Nach Tomizawas Tod

06. September 2010 10:34; Akt: 06.09.2010 11:11 Print

Tiefe Betroffenheit im FahrerlagerTiefe Betroffenheit im Fahrerlager

Vor den Motorrad-Rennen in Misano wurde dem tödlich verunglückten Nachwuchsfahrer Peter Lenz gedacht. Wenige Stunden später muss die Motorsportfamilie den nächsten Todesfall beklagen.

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Die kanadische Ski-Freestylerin Sarah Burke stirbt an den folgen eines Trainingssturzes. Die 29-Jährige hatte sich am 10. Januar in der Halfpipe von Park City schwere Kopfverletzungen zugezogen und lag seitdem im Koma. Baseball-Profi Greg Halman (r.) von den Seattle Mariners wird in Rotterdam erstochen aufgefunden. Der Tathergang ist noch unklar, allerdings nahm die Polizei den Bruder des Opfers fest. Der argentinische Nachwuchs-Rennfahrer Guido Falaschi stirbt nach einem Crash in der Motorsportserie Turismo Carretera. Er kam von der Strecke ab und prallte in einen Reifenstapel, von wo der Wagen zurück auf die Strecke schlingerte und mit anderen Autos zusammenstiess. Der 22-Jährige starb wenig später im Spital an einem Schädelbasisbruch. Die deutschen Schiedsrichter-Zwillinge im Handball, Bernd und Reiner Methe, verunglücken auf dem Weg zu einem Spielort bei einem Autounfall tödlich. Die beiden waren international tätig und erlangten Bekanntheit mit einem Auftritt als Refrees bei der TV-Show «Schlag den Raab» im Dezember 2009. Der amerikanische Motocross-Star Jim McNeill stürzt bei einem Show-Wettkampf bei einem «Backflip» kopfüber zu Boden. Er erliegt im Spital den schweren Verletzungen. Der MotoGP-Fahrer Marco Simoncelli ist beim GP von Malaysia in Sepang tödlich verunfallt. Der Italiener wurde 24 Jahre alt. Beim Saisonfinale der IndyCar-Series in Indianapolis kommt es zu einem Massencrash, in den 15 Fahrzeuge verwickelt sind. Dan Wheldons Wagen wird in die Luft katapultiert und schlägt mit der Oberseite der Fahrerzelle in die Fangzäune ein. Der 32-Jährige stirbt an schweren Kopfverletzungen. . Der 23-jährige dänische Erstliga-Handballer Lars Olsen stirbt während einem Spiel seines Klubs Ribe-Esbjerg. Er war kurz zuvor gefoult worden, wollte nach einer kurzen Pause weiterspielen, brach aber nach der Rückkehr aufs Feld zusammen. Die Wiederbelebungsversuche zeigten keinen Erfolg. Auf dem Flug zu einem Meisterschaftsspiel stürzt das Flugzeug des KHL-Teams Lokomotive Jaroslawl ab. 43 der 45 Passagiere sterben sofort. Nur der russische Spieler Alexander Galimow und ein Bord- Ingenieur überleben mit schwersten Verletzungen (vorerst). Galimow erliegt den Verletzungen fünf Tage später im Spital. Im Training des J-League-Vereins Matsumoto Yamaga bricht der ehemalige japanische Nationalspieler Naoki Matsuda zusammen und erleidet einen Herzstillstand. Zwei Tage später verstirbt der 34-Jährige im Spital. Der Verteidiger trat zwischen 2000 und 2005 40 Mal für Japan an. Jeret Petersen, der US-Freestyle-Star und Olympia-Silbermedaillengewinner von Vancouver 2010, begeht Selbstmord. Er litt unter Depressionen und Alkoholproblemen. Das US-Basketball-Talent Ryan Royall wird nach einer Geburstags-Party erschossen. Der Junge war zur falschen Zeit am falschen Ort. Der 32-jährige