Doping-Spezialist Martial Saugy

20. August 2008 16:03; Akt: 21.08.2008 13:46 Print

«Mich verwundern die vielen Rekorde schon»«Mich verwundern die vielen Rekorde schon»

von Didier Bender - Die Olympischen Spiele in Peking werden - entgegen vorgängiger Expertenmeinungen - zu einem Event der Rekorde. Geht dabei wirklich alles mit rechten Dingen zu? 20 Minutes Online sprach mit dem Schweizer Dopingexperten Martial Saugy.

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Schwimmen: Aaron Peirsol (USA) schwamm über 100 Meter Rücken Weltrekord in 52.540 Sekunden. Schwimmen: Weltrekord von Alain Bernard (FRA) im Halbfinal über 100 Meter Freestyle der Männer. Er gewann mit 47.200 Sekunden. Gewichtheben: Im Schwergewicht (bis 105kg) siegte Andrei Aramnau (BLR) mit einem Weltrekord von 436kg im Zweikampf (Summe von Reissen und Stossen).Er erzielte auch im Reissen (200kg)und Stossen (239kg)neue Weltrekorde. Gewichtheben: Neuer Weltrekord von Andrej Rybakow (BLR) in der Kategorie bis 85 kg. Er holte den Gesamtsieg mit 393kg im Zweikampf. Schwimmen: Australien gewann die Lagenstaffel der Frauen über 4 x 100 Meter. Mit 03:52.690 Minuten schwammen Leisel Jones, Jessicah Schipper, Emily Seebohm und Lisbeth Trickett Weltrekord. Schwimmen: Weltrekord der australischen Frauenstaffel (Linda Mackenzie, Stephanie Rice, Bronte Barratt und Kylie Palmer) im Final über 4 x 200 Meter Freestyle. Sie legten die Strecke in 07:44.310 Minuten zurück. Velo: Ed Clancy, Paul Manning, Geraint Thomas und Bradley Wiggins gewannen die Mannschaftsverfolgung in der Bahn mit einem Weltrekord von : 03:53.314 Minuten. Schwimmen: Weltrekord von Eamon Sullivan (AUS) im Halbfinal 2. Er schwamm die 100 Meter Freestyle in 47.050 Sekunden. Leichtathletik: Jelena Isinbajewa (RUS) sprang im Stabhochsprung der Frauen einen neuen Weltrekord mit 5.05m. Schwimmen: Weltrekord für Frederica Pellegrini (ITA) im Final der Frauen über 200 Meter Freestyle. Pellegrini schwamm die 200 Meter in 01:54.820 Minuten. Leichathletik: Im Final über 3000 Meter Hindernis der Frauen erzielte Gulnara Galkina-Samitova (RUS) einen neuen Weltrekord mit 8:58.81 Minuten. Schwimmen: Kirsty Coventry schwamm im Halbfinal der Frauen die 100 Meter Rücken in 58.770 Sekunden. Ihren zweiten Weltrekord schaffte sie im Final über 200 Meter Rücken in 02:05.240 Minuten. Schwimmen: Kosuke Kitajima aus Japan stellte einen neuen Weltrekord über 100 Meter Rücken auf. Seine Zeit: 58.910 Sekunden. Bogenschiessen: Weltrekord für Korea im Teamwettkampf der Frauen (erzielt im ¼ Final): Park Sung-Hyung, Yun Ok-Hee, Joo Hyun-Jung gewannen mit 231 Punkten. Gewichtheben: Liu Chunghong (CHN) gewann Gold in der Klasse bis 69 kg. Sie stellte in allen Teildisziplinen Weltrekorde auf: im Reissen 128 kg, im Stossen 158 kg und im Zweikampf 286kg. Schwimmen: Weltrekord von Liu Zige (CHN) im Final der Frauen über 200 Meter Butterfly. Für die Strecke benötigte sie 02:04.180 Minuten. Gewichtheben: Miran Jang aus Südkorea stellte in der Klasse über 75 kg Weltrekorde in allen drei Teildisziplinen auf. Im Zweikampf erreichte sie 326 kg, im Reissen und Stossen: 186kg und 140kg. Schwimmen: Die Weltrekorde von Michael Phelps: Im Final über 200 Meter Freestyle benötigte er 01:42.960 Minuten, den Final über 200 Meter Butterfly schwamm er in 01:52.030 Minuten und.. ..im Final der Männer über 200 Meter Lagen benötigte er nur 01.54.230 Minuten. Schwimmen: Rebecca Adlington aus Grossbritannien stellte einen Weltrekord über 800 Meter Freestyle der Frauen auf. Sie gewann in 08:14.100 Minuten. Schwimmen: Weltrekord von Rebecca Soni (USA) im Final über 200 Meter Rücken. Sie legte die Strecke in 02:20.220 Minuten zurück. Schwimmen: Ryan Lochte (USA) stellte im Final der Männer über 200 Meter Rücken einen neuen Weltrekord auf mit 01.53.940 Minuten. Schwimmen: Stephanie Rice aus Australien schwamm die 400 Meter im Lagenfinal in einer Weltrekordzeit von 04:29.450 Minuten. Schwimmen: Die US-Staffel (Nathan Adrian, Matt Grevers, Ben Wildman-Tobriner und Cullen Jones) schwamm die 4 x 100 Meter Freestyle in der Vorrunde 1 in Weltrekordzeit von 03:12.230 Minuten. Schwimmen: Ryan Lochte, Michael Phelps, Peter Vanderkaay und Ricky Berens stellten einen neuen Weltrekord mit der Staffel über 4 x 200 Meter Freestyle auf. Sie legten die Strecke in 06:58.560 Minuten zurück. Schwimmen: Die US-Staffel (Brendan Hansen, Jason Lezak, Michael Phelps, Aaron Peirsol) schwamm den Final der Männer über 4 x 100 Meter Lagen in 03:29.340 Minuten. Die US-Staffel stellte einen weiteren Weltrekord auf: Im Final der Männerstaffel über 4 x 100 Meter Freestyle benötigte sie 03:08.240 Minuten. Leichtathletik: Usain Bolt stellte im Final über 100 Meter einen neuen Weltrekord auf. Er sprintete die 100 Meter in 9.69s. Auch im Final der 200 Meter sprintete Bolt zu einem neuen Weltrekord in 19.30 Sekunden. Einen speziellen Weltrekord hat China erreicht. Sie gewinnen an Olympischen Spielen mindestens 40 Goldmedaillen.

