20 Minuten Online vs. Swiss-Ranking-Leader

15. Juli 2009 14:22; Akt: 10.08.2009 14:45 Print

Wie schwierig ist eigentlich Minigolf?

von Philipp Reich und Reto Fehr - Minigolf. Wer hat den Ball noch nie mit einem Schlag versenkt? Das kann ja jeder. Doch was beim Laien Glück ist, gelingt den Profis fast immer. 20 Minuten Online versuchte sich gegen einen dieser Experten – und wollte wissen, ob er auch mit einem Eishockeystock unbesiegbar ist. Es wurde hochspannend.

Tipps vom Profi: Siehe unten. (Video: 20 Minuten Online)
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Vitus Spescha ist laut dem «Swiss Ranking» aktuell der beste Minigolf-Spieler der Schweiz. Team-Weltmeister 2005, Team-Europameisterschafts-Dritter 2008, Schweizer Meister 2001. Der Mann weiss, wie man den kleinen Ball am schnellsten ins Loch befördert. Oft tut er dies mit einem «Ass»: Ein Schlag, ein Treffer. Auf der Filzbahn-Anlage in Olten hat er die 18 Bahnen schon mal mit 23 Schlägen gemeistert. Ein absolutes Traumresultat. Dagegen sieht die Bilanz der 20-Minuten-Online-Redaktoren Philipp Reich und Reto Fehr ernüchternd aus. «Ich spielte zuletzt 2000 in den Ferien Minigolf», erinnert sich Philipp dunkel an seine «Karriere». Auch Reto kommt höchstens auf eine Minigolf-Partie pro Jahr. Trotzdem sind wir guter Hoffnung den Profi zu bezwingen. Denn schliesslich erwartet Vitus ein schweres Handicap.

Nicht nur der Schlag, auch der Ball ist entscheidend

Die Anlage in Olten ist nicht aus dem sonst in der Schweiz üblichen Beton oder Eternit. Sie besteht aus Filz. Die Bahnen sind dadurch etwas länger und die Ballwahl umso entscheidender. Das ist denn auch – neben der Schlagtechnik natürlich - einer der grössten Unterschiede vom Profi zum Laien. Während wir beim öffentlichen Minigolf den Ball höchstens nach der Farbe auswählen, zählen für die Meister des Fachs Gewicht, Temperatur, Oberfläche, Härte oder Sprungkraft. «Ich besitze 700 bis 800 Bälle, die ich an jeden Wettkampf mitnehme», erzählt Vitus. Für jede Bahn, jedes Wetter, jedes Hindernis das richtige Werkzeug. Die Schweizer Nati wird im August mit 20000 bis 30000 Bällen an die WM nach Dänemark reisen. Die Fluggesellschaft kann vom beachtlichen Übergewicht aber nicht profitieren – die Bälle reisen auf dem Landweg. Wir staunen und erkunden den Parcours für unser kleines Turnier. Auf drei Bahnen wollen wir gegen den Experten antreten. Dabei gibt es kein Loch, bei dem wir eine Chance hätten. «Hier mache ich bei neun von zehn Versuchen ein Ass», «Hier bei sieben von zehn», «und hier bei etwa jedem dritten Versuch», nimmt uns Vitus die Hoffnungen. Wir entscheiden uns am Ende fast willkürlich für drei Bahnen: «Einfach Tor», «Sparbüchse» und «Pneu» heissen die Herausforderungen.

1. Runde: Turniermodus für alle

In der ersten Runde spielen alle im Turniermodus. Will heissen: Höchste Schwierigkeitsstufe. Während sich Vitus schon über einen Zweier ärgert, ist ein Vierer das höchste der Gefühle für Philipp und Reto. Fazit: Im Turniermodus haben wir nichts verloren. 17 und 18 Schläge der Sportredaktoren nach den drei gespielten Bahnen gegenüber fünf von Vitus braucht man nicht gross zu diskutieren. Die Bahn «Pneu» beispielsweise war schlicht nicht machbar für uns, ein allfälliger Treffer wäre ähnlich logisch gewesen, wie wenn eine 4.-Liga-Truppe den FC Zürich besiegen würde: Zweimal sieben Zähler – die Höchstpunktezahl für Philipp und Reto. Immerhin bemerkt ein Zaungast aufmunternd nach Fehlschlägen beim ersten Loch: «Die Idee war gut». Die Umsetzung wars nicht. Der Ball will einfach nicht sofort ins Ziel. Wir versuchen den Profi mit einer Vereinfachung für uns in der zweiten Runde zu fordern.


2. Runde: Publikumsmodus gegen Turniermodus

Gut, können die Bahnen in Olten verändert – das heisst für Gelegenheitsspieler vereinfacht – werden. Bei der «Einfach Tor»-Bahn wird das Hindernis für uns entfernt, bei der «Sparbüchse» erhalten wir eine Hilfe in Form eines Trichters und beim «Pneu» gibt’s ein zusätzliches, grosses Loch am Ende der Bahn. Leider werden nicht nur wir, sondern auch Vitus, der weiterhin im Turniermodus spielen muss, besser. Der Profi lässt uns mit vier Schlägen keine Chance. Immerhin: Philipp schafft bei der Sparbüchse das erste und bis zum Ende einzige Ass für die Herausforderer. Doch wie praktisch immer bei Schlägen von uns war eher das Glück entscheidend als unser Können Trotzdem: Am Ende fehlte Philipp nur ein Schlag und er hätte gegen den Profi nicht verloren.

3. Runde: Publikumsmodus gegen Turniermodus mit Eishockeystock

Eine letzte Runde, eine letzte Chance für die Laien. Vitus muss seinen Minigolf-Schläger gegen einen Eishockeystock tauschen. «Das ist so weit weg vom Minigolf», klagt dieser. Mit Minigolf habe das nichts mehr zu tun. Tatsächlich sind die Kräfteverhältnisse jetzt fair verteilt. Philipp und Reto gehen am ersten Loch mit einem Schlag in Führung, halten den Vorsprung bei der «Sparbüchse» und bringen den Sieg beim abschliessenden Loch ins Trockene. Knapp allerdings – aber doch mit zwei Schlägen Vorsprung auf Vitus. Es hätte jedoch auch anders ausfallen können. Vitus hätte beim Eishockeystock-Durchgang mit etwas mehr Glück ein Ass nach dem anderen geschlagen und uns blamiert. Ein Profi bleibt eben ein Profi.

Eine andere Sportart

Keine Frage: Das lustige Einlochen an einem verregneten Mittwochnachmittag in der Indoor-Minigolf-Anlage hat mit dem Sport von Vitus nichts zu tun. Schon vor einem Turnier kann ein unvorbereiteter Spieler sich hoffnungslos in Rücklage bringen. Die Ballwahl ist matchentscheidend. Dazu kommt die Konzentration beim Abschlag und natürlich die Schlagtechnik selbst. Übrigens: Redaktionsintern gabs wenigstens einen Sieger: Philipp distanzierte Reto um vier Schläge. Obs dem Sieger zu Höherem reichen würde? «Der Ansatz ist gut, aber er spielt zu unkonstant», urteilt Vitus.

Tipps fürs Minigolfen

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(Video: 20 Minuten Online)