Spanier Xavi Tondo stirbt auf tragische Weise. Er wird in seiner Heimat Grenada von einem Garagentor erschlagen, als er sich zu einer Trainingsfahrt aufmachen wollte. Der kenianische Marathon-Olympiasieger Samuel Wanjiru nimmt sich das Leben. Der 24-Jährige sprang gemäss Polizeiangaben vom Balkon seines Hauses. Ein heftiger Streit mit seiner Ehefrau sei vorangegangen. Der 28-jährige Derek Boogaard (r.) von den New York Rangers wird tot in seiner Wohnung in Minneapolis aufgefunden. Der Beliger Wouter Weylandt stirbt 26-jährig nach einem Sturz bei der dritten Etappe des Giro d'Italia. Kurz nachdem der Basketballer Wes Leonard (Mitte, oben) das Siegtor erzielt hatte, bricht der 16-Jährige auf dem Platz zusammen und stirbt kurze Zeit später im Spital. Beim Verlassen einer Party umstellen Diebe den 19-jährige Fussball-Profi William Morais vom brasilianischen Serie-A-Aufsteiger America FC und fordern seine goldene Halskette. Als sich der Kicker wehrt, wird er erschossen. Die erst 17-jährige Skispringerin Simona Senoner wird bewusstlos im Hotelzimmer gefunden. Im Spital kann nur noch ihr Tod festgestellt werden. Der 21-jährige Profifussballer Emma Ogoli von den nigerianischen Ocean Boys bricht auf dem Feld ohne Fremdeinwirkung zusammen und verstirbt auf dem Weg ins Spital. Die Todesursache ist unklar. Profi-Surfer Andy Irons wird im Alter von 32 Jahren tot im Hotelzimmer aufgefunden. Der dreimalige Weltmeister, der schon als lebende Legende galt, kämpfte offenbar gegen das Denguefieber. Doch fand man neben seinem Bett auch ein Fläschchen mit Methadon. Motorradfahrer Shoya Tomizawa stürzt und wird von zwei nachfolgenden Fahrern überfahren. Im Spital erliegt er seinen schweren Verletzungen. Der erst 13-jährige Amerikaner Peter Lenz stirbt bei der Aufwärmrunde zu einem Nachwuchsrennen im Vorfeld des Indianapolis GP. Er wurde nach einem Sturz überfahren. Der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili verunglückt beim Abschlusstraining zu den Olympischen Spielen in Vancouver tödlich. Er wurde nur 21 Jahre alt. Der Footballer Chris Henry springt auf die Ladefläche eines Pickups, fällt während der Fahrt hinunter und stirbt an seinen Verletzungen. Salem Saad (r.), arabischer Nati-Spieler, bricht im Training seines Klubs Al Nasr zusammen und stirbt. Der 31-Jährige erlitt eine Herzattacke. Der mexikanische Nationalspieler Antonio de Nigris stirbt im Alter von 31 Jahren an den Folgen eines Herzfehlers. Der Schweizer Basejumper Ueli Gegenschatz verstirbt im Alter von 37 Jahren nach einem missglückten Sprung vom Sunrise-Tower in Zürich. Der deutsche Nationaltorhüter Robert Enke hält seine Depressionen nicht mehr aus und wählt den Freitod als letzten Ausweg. Er wurde 32 Jahre alt. Ex-Radprofi Frank Vandenbroucke wird tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Eine doppelte Lungenembolie sowie eine bereits länger vorhandene Herzerkrankung sind schuld am Tod des 34-Jährigen. Espanyols Captain Dani Jarque (l.) wird im Trainingslager des spanischen Erstligisten tot im Hotelzimmer aufgefunden. Der 26-Jährige erlitt einen Herzinfarkt. Der Captain der ungarischen Eishockey-Nationalmannschaft, Gabor Ocskay (r.), stirbt 33-jährig an einem