«Unerwünschte Person»

11. Mai 2018 19:59; Akt: 11.05.2018 20:31 Print

Er deckte Doping auf – jetzt darf er nicht an WM

Der ARD-Journalist Hajo Seppelt brachte das russische Dopingsystem ans Licht. An der Fussball-WM wollen ihn die Russen nun nicht dabei haben.

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Beim Captain der peruanischen Fussballnationalmannschaft wird im Oktober 2017 bei einer Kontrolle das Kokain-Abbauprodukt Benzoylecgonin festgestellt. Guerrero erklärt, er habe in der Heimat einen Anistee getrunken, weil er eine Magenverstimmung hatte. In Argentinien habe er einen Schwarztee mit Zitrone und Honig getrunken, weil er eine Grippe hatte. Im Februar 2017 wird die italienische Tennisspielerin positiv auf die verbotene Substanz Letrozol getestet. Bei der Anhörung im Sommer sagt sie: «Mir ist das Krebsmittel meiner Mutter in die Tortellini gefallen.» Der Luxemburger wird im Juli 2012 mit dem Diuretikum Xipamid erwischt, das nicht leistungsfördernd ist, aber zur Verschleierung von Doping-Substanzen dient. Er sieht sich als «Opfer einer Vergiftung» und beteuert seine Unschuld. Der Spanier gibt die Schuld am Clenbuterol-Befund an einem Ruhetag der Tour de France 2010 «verunreinigten Lebensmitteln», genauer gesagt einem Stück Fleisch. Am Tag nach der Kontrolle steht die Bergetappe zum Col du Tourmalet auf dem Programm. Drei positive Tests auf anabole Steroide im Jahr 2010 überführen den 400-m-Weltmeister und -Olympiasieger. Die beschämende Begründung: Ein Medikament zur Penisvergrösserung, das er eingenommen hat, enthält die verbotene Substanz. Der Tennisspieler wird des Kokainkonsums überführt. Der Franzose behauptet nach der positiven Probe im Frühjahr 2009, dass er lediglich eine Frau in einem Nachtclub geküsst habe, die die Droge konsumiert habe. Auch die Schweizer Tennisqueen wird 2007 in Wimbledon positiv auf Kokain getestet. Ihre Erklärung für die minime Menge in ihrem Körper: «Jemand hat es mir in den Fruchtsaft getan.» Darauf muss man erst einmal kommen. Die deutsche Mountainbikerin sagte 2007 nach dem positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol : «Der Asthma-Inhalator meiner Mama ist explodiert. Vor Schreck hab ich ‹huch› gesagt und wohl versehentlich etwas inhaliert.» Der Amerikaner wird 2006 zum ersten überführten Tour-de-France-Sieger der Geschichte. Seine Erklärung für den erhöhten Testosteronwert: Er habe am Vorabend der 17. Etappe, auf der er dann allen davonfuhr, «zwei Bier und mindestens vier Whiskys getrunken» – aus Frust, weil er auf dem 16. Teilstück völlig eingebrochen war. Der rumänische Stürmerstar wird im Herbst 2004 des Kokainkonsums überführt. «Ich habe das nur gemacht, um meine sexuelle Leistung zu steigern», sagt er. Reichlich abenteuerlich erklärt der Amerikaner seine positiven Proben im Jahr 2004, die Blutdoping nachweisen: «Ich bin ein Mischwesen, die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert.» Im Sommer 2002 wird dem deutschen Radstar die Einnahme von Amphetaminen nachgewiesen. Daran schuld seien zwei Pillen, die ihm am Abend vor der Kontrolle in einer Disco angedreht worden seien. «Keine Ahnung, was da drin war, aber ich habe sie halt in meiner Dummheit geschluckt», sagt er. Der Italiener wird vor und während des Giro d'Italia 2002 positiv auf Kokain getestet. Den ersten Befund führt er auf eine vom Zahnarzt verabreichte Spitze zurück, später auf einen kolumbianischen Koka-Tee, den ihm die Tante seiner Frau serviert hatte. Zum zweiten sagt er: «Meine Mutter schickte mir Bonbons aus Peru. Und diese waren in Kokablätter eingepackt.» Ach ja, Simoni wird übrigens freigesprochen. Im