Kurzer Prozess

09. September 2012 05:06; Akt: 09.09.2012 12:44 Print

Klitschko-Gegner brüllt blutend um sich

Der Boxkampf von Vitali Klitschko und Manuel Charr musste nach vier Runden abgebrochen werden. Der Deutsch-Libanese blutete unter und über dem rechten Auge. Doch ans Aufhören dachte dieser nicht.

Charr war über den Abbruch nicht erfreut. (Video: YouTube)
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Vitali Klitschko (112,5 Kilo) bleibt Boxweltmeister im Schwergewicht. Der 41-jährige Ukrainer besiegte Samstagnacht in Moskau den Deutsch-Libanesen Manuel Charr (109,5 Kilo) durch technischen K.o. in der vierten Runde. Bis dahin verteidigte sich Charr zumeist hinter einer Doppeldeckung. Immer wieder forderte er Klitschko auf, kräftiger zu schlagen. Er selbst aber landete so gut wie nie einen Treffer. Klitschko liess bald die Deckung unten und ging in die Offensive. Er prügelte seinen Gegner weich.

In der vierten Runde blutete Charr unter und über dem Auge so stark, dass der Ringarzt Dr. Stefan Holthusen dem Ringrichter Guido Cavaleri (Italien) riet abzubrechen. Der Kampf war aus. Klitschkos 14 Jahre jüngerer Rivale musste damit seine erste Niederlage im 22. Kampf hinnehmen. Er war sauer. Wie wild rannte er durch den Ring, brüllt Klitschko an: «Komm her, komm her. Ich will weitermachen!»

Beide wollten weiterkämpfen

Es dauert eine ganze Weile, bis sich Charr beruhigte. Später sagte er: «Die zweite Hälfte wäre meine gewesen. Ich bin mir sicher, dass ich ihn auf die Bretter geschickt hätte. Ich kämpfe bis zum Tod. Er soll mir noch eine Chance geben. Ich will eine Revanche.»

Klitschko wäre zum Weiterkämpfen bereit gewesen. «Der Junge ist tapfer, ich wollte weitermachen. Er ist ein mutiger Boxer mit einem grossen Herz. Ob es richtig war aufzuhören, kann ich nicht entscheiden.» Auch nach seinem neunten Titel will der alte und neue Weltmeister nicht aufhören. Und das, obwohl er wohl demnächst eine Karriere als Politiker startet. Es gilt als recht sicher, dass Klitschko in vier Wochen mit der Partei UDA den Sprung ins ukrainische Parlament schaffen wird.

Doch er hat noch eine Rechnung offen: Er will seinen Erzfeind David Haye vor die Fäuste bekommen. Und anders als sein Bruder Wladimir, der bei seinem Sieg 12 Runden kämpfen musste, will er ihn auch K.o. schlagen.

«Mama, Du kriegst Deine Einbauküche»

Für den in Beirut geborenen Charr war dies der erste WM-Fight in seiner Profikarriere, die er 2005 begonnen hatte. Doch trotz der Niederlage hat sich der Kampf für ihn gelohnt. Angeblich soll er umgerechnet rund 420 000 Franken Preisgeld mit nach Hause nehmen. Wohl mit ein Grund, warum Charr schon bald wieder besserer Laune war und die Zuschauer erheiterte: «Mama, ich liebe dich. Du kriegst trotzdem die Einbauküche!»

(oku)