Lea Sprunger

22. August 2017 08:10; Akt: 22.08.2017 08:19 Print

«Wir sind nun nicht mehr die kleinen Schweizer»

von Marcel Allemann - Mit ihrem 5. WM-Rang über 400 m Hürden sorgte Lea Sprunger für das Schweizer Highlight. Auch bei Weltklasse Zürich am Donnerstag ist ihr Rennen ein Höhepunkt.

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Lea Sprunger, Sie sind in dieser Saison viele Rennen gelaufen. Wie voll ist Ihr Tank noch für Weltklasse Zürich?
Lea Sprunger: Direkt nach der WM war ich ein wenig ausgebrannt, doch das hing primär mit den Emotionen rund um die WM zusammen. Mittlerweile fühle ich mich wieder sehr gut und konnte auch gut trainieren. Ich bin froh, dass ich das Meeting am letzten Wochenende in Birmingham ausgelassen habe und mich nochmals regenerieren konnte.

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Was haben Sie sich für Zürich vorgenommen?
Ich laufe, um zu gewinnen. Es ist ein gutes Feld hier in Zürich, etwa mit Zuzana Hejnová, die derzeit sehr stark auftritt. Aber es ist auch ein Feld mit Läuferinnen, die ich schon geschlagen habe. Daher möchte ich gewinnen und eine gute Zeit laufen.

Ist der seit längerem in der Luft liegende Schweizer Rekord von Anita Protti in Zürich ein Thema für Sie? Eine schönere Kulisse dafür gibt es ja eigentlich nicht.
Es ist eigentlich jedes Mal das Ziel, persönliche Bestzeit und somit in die Nähe dieses Rekords zu laufen. Wenn ich in Zürich gewinnen will, dann muss ich ohnehin in diesen Bereich laufen. Es ist aber auch nicht so einfach, Anita Prottis Rekord zu brechen, denn es ist ein sehr guter Rekord. Mein Fokus ist auch nicht darauf ausgelegt, ob es nun klappt oder nicht.

Ist Ende Saison überhaupt noch genügend Frische vorhanden für einen Rekordlauf?
Ich denke schon, denn im Training war ich immer noch schnell. Und in Zürich sind die Bedingungen sehr gut, mit der Bahn und dem Heimpublikum.

Die Schweizer Leichtathletik ist derzeit im Hoch. Was hat sich dadurch für Sie in den letzten fünf Jahren direkt verändert?
Als Athleten sind wir nun nicht mehr die kleinen Schweizer. Die Heim-EM 2014 war enorm wichtig. Wir haben dort gesehen, dass wir mit den Besten mitkämpfen können, und dies hat einiges verändert. Auch ich persönlich habe meinen Weg gefunden und mit einer geduldigen Arbeitsweise stetig Fortschritte erzielt. Dass ich nun eine so gute Saison absolvieren konnte, ist daher keine Überraschung, sondern das Resultat konstanter Arbeit mit meinem Trainer Laurent Meuwly, mit dem ich seit acht Jahren zusammenarbeite.

Werden Sie nun auch auf der Strasse öfters erkannt?
In der Tat ist dies in den letzten Monaten im Vergleich zu früher öfters vorgekommen. Es gab schon Leute, die mir spontan gratuliert haben oder etwas wissen wollten, obschon sich die Leute in der Schweiz grundsätzlich sehr diskret verhalten.

Wie wirkt sich das alles finanziell aus?
Dieses Jahr konnte ich auch in diesem Bereich Fortschritte erzielen und mehr Geld verdienen. Primär durch die Prämien an den Meetings. Wenn man in der Diamond League auf Platz 2, 3 oder 4 läuft, dann wirft das schon mehr ab. Genauso, wenn man an einem Grossanlass unter die Top 8 kommt.

Wie denken Sie mit zehn Tagen Abstand über Ihren WM-Finallauf von London? Anders als direkt nach dem Rennen?
Direkt nach dem Rennen habe ich gesagt, dass dies kein perfekter Lauf war. Das sehe ich noch immer so. Wir haben das Rennen in der Zwischenzeit natürlich auch analysiert. Ich hatte einen Fehler bei der dritten Hürde, der einen Rhythmuswechsel nach sich zog. Das hat Zeit gekostet. Dass ich trotzdem die zweitbeste Zeit meiner Karriere lief, ist daher super.

Ist es in Stein gemeisselt, dass Ihre internationale Ausrichtung auf den 400 m Hürden bleibt, oder wird das von Saison zu Saison neu angeschaut?
Nein, es ist klar, dass ich auch in Zukunft über 400 m Hürden starten werde. Aber wir werden es auch nächste Saison so machen, dass ich gelegentlich über 200 m oder 400 m flach starte. Das haben wir in dieser Saison ausprobiert, und es hat sich als Kombination mit den 400 m Hürden bewährt.