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Haben die Chinesen in Sachen Dopingkontrolle etwas zu verbergen? Einem Schweizer Wissenschaftler, der die Dopingtests in Peking überwachen sollte, wurde die Einreise nach China verweigert. 20 Minutes Online befragte einen Arbeitskollegen des Abgewiesenen, den Leiter des schweizerischen Labors für Dopinganalyse in Lausanne,
Martial Saugy.

20 Minutes Online: Anders als erwartet gibt es nur wenige positive Dopingfälle während der Olympischen Spiele in Peking.

Martial Saugy: Das ist keine Überraschung: Alle wissen, dass während der Spiele zahlreiche Kontrollen durchgeführt werden. Es wäre ein zu grosses Risiko für die Sportler, jetzt zu dopen. Die wichtigsten Substanzen wie EPO, Wachstumshormone oder anabole Steroide werden deshalb vorher eingenommen.

Wie vertrauenswürdig ist Ihrer Meinung nach das Labor in Peking, das die Kontrollen durchführt?

Ich kenne die Arbeit des Labors nicht, aber ich stelle seine Vertrauenswürdigkeit nicht in Frage. Das ist fast eine Art «Fabrik» mit gegen 200 Mitarbeitern. Dort werden die Tests im Akkord durchgeführt. Glaubwürdig ist der Kampf des Internationalen Olympischen Komitees gegen Doping-Sünder nur dann, wenn die Zahl der Kontrollen massiv erhöht wird. In dieser Hinsicht ist getan worden, was getan werden konnte.

China hat einem ihrer Kollegen, der die Dopingtests überwachen sollte, den Zutritt verweigert ...

Darüber bin ich besorgt und gleichzeitig verärgert. Wir haben grosse Anstrengungen unternommen und waren vor den Olympischen Spielen sehr kooperativ. Meiner Meinung nach fehlt es uns gegenüber an Respekt. Mein Arbeitskollege hatte ja ein Visum bekommen. Man hat uns bisher nicht erklärt, weshalb er anschliessend nicht zugelassen wurde. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) war informiert, dass ein Schweizer Wissenschaftler die Dopingtests überwachen sollte. Jetzt erwarte ich eine glaubwürdige Erklärung und eine Entschuldigung.

Wie beurteilen Sie die nahezu übermenschlichen Leistungen und Rekorde, die in Peking erbracht - beziehungsweise - gebrochen wurden?

Nicht dass ich mich mit den Schwimm-Disziplinen sonderlich gut auskenne: Aber mich verwundern die vielen Rekorde bei dieser Sportart schon etwas. Es ist auch erstaunlich, wie frisch gewisse Schwimmer am Ende ihrer Rennen wirkten. Aber Spezialisten sagen, dass das nicht unmöglich ist. Dennoch wäre es sicher ratsam, bei den Schwimmern, die eine Ausdauersportart betreiben, ähnlich rigide Kontrollen durchzuführen wie bei den Radfahrern, Blutuntersuchungen eingeschlossen.

Und die Leichtathletik?

Ich bin verblüfft, auch wenn man angesichts der Entwicklung im 100-Meter-Lauf vielleicht damit rechnen musste. Man spricht immer von der physiologischen Grenze. Usain Bolt ist ein anderer Typ Sprinter als diejenigen, die in den letzten zehn Jahren dominierten. Er ist kein Muskelpaket, hat aber dafür eine wesentlich grössere «Spannweite». Wenn er nicht locker ausgelaufen wäre, hätte er eine Zeit um 9,60 Sekunden erreicht, was schon sehr verdächtig erscheint. Am folgenden Tag standen zudem drei Jamaikanerinnen im 100-Meter-Lauf der Frauen auf dem Podest. Im Moment bin ich aber einfach nur verblüfft, mehr nicht.