Istanbul-Derby

11. Dezember 2012 12:35; Akt: 11.12.2012 13:47 Print

Tränengaseinsatz beim Rollstuhl-Basketball

Ein Match zwischen handicapierten Basketballspielern ist in Istanbul völlig aus dem Ruder gelaufen: Die Partie wurde abgebrochen, die Polizei mussten verfeindete Fans mit Gewalt trennen.

Szenen des Spielabbruchs. Quelle: YouTube/telegraphtv
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Das Temperament türkischer Sportfans ist legendär. Wenn bei einem Lokalderby in einem Fussball-Stadion in Istanbul die Kurven vom roten Licht der Bengalos schimmern, sprechen TV-Reporter gern vom «einmaligen» Flair, das da von den Anhängern verbreitet werde. Es sind ganz nebenbei dieselben Reporter, die sich über das gleiche Bild echauffieren, wenn es aus einer Schweizer Spielstätte kommt.

Doch zurück zum türkischen Temperament, das sich nicht nur zeigt, wenn die Bosporus-Rivalen Fenerbahce, Galatsaray oder Besiktas aufeinandertreffen. Er zeigt sich auch, wenn diese Clubs aus Istanbul in anderen Sportarten wie Basketball duelleiern. Und es bricht sogar aus, wenn Behinderte gegeneinander antreten – wie am Sonntag, den 9. Dezember, beim Match zwischen Galatasaray und Besiktas.

«Der Sport in diesem Land ist tot»

Die Auseinandersetzungen zwischen den Fans arteten derart aus, dass die Polizei zu bestechenden Mitteln greifen musste. Weil sogar Spieler verletzt worden sind, mussten die Ordnungshüter in der geschlossenen Ahmet-Comert-Halle Tränengas einsetzen. «Wenn nun selbst zum Rollstuhl-Basketball Hooligans kommen, ist es vorbei. Der Sport in diesem Land ist jetzt auch offiziell tot», sagte Galatasaray-Trainer Sedat Inces nach der unrühmlichen Partie.

Seine Mannen hatten 31 zu 26 in Front gelegen, als die Ausschreitungen das Spiel sechs Minuten vor Ende des zweiten Quarters unterbrachen. Mindestens zehn Personen wurden festgenommen. Wahrscheinlich haben die Fans den Behindertensport als Ausweichtermin genutzt: Bei Derbys dürfen Istanbuler «Auswärtsfans» nicht mehr ins Fussballstadion.


Weitere Bilder des türkischen fernsehens. Quelle: YouTube/encokvideo

(phi)