stunden mussten die Athleten mit dem weissen Kreuz auf rotem Grund warten, ehe sie nach alphabetischer Reihenfolge der Länder einlaufen durften. Das «S» für Schweiz war halt schon immer weit hinten im Alphabet. Immerhin durften die Frauen ihre Kopfbedeckung anbehalten, während die Männer sie abnehmen mussten, als sie vor dem damaligen japanischen Kaiser Hirohito und dem amerikanischen IOC-Präsidenten Avery Brundage vorbeigingen.

Mit dem Gedanken an ein Auto zum Olympiasieg

Nadig verkraftete die Strapazen der Eröffnungsfeier gut. Zwei Tage später gewann sie vor der österreichischen Favoritin Annemarie Moser-Pröll Abfahrtsgold. Die Flumserin musste sich während des Rennens jedoch zusätzlich anspornen. «Vor dem Abflug nach Japan ging ich mit meinen Schwestern ins Kino. Wir schauten den Film von Herbie, dem tollen Käfer. Beim Start war ich dann sehr ruhig. Als ich dem Ziel aber immer näher kam, sagte ich mir ‹Go Herbie, go!› und es ging zum Glück auf.» Mit dem Wunder-Käfer wäre Nadig sicher noch schneller die Piste heruntergekommen und das Auto hätte auch diese Prüfung gemeistert.

Die zweite Goldmedaille eroberte Nadig wortwörtlich im Sturm. Als die damals 17-Jährige im Riesenslalom mit Startnummer 10 unterwegs war, zeigte sich das Wetter von der ganz schlechten Seite. Die St. Gallerin liess sich davon aber nicht aufhalten und wurde Doppel-Olympiasiegerin. Obwohl Nadig schon Abfahrtsgold in der Tasche hatte, rechnete sie sich in diesem Rennen die grösseren Chancen auf einen Podestplatz aus. Tiefstapeln kann man das auch nennen.

«Ich dachte, es haut mir eine Sicherung heraus»

Bei den Männern ging Abfahrtsgold ebenfalls an einen Schweizer: Bernhard Russi sicherte sich vor seinem Landsmann Roland Collombin die Goldmedaille. Für den Urner war die Zeit vor dem Rennen fast nicht zum Aushalten. «Beim Einschlafen am Abend vor dem Rennen und während der Busfahrt an den Rennort glaubte ich, dass es mir eine Sicherung raushaut. Ich stand noch nie so unter Druck wie damals.» Russi ging aber gekonnt damit um und fuhr im Rennen die Linie, die er sich vorgenommen hatte. Es war eine goldene Linie.

Seinen Olympiasieg weniger gut in Erinnerung hat Hausi Leutenegger. Dem Selfmade-Millionär machte zuerst die interne Ausscheidung zu schaffen. Er setzte sich mit seinen Teamkollegen Jean Wicki, Werner Camichel und Edy Hubacher unter anderem gegen die amtierenden Weltmeister René Stadler und Erich Schärer durch. Dass es zur Goldmedaille reichte, war für Leutenegger «ein unheimliches Gefühl und eine grossartige Sache».

Gar nicht grossartig war die Zeit danach. Leutenegger zog sich auf dem Rückflug von Sapporo nach Tokio eine Lungenentzündung zu. Der heute braungebrannte und passionierte Golfer lag drei Wochen in einem Spital der japanischen Hauptstadt. Die Freude über Olympiagold war verflogen.

Podestplatz im Medaillenspiegel

Für die Schweiz lohnte sich der Abstecher an die ersten Olympischen Winterspiele in Asien trotzdem. Sie belegte im Medaillenspiegel hinter den damals übermächtigen Ostblock-Nationen Sowjetunion (16 Medaillen) und DDR (14 Medaillen) mit zehnmal Edelmetall den 3. Platz. Neben den vier Goldmedaillen heimsten die Schweizer je drei Silber- und Bronzemedaillen ein.

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