Gesamtsiege der Schweizer

10. März 2010 17:27; Akt: 10.03.2010 17:29 Print

Knackt Ammann die nächste Bastion?Knackt Ammann die nächste Bastion?

von Reto Fehr - Simon Ammann ist drauf und dran, als erster Schweizer den Gesamtweltcup der Skispringer zu gewinnen. Während die Schweiz in einigen Sportarten immer wieder siegt, gibt es viele, in denen noch nie ein Eidgenosse triumphierte.

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Simon Ammann holte 2010 als erster Schweizer die grosse Kristallkugel. Dario Cologna schaffte als erster Schweizer das Kunststück 2009 und doppelte 2011 nach. Paul Accola gelang das Kunststück 1992. Carlo Janka beendete 2010 die lange Durststrecke. Vreni Schneider holte die Kristallkugel 1995 letztmals in die Schweiz. Didier Cuche holte die wichtigste der kleinen Kristallkugeln zum letzten Mal 2011. Chantal Bournissen (rechts) war 1991 die letzte Schweizer Gewinnerin. Diesen gewann, nach Accola im Jahr seines Gesamtweltcupsiegs 1992, Didier Cuche 2011. Michaela Figini war 1988 im Super-G die beste - und letzte Schweizerin mit der Kugel. Letzter Schweizer Gewinner war 2009 Didier Cuche. Letztmals gewann 2002 mit Sonja Nef eine Schweizerin. Einzig Dumeng Giovanoli (r.) holte 1968 diesen Titel. Es wäre wieder an der Zeit. Die Paradedisziplin von Vreni Schneider. 1995 holte sie die Kristallkugel als letzte Schweizerin. Carlo Janka holte 2009 als letzter von bisher sechs Schweizern diese Kristallkugel. Brigitte Oertli war 1989 die letzte Schweizerin zuoberst auf dem Podest in dieser Disziplin. Immer war Simon Schoch der Schweizer Sieger, zuletzt 2007. Die Schweizer Überfliegerin heisst Daniela Meuli. Letztmals siegte sie für die Schweiz 2006. Iouri Podladtchikov sicherte der Schweiz den bisher einzigen Sieg 2008. Manuela Pesko dominierte die Szene vier Jahre, zuletzt 2008. Noch kein Schweizer schaffte es, den Snowboardcross-Weltcup zu gewinnen. Das gleiche Bild bei den Frauen. Ob Olympia-Bronzegewinnerin Olivia Nobs das ändern kann? Ivo Rüegg war 2010 der konstanteste auf höchstem Niveau. Im Vierer sind die Schweizer weniger erfolgreich. Zuletzt siegte Martin Annen 2002. Biathlon ist nicht Schweizer Revier. Weder im Gesamt- noch in den einzelnen Disziplinenweltcups stand ein Schweizer Ende Saison zuoberst. Auch bei den Frauen ists düster. Noch keine Weltcupsiegerin über die Saison. Es bleibt ohne Titel: In der Nordischen Kombination stand Ende Saison nie ein Schweizer ganz oben. Dank Gregor Stähli 2002 hat die Schweiz einen Gesamtsieger. Das gleiche Bild bei den Frauen: Maya Pedersen-Bieri sorgte 1998 für den bislang einzigen Schweizer Gesamtweltcupsieg. Dank Roger Federer stand am Ende des Jahres fünfmal ein Schweizer an der Spitze der ATP-Weltrangliste. Zuletzt 2009. Ähnlich siehts bei den Frauen aus: Nur Martina Hingis war über ein Kalenderjahr gesehen je die Beste mit Schweizer Pass, zuletzt 2000. Die Königsklasse des Motorsports verzeichnet bisher in den Geschichtsbüchern keinen Schweizer Weltmeister. Obs Sébastien Buemi je schafft? Benzin scheinen die Schweizer nicht im Blut zu haben. Auch bei der MotoGP-Klasse wurde noch nie ein Schweizer Weltmeister. Auch in der mittleren Klasse (jetzt Moto 2) gabs nie einen Schweizer Weltmeister. Immerhin holte die Schweiz in der kleinsten Klasse vier WM-Titel. Zuletzt schaffte Tom Lüthi 2005 das Kunststück. Gut, gibts im Motorsport auch die Seitenwagen. Dort war die Schweiz mit Rolf Biland und Kurt Waltisberg eine Macht, zuletzt 1994. Ferdy Kübler und Hugo Koblet (l.) sind die bisher einzigen Tour-de-France-Sieger. Kübler 1950, Koblet 1951. Tony Rominger war 1995 der letzte Giro-Sieger aus der Schweiz. Rominger und Alex Zülle (Bild) triumphierten bisher in Spanien. Zülle schaffte dies als letzter 1997. Klar, im Heimrennen sind wir spitze! Zuletzt holte Fabian Cancellara 2009 den Titel. Den ältesten Wettkampf der Welt entschied mit Alinghi zweimal ein Schweizer Team für sich. Dies war 2003 und 2007 der Fall. André Bucher knackte 2001 über 800 Meter den Goldjackpot als bisher einziger Schweizer. Neu ab 2010 heisst die Serie Diamond League. Daniel Hubmann war in den letzten drei Jahren das Mass der Dinge. Er holte seit 2009 dreimal den Weltcupgesamtsieg. Ob ers Simone Niggli-Luder nachmachen kann? Sie ist die Dominatorin der Frauen mit sechs Siegen, zuletzt 2010. Noch nie stand ein Schweizer am Ende der Saison in der Golf-Weltrangliste zuoberst.

