Protest abgeschmettert

05. Juli 2017 11:55; Akt: 05.07.2017 12:45 Print

Cavendish ist kein Unschuldslamm

Der Tour-Ausschluss von Peter Sagan ist definitiv und hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Mark Cavendish ist im Sprint nicht unschuldig.

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Die Fakten vorneweg: Mark Cavendish hat sich bei seinem Sturz am Schluss der vierten Tour-de-France-Etappe das Schulterblatt gebrochen. Damit ist die Grande Boucle für den 30-fachen britischen Etappensieger zu Ende.

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Zu Ende ist sie auch für Peter Sagan. Der slowakische Weltmeister wurde nach dem Ellbogencheck gegen Cavendish von der Rennjury ausgeschlossen. Sein Team Bora-hansgrohe legte dagegen Rekurs ein, hatte aber keinen Erfolg. Der internationale Radsportverband UCI bestätigte am Mittwoch den Ausschluss. «Ich akzeptiere den Jury-Entscheid, bin damit aber nicht einverstanden», sagte Sagan zum Verdikt. «Ich bin der Meinung, dass ich im Sprint nichts Falsches gemacht habe. Es war ein verrückter Sprint und es wird noch viele solche geben. Es tut mir sehr leid, dass Mark gestürzt ist und ich wünsche ihm gute Besserung.»


Die andere Sichtweise

Neue Bilder des Sprints zeigen, dass der Jury-Entscheid hart ist. Denn: Cavendish stösst zuerst mit dem Kopf gegen Sagan, worauf dieser den Arm ausfährt. Der Brite fuhr zudem etwas hinter dem Slowaken und wollte an der Balustrade entlang vorbei, wo kaum Platz vorhanden war (siehe Video ganz oben).


Sprintstar Greipel nimmt Sagan in Schutz

Der Zwischenfall führte natürlich zu grossen Diskussionen. Deutschlands Sprintstar André Greipel wetterte nach der Zielankunft, dass sich Sagan nicht alles erlauben könne, nur weil er ein Weltmeistertrikot anhabe. Am späteren Abend ruderte er zurück. «Manchmal sollte man zuerst die Bilder anschauen, ehe man etwas sagt. Ich entschuldige mich bei Peter Sagan und denke, die Entscheidung der Rennjury ist zu hart.»


Cavendishs Kopfstösse

Cavendish versuchte nicht zum ersten Mal, sich mit dem Kopf Platz zu verschaffen. Bei der Dubai Tour im letzten Jahr versetzte der Brite dem Polen Grzegorz Stepniak einen Kopfstoss, weil ihn dieser im Sprint am Schluss der Etappe vom Hinterrad des Italieners Andrea Guardini verdrängt hatte.


Bei der Tour de France 2011 wurde Cavendish nachträglich von einer Sprintwertung disqualifiziert, weil er den damaligen Leader Thor Hushovd mit Kopf und Schulter abdrängte. Dieser verliess jedoch die Ideallinie etwas und bekam ebenfalls keine Punkte.


(Video: Youtube/SBSTourDeFrance)

2010 profitierte Cavendish bei der Tour de France von mehreren Kopfstössen seines damaligen Teamkollegen Mark Renshaw, der ihm jeweils den Spurt anzog. Der Australier wollte sich mit den Attacken bei Tempo über 60 km/h den Neuseeländer Julian Dean vom Hals halten, damit Cavendish die Etappe gewinnen konnte, was er auch schaffte. Renshaw wurde wegen der Kopfstösse von der Tour ausgeschlossen.


(Video: Youtube/ABC News Australia)

(heg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rodscher28 am 05.07.2017 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Cav fällt zuerst!

    Cavs Lenker bzw. Bremsschalthebel verhakt sich offenbar in Sagans Ellbogen, dann beginnt sein Fall. Sagan spürt das und hebt instinktiv den Ellbogen. Auf Slowmo-Videos ist es gut zu sehen. Beide sind keine Unschuldslämmer, aber der Entscheid und das Abschmettern der Einsprache muss daher als falsch angesehen werden!

