Pflicht zum Medizin-Check

27. August 2012 12:11; Akt: 27.08.2012 12:52 Print

Test soll Jungsportlern das Leben retten

von Jessica Pfister - Ausser bei Kaderathleten gibt es in der Schweiz keine obligatorischen Gesundheits-Checks für Sportler. Nun prüft Swiss Olympic, die medizinischen Tests auf Jungtalente auszuweiten.

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Der norwegische Schwimm-Weltmeister Alexander Dale Oen stirbt an einem Herzinfarkt. Der 26-Jährige gehörte zu den besten Brustschwimmern der Welt. Der Norweger befand sich zum Zeitpunkt des Todes unter der Dusche. Er hatte in den USA ein Höhentraining absolviert. Der italienische Serie-B-Profi Piermario Morosini erleidet im Spiel zwischen Pescara und Livorno auf dem Platz einen Herzinfarkt und bricht zusammen. Der 25-Jährige stirbt wenig später im Krankenhaus. Alle Fussballspiele deselben Wochenendes werden in Italien daraufhin abgesagt. Der 23-jährige dänische Erstliga-Handballer Lars Olsen stirbt während einem Spiel seines Klubs Ribe-Esbjerg. Er war kurz zuvor gefoult worden, wollte nach einer kurzen Pause weiterspielen, brach aber nach der Rückkehr aufs Feld zusammen. Die Wiederbelebungsversuche zeigten keinen Erfolg. Der 28-jährige Derek Boogaard (r.) von den New York Rangers wird tot in seiner Wohnung in Minneapolis aufgefunden. Kurz nachdem der Basketballer Wes Leonard (Mitte, oben) das Siegtor erzielt hatte, bricht der 16-Jährige auf dem Platz zusammen und stirbt kurze Zeit später im Spital. Die erst 17-jährige Skispringerin Simona Senoner wird bewusstlos im Hotelzimmer gefunden. Im Spital kann nur noch ihr Tod festgestellt werden. Der 21-jährige Profifussballer Emma Ogoli von den nigerianischen Ocean Boys bricht auf dem Feld ohne Fremdeinwirkung zusammen und verstirbt auf dem Weg ins Spital. Die Todesursache ist unklar. Espanyols Captain Dani Jarque (l.) wird im Trainingslager des spanischen Erstligisten tot im Hotelzimmer aufgefunden. Der 26-Jährige erlitt einen Herzinfarkt. Der deutsche U21-Handballer Sebastian Faisst bricht im Länderspiel gegen die Schweiz zusammen und verstirbt kurze Zeit später. Wahrscheinlich platzte ein Gefäss in seinem Gehirn. Die polnische Hammerwurf-Olympiasiegerin Kamila Skolimowska stirbt im Alter von 26 Jahren im Trainingslager. Der Grund: Wahrscheinlich eine Lungenembolie. Christian Herms, zwölffacher deutscher Meister im 800-Meter-Lauf, wird tot in seiner Wohnung gefunden. Die Obduktion ergab, dass der 26-Jährige an einer virusbedingten Herzmuskelentzündung litt. Der Spanier Antonio Puerta (FC Sevilla) erleidet im Spiel gegen Getafe einen Herzstillstand. Drei Tage später stirbt er im Spital. Puerta wurde nur 23 Jahre alt. Der 28-jährige Schweizer Schwinger Peter Gasser (rechts) stibt ausserhalb der Schwingerarena am Eidgenössischen Schwing- und Alplerfest in Aarau an einem Herzversagen. Der ungarische Nationalspieler Miklos Feher von Benefica Lissabon erleidet in einem Meisterschaftsspiel einen Herzinfarkt. Der damals 24-Jährige verstarb kurze Zeit später.

Junge Sportler, die gestorben sind.

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Sie scheinen stark und gesund – trotzdem kommt es immer wieder zu tragischen Todesfällen bei jungen Sportlern. Aktuelles Beispiel ist der 25-jährige italienische Zweitliga-Fussballer Piermario Morosini, der im April während eines Ligaspiels einen Herzinfarkt erlitt und auf dem Rasen zusammenbrach. In der Schweiz sorgte der Tod des 28-jährigen Schwingers Peter Gasser vor fünf Jahren für Bestürzung – er erlag ebenfalls einem Herzinfarkt.

