Weltklasse Zürich

24. August 2017 20:55; Akt: 24.08.2017 22:46 Print

Schweizer Podestplatz – Abschied einer Legende

Kariem Hussein begeisterte das Weltklasse-Zürich-Publikum. Mo Farah krönte sein Karrieren-Ende mit einem Sieg.

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Kariem Hussein wartet bei Weltklasse Zürich mit einer starken Leistung auf und wird Dritter. Der Thurgauer egalisiert mit 48,45 Sekunden seine persönliche Bestzeit.

Hussein, der erst zum zweiten Mal in diesem Jahr unter der 49-Sekunden-Marke blieb, musste sich in einem Weltklassefeld nur Kyron McMaster (48,07) von den Britischen Jungfern-Inseln und dem norwegischen Weltmeister Karsten Warholm (48,22) geschlagen geben. Dagegen liess er den amerikanischen WM-Dritten Kerron Clement (4./49,20) und den türkischen WM-Zweiten Yasmani Copello (5./49,23) deutlich hinter sich. Einmal mehr lief Hussein damit im Zürcher Letzigrund zu Hochform auf. 2014 gewann er hier EM-Gold, vor zwei Jahren siegte er bei Weltklasse Zürich.

Sprunger und Fontanive fast gleichauf

«Mit diesem Publikum ist immer alles möglich», sagte Hussein. «Ich wünschte, dass ich immer so laufen könnte wie heute.» Dank diesem Auftritt rettete er eine Saison, die nicht nach seinen Wünschen gelaufen war. Zwar erreichte er an den Weltmeisterschaften den Final, nachdem er im Vorlauf viel Glück beansprucht hatte. In diesem wurde er jedoch mit 50,07 Sekunden Letzter.

Für Lea Sprunger verlief der Auftritt im Zürcher Letzigrund derweil nicht ganz wie gewünscht. Die WM-Fünfte erreichte bei Weltklasse Zürich über 400 m Hürden den 3. Rang. In 54,66 Sekunden blieb Sprunger (COVA Nyon) 37 Hundertstelsekunden über ihrer in Lausanne aufgestellten persönlichen Bestleistung. Den angestrebten Sieg im Letzigrund verpasste die 27-jährige Waadtländerin deutlich. Die zweimalige tschechische Weltmeisterin Zuzana Hejnova siegte in 54,13 Sekunden vor der Dänin Sara Slott Petersen (54,35). Petra Fontanive verpasste in ihrem letzten grossen Rennen einen Podestplatz denkbar knapp. Die Zürcherin war lediglich eine Tausendstelsekunde langsamer als Sprunger. Das Hürdenrennen der Frauen war im Letzigrund keine Diamond-League-Disziplin, sondern wurde zusätzlich ins Programm genommen.

spektakulärer Abschied

Mo Farah feierte bei seinem letzten Rennen auf der Bahn einen Sieg - dies nach einem überaus packenden Finish. Ruth Jebet realisiert derweil eine Jahresweltbestleistung.
Mo Farah, der viermalige Olympiasieger aus Grossbritannien, setzte sich über 5000 m bei Weltklasse Zürich in 13:06,05 Minuten durch und beendete seine Karriere auf der Bahn so standesgemäss. Platz 2 ging an den Amerikaner Paul Chelimo vor dem Weltmeister Muktar Edris aus Äthiopien. Die ersten drei waren lediglich durch vier Hundertstelsekunden getrennt.

«Ich wollte gewinnen und es ist wunderbar, dass ich es geschafft habe. Aber es war harte Arbeit», sagte Farah, der sich nach seinem Sieg zusammen mit Mutaz Essa Barshim, dem Sieger im Hochsprung, auf den Boden kniete, die Bahn des Letzigrunds küsste, ehe er sich auf die Brust trommelte und sich von den Fans feiern liess. Farah gelang nicht nur der perfekte Abschluss einer aussergewöhnlichen Karriere, sondern auch die Revanche für die Weltmeisterschaften in London, wo er über 5000 m die erste Niederlage an internationalen Titelkämpfen seit 2011 kassiert hatte.

Jebet mit Jahresweltbestzeit

Ruth Jebet realisierte über 3000 m Steeple die zweitbeste je gelaufene Zeit. Sie wurde im Letzigrund in 8:55,29 Minuten gestoppt, womit sie nur nur 2,51 Sekunden über ihrem vor einem Jahr in Paris aufgestellten Weltrekord blieb. Die erst 20-jährige Athletin aus Kenia, die für Bahrain startet, liess ihren Konkurrentinnen keine Chance. Die Weltmeisterin Emma Coburn aus den USA wurde Vierte.

