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Doping-Spezialist Martial Saugy
20. August 2008 16:03; Akt: 21.08.2008 13:46 Print
«Mich verwundern die vielen Rekorde schon»
von Didier Bender - Die Olympischen Spiele in Peking werden - entgegen vorgängiger Expertenmeinungen - zu einem Event der Rekorde. Geht dabei wirklich alles mit rechten Dingen zu? 20 Minutes Online sprach mit dem Schweizer Dopingexperten Martial Saugy.
Haben die Chinesen in Sachen Dopingkontrolle etwas zu verbergen? Einem Schweizer Wissenschaftler, der die Dopingtests in Peking überwachen sollte, wurde die Einreise nach China verweigert. 20 Minutes Online befragte einen Arbeitskollegen des Abgewiesenen, den Leiter des schweizerischen Labors für Dopinganalyse in Lausanne,
Martial Saugy.
Olympische Wettkämpfe: Geht hier alles mit rechten Dingen zu? (Bild: Keystone)
20 Minutes Online: Anders als erwartet gibt es nur wenige positive Dopingfälle während der Olympischen Spiele in Peking.
Martial Saugy: Das ist keine Überraschung: Alle wissen, dass während der Spiele zahlreiche Kontrollen durchgeführt werden. Es wäre ein zu grosses Risiko für die Sportler, jetzt zu dopen. Die wichtigsten Substanzen wie EPO, Wachstumshormone oder anabole Steroide werden deshalb vorher eingenommen.
Wie vertrauenswürdig ist Ihrer Meinung nach das Labor in Peking, das die Kontrollen durchführt?
Ich kenne die Arbeit des Labors nicht, aber ich stelle seine Vertrauenswürdigkeit nicht in Frage. Das ist fast eine Art «Fabrik» mit gegen 200 Mitarbeitern. Dort werden die Tests im Akkord durchgeführt. Glaubwürdig ist der Kampf des Internationalen Olympischen Komitees gegen Doping-Sünder nur dann, wenn die Zahl der Kontrollen massiv erhöht wird. In dieser Hinsicht ist getan worden, was getan werden konnte.
China hat einem ihrer Kollegen, der die Dopingtests überwachen sollte, den Zutritt verweigert ...
Darüber bin ich besorgt und gleichzeitig verärgert. Wir haben grosse Anstrengungen unternommen und waren vor den Olympischen Spielen sehr kooperativ. Meiner Meinung nach fehlt es uns gegenüber an Respekt. Mein Arbeitskollege hatte ja ein Visum bekommen. Man hat uns bisher nicht erklärt, weshalb er anschliessend nicht zugelassen wurde. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) war informiert, dass ein Schweizer Wissenschaftler die Dopingtests überwachen sollte. Jetzt erwarte ich eine glaubwürdige Erklärung und eine Entschuldigung.
Wie beurteilen Sie die nahezu übermenschlichen Leistungen und Rekorde, die in Peking erbracht - beziehungsweise - gebrochen wurden?
Nicht dass ich mich mit den Schwimm-Disziplinen sonderlich gut auskenne: Aber mich verwundern die vielen Rekorde bei dieser Sportart schon etwas. Es ist auch erstaunlich, wie frisch gewisse Schwimmer am Ende ihrer Rennen wirkten. Aber Spezialisten sagen, dass das nicht unmöglich ist. Dennoch wäre es sicher ratsam, bei den Schwimmern, die eine Ausdauersportart betreiben, ähnlich rigide Kontrollen durchzuführen wie bei den Radfahrern, Blutuntersuchungen eingeschlossen.
Und die Leichtathletik?
Ich bin verblüfft, auch wenn man angesichts der Entwicklung im 100-Meter-Lauf vielleicht damit rechnen musste. Man spricht immer von der physiologischen Grenze. Usain Bolt ist ein anderer Typ Sprinter als diejenigen, die in den letzten zehn Jahren dominierten. Er ist kein Muskelpaket, hat aber dafür eine wesentlich grössere «Spannweite». Wenn er nicht locker ausgelaufen wäre, hätte er eine Zeit um 9,60 Sekunden erreicht, was schon sehr verdächtig erscheint. Am folgenden Tag standen zudem drei Jamaikanerinnen im 100-Meter-Lauf der Frauen auf dem Podest. Im Moment bin ich aber einfach nur verblüfft, mehr nicht.



























