Pflicht zum Medizin-Check

27. August 2012 12:11; Akt: 27.08.2012 12:52 Print

Test soll Jungsportlern das Leben retten

von Jessica Pfister - Ausser bei Kaderathleten gibt es in der Schweiz keine obligatorischen Gesundheits-Checks für Sportler. Nun prüft Swiss Olympic, die medizinischen Tests auf Jungtalente auszuweiten.

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Sie scheinen stark und gesund – trotzdem kommt es immer wieder zu tragischen Todesfällen bei jungen Sportlern. Aktuelles Beispiel ist der 25-jährige italienische Zweitliga-Fussballer Piermario Morosini, der im April während eines Ligaspiels einen Herzinfarkt erlitt und auf dem Rasen zusammenbrach. In der Schweiz sorgte der Tod des 28-jährigen Schwingers Peter Gasser vor fünf Jahren für Bestürzung – er erlag ebenfalls einem Herzinfarkt.

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Sollen sich auch schon junge Sportler einem obligatorischen Gesundheits-Test unterziehen?
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Während sich in Italien alle Sportler für eine Lizenz einer medizinischen Kontrolluntersuchung unterziehen müssen, sind Gesundheits-Checks in der Schweiz nur für Kaderathleten mit einer Swiss Olympic Card obligatorisch (siehe Box). So müssen beispielsweise beim Schweizerischen Fussballverband nur die Spieler der Super und Challenge League einen jährlichen medizinischen Check absolvieren – für alle anderen Ligen gibt es laut Sprecherin Jezael Fritsche keine Pflicht zu ärztlichen Kontrollen. Ähnlich sieht es beim Eishockeyverband aus. Dort werden die Spieler der Nationalliga A und B einmal jährlich auf Herz und Nieren geprüft. Für die anderen Spieler empfiehlt der Verband den Clubs zwar regelmässige Checks, ein Obligatorium gibt es aber nicht.

Kontrolle für 15 000 Nachwuchssportler

Dass könnte sich bald ändern. Denn Swiss Olympic als Dachverband der schweizerischen Sportverbände prüft derzeit die Einführung einer obligatorischen sportärztlichen Untersuchung für Leistungssportler. Grund dafür sind laut Sprecher Daniel Stegmann die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin und der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, dass Leistungssportler sich regelmässig untersuchen lassen sollen.

Als Leistungssportler sollen laut Stegmann auch diejenigen gelten, die über eine Talent Card der Swiss Olympic verfügen. «Eine Talent Card erhalten diejenigen jungen Sportler, die das Potenzial haben, die Schweiz in Zukunft an internationalen Wettkämpfen zu vertreten», so Stegmann. Im Nachwuchssport seien heute rund 15 000 Personen ab dem Alter von 10 Jahren im Besitz einer solchen Karte.

Noch ungeklärt ist gemäss Swiss Olympic die Finanzierung der Arztkontrollen. Laut Kurt Henauer vom Bundesamt für Sport in Magglingen, wo eines der elf Swiss Olympic Medical Center steht, kostet eine ärztliche Grunduntersuchung inklusive Laborproben für Sportler zwischen 200 und 350 Franken. Bei den Kaderathleten mit einer Swiss Olympic Card werden die Kontrollen von der Swiss Olymic finanziert. Ob dies auch beim Nachwuchs der Fall sein wird, will Swiss Olympic noch nicht kommunizieren.

Finanzierung über Sport-Toto?

Für Susi Kriemler, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin (SGSM), darf der Ausbau der ärztlichen Untersuchungen auf keinen Fall an der Finanzierung scheitern. «Junge Sportler sind ein Aushängeschild für die Schweiz. Da ist es das mindeste, sie mit einer jährlichen ärztlichen Kontrolle vor medizinischen Risiken zu schützen», sagt Kriemler. Es gehe nicht an, dass die einen Verbände und Clubs solche Checks durchführen und andere nicht. Eine frühe obligatorische Abklärung, ob die jungen Menschen körperlich überhaupt für den Spitzensport geeignet seien, gebe zudem auch den Eltern eine gewisse Sicherheit.

