Leichtathletik-WM

11. August 2017 11:48; Akt: 11.08.2017 12:10 Print

Der überraschende Türke mit dem Drachenarm

Ramil Guliyev düpierte die Favoriten über die halbe Bahnrunde in London. Der 27-jährige 200-m-Weltmeister stammt ursprünglich aus Aserbaidschan.

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Das Fest im Londoner Olympiastadion war angerichtet. Für Wayde van Niekerk, nicht für Ramil Guliyev. Letzterer machte Ersterem jedoch einen Strich durch die Rechnung.

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Van Niekerk sollte nach dem Titel über 400 m auch die Goldmedaille über 200 m holen. Der 25-jährige Südafrikaner gilt auf der Bahn als Nachfolger des abtretenden Superstars Usain Bolt. Van Niekerk – der über 100 m, 200 m und 400 m Topzeiten läuft – verliessen am Schluss aber etwas die Kräfte. Er musste sich mit Silber begnügen. Dennoch gehört ihm die Zukunft. «Er ist bereit für die Herausforderung. Wenn er so weitermacht, wird er die Leichtathletik übernehmen», sagte Bolt, der auf einen Start über seine Lieblingsstrecke verzichtete.


Der Wunderlauf von Guliyev (Video: SRF).

Der Fight im Foto-Finish

Nachfolger von Bolt über die 200 m ist nun Guliyev. Er drückte seinen Körper zwei Hundertstel vor Van Niekerk und Jereem Richards (Trinidad und Tobago) über die Ziellinie. Richards blieb nach dem Foto-Finish nur Bronze. Der neue Weltmeister ist der erste Athlet, der an einer WM eine Goldmedaille für die Türkei gewann. Dies gab Lob von höchster Stelle. «Er macht uns stolz. Ich gratuliere von ganzem Herzen», twitterte Präsident Recep Tayyip Erdogan.


Medaillensegen dank Einbürgerungen

Guliyev, dessen Körper diverse grössere Tattoos wie ein Drache auf dem rechten Arm zieren, stammt ursprünglich nicht aus der Türkei. Der 27-Jährige ist gebürtiger Aserbaidschaner und startet erst seit 2014 für das Land am Bosporus. Dieses mauserte sich in den letzten Jahren zu einer wahren Leichtathletik-Nation. Bei der EM 2014 in Zürich gewann die Türkei nur eine Bronzemedaille. Zwei Jahre später in Amsterdam sammelte das Land bereits zwölf Medaillen.

Dieser starke Anstieg war einer erfolgreichen «Transfer-Politik» zu verdanken. Erfolgsversprechende Athletinnen und Athleten – mehrheitlich aus Kenia – wurden eingebürgert, nachdem sie von ihren Landesverbänden die Freigabe erhielten. Nur drei der zwölf Medaillen in Amsterdam wurden von Sportlern gewonnen, die ihren Ursprung in der Türkei haben. Sechs Medaillengewinner wiesen einen kenianischen Hintergrund auf. Je einer einen jamaikanischen, kubanischen und aserbaidschanischen.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CarpeDiem am 11.08.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türkei und Azarbajan

    Kulturell und auf einer brüderlichen Ebene betrachtet sehen sich die Azarbaijaner und Türken als Brüder. Gleiche Kultur, gleiche Sprache, gleiches Aussehen, usw. Man siehe Eurovision 2011 als Azarbaijan gewann und sie die Türkische Fahne schwangen. Ich verstehe die ganzen Kommentare hier nicht wirklich.

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  • Thomas A am 11.08.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    super Technik und eiserner Wille. Gratulation zu diesem super Rennen

  • CarpeDiem am 11.08.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Der Moment wenn sich alle darüber aufregen, dass ein Azeri-Türke für die Türkei sprintete aber der Schweizer Hürdenläufer hiess Kariem Hussein :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 11.08.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation an die unterdrückten

    Kommentare! Freude herrscht - es darf weiter gejubelt werden :)

  • D.Va am 11.08.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Drachenarm...

    tut mir leid, aber ich muss fragen: wer dachte bei "Drachenarm " an Hanzo?

  • CarpeDiem am 11.08.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Der Moment wenn sich alle darüber aufregen, dass ein Azeri-Türke für die Türkei sprintete aber der Schweizer Hürdenläufer hiess Kariem Hussein :)

  • Engin E. am 11.08.2017 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das Wichtig?!

    Soll doch jeder für sich entscheiden, für welches Land und in welcher Sportart Er/Sie auflaufen möchte. Wir haben in unserer Gesellschaft sicherlich wichtigere Probleme als das wir uns über solches Entscheidungen treffen müssten. :) Da wäre ja auch der Erfolg der Schweizer Fussbalnati in Gefahr ohne Transfers :) Wünsche ein schönes Wochenende.

  • Michi G. am 11.08.2017 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sauberer Sport

    Dass man mit über 20s 200m Weltmeister wird ist womöglich ein Zeichen dass die Dopingbekämpfung Früchte trägt!!