Umfrage
Sollen sich auch schon junge Sportler einem obligatorischen Gesundheits-Test unterziehen?
83 %
17 %
Insgesamt 343 Teilnehmer

Während sich in Italien alle Sportler für eine Lizenz einer medizinischen Kontrolluntersuchung unterziehen müssen, sind Gesundheits-Checks in der Schweiz nur für Kaderathleten mit einer Swiss Olympic Card obligatorisch (siehe Box). So müssen beispielsweise beim Schweizerischen Fussballverband nur die Spieler der Super und Challenge League einen jährlichen medizinischen Check absolvieren – für alle anderen Ligen gibt es laut Sprecherin Jezael Fritsche keine Pflicht zu ärztlichen Kontrollen. Ähnlich sieht es beim Eishockeyverband aus. Dort werden die Spieler der Nationalliga A und B einmal jährlich auf Herz und Nieren geprüft. Für die anderen Spieler empfiehlt der Verband den Clubs zwar regelmässige Checks, ein Obligatorium gibt es aber nicht.

Kontrolle für 15 000 Nachwuchssportler

Dass könnte sich bald ändern. Denn Swiss Olympic als Dachverband der schweizerischen Sportverbände prüft derzeit die Einführung einer obligatorischen sportärztlichen Untersuchung für Leistungssportler. Grund dafür sind laut Sprecher Daniel Stegmann die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin und der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, dass Leistungssportler sich regelmässig untersuchen lassen sollen.

Als Leistungssportler sollen laut Stegmann auch diejenigen gelten, die über eine Talent Card der Swiss Olympic verfügen. «Eine Talent Card erhalten diejenigen jungen Sportler, die das Potenzial haben, die Schweiz in Zukunft an internationalen Wettkämpfen zu vertreten», so Stegmann. Im Nachwuchssport seien heute rund 15 000 Personen ab dem Alter von 10 Jahren im Besitz einer solchen Karte.

Noch ungeklärt ist gemäss Swiss Olympic die Finanzierung der Arztkontrollen. Laut Kurt Henauer vom Bundesamt für Sport in Magglingen, wo eines der elf Swiss Olympic Medical Center steht, kostet eine ärztliche Grunduntersuchung inklusive Laborproben für Sportler zwischen 200 und 350 Franken. Bei den Kaderathleten mit einer Swiss Olympic Card werden die Kontrollen von der Swiss Olymic finanziert. Ob dies auch beim Nachwuchs der Fall sein wird, will Swiss Olympic noch nicht kommunizieren.

Finanzierung über Sport-Toto?

Für Susi Kriemler, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin (SGSM), darf der Ausbau der ärztlichen Untersuchungen auf keinen Fall an der Finanzierung scheitern. «Junge Sportler sind ein Aushängeschild für die Schweiz. Da ist es das mindeste, sie mit einer jährlichen ärztlichen Kontrolle vor medizinischen Risiken zu schützen», sagt Kriemler. Es gehe nicht an, dass die einen Verbände und Clubs solche Checks durchführen und andere nicht. Eine frühe obligatorische Abklärung, ob die jungen Menschen körperlich überhaupt für den Spitzensport geeignet seien, gebe zudem auch den Eltern eine gewisse Sicherheit.

Die Sportmedizinerin sieht grundsätzlich den Dachverband Swiss Olympic in der Pflicht. «Grosse Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele bringen dem Verband viel Geld ein, da machen die jährlichen Arztkontrollen keinen so grossen Betrag aus.» Die SGSM-Präsidentin kann sich aber auch eine öffentliche Finanzierung über die Krankenkassen vorstellen oder eine Deckung über Sponsoren beziehungsweise eine Sportförder-Gesellschaft wie Sport-Toto.

