Viel Geld, wenig Segelaction

09. Februar 2010 16:50; Akt: 09.02.2010 17:05 Print

50 Millionen pro Wettkampfstunde50 Millionen pro Wettkampfstunde

von Patrick Toggweiler - Berechnet man die Kosten pro Wettkampfstunde, ist der America’s Cup längst nicht der teuerste Sportanlass der Welt. Trotzdem wären Alinghi-Chef Bertarelli und sein Widersacher mit einem Flugzeugträger günstiger gefahren.

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Über die Budgets von BMW Oracle und Alinghi schweigen sich die beiden Syndikate aus. Die «Financial Times» geht von «mehr als 220 Millionen» aus. In demselben Blatt kommt ein Experte zu Wort, der alleine die Gerichtskosten für die zahlreichen Klagen auf diesen Betrag schätzt. Und wieder andere sprechen von einem gemeinsamen Budget von 750 Millionen. Fakt ist: Die beiden Milliardäre scheuen keine Kosten – und kriegen dafür wenig, zumindest wenig Sport.

Viel Geld für einen kurzen Segeltörn

Drei Stunden soll eines der maximal drei Rennen am America’s Cup 2010 ungefähr dauern. Im besten Fall dürfte der Segelwettbewerb also nach maximal 10 Stunden beendet sein. Die Wettkampfstunde America’s Cup – geht man von einem 500-Millionen-Schnitt der oben genannten Zahlen aus – kostete die beiden Teams also rund 50 Millionen Franken. Der Ehrgeiz der Milliardäre Bertarelli und Ellison hat seinen Preis.

Wahnsinnssaison 2008

In puncto Geldverbrennung kann sich nur die Formel 1 mit dem America's Cup messen. Die teuerste Saison war diejenige von 2008. Die 11 Teams verpufften geschätzte 3,3 Milliarden Schweizer Franken. Dafür gab es aber auch Sport zu sehen. Alles in allem 18 Rennen mit einer Gesamtdauer von 30 Stunden – Trainings, Testfahrten usw. mal ausgenommen. Macht einen Preis pro Wettkampfstunde für die Formel 1 von 110 Millionen Franken. Horrend. Und die Folgen sind bekannt: Nach 2008 stiegen Honda, Toyota und BMW der Reihe nach aus. Sparmassnahmen wie Testeinschränkungen wurden ergriffen. Eine Einigung zu einer Budgetobergrenze konnte indes nicht erzielt werden.

Schnäppchen Flugzeugträger

Die US-Regierung wies 1998 als Ausgabe für den Bau, die 50-jährige Bewirtschaftung, die Ausserdienststellung und die Entsorgung des Atommülls eines atombetriebenen Flugzeugträgers rund 24 Milliarden Franken aus. Pro Betriebsstunde also knapp 55 000 Schweizer Franken. Gar nur 34 300 Franken kostet ein Flugzeugträger pro Stunde, wenn auf den Zusatz «atombetrieben» verzichtet wird. Ein Schnäppchen. Und nach der Schlacht vor Gericht wäre solch ein Kahn vielleicht sogar passender für das Duell der beiden Streithähne gewesen.