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Super Bowl
05. Februar 2012 22:10; Akt: 05.02.2012 22:32 Print
Ein Spiel zeigt, wie Amerika tickt
von Klaus Zaugg, New York - Egal wer spielt: Football und insbesondere der Super Bowl verkörpern die moderne USA wie nichts Anderes. Der erste Sonntag im Februar ist Amerikas glücklichster Tag.

Beim Super Bowl XLVI treffen die New England Patriots auf die New York Giants. (Bild: Keystone/AP)
Die Super Bowl ist das einzige Ereignis, das Amerikas soziale Gegensätze für einen wunderbaren Tag lang überbrückt, Amerika einigt und die Menschen glauben, doch die unbesiegbaren Masters of the Universe zu sein.
Bildstrecken Der Super Bowl XLVI in Indianapolis Infografik American-Football: Die RegelnGewalt, Brutalität und Krieg haben in keiner anderen westlichen Gesellschaft einen so hohen Stellenwert wie in den USA. Zyniker sagen gar, die USA seien ja schliesslich einst durch Gewalt und Landraub entstanden. Und führen Football, das amerikanischste aller Spiele, gleich als Beweis für diese These an.
Event der Superlative
Football ist Amerikas populärster und profitabelster und typischster Sport und die Super Bowl das grösste jedes Jahr wiederkehrende Sportereignis der Erde. Jahr für Jahr werden die Superlative ausgebreitet. 30 Sekunden Werbung kosten gut 3 Millionen Dollar und die besten Werbespots werden für diesen Anlass kreiert. Die Medien befassen sich jeweils eingehend mit diesen Spots: Werbung, die Werbung generiert. Die Liga (NFL) kassiert aus den TV-Rechten von vier Stationen (CBS, Fox, NBC, ESPN) pro Saison vier Milliarden Dollar. Das ist doppelt so viel wie der Gesamtumsatz der wichtigsten und berühmtesten Hockeyliga (NHL). Ein einzelnes der 32 Teams kassiert mehr TV-Gelder als die gesamte NHL. Von den 20 Sportübertragungen mit den höchsten Quoten in den USA waren letztes Jahr 19 Football-Spiele.
Aber Football ist brutal. Früher gab es regelmässig Tote. Präsident Teddy Roosevelt (1858-1919) setzte sich 1905 persönlich für die Eindämmung der Brutalität ein. Inzwischen verläuft die Gewalt in geordneten Bahnen und ist doch zerstörerisch: Die Karriere der rund 1500 Profis dauert durchschnittlich bloss dreieinhalb Jahre, der durchschnittliche Jahresverdienst liegt bei 1,9 Millionen Dollar (NHL: 2,5 Millionen) und durchschnittlich zweieinhalb Jahre nach dem Rücktritt sind die Football-Helden bankrott oder sonst am Leben zerbrochen. Spektakulärstes Beispiel ist O.J. Simpson. Der Künstlername O.J. kommt von Orange Juice – wegen seines flüssigen Laufstils und der Werbung für Orangensaft. 1994 wurde er von der Anklage, seine Frau und deren Liebhaber erstochen zu haben, freigesprochen. Doch er wurde zur Zahlung von 33 Millionen Dollar an die Hinterbliebenen verknurrt. Inzwischen sitzt er wegen Raub für 33 Jahre im Knast.
Ein brutaler Sport
Football ist eben ein raues, aber auch ein kompliziertes und faszinierendes Spiel. Mit einem für Laien schwer verständlichen Regelwerk, verschiedenen Strategien und Spielzügen, die mit militärischem Drill eingeübt werden. Jedes Detail wird statistisch erfasst, nichts dem Zufall überlassen, alles vor den TV-Kameras ausgebreitet. Und es spiegelt die Seele Amerikas: Es verkörpert den historischen Vorstoss in den unbekannten Westen, die Landnahme und den Kampf gegen Wind und Wetter: Der Zweck des Spiels ist es, Raum zu gewinnen. Manchmal mit Schlauheit und Talent, aber meistens durch rohe Gewalt. Und es beginnt im Herbst, wenn die Stürme übers Land fegen und der Höhepunkt, die Super Bowl, folgt im tiefen Winter. Nichts für warmduschende «Boys of Summer».
Die Spieler werden – wie im Hockey – ständig grösser, schneller und schwerer. Immer heftiger prallen sie aufeinander und die Kommentatoren reden wie im Krieg. «Smashmouth Football» sagen sie, wenn ganz legal Helm auf Helm kracht. Will heissen: «Voll in die Fresse». Bis zu tausend heftige Schläge auf den Kopf muss ein Spieler pro Saison erdulden und bei Obduktionen von früh verstorbenen Stars hat sich gezeigt: Das Gehirn eines 40jährigen ehemaligen Footballspielers ähnelt jenem eines 80jährigen. Ein Phänomen, das sich sonst nur bei Boxern und raubeinigen Hockeyspielern zeigt.
