Dani Rodriguez

28. September 2017 19:52; Akt: 28.09.2017 19:52 Print

Ein braver Lehrling ist der Thaibox-König der Schweiz

von Adrian Hunziker - In der Schweiz hat Dani Rodriguez keine Gegner mehr. Der 19-jährige Muay-Thai-Boxer aus Zürich strebt seinen 20. Sieg in Serie an.

20 Minuten hat Dani Rodriguez im Training im Dado Gym in Zürich besucht. (Video: Tarek El Sayed/Murat Temel)
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Dani Rodriguez sitzt auf einem Sofa in seinem Trainingszentrum in Zürich. Er wirkt unscheinbar, brav, ja gar etwas gehemmt. Höflich und mit geneigtem Kopf begrüsst er die Journalisten. Die Frage drängt sich auf: Das soll der beste Muay-Thai-Boxer der Schweiz sein?

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Zwar ist Rodriguez erst 19 Jahre alt, in der Schweiz kennt er aber keine Gegner mehr, weder in seinem Alter noch in seiner Gewichtsklasse. Die Kämpfer reisen aus dem Ausland an, um den Lehrling in Fachmann Betriebsunterhalt herauszufordern. Rodriguez' Kampfrekord steht aktuell bei 19:0 Siegen. «Das harte Training zahlt sich letztendlich aus», sagt er im Interview.

Rodriguez will ganz nach oben

Auch mit Medienarbeit kennt sich der Zürcher mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik noch nicht aus, seine Antworten sind kurz und knapp. Wenn es aber um seinen Sport geht und darum, wie gut er darin ist, dann zeigt sich sofort, über wie viel Selbstvertrauen der junge Sportler verfügt. Auf die Frage, wo er sich selber denn in zehn Jahren sehe, antwortet Rodriguez: «Dann will ich sportlich das Maximum erreicht haben. Das heisst, an der Spitze aller Kämpfer angelangt sein, also der Stärkste in meiner Gewichtsklasse sein – weltweit.»

Am Samstag trifft der Thaiboxer, der einst von einem Kollegen ins Training mitgebracht wurde, wo es ihm auf Anhieb gefiel, an der Zürcher Kampfnacht im Volkshaus auf den Franzosen Arias Thibaut. Über seinen nächsten Gegner weiss Rodriguez nicht viel. «Ich habe einige Videos von ihm studiert und ihn so analysiert. Danach habe ich so hart trainiert, wie ich konnte», so Rodriguez, und schiebt sogleich nach: «Ich denke, ich werde meinen 20. Sieg einfahren.»

Ein Wechsel zum Boxen ist angedacht

Während Rodriguez im Gespräch ruhig, teils unsicher, aber sehr höflich rüberkommt, ändert sich sein Erscheinungsbild später im Ring komplett. Der 1,85 m grosse Fighter holt im Training alles aus sich heraus. Und er lässt es derart leicht aussehen, dass man meinen könnte, es sei ein Kinderspiel. Seine Trainer attestieren ihm einen Killer-Instinkt, stupende Technik und schlaue Taktik. Der Boxer selber sagt über seine Stärken: «Ich verfüge über Schnelligkeit und ein gutes Auge. Ausserdem bin ich im Boxen stärker als mit den Beinen.»

Es ist angedacht, dass er in Zukunft vom Muay Thai zum klassischen Boxen wechseln wird. Das ist sein Wunsch, und der seiner Trainer. Grund dafür sind seine Hüften, die ihm Probleme bereiten. Die Genetik hat es mit ihm, der beim Kicken die Hüften voll beansprucht, nicht gut gemeint. «Ich musste einen Teil meiner Hüfte bereits operieren, und es schmerzt von Zeit zu Zeit immer noch. Würde ich zum Boxen übergehen, müsste ich nicht mehr kicken und würde somit meine Hüfte nicht mehr so stark strapazieren.»