Herzinfarkt. Der deutsche U21-Handballer Sebastian Faisst bricht im Länderspiel gegen die Schweiz zusammen und verstirbt kurze Zeit später. Wahrscheinlich platzte ein Gefäss in seinem Gehirn. Die polnische Hammerwurf-Olympiasiegerin Kamila Skolimowska stirbt im Alter von 26 Jahren im Trainingslager. Der Grund: Wahrscheinlich eine Lungenembolie. Der belgische Radprofi Frederiek Nolf wird bei der Katar-Rundfahrt tot im Hotel aufgefunden. Die Ärzte gehen von einer natürlichen Todesursache aus. Bei der Gleitschirm-WM in Mexiko stürzt der 25-jährige Schweizer Stefan Schmoker (nicht im Bild) ab. Er überlebt den Absturz nicht. Christian Herms, zwölffacher deutscher Meister im 800-Meter-Lauf, wird tot in seiner Wohnung gefunden. Die Obduktion ergab, dass der 26-Jährige an einer virusbedingten Herzmuskelentzündung litt. Das russische Eishockeytalent Alexej Tscherepanow bricht während einem Spiel tot zusammen. Es werden Spuren von leistungssteigernden Mitteln im Blut des 19-Jährigen gefunden, zudem hatte er eine Herzerkrankung. Der zweifache Olympiasieger György Kolonics soll eigentlich bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking die ungarische Fahne tragen. Dazu kommt es nicht: Der 36-Jährige erleidet kurz vorher den plötzlichen Herztod. Der 35-jährige Captain des schottischen Erstligisten Motherwell, Phil O'Donnell, bricht im Spiel gegen Dundee United zusammen und stirbt wenig später. Der ehemalige britische Rallye-Pilot Colin McRae stirbt bei einem Helikopter-Absturz. Der 41-Jährige war bei dem Unglück, bei dem drei weitere Personen ums Leben kamen, selber der Pilot. Seine letzte Rallye hatte der 25-fache Sieger ein Jahr zuvor bestritten. Der Spanier Antonio Puerta (FC Sevilla) erleidet im Spiel gegen Getafe einen Herzstillstand. Drei Tage später stirbt er im Spital. Puerta wurde nur 23 Jahre alt. Der frühere Tour-de-France-Sieger Marco Pantani wird 34-jährig tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Er starb an einer Überdosis Kokain. Der ungarische Nationalspieler Miklos Feher von Benefica Lissabon erleidet in einem Meisterschaftsspiel einen Herzinfarkt. Der damals 24-Jährige verstarb kurze Zeit später. Der französische Radprofi Fabrice Salanson (r.) stirbt bei der Deutschland-Tour. Er liegt tot in seinem Hotelzimmer. Die Ärzte fanden keine verbotenen Substanzen im Körper des verstorbenen 23-Jährigen. Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foé bricht 31-jährig in einem Spiel gegen Kolumbien zusammen und stirbt. Die Diagnose: Herzfehler. ZSC-Spieler Chad Silver taucht nicht zum Training auf, daraufhin suchen ihn die Teamkollegen. Der 29-Jährige liegt tot in seiner Wohnung. Herzversagen. Eine Statue beim Hallenstadion erinnert bis heute an den Eishockeyspieler. Leichtathletik-Weltrekordlerin Florence Griffith-Joyner stirbt unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen. Zwei Jahre zuvor hatte die 38-Jährige ihren Rücktritt erklärt. Der brasilianische Formel-1-Fahrer Ayrton Senna stirbt im Alter von 34 Jahren nach einem Crash beim Grossen Preis von San Marino. Bei der Kandahar-Abfahrt in Garmisch stürzt Ulrike Maier schwer. Die damals 26-jährige Österreicherin stirbt wenig später im Spital.