Ein Spiel, das sie Seele Amerikas widerspiegelt
Football zeigt aber auch Amerikas Sozialstruktur. Ein Spiel, das zeigt, wie Amerika tickt. Nur scheinbar sind die wilden, mutigen Kerle auf dem Spielfeld stolz und unabhängig. Die Cheftrainer sind mit ihren Operetten-Assistenten die alleinigen und autoritären Herrscher und legen die Strategie fest. Sie werden als Generäle verehrt. Auch wenn es anders scheinen mag: Für die Spieler gibt es keine persönliche Freiheit und keinen Raum für Kunststücke: Für den Football-Profi steht über allem Disziplin, taktischer Gehorsam und Ordnung. In keinem anderen Sport ist die Hierarchie im Team so klar, die taktische Disziplin so hoch und der Machismo so ausgeprägt. Wer den Helm aufsetzen kann, spielt. Fürs Team, fürs Vaterland. Die Stars sind mit Wirbelquetschungen, Prellungen, Zerrungen, Stauchungen, Knochenbrüchen aufgewachsen, sie kämpfen immer weiter und es kommt nicht von ungefähr, dass General George Marshall (1880-1959) – er war auch Aussenminister und nach ihm ist der «Marshall-Plan» benannt – gesagt haben soll: «Ich brauche einen Offizier für eine geheime und gefährliche Aktion. Ich will einen Football-Spieler.»
Und es geht, wie fast immer in Amerika, ums Gewinnen und Prüderie. Als bei der Super Bowl 2004 bei der Pausenshow für ein paar Sekunden Janet Jacksons Busen zu sehen war, setzte es einen Sturm der Entrüstung und für die TV-Anstalt CBS 3,5 Millionen Dollar Bussgeld ab. Vince Lombardi (1903 – 1970), am 15. Januar 1967 Trainer-General beim ersten Super Bowl-Gewinner (Green Bay Packers) hat es auf den Punkt gebracht, worum es hier nebst Zucht und Ordnung geht: «Gewinnen ist nicht alles. Es ist das Einzige.»
Ein vierstündiger Super-Event
Am Sonntag geht in Indianapolis es zwischen den New York Giants und den New England Patriots um das Einzige. Um den Sieg. Die 60 Minuten effektive Spielzeit sind inzwischen zu einer gut vierstündigen Show ausgebaut worden. Die gewaltigste Sportshow auf dem Planeten. In der Pause singt Madonna. Die Liga gaukelt mit der römischen Bezeichnung (XLVI) der 46. Super Bowl Tradition vor, die es gar nicht gibt: Erst seit 1967 wird der Titel in der heutigen Form des Endspiels (Super Bowl) vergeben. Die NHL spielt seit 1918 um den Stanley Cup.
1967 konnte noch niemand ahnen, was aus der Super Bowl (und Amerika) wird. Aus Sorge, das Spiel könnte zu wenig TV-Zuschauer interessieren, wurde es in die Übertragung eines Golfturniers eingebettet, 30 Sekunden Werbung waren für 42 000 Dollar zu haben und die Tickets kosteten zwischen 10 und 89 Dollar. Aber nur etwas mehr als 60 000 Fans kamen nach Los Angeles ins Memorial Coliseum mit 93 000 Sitzen und lediglich 338 Reporterinnen und Reporter interessierten sich für die erste Super Bowl. Am Sonntag kostet ein Ticket durchschnittlich 3000 Dollar, eine halbe Minute Werbung rund 3 Millionen Dollar, mehr als 4000 Journalistinnen und Journalisten sind akkreditiert.. God Bless America.
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Alle 5 Kommentare
































Keine Ahnung von Football
Intressanter Artikel. Als ehemaliger Footballerspieler sieht man aber auf den ersten Blick dass dieser Autor keine Ahnung hat. Football wird auch als "Schach auf dem Rasen" bezeichnet weil es so viele taktische Möglichkeiten gibt. Der Superbowl dieses Jahr war wortwörtliche wieder einmal bis zur allerletzten Sekunde spannend. Da es anders als im Fussball so viele Möglichkeiten gibt Punkte zu erzielen sind die Spiele nie langweilig. Mal im Ernst, wer will sich schon 90 Minuten Fussball ansehen um dann kein einziges Goal gesehen zu haben und zu wissen das beide Teams gleich schlecht waren?
War wohl noch nie dort
Wow, so wird also die USA hier gezeigt und kritisiert. Ich kann nur sagen: der autor war wohl noch nie in den USA und hat eindeutig keine Ahnung. Traurig.
Unbelievable!
Dieser Artikel klingt mehr als abschätzig gegenüber den Amerikanern & des Sports. Ich als gebürdige Amerikanerin empfinde das als beleidigend zumal die Realität nicht dem entspricht was hier wiedergegeben wird! Ja, es ist eine "krasse" Sportart aber auch hier handelt es sich, wie auch im Fussball etc. um Leidenschaft, Spass, Team und Stolz! Wenn man keine Ahnung hat von Traditionen, Gebräuchen oder sonstigen Sachen aus Amerika, sollten solche Artikel nicht erfasst werden! Das ist eine Frechheit.