März 2002 wird der belgische Radstar wegen des Besitzes von Dopingpräparaten gesperrt. Er behauptet bei der Anhörung: «Mein Hund hat Asthma.» Des Clenbuterol sei demnach für das Tier und das Epo «aus einer anderen Zeit seines Lebens» gewesen. Der Langläufer gewinnt an den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City drei Goldmedaillen. Er muss jedoch alle abgeben, da er positiv auf das Epo-ähnliche Darbepoetin getestet wird. Seine Ausrede: Eine Diät im Vorfeld der Spiele sei schuld. Der Helfer, der Ullrich 1997 zum Tour-Sieg verhalf, wird zwei Jahre später überführt. Er kann natürlich nichts für seinen hohen Testosteronwert, weil er nur seine Zeugungskraft stärken wollte. Deshalb habe er dummerweise zu einem Mittelchen seines italienischen Schwiegervaters gegriffen. Wieder Testosteron: 2001 sei sein Masseur schuld gewesen, welcher ihm die Beine mit einer testosteronhaltigen Salbe «positiv massierte», sagt der US-Sprinter. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück. Ein erhöhter Nandrolonwert wird dem britischen 100-Meter-Olympiasieger 1999 zum Verhängnis. Wie es dazu gekommen ist? «Ich habe nicht gedopt. Ich habe nur zu viele Avocados gegessen!» Der Fall des kubanischen Hochsprung-Weltrekordhalters sorgt 1999 für Verschwörungstheorien in seinem Heimatland. In einer TV-Ansprache von Fidel Castro macht dieser die CIA und die kubanisch-amerikanische Mafia fürs den positiven Kokain-Test verantwortlich. Der deutsche Langstreckenläufer gibt nach auffälligen Tests im Sommer 1999, die einen erhöhten Nandrolonspiegel anzeigen, an, unbekannte Täter hätten ihm die Substanz in die Zahnpasta getan. Nachdem der US-Sprinter 1998 erwischt worden ist, sagt er zu seinem verdächtigen Testosteronwert: «Ich hatte fünf Flaschen Bier und viermal Sex - es war ihr Geburtstag, und die Lady hatte eine Extra-Behandlung verdient.» Wie männlich! Woher der erhöhte Nandrolonwert des Judo-Olympiasiegers von 1996 kommt, weiss er selbst nicht, denn natürlich hat er nichts Falsches getan. «Ich bin Moslem und halte mich strikt an die Regeln, die Drogen als Todsünde ansehen - also auch das Doping», sagt der Franzose nach dem Befund 1998. Beim Goldmedaillen-Gewinner von Nagano 1998 wird nach seinem Sieg Marihuana im Blut gefunden. Laut dem Kanadier sei dies aber nur vom Passivrauchen. Glück für ihn: Marihuana ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht als illegale Substanz gelistet. Der britische Kugelstosser wird an der EM 1994 mit anabolen Steroiden erwischt und macht sein Haarshampoo für den positiven Dopingbefund verantwortlich. Die Substanz sei in den Kreislauf geraten, weil er das Shampoo getrunken habe. Versehentlich, versteht sich. Der US-Rad-Star wird offiziell nie mit Doping erwischt. Aber seine Weigerung an der Schiedsgericht-Verhandlung vor der Usada teilzunehmen, gleicht einem Schuldeingeständnis. Armstrongs Erklärung, warum er dort nicht erscheinen wird: «Im Leben eines jeden Mannes kommt der Punkt, an dem er sagen muss: ‹Genug ist genug.› Ich muss mich mit den Anschuldigungen gegen mich seit 1999 beschäftigen. Das fordert Tribut - auch von meiner Familie und meiner Stiftung. Das alles hat mich zu dem Punkt geführt, an dem ich sage: ‹Ich bin fertig mit diesem Unsinn.›» Im Zuge der umfassenden Untersuchungen gegen den gefallenen Star berichten belgische Medien, dass er 1999 auf dem Weg zu seinem ersten Tour-Sieg gleich viermal positiv auf Kortikoide getestet worden sei. Damals war nur von einer «auffälligen Kontrolle» die Rede. Armstrong machte eine Salbe zur Behebung von Sitzbeschwerden für die geringen Kortikoidspuren verantwortlich.