Todesfälle im Sport

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«An einem Tag, an dem so etwas Schreckliches passiert, ist alles andere egal», sagte MotoGP-Fahrer Valentino Rossi, nachdem er vom Tod von Shoya Tomizawa erfuhr. Keiner, den der Tod des sympathischen und im Fahrerlager äusserst respektierten Japaners nicht mitgenommen hätte. «Manchmal vergisst man, wie schnell so etwas passieren kann. Manchmal ist unser Sport zu gefährlich», meinte auch Andrea Dovizioso. Zum Zeitpunkt, als die beiden MotoGP-Fahrer auf der Strecke um Punkte kämpften, rang Tomizawa im Spital von Riccione noch um sein Leben.

Dominique Aegerter trifft der Tod Tomizawas am härtesten. Der Japaner und der Schweizer bildeten in der neu gegründeten Moto2-Klasse das Team Technomag-CIP. Auf seiner Homepage spricht Aegerter sein Beileid aus – gleich nach dem Rennen hatte er sich ins Motorhome zurückgezogen. Der Deutsche Moto2-Fahrer Stefan Bradl zeigte sich ebenfalls tief bestürzt: «Das ist, als wenn ein Familienangehöriger stirbt.»

Motorenlieferant Honda liess über Vizepräsident der Racing Corporation Shuhei Nakamoto Beileid ausrichten: «Wir sind von dieser Neuigkeit sehr betrübt und unsere Gedanken sind natürlich bei Shoyas Familie und Freunden. Er war am Beginn seiner Grand Prix Karriere und heute haben wir einen tollen jungen Fahrer und ein Talent der Zukunft verloren. Shoya hatte diesen kämpferischen Spirit, wir alle werden ihn sehr vermissen … »

De Angelis' Rettungsversuch

Tomizawa zog sich die tödlichen Verletzungen zu, als er in einer schnellen Rechtskurve ausrutschte und von den nachfolgenden Fahrern Scott Redding und Alex De Angelis überfahren wurde. Der Spanier hatte eine Kollision mit dem Japaner noch zu verhindern versucht, indem er sich bemühte, am Japaner vorbei auf dessen Maschine aufzufahren. Sein Vorhaben misslang.

Tragische Nummer 74

Auf Tomizawas Lederkombi prangte auf dem linken Schulterblatt die Nummer 74. Diese steht in Töffkreisen zum Gedenken an seinen Landsmann Daijiro Kato, der 2003 in Suzuka tödlich verunglückte, als er in eine nur einen Meter von der Strecke entfernte Betonmauer krachte. Bis zum Tod von Tomizawa war Kato das letzte Todesopfer eines Motorrad-WM-Rennens gewesen.

13-Jähriger stirbt in den USA

Schon vor einer Woche schockte eine ähnliche Meldung die Motorrad-Fans. In der Aufwärmrunde zu einer Nachwuchs-Meisterschaft auf dem Indianapolis Motor Speedway stürzte Peter Lenz (13). Xavier Zayat (12) konnte nicht mehr ausweichen und erwischte den Amerikaner. Sanitätspersonal eilte zu Hilfe. Trotz intensiven Bemühungen konnte Peter Lenz nicht mehr gerettet werden: Drei Stunden später verstarb der Junge im Spital. Vor dem 125er-Rennen von Misano wurde Peter Lenz mit einer Schweigeminute gedacht.

(tog)

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  • Sandro W. am 07.09.2010 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    In memories of Shoya Tomizawa Nr. 48

    Vielen dank für diesen text. Ich weiss nicht mehr genau wann ich das letze mal einen so traurigen und treffenden text gelesen habe. an alle kritiker und besserwisser die meinen das man diesen sport verbieten soll, ich schäme mich nur für euch, denn hier ist mitgefühl angesagt keine kritik. Sogar ich mit meinen 18 jahren sehe das es nicht mehr lange geht bis wir vor lauter verboten in der schweiz nich mal mehr reden dürfen! Shoya wir werden dich und dein lachen nie vergessen!

  • Jonas am 06.09.2010 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unüberlegt

    Nehmt dieses Video vom Netz. Dies gehört sich nicht. Der Artikel ist okay, aber muss wirklich jeder sehen, wie ein junger Mensch sein Leben verliert? Auch News-Seiten dürfen sich nicht alles erlauben!

  • Marcpolo am 06.09.2010 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    genau.. verbieten

    zu verbieten sind alle jobs mit maschinen, alle berufe die mehr als 2m über der erde oder 0,5m unter erd- oder wasseroberflächen sind, alle sport- und berufsbereiche die mit tieren zu tun haben die treten, beissen oder würgen können... alle berufe die mit verschmutzungen in luft, wasser oder erde zu tun haben oder gar "schrecklassnach" mit rauchern in kontakt kommen. und sowieso alle, die mit verkehr in luft, wasser oder auf der strasse zu tun haben. alles viiiiiel zu gefährlich und könnten zum tode führen. alle die dies trotzdem tun.. wären dann selber schuld. wie einfach!