Clint Capela

04. November 2017 11:19; Akt: 04.11.2017 11:19 Print

Höhenflug zum fetten Millionenvertrag

von Kai Müller - Der Genfer Clint Capela ist mit 23 bereits einer der aufregendsten Center der NBA. Und: Er wird immer besser.

Einige Saisonhighlights von Clint Capela. (Video: Tamedia/Houston Rockets/NBA)
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Lob ist etwas Tückisches. Es kann den Empfänger motivieren, sein Selbstvertrauen stärken. Im Übermass eingesetzt, kann es aber auch zum Problem für die Bodenhaftung werden. Insofern müsste Clint Capela hochgradig gefährdet sein, bald abzuheben.

Chris Paul sagt: «Er ist ein Rohdiamant. Ich bin begeistert, dass ich ihm helfen kann, besser zu werden – und er mir.» Mike D'Antoni ist sich sicher: «Egal, wer es ist – er kann es mit jedem Gegenspieler aufnehmen.» James Harden sagt: «Er macht jedes Jahr grosse Fortschritte. Und er wird nicht aufhören, hart an sich zu arbeiten.» Daryl Morey findet: «Ich will ihm nicht zu viel Druck machen, aber er hat eine gute Chance, ein Grosser zu werden.» Und Hakeem Olajuwon glaubt: «In ihm steckt unglaublich viel Potenzial.»

Harmonie mit dem bärtigen Superstar

Die Elogen auf den 23-jährigen Genfer stammen von Männern, die seine Fähigkeiten bestens einschätzen können. Chris Paul ist einer der Superstars der Houston Rockets. Seine Lobeshymne stimmte er im Juli an, gut zwei Wochen, nachdem er die Los Angeles Clippers Richtung Texas verlassen hatte. Capela und er hatten zu diesem Zeitpunkt noch kaum miteinander gespielt. Mike D'Antoni ist der Coach der Rockets, der Capela derzeit knapp 25 Minuten Einsatzzeit pro Match gewährt.

Capelas wichtigster Fürsprecher in der Mannschaft ist James Harden. Der bärtige Aufbauer, der bis 2023 sagenhafte 228 Millionen Dollar einstreichen wird, ist nicht nur ein Teamkollege, sondern auch ein Freund und Mentor des zweiten Schweizer NBA-Exports. «James hat mich von Beginn an unter seine Fittiche genommen. Er ist eine grosse Stütze, mit ihm tausche ich mich aus, ihn frage ich um Rat», sagt Capela.

Der christliche Glaube eint die beiden, sie sind auch schon zusammen nach Spanien in die Ferien gereist. Vor allem aber harmonieren sie bestens auf dem Feld. Harden, einer der begnadetsten Passgeber der Liga, füttert den 2,08-m-Hünen mit Zuspielen. Das Resultat: Alley-oops en masse. Nicht zuletzt deshalb ist Capela mit einer Erfolgsquote von 69 Prozent aktuell der treffsicherste Werfer der weltbesten Liga.

Basketball statt Fussball dank Sefolosha

Dass er es schon so weit gebracht hat, verdankt Capela auch Daryl Morey. Der General Manager der Rockets setzte sich vor ein paar Jahren in ein Flugzeug nach Genf, fuhr weiter ins Burgund nach Chalon-sur-Saône, um Capela zu beobachten. Der Hochtalentierte hatte sich mit 15 der Nachwuchsakademie von Élan Sportif Chalonnais angeschlossen, wo sich einst auch Thabo Sefolosha hatte ausbilden lassen.

Der Schweizer NBA-Pionier war es auch gewesen, der den Sohn einer Kongolesin und eines Angolaners für Basketball begeistert hatte. Dem Fussball zugetan – Capela träumte von einer Profikarriere –, liess er sich von Freunden nur schwerlich überreden, ein Länderspiel gegen Frankreich zu besuchen. Sefolosha imponierte ihm dabei aber derart, dass er sich zwei Wochen später dem Genfer Club Meyrin Basket anschloss. 13 war Capela da. Sieben Jahre später zogen ihn die Rockets im NBA-Draft an 25. Stelle.