Shaunae Miller-Uibo von den Bahamas, die Olympiasiegerin 2016 über 400 m, setzte sich über 200 m in 21,88 Sekunden mit Landesrekord vor der 200-m-Olympiasiegerin Elaine Thompson aus Jamaika (22,00) und vor Marie-Josée Ta Lou von der Elfenbeinküste (22,09) durch.

Kambundji über persönlicher Bestleistung

Derweil Miller-Uibo die zweitbeste Zeit in diesem Jahr über 200 m realisierte (nach der US-Amerikanerin Tori Bowie), kam Dafne Schippers, die niederländische Weltmeisterin über die halbe Bahnrunde, nicht über Rang 4 hinaus. Die Bernerin Mujinga Kambundji erreichte den 6. Rang. Sie blieb in 22,71 Sekunden 29 Hundertstelsekunden über ihrer persönlichen Bestleistung.

Weltmeister Justin Gatlin kam im 100-m-Rennen in 10,04 Sekunden nicht über den 4. Rang hinaus. Der Amerikaner blieb sieben Hundertstelsekunden hinter dem siegreichen Briten Chijindu Ujah. Wie Ujah in 9,97 Sekunden gestoppt wurde Ben Youssef Meité. Der Sprinter von der Elfenbeinküste verpasste den Sieg nur um eine Tausendstelsekunde. Dritter wurde Ronnie Baker aus den USA (10,01). Der Schweizer Rekordhalter Alex Wilson (Old Boys Basel) brach den Sprint früh ab.

Weltklasse Zürich. 1. Diamond-League-Final.
Männer. 100 m (windstill): 1. Chijindu Ujah (GBR) 9,97. 2. Ben Youssef Meité (CIV) 9,97. 3. Ronnie Baker (USA) 10,01. 4. Justin Gatlin (USA) 10,04. Ferner: 9. Alex Wilson (SUI) 20,80 (Sprint abgebrochen). - 400 m: 1. Isaac Makwala (BOT) 43,95. 2. Gil Roberts (USA) 44,54. 3. Vernon Norwood (USA) 45,01. - 1500 m: 1. Timothy Cheruiyot (KEN) 3:33,93. 2. Silas Kiplagat (KEN) 3:34,26. 3. Elijah Motonei Manangoi (KEN) 3:34,65. - 5000 m: 1. Mo Farah (GBR) 13:06,05. 2. Paul Chelimo (USA) 13:06,09. 3. Muktar Edris (ETH) 13:06,09. - 400 m Hürden: 1. Kyron McMaster (IVB) 48,07. 2. Karsten Warholm (NOR) 48,22. 3. Kariem Hussein (SUI) 48,45.

Hoch: 1. Mutaz Essa Barshim (QAT) 2,36. 2. Majd Eddin Ghazal (SYR) 2,31. 3. Bogdan Bondarenko (UKR) 2,31. - Stab: 1. Sam Kendricks (USA) 5,87. 2. Piotr Lisek (POL) und Pawel Wojciechowski (POL), je 5,80. Ferner: 8. Dominik Alberto (SUI) 5,48. - Ohne gültigen Versuch: Renaud Lavillenie (FRA). - Weit: 1. Luvo Manyonga (RSA) 8,49. 2. Ruswahl Samaai (RSA) 8,31. 3. Jarrion Lawson (USA) 8,12. Ferner: 8. Benjamin Gföhler (SUI) 7,49. - Speer: 1. Jakub Vadlejch (CZE) 88,50. 2. Thomas Röhler (GER) 86,59. 3. Tero Pitkämäki (FIN) 86,57. 4. Johannes Vetter (GER) 86,15.

Frauen. 200 m (RW 0,1 m/s): 1. Shaunae Miller-Uibo (BAH) 21,88. 2. Elaine Thompson (JAM) 22,00. 3. Marie-Josée Ta Lou (CIV) 22,09. 4. Dafne Schippers (NED) 22,36. Ferner: 6. Mujinga Kambundji (SUI) 22,71. - 800 m: 1. Caster Semenya (RSA) 1:55,84. 2. Francine Niyonsaba (BDI) 1:56,71. 3. Margaret Wambui (KEN) 1:56,87. Ferner: 8. Selina Büchel (SUI) 1:59,83.