«Der härteste Sack Zürichs»

Das Rezept, im Muay Thai erfolgreich zu sein, sieht Rodriguez darin, dass man entschlossen sein müsse, kein Training verpassen und auf keinen Fall faul sein dürfe. Er muss es wissen, er trainiert täglich – und gibt vieles dafür auf. «Ich verzichte auf Dinge, die Jugendliche in meinem Alter sonst so machen, wie in den Ausgang zu gehen. Stattdessen lerne ich.»

Ausserdem muss er auf sein Gewicht achten, damit er die Klasse (bis 71 kg) halten kann. «Das ist wohl das Schwierigste, was es gibt. Vor dem Kampf esse ich nur wenig Fastfood, fast nur Gerichte ohne Sauce – ich muss auf das Beste verzichten.» Dafür stählt er seinen Körper.

Nicht so wie in einigen Thaibox-Spielfilmen, in denen die Darsteller mit ihren Schienbeinen einen Bambus malträtieren. «Wir benutzen einen Sandsack. Es ist wohl der härteste Sack Zürichs», sagt Rodriguez und lacht. Er will bald nach Thailand reisen und dort ein Trainingslager absolvieren. Aber zuvor strebt er seinen 20. Sieg an, beendet seine Lehre und lässt seine andere Hüfte operieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J.J am 28.09.2017 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Stärkste in seiner Gewichtsklasse in CH

    Dieser Junge ist wirklich sehr stark. Respekt für seine Leistung. Nicht wie all die anderen Kampfsportler in der Schweiz die alle Schweizermeister, Europameister und weltmeister sind. Wenn man die Szene verfolgt, weiss man das man von ihm wirklich sagen kann das er der Beste in seiner Gewichtsklasse ist in der Schweiz. Weiter so und viel Erfolg.

  • OngBak am 28.09.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MMA

    Finde ich super, dass die Schweizer Medien dem Kampfsport immer mehr Medienpräsenz bietet. Wenn man bedenkt dass Andy Hug einer der grössten Kampfsportler Europas waren, sollte Kampfsport in der Schweiz viel präsenter sein. Weiter so bravo!

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  • Crrrank am 28.09.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Erfolg

    Super, falls es noch freie Plätze gibt, werde ich im Volkshaus dabei sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronnie R am 29.09.2017 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Viel erfolg

    Dann wünsche ich ihm viel Erfolg.

  • Daniele Di Pasqua am 29.09.2017 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein gegner wäre Shemsi Beqiri

    Wie wäre es mal shemsi beqiri heraus zu fordern? Er kämpft so viel ich weis -72kg

    • Gabel am 29.09.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Regelwerk

      Daniel kämpft nach full muay Thai rules. Shemsi jedoch im K1 style. Bleibt die Frage ob es jemand von ihnen wagt nach anderen Regeln zu kämpfen.

    • stiffler am 29.09.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      Noch zu früh

      Shemsi beqiri spielt in einer ganz anderen liga. Er hat schon gegen sehr viele und starke gegner gekämpft. Dani braucht noch Erfahrung..

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  • Céline Strahm am 29.09.2017 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Mache auch Kampfsport (GBA), coole Sache! Viel Erfolg

  • Ellin Vournelis am 29.09.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Prima Junge

    Dani ist nicht nur sportlich spitze, sondern auch als Mensch. Ein sehr sanftmütiger, gelassener und fokussierter junger Mann mit einem grossen Herz.

    • Vanessa am 29.09.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      Super Dani

      Kann ich nur bestätigen. Weiter so Dani...... :-)

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  • OngBak am 28.09.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MMA

    Finde ich super, dass die Schweizer Medien dem Kampfsport immer mehr Medienpräsenz bietet. Wenn man bedenkt dass Andy Hug einer der grössten Kampfsportler Europas waren, sollte Kampfsport in der Schweiz viel präsenter sein. Weiter so bravo!

    • Karatekid am 29.09.2017 07:47 Report Diesen Beitrag melden

      Andyfan

      Andy Hug war weltweit bekannt und besonders in Japan erfolgreich. Habe seine ganze Karriere mitverfolgt. Osu!

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