Die Sportmedizinerin sieht grundsätzlich den Dachverband Swiss Olympic in der Pflicht. «Grosse Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele bringen dem Verband viel Geld ein, da machen die jährlichen Arztkontrollen keinen so grossen Betrag aus.» Die SGSM-Präsidentin kann sich aber auch eine öffentliche Finanzierung über die Krankenkassen vorstellen oder eine Deckung über Sponsoren beziehungsweise eine Sportförder-Gesellschaft wie Sport-Toto.

Letzteres schlägt auch der Tessiner SVP-Nationalrat Pierre Rusconi vor. Er hat den Bundesrat in einem Vorstoss aufgefordert, einen Befähigungsausweis für alle lizenzierten Sportler einzuführen. Voraussetzung dafür wäre eine medizinische Kontrolluntersuchung. «Tragische Todesfälle von jungen Sportlern können damit zwar nicht vollständig ausgeschlossen werden, doch wenn dank den Checks nur ein Menschenleben gerettet wird, ist das schon genug.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 27.08.2012 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben ist gefährlich

    So ist das. Wer 100% garantie will, soll mal einen statistikkurs besuchen.

  • Willy D. am 27.08.2012 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz "tickt" anders...

    Dass es nicht für ALLE jungen Sporttalente eine regelmässige medizinische Kontrolle gibt verstehe ich wirklich nicht. Wie so oft, nicht nur beim Sport, "tickt" die Schweiz anders als andere Länder. Perfektionismus ist ein "Markenzeichen" der Schweiz. Bei wichtigen Dingen aber, immer wieder feststellbar, leider nicht.

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  • Bruno Tschan am 27.08.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht

    Wer unter 18 ist und Rugby spielen will. Muss von einem Arzt einen Nachweis erbrigen das man Gesund ist, sonst wird einem keine Lizenz zum spielen erteilt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bike Fahrer am 27.08.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dumme Schweiz

    Ich fahre Bike und auch Rennen, da braucht es zum Glück keinen Test. Würde sofort aufhören und nur Trinken und Rauchen, da brauchts auch keinen Gesundheitstest! Dumme Schweiz.

  • Zita M. am 27.08.2012 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlung und Aufklärung sinnvoller

    Ab 4o oder 50 empfehlen die Krankenkassen ihren Mitgliedern regelmässige Checks und bezahlen sie auch. Warum nicht einfach ergänzen mit "für Leistungssportler" und dann ebenfalls bezahlen? Mindestens so wichtig und mit relativ wenig Aufwand zu bewältigen wären jährliche vereinsinterne Informationsveranstaltungen, bei denen Sportärzte nebst Ernährung und Verletzungsvorbeugung auch thematisieren, wie stark Herz und Wasserhaushalt durch intensiven Sport belastet werden und welche Risiken sich dort ergeben. Dann würde die Empfehlung eines regelmässigen Checks sicher von vielen umgesetzt.

    • Andreas Gasser am 27.08.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Von wegen - Krankenkassen bezahlen

      Vielleicht gibt es solche, die Check-Ups bezahlen, das Gros der KKs aber zahlt nichts, schon gar nicht in der Grundversicherung. Genau dieses Frage stellte ich kürzlich meiner KK (Assura) und bekam eben den negativen Entscheid.

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  • Sebi am 27.08.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Muss doch jeder selber wissen

    Wer Sport auf hohem Niveau betreibt sollte eigentlich wissen, dass regelmässige Checks beim Doc nur von Vorteil sind. Ausser es geht darum bestimmte Substanzen geheim zu halten...

    • Daniel am 27.08.2012 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso geheim halten ?

      Wieso den geheimhalten ? genau wegen der Gesundheit ist es besser dies dem Arzt vertraut zu machen wie und was man zu sich nimmt, somit kann er dies kontrolliert, sauber und ein bisschen risikoarmer einnehmen. Es gibt so viele Hobbysportler die es bei Arzt tun al sSicherheit oder das Sie es nicht übertreiben

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  • Realist am 27.08.2012 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben ist gefährlich

    So ist das. Wer 100% garantie will, soll mal einen statistikkurs besuchen.

  • Simi am 27.08.2012 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich finde das total unnöig! Ich habe selbst auch eine Talentkarte. Die Gesundheit ist Sache der Sportler... Die Sportler sollten selbst solche Tests durchführen wenn sie wollen und auch die Kosten selbst tragen!