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Gedächtnis muss es richten
26. Januar 2010 11:55; Akt: 03.02.2010 13:10 Print
Blinder Langläufer startet bei Olympia
Der Kanadier Brian McKeever sorgt für eine olympische Premiere. Als erster Wintersportler wird der sehbehinderte Langläufer sowohl bei den Winterspielen als auch bei den folgenden Paralympics an den Start gehen. Über 50 Kilometer klassisch muss er sich ganz auf sein Gedächtnis verlassen.

Der Sehbehinderte Brian McKeever bei der Kleider-Anprobe des kanadischen Olympia-Teams. (Bild: Keystone)
Nur zehn Prozent seiner Sehkraft sind geblieben, seit beim Kanadier Brian McKeever im Alter von 19 Jahren die sogenannte Stargardt-Krankheit diagnostiziert wurde. Diese seltene Netzhauterkrankung der Augen zerstört die Stelle des schärfsten Sehens, die Makula. Im Alter von 21 galt Brian McKeever offiziell als blind, nur ein peripheres Sehen war noch möglich. Seine Langlauf-Karriere wollte McKeever aber nie aufgeben.
Strecke einprägen
Bei den Paralympics 2002 und 2006 hatte der mittlerweile 30-Jährige mit seinem Bruder Robin als Begleiter sieben Olympia-Medaillen, darunter viermal die Goldene, gewonnen. Der Bruder wird auch in Vancouver, wo McKeever über 50 Kilometer klassisch an den Start gehen wird, als Führer fungieren. Da der Kanadier nur Schatten und Umrisse wahrnehmen kann, wird er sich aber auch auf andere Läufer verlassen und ihnen folgen. Die wichtigste Rolle bei der Orientierung übernimmt aber sein Gedächtnis: McKeever prägt sich die Strecke vorab sorgfältig ein und lernt schwierige Passagen wie etwa temporeiche Abfahrten auswendig.
Den Wirbel, der nun durch seine Nominierung entstanden ist, nimmt McKeever gelassen. «Es ging mir wirklich nur darum, das Beste aus mir herauszuholen», erklärte der sehbehinderte Langläufer. «Okay, nun werde ich der Erste sein, der an beiden Winterspielen teilnimmt. Wenn das die Vorstellungskraft der Menschen anregt und ihnen zeigt, was Paralympioniken schaffen können, dann ist das gut so.»
Nicht der erste Behindertensportler an Olympia
2008 in Peking waren die unterarm-amputierte Tischtennisspielerin Natalia Partyka aus Polen und die einbeinige Langstreckenschwimmerin Natalie du Toit aus Südafrika sowohl bei Olympia als auch bei den Paralympics gestartet. Etwas geläufiger dürfte der Name von Sprinter Oscar Pistorius sein, der sich trotz zweier Beinprothesen für die Olympischen Spiele qualifizieren wollte. Die Diskussion um einen möglichen Vorteil schlug zunächst hohe Wellen, verebbte aber wieder, nachdem Pistorius die Qualifikation für Peking nicht schaffte.
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