  • Matthias am 05.07.2017 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schwere Beurteilung

    Beide Rennfahrer sind keine Unschuldslämmer. Was da bei einem Sprint an Berührungen ablaufen ist schon extrem. Ich habe mir das Video nochmals angeschaut: Cav. ist hinter Peter und berührt mit dem Kopf (kein Kopfstoss) Peter. Cav. verliert die Balance und der Sturz beginnt. Peter hat die Berührung bemerkt und um den Sturz seinerseits zu verhindern nimmt er Korrekturen auch mit dem Ellbogen vor, welche so aussehen, als ob dieser den Sturz aufgelöst haben. Für mich schwer zu beurteilen, jedoch sehe ich keine Vorsatz, daher müsste Peter im Rennen bleiben.

  • Mister X am 05.07.2017 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jury hat keine ahnung vom radsport

    Komisch habe dies gester schon ohne wiedergolung gesagt das cavendish zuerst mit dem kopf stoss und kann die entscheidung nicht nachvollziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr Motzi am 05.07.2017 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sagan Foul

    In slowmotion sieht man deutlich, dass Sagan anfangs Sprint gegen mitte der Strasse fährt und Cav ganz rechts und Sagan zieht dann kontinuierlich Richtung Cav bis er ihn an der Bande einklemmt. das ist das unsportliche Foul.

    • Goldbär am 06.07.2017 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr Motzi

      Cav wollte, wie schon öfters, mal wieder mit dem Kopf durch die "Wand"... er hat erst Sagan angerempelt und ist schon am Fallen als Sagan den Ellenbogen ausfährt - was dieser auch nur tut um nicht das Gleichgewicht zu verlieren... Der Ausschluss ist absolut ungerechtfertigt und sicher politisch bedingt, da Demare nun ernste Chancen auf das grüne Trikot hat, und die Franzosen aus der über 20-jährigen Pleite kein Trikot mehr gewonnen zu haben befreit würden...

    • Cav am 06.07.2017 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goldbär

      so jetzt reichts, sagan hat seine Linie verlasssen und genau das ist verboten, du hast einfach keine ahnung von radsport und sprint. im sprint darf man seine linie nicht verlassen ausser man behindert niemanden. sagan verliess seine linie und behinderte cavendish. klares foul.

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  • bl am 05.07.2017 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Radsport

    Sind beide keine Unschuldslämmer , aber hier ist klar ein Vergehen sichtbar ... Bin für Fairness im Radsport ... und deshalb ist der Ausschluss nur Richtig ... Punkt !!!!

  • Dr Motzi am 05.07.2017 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sagan Foul

    in der Slowmotion ist deutlich zu sehen dass Sagan nach rechts gegen Cavendish zieht, obschon er weder bedrängt noch behindert werden kann, seine Sprint-Spur ist in unmittelbarer Nähe frei! Also kann angenommen werden dass Sagan Cavendish absichtlich behindern wollte und deshalb ist der Ausschluss völlig ok, auch sollte Sagan ein Startverbot auferlegt werden, bis Cavendish auch wieder fahren kann.

  • #177 am 05.07.2017 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Schuldzuweisung möglich

    Habe mir das Video mehrmals angeschaut. Sagen verhänkt sich sehr unglücklich in Cav's lenker, mann kann sagen dieser drängt sich nahezu unten den Arm von Sagan. Cav verliert die Balance und drückt seinen oberkörber sammt Kopf gegen Sagan. Dieser merkt das gehäder mit Cav und fährt automatisch seinen Ellbogen nach ausen um "Stabil" zu bleiben. Im Motocross Sport kommt es zu ähnlichen Situationen mit Lenkerberührungen und Ellbogen ausfahren. Es handelt sich im jetzigen Fall um einen normalen Rennunfall ohne sagen zu können das einer von beiden Schuld sei. That's Racing!

  • orlando am 05.07.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lob für die mutige rennjury

    der fall ist doch klar. sagan fährt absichtlich immer näher gegen die abschrankung - ohne not..... er hätte gerade aus fahren können. und dann kommt noch der ellbogen. sehr unsportlich. der ausschluss ist vertretbar