100 m Hürden (GW 0,3 m/s): 1. Sally Pearson (AUS) 12,55. 2. Sharika Nelvis (USA) 12,55. 3. Christina Manning (USA) 12,67. - 400 m Hürden (keine DL-Disziplin): 1. Zuzana Hejnova (CZE) 54,13. 2. Sara Slott Petersen (DEN) 54,35. 3. Lea Sprunger (SUI) 54,66. 4. Petra Fontanive (SUI) 54,66. - 3000 m Steeple: 1. Ruth Jebet (BRN) 8:55,29 (JWB). 2. Beatrice Chepkoech (KEN) 8:59,84. 3. Norah Jeruto (KEN) 9:05,31.

Drei: 1. Olga Rypakowa (KAZ) 14,55. 2. Yulimar Rojas (VEN) 14,52. 3. Caterine Ibargüen (COL) 14,48. - Speer: 1. Barbora Spotakova (CZE) 65,54. 2. Kelsey-Lee Roberts (AUS) 64,53. 3. Sara Kolak (CRO) 64,47. Ferner: 9. Géraldine Rukstuhl (SUI) 52,08. - Kugel: 1. Gong Lijiao (CHN) 19,60. 2. Anita Marton (HUN) 18,54. 3. Julia Leanziuk (BLR) 18,47.

4x100 m (keine DL-Disziplin): 1. Jamaika 41,85. 2. Grossbritannien 41,86. 3. Deutschland 42,32. 4. Schweiz (Samantha Dagry, Sarah Atcho, Mujinga Kambundji, Fanette Humair) 42,93.

(fsc/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gring achä u seckle am 24.08.2017 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verstah nüt

    Ich war zum ersten Mal im Leben überhaupt nur in der Nähe von Leichtathletik. Dachte, ich geh' da mal hin. Was mir sofort auffiel: Jeder Athlet wird angefeuert. Das Publikum ist anständig und sozial. Nicht so wie beim Fussball, wo der Gegner niedergemacht wird. Und jeder auswärtige Fan. Es war ein sehr schöner Anlass, und ich werde mich nun näher damit befassen.

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  • Swissgirl am 24.08.2017 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Super Meeting

    Es war wieder ganz toll anzusehen, was die Athleten heute Abend gezeigt haben. Ich gratuliere allen zu ihrer Topleistung.

  • Einfacher Mensch am 24.08.2017 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr zufriedener Schweizer

    Warum kann man nicht auch mit dieser Klassierung zufrieden sein? Dieser Komentar ist einfach beschämend!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stini am 25.08.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    JASON JOSEPH SORGT FÜR SCHWEIZER SIEG

    Der Baselbieter U20-Europameister Jason Joseph gewinnt im 110-Meter-Hürdenlauf der Young Diamond's Challenge. Warum wird dies nirgendwo erwähnt?

  • peter.h. am 25.08.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Schade SRF

    Jammerschade, dass das Schweizer Fernsehen seit Jahren technische Disziplinen wie Speerwurf, Diskuswerfen, Hochsprung usw. nur am Rande bringt und stattdessen immerwieder endlos scheinende Interwiew s bringen.

  • Dominique G. am 25.08.2017 04:18 Report Diesen Beitrag melden

    Topleistung von Sprunger aus Kt FR

    Zur Info: Sprunger ist Freiburgerin und ihre Leistung in London und Zürich top! Sie gehört zu den 3 besten Europäerinnen!

  • Sportakus am 25.08.2017 02:46 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Gut gemacht Léa, gratulation zu diesem hervorragendem resultat.

  • Pat Gebrselassie am 25.08.2017 02:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Letzi Nostalgie

    Nach einigen Jahren besuchte ich wieder einmal das Letzi Meeting. In der 90ern war ich einige Male im alten Stadion. Ich bin vom diesem Anlass enttäuscht. Die Leistungen waren durchs Band gut-sehr gut. Dennoch kam nie richtig Stimmung auf. Früher wurde noch an die Werbebanden gehauen was das Zeug hielt. Der Anlass mit den gezeigten Leistungen wurde massiv gekürzt. In der heutigen Zeit sind die Quellen der Einnahmen wichtiger. Zugegeben, das Finale mit der Lichtshow und der bekannten Sängerin war geil. Aber für mich sollten die Leistungen im Mittelpunkt stehen. CH-Nachwuchs: weiter so!

    • Eidgenössischer Eider am 25.08.2017 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pat Gebrselassie

      Geht mir auch so. Das ständige unpassende Gedudel der Musik ist auch so was Unpassendes. Früher gabs noch echte Fangesänge im Stadion, ich sag nur: "Jööörg Riedle!!!" Ein großer Teil der technischen Disziplinen muss die Versuche mitten in Sponsoren Blabla und lauter Werbung auf den Screens machen.

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