Letzteres schlägt auch der Tessiner SVP-Nationalrat Pierre Rusconi vor. Er hat den Bundesrat in einem Vorstoss aufgefordert, einen Befähigungsausweis für alle lizenzierten Sportler einzuführen. Voraussetzung dafür wäre eine medizinische Kontrolluntersuchung. «Tragische Todesfälle von jungen Sportlern können damit zwar nicht vollständig ausgeschlossen werden, doch wenn dank den Checks nur ein Menschenleben gerettet wird, ist das schon genug.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bike Fahrer am 27.08.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dumme Schweiz

    Ich fahre Bike und auch Rennen, da braucht es zum Glück keinen Test. Würde sofort aufhören und nur Trinken und Rauchen, da brauchts auch keinen Gesundheitstest! Dumme Schweiz.

  • Markus Notter am 27.08.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Zumindest wir mussten als Fussballer in der Juniorenzeit jedes Jahr zum Check. Ist der wirklich abgeschafft worden? *staun*

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  • Zita M. am 27.08.2012 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlung und Aufklärung sinnvoller

    Ab 4o oder 50 empfehlen die Krankenkassen ihren Mitgliedern regelmässige Checks und bezahlen sie auch. Warum nicht einfach ergänzen mit "für Leistungssportler" und dann ebenfalls bezahlen? Mindestens so wichtig und mit relativ wenig Aufwand zu bewältigen wären jährliche vereinsinterne Informationsveranstaltungen, bei denen Sportärzte nebst Ernährung und Verletzungsvorbeugung auch thematisieren, wie stark Herz und Wasserhaushalt durch intensiven Sport belastet werden und welche Risiken sich dort ergeben. Dann würde die Empfehlung eines regelmässigen Checks sicher von vielen umgesetzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bike Fahrer am 27.08.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dumme Schweiz

    Ich fahre Bike und auch Rennen, da braucht es zum Glück keinen Test. Würde sofort aufhören und nur Trinken und Rauchen, da brauchts auch keinen Gesundheitstest! Dumme Schweiz.

  • Zita M. am 27.08.2012 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlung und Aufklärung sinnvoller

    Ab 4o oder 50 empfehlen die Krankenkassen ihren Mitgliedern regelmässige Checks und bezahlen sie auch. Warum nicht einfach ergänzen mit "für Leistungssportler" und dann ebenfalls bezahlen? Mindestens so wichtig und mit relativ wenig Aufwand zu bewältigen wären jährliche vereinsinterne Informationsveranstaltungen, bei denen Sportärzte nebst Ernährung und Verletzungsvorbeugung auch thematisieren, wie stark Herz und Wasserhaushalt durch intensiven Sport belastet werden und welche Risiken sich dort ergeben. Dann würde die Empfehlung eines regelmässigen Checks sicher von vielen umgesetzt.

    • Andreas Gasser am 27.08.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Von wegen - Krankenkassen bezahlen

      Vielleicht gibt es solche, die Check-Ups bezahlen, das Gros der KKs aber zahlt nichts, schon gar nicht in der Grundversicherung. Genau dieses Frage stellte ich kürzlich meiner KK (Assura) und bekam eben den negativen Entscheid.

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  • Sebi am 27.08.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Muss doch jeder selber wissen

    Wer Sport auf hohem Niveau betreibt sollte eigentlich wissen, dass regelmässige Checks beim Doc nur von Vorteil sind. Ausser es geht darum bestimmte Substanzen geheim zu halten...

    • Daniel am 27.08.2012 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso geheim halten ?

      Wieso den geheimhalten ? genau wegen der Gesundheit ist es besser dies dem Arzt vertraut zu machen wie und was man zu sich nimmt, somit kann er dies kontrolliert, sauber und ein bisschen risikoarmer einnehmen. Es gibt so viele Hobbysportler die es bei Arzt tun al sSicherheit oder das Sie es nicht übertreiben

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  • Realist am 27.08.2012 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben ist gefährlich

    So ist das. Wer 100% garantie will, soll mal einen statistikkurs besuchen.

  • Simi am 27.08.2012 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich finde das total unnöig! Ich habe selbst auch eine Talentkarte. Die Gesundheit ist Sache der Sportler... Die Sportler sollten selbst solche Tests durchführen wenn sie wollen und auch die Kosten selbst tragen!