20 kg mehr Muskelmasse

Es war der Mix aus Athletik, Ballgefühl, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Spielintelligenz, der Houston auf den Plan rief. Club und Auserwählter wussten dabei sehr wohl, dass körperlich Nachholbedarf bestand. Die Rockets nahmen sich dem Problem an und stopften Capela zu Beginn vor und nach jedem Training mit Essen voll, er selbst schob Zusatzschichten im Kraftraum, was er bis heute tut. «Seit dem Draft vor drei Jahren habe ich 20 Kilogramm an Muskelmasse zugelegt», rechnete er im Juli der NZZ vor. Knapp 110 kg wiegt er inzwischen.

Zugute kam Capela bei seiner Metamorphose, dass er seine herausragenden Fähigkeiten nie zum Anlass nahm, genügsam zu werden. Sein Credo lautet: «Arbeite immer weiter an dir, egal, was passiert. Selbst wenn du ein gutes Spiel und eine hohe Trefferquote hast – arbeite! Dann kommst du voran.»

Grösste Schwäche ausgemerzt

Dass er sich eisern an diesen Leitsatz hält, untermauern auch seine Statistiken, die Jahr für Jahr besser geworden sind, was nicht nur mit der gesteigerten Einsatzzeit zusammenhängt. Der Punkteschnitt hat sich seit 2014 wie folgt entwickelt: 2,7, 7, 12,6, 13,2. Die Rebounds: 3, 6,4, 8,1, 10,9. Seine Trefferquote aus dem Feld ist von anfänglich 48 Prozent auf 69 Prozent gestiegen.

Zu guter Letzt hat Capela seine grösste Schwäche ausgemerzt. In seiner Rookie-Saison fanden nur unterirdische 17 Prozent der Freiwürfe den Weg in den Korb, 2016/17 waren es 53, nun sind es 80 Prozent. Warum? Weil er im Sommer erneut stundenlang an der Linie stand.

Olajuwon als Lehrmeister

Capela schickt sich an, die Tradition aussergewöhnlicher Center bei den Rockets fortzusetzen. Sein prominentester Vorgänger ist Hakeem Olajuwon, inzwischen Markenbotschafter des Clubs. «Er ist bei vielen Spielen dabei, kommt immer in die Garderobe und spricht viel mit mir», sagt Capela. Einen besseren Lehrmeister als den gebürtigen Nigerianer gibt es für diese Position kaum.

Kommt Capela in den nächsten Monaten nicht von seinem Weg ab, dürfte er im Sommer einen lukrativen Kontrakt unterschreiben. In seinem letzten Vertragsjahr verdient er 2,3 Millionen Dollar. Experten schätzen, dass ihm ein neuer Vierjahresvertrag 80 bis 90 Millionen einbringen könnte.

Solche Zahlen haben das Potenzial, Köpfe zu verdrehen. Bei Capela, der ohnehin nicht gerne über Geld spricht, besteht diese Gefahr nicht. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen mit seinen beiden Brüdern und der alleinerziehenden Mutter, lehrte ihn seine Kindheit Demut.

Da kann auch das Lob seiner Weggefährten noch so üppig ausfallen – Capela hebt nur auf dem Parkett ab. Das dafür umso spektakulärer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.H. am 04.11.2017 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau Clint

    Capela hat sich wirklich unglaublich gut entwickelt. Als er gedrafted wurde, hätte ich nie erwartet, dass er so stark aufblühen wird. Umso mehr freut es mich für ihn. Er macht seinen Job mehr als solide.

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  • Giancarlo am 04.11.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss

    Man stelle sich vor: In der Schweizer Nati treten Capela und Sefolosha gemeinsam an. Das dürfte einen Basketball-Boom in der Schweiz auslösen. Wir haben bestimmt noch weitere Talente in unserem Land.

  • marko 32 am 04.11.2017 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Krass super

Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 05.11.2017 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Freude

    Und ganz sicher ein Vorbild für viele Jugendliche!

  • Chip am 04.11.2017 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Yes, weiter so!

    Am drafting Tag sagten die vier Experten auf Baskeball TV, er sei nicht so gut und werde wahrscheinlich nicht viel reissen können. Sei zu langsam usw.. Ja, da haben sich vier Leute ziemlich getäuscht. Weiter so Clint Capela!

  • Giancarlo am 04.11.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss

    Man stelle sich vor: In der Schweizer Nati treten Capela und Sefolosha gemeinsam an. Das dürfte einen Basketball-Boom in der Schweiz auslösen. Wir haben bestimmt noch weitere Talente in unserem Land.

  • marko 32 am 04.11.2017 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Krass super

  • Wm Hülsensack am 04.11.2017 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu fassen

    Was? Ein romont hat was gutes erreicht???