Was geht Ihnen eigentlich während einem 400-Meter-Hürden-Lauf so alles durch den Kopf?
Nicht viel. Es ist auch nicht so, dass ich die Schritte zwischen den Hürden zähle, wie einige meinen. Ich bin eigentlich immer nur auf die nächste Hürde konzentriert und darauf, die technischen Informationen, die ich während des Laufs erhalte, zu verarbeiten und anschliessend umzusetzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • F.Murselu am 22.08.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AG

    Respekt für unsere schweizerischen Leichtathleten.Sie haben es sehr gut gemacht noch mal Respekt

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  • Jürg am 22.08.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    mal überlegen

    Jede/r dieser Schweizer Sportler die in den Final gekommen sind, gehören zu den 8 Besten der Welt in ihrer Disziplin!!! Jetzt kommen hier soviele negative Kommentare von Leuten, welche sportlich nichts sind und einen "normalen" Beruf erlernt haben. Gehören Sie zu den 8 Besten auf der Welt in Ihrem Beruf? Oder wenigstens zu den 8 Besten in der Schweiz? Auch nicht? Wieso gehen Sie denn jeden Tag zur Arbeit, wenn Sie doch "nichts" können? Ein bisschen mehr RESPEKT wäre hier angebracht!

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  • Hectopascal am 22.08.2017 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Im Verband ausmisten

    Leichtathletik ist im Aufwind, ja. Aber die Athleten müssen viel besser gefördert und unterstützt werden. Die Verbandsleute sind keine Hilfe in der Entwicklung. Es gehen auch zu viele Talente verloren, da sie falsch oder gar nicht gefördert werden. Es werden nur die Jungen gepusht, die ihrer Zeit voraus sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Justin Dopeling am 22.08.2017 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man bedenke...

    ich gehe mal davon aus, dass vorsichtig geschätzte 80% der weltspitze gedopt sind und die schweizer nicht. so gesehen sind die leistungen der schweizer delegation an der wm in london nicht hoch genug einzuschätzen.

  • romeosail am 22.08.2017 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur früher

    gabs ab und zu Medaillen, aber heutzutage gilt es schon als top im Final zu sein.

  • Stolz Auf Deutschland am 22.08.2017 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Winkel

    "Wir sind nun nicht nehr die kleinen Schweizer". Das sehe ich anders. Stolz auf Deutschland.

    • Claudio am 22.08.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Stolz Auf Deutschland

      Da haben Sie wohl die Weltmeisterschaft nicht gesehen. Die Resultate der Deutschen war eine riesen Enttäuschung resp. die Folge vieler Fehler der deutschen Sportförderung.

    • F.akten am 22.08.2017 20:05 Report Diesen Beitrag melden

      ruhig Blut

      Die Deutschen hatten 13 Ausfälle wegen Novovirus.Da kann man nicht von einer" riesen Enttäuschung" sprechen.Bitte auch mal den ewigen Medaillenspiegel googln.Wer hat eigentlich danach die Beachvolleyball EM und die WM in Ringen gewonnen;)

    • Claudio am 22.08.2017 22:50 Report Diesen Beitrag melden

      @F.akten

      Fakt ist, dass es keine 13 Ausfälle bei den Deutschen gab, sondern 13 Verdachtsfälle. Betroffen waren schlussendlich 9. Trotzdem konnten alle unbekümmert starten:-) So zum Thema Fakten.

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  • Jürg am 22.08.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    mal überlegen

    Jede/r dieser Schweizer Sportler die in den Final gekommen sind, gehören zu den 8 Besten der Welt in ihrer Disziplin!!! Jetzt kommen hier soviele negative Kommentare von Leuten, welche sportlich nichts sind und einen "normalen" Beruf erlernt haben. Gehören Sie zu den 8 Besten auf der Welt in Ihrem Beruf? Oder wenigstens zu den 8 Besten in der Schweiz? Auch nicht? Wieso gehen Sie denn jeden Tag zur Arbeit, wenn Sie doch "nichts" können? Ein bisschen mehr RESPEKT wäre hier angebracht!

    • Alois Wakihuri am 22.08.2017 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Genau, wieviel mal war die CH-Nati im Fussball schon unter den besten 8 an einer WM??? Wann haben sie das letzte Mal einen Viertelfinal erreicht??? Und dort macht man jedes Mal eine mega Sache draus, wenn sie nur schon ein Vorrundenspiel gewinnen und alle waren super! Diesen Respekt und ähnliche Kommentare würde ich mir bei den Leichtathleten auch wünschen. Die 2 Minuten als Selina Büchel ihren Hallen-EM-Titel über 800m im Frühjahr verteidigt hatte, wurden nicht mal live im SRF übertragen. "Verteidigt", es kam also nicht unerwartet!!! Das Nichtzeigen sagt wohl alles über mangelnden Respekt!

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  • kev am 22.08.2017 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine CH, kleine Erwartung?

    Nur so aus Interesse. Es geht doch, vorallem in der Leichtathletik, immer noch um Medaillen, oder? Wer weiss den noch wer 5. wurde im 100m Sprint der Männer? Der wichtigsten Disziplin! Wer ihn weiss kann ja ein Dislike hierlassen. Aber seit bitte ehrlich^^

    • David Stoop am 22.08.2017 16:31 Report Diesen Beitrag melden

      @kev

      Wenn es im Sport nur um Medaillen gehen würde (oder Titel für Fussball), müsste das Gros der Sportler die Karriere per sofort beenden. Die meisten Sportler werden nie eine grosse Medaille noch einen grossen Titel erreichen. Das schmälert aber die Leistung dieser Sportler nicht, denn es ist schwer genug überhaupt in einer Sportart zu den 100 Besten zu gehören.

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