Wo die Schweizer schon Weltcupgesamtsiege feierten und wo nicht.

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Ammann braucht aus den zwei Springen in Lillehammer und Oslo noch einen 14. Platz, um den Gesamtweltcup zu gewinnen. Das ist aber nur nötig, wenn Gregor Schlierenzauer gleichzeitig zweimal gewinnt. Man muss also kein Prophet sein: Bei der aktuellen Form des vierfachen Olympiasiegers ist dies nur noch eine Formsache. Damit würde Ammann der erste Schweizer, welcher über eine Saison hinweg der beste Skispringer war.

Solche Gesamt- oder Disziplinenweltcups gewinnt die Schweiz im Skifahren regelmässig. Akutell hat Didier Cuche die kleine Kristallkugel der Abfahrt in der Tasche und Carlo Janka ist nahe am Gesamtweltcupsieg. Es wäre der siebte Erfolg für die Schweiz, letztmals schaffte Paul Accola das Kunststück 1992. Noch länger zurückblättern muss man für den Disziplinensieg im Super-G der Frauen (1988 Michaela Figini), in der Kombination der Frauen (1989 Brigitte Oertli) oder noch schlimmer im Slalom der Männer. Dort holte einzig Domeng Giovanoli die kleine Kristallkugel. Das war 1968. Ob die Schweiz in den nächsten Jahren im Slalom ganz vorne mitfahren kann, ist fraglich. Silvan Zurbriggen, Marc Gini und Sandro Viletta hätten womöglich das Potenzial dazu, aber die Spitze im Slalom ist extrem breit.

Kein Benzin im Blut

Doch beim Wintersport gibt es noch einige Gesamtweltcups, welche noch nie von Schweizern gewonnen wurden. Darunter fallen Biathlon, die nordische Kombination, Rodeln oder Snowboardcross. Ebenfalls noch ohne Gesamtweltcupsieg ist die Schweiz im Skicross. Dies könnte Olympiasieger Mike Schmid jedoch in dieser Saison ändern. Immerhin hat Dario Cologna erst 2009 als erster Schweizer den Langlaufweltcup für sich entschieden. Es war eine der letzten grossen Bastionen im Wintersport, bei denen noch nie ein Schweizer über die Saison hinweg der beste war. Die wohl letzte ist das Skispringen. Simon Ammann wird die Schweiz da aller Voraussicht nach bald erlösen.

Bei Sommersportarten kann die Schweiz auch einige Erfolge aufweisen. Oft ist dies allerdings von einer Person abhängig: Beim Männertennis von Roger Federer, auf der Damentour von Martina Hingis, im Seitenwagen fahren von Rolf Biland und beim Orientierungslauf von Simone Niggli-Luder und Daniel Hubmann. Was auch auffällt: Trotz Biland/Waltisberg hat die Schweiz kein Benzin im Blut. Weder in der Formel 1, noch in den grossen Töffklassen – mit Ausnahme von Luigi Taveri in den 60-er Jahren und Tom Lüthi 2005 - gewann ein Schweizer in den letzten Jahren den Titel.