Seine Berichte über Doping verärgern die Russen: Fernsehjournalist Hajo Seppelt.

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ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt darf nicht an die Fussball-WM reisen. Russland verweigert dem Journalisten des deutschen Rundfunks das Visum für die Einreise.

Das vom SWR für ihn beantragte Visum für die Titelkämpfe vom 14. Juni bis 15. Juli sei für ungültig erklärt worden, teilte der öffentlich-rechtliche TV-Sender am Freitag mit. Seppelt stehe auf einer Liste der in Russland «unerwünschten Personen» und könne daher nicht in die Russische Föderation einreisen. Nähere Angaben zu den Hintergründen seien nicht gemacht worden, teilte der Sender mit.

«Die ARD betrachtet dies als einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des ARD-Sportjournalismus und im Hinblick auf die Berichterstattung über Grossereignisse wie die Fussball-WM als beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit», hiess es in der Mitteilung. Bei Sportgrossereignissen wie der Fussball-WM oder den Olympischen Spielen sei der freie Zugang für Medienvertreter aus aller Welt üblicherweise selbstverständlich und gehöre auch zu den Voraussetzungen für die Vergabe an Ausrichterländer.

Einfach zu manipulieren: Hajo Seppelt zum Skandal um die Doping-Flaschen. Video: Tamedia/AFP

Der mehrfach ausgezeichnete Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden, die seit 2009 in der ARD ausgestrahlt werden. Er trug massgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. Arbeitsschwerpunkte des 55-jährigen Berliners sind die Themen Doping, Sportpolitik und Olympia.

(hvw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heiner am 11.05.2018 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ungewöhnlich

    Wieso ungewöhmlich? Whistleblower verlieren in der CH auch dauernd den Job statt diese geschützt würden. Kritiker der CH sind auch eher Personas non grata

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  • Morgan Stern am 11.05.2018 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einen besseren Beweis...

    ... für staatliches Doping als den Ausschluss eines Dopingexperten gibt es nicht.

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  • BULLDOG am 11.05.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich peinlich

    Ein Schuldeingeständnis Seitens Russlands gibt es wohl kein besseres, wie Peinlich. Ein Grund mehr diesen Hinterhofstaat nicht zu besuchen"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chregu am 12.05.2018 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meine bescheidene Ansicht

    Nun "Whistleblowing" ist verpönt und das kommt nicht von ungefähr... schon im Kindergarten werden Kinder, welche ihre Gspändli bei den Lehrern verpetzen, von allen gehänselt Rätschibäse usw... ist es denn verwunderlich, dass sich die Leute im Erwachsenenalter genau so verhalten?

  • Vader am 12.05.2018 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Typ

    Aha und es wundert Ihn tatsächlich das die Russen die Petze nicht haben wollen?

  • da ist Russlanmd ein Ponyhof am 12.05.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    und die FIFA?

    Schön (zu Recht) mit dem Finger auf Russland zeigen aber die oberkorrupteste FIFA in Zürich weiterhin hoffieren, weil sie ja soooo wichtig ist für Zürich und die Schweiz - Witz komm raus

  • enakinstar am 12.05.2018 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fehlen wichtige spielern

    und wo ist Nasri?

  • Anony Mouse am 12.05.2018 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Zeichen von Schwäche

    Russland hat es noch nie verstanden dass Transparenz, Offenheit und Schuldeingeständnisse mit erkennbarem Willen zur Besserung im Westen besser ankommen als Bescheissen, Verleugnung, Vertuschung, alles Abstreiten und gefälschte Beweise vorlegen... im Grunde hat sich seit Chernobyl nichts am Charakter von Russland geändert.

    • K. None am 12.05.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

      Geographie

      Tschernobil liegt in der Ukraine, die Schlauberger. Und Russland ist nicht die UDSSR. Sie sind wohl etwas verbohrt?

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