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Super Bowl XLVI
04. Februar 2012 10:31; Akt: 05.02.2012 10:24 Print
Von Freibier bis Sodadusche
von Jürg Federer, USA - Im Vorfeld des Super Bowls herrscht in den New Yorker Sportbars grosse Rivalität. Die Patriots aus Boston bezeichnen die Einheimischen als Trinker, der «Big Apple» schlägt mit puritanischer Prüderie zurück.
Die grössten Sport-Events der Welt.
New York ist ein Schmelztiegel nationaler und internationaler Kulturen. Im «Big Apple» kommt jeder Einwohner irgendwoher und geht auch wieder irgendwohin. Das führt zu gastronomischer Vielfalt wie äthiopischer Küche mit vietnamesischen Drinks und zu einer sportlichen Vielfalt, die weit über die neun Profiteams hinausgeht, die der Grossraum New York beheimatet.
Bildstrecken Jahreslöhne 2011/12 der NFL-Quarterbacks Infografik American-Football: Die RegelnIn New York gibt es Sportbars für Fans der Green Bay Packers, der Cleveland Browns, Buffalo Bills, Miami Dolphins, Oakland Raiders, Philadelphia Eagles und auch der New England Patriots. Die «Riviera Cafe & Sports Bar» ist das beliebteste Lokal für Bostoner Sportfans. Wer in diesen Tagen dorthin geht, muss einen Spiessrutenlauf durch Fangruppen der New York Giants über sich ergehen lassen. Die lokalen Supporter der Giants machen sich seit Tagen einen Spass daraus, vor dem Riviera Cafe zu demonstrieren.
Boston hat New York den Rang abgelaufen
Das Ritual spricht für eine der grössten Rivalitäten der Sportwelt. Der Super Bowl XLVI lässt den Konkurrenzkampf zwischen dem elitären Boston und dem ökonomischen New York neu aufleben. Der Wettstreit der beiden Städte an der Ostküste, im Auto gut drei Fahrstunden voneinander entfernt, geht zurück in die Zeit der Gründerväter Amerikas. Schon als Amerika noch eine Kolonie war, sahen die Bostoner in den New Yorkern nicht mehr als gotteslästernde, profane Trinker. Die New Yorker bezeichneten ihre nordöstlichen Nachbarn als puritanische, prüde Langweiler.
New York und Boston haben eine 100-jährige Geschichte von Sportrivalität, die auf anständige, amerikanische Weise zelebriert wird. Während Jahrzehnten, seit 1923 um genau zu sein, konnten die New Yorker Sportfans im Erfolg frönen, gewannen die New York Yankees doch 27 Baseball-Meisterschaften und sind damit bis heute das erfolgreichste Profiteam der Sportwelt. Die Boston Red Sox gewannen 86 Jahre lang keinen Blumentopf. Im letzten Jahrzehnt hat Boston New York den Rang als Sporthauptstadt aber abgelaufen. Die Red Sox gewannen nach 86 Jahren Erfolglosigkeit zweimal die Baseball World Series, die New England Patriots gewannen drei Super-Bowl-Titel, die Boston Celtics gewannen die Basketball-Meisterschaft und die Boston Bruins sind aktuell Titelverteidiger der NHL.
Die Revanche für den Diebstahl der Unsterblichkeit
«Das ist doch egal», sagt Giants-Fan Scott Fischel. Fischel ist ein Stammkunde in der New Yorker Sportbar «Croxley Ales», bekannt für die heissblütigsten New Yorker Sportfans. Er demonstriert diese Tage vor dem Riviera Cafe, die Rivalität mit den Patriot-Fans spornt ihn an. «Die Red Sox, die Celtics, die Bruins, alle haben sie gewonnen aber die Patriots haben seit 2004 nichts mehr erreicht.» 2008 standen die Patriots zuletzt nach einer perfekten Saison ohne Niederlage im Super Bowl, sie verloren im finalen Showdown gegen die Giants mit einem Touchdown in der letzten Spielminute. Die Giants haben den Patriots damals die Unsterblichkeit verwehrt, den Titel des erfolgreichsten Footballteams seit der NFL-Expansion 1978. Patriots-Quarterback Tom Brady gibt zu, dass er die Zusammenfassung dieser Partie bis heute nie geschaut hat. Am Sonntag kann er sich für den dreisten, sportlichen Diebstahl vor vier Jahren revanchieren.
«Die New England Patriots sind Toastbrot, ich habe mein Konfetti für die Siegerparade bereits gekauft», sagt Chuck Tompkins gegenüber 20 Minuten Online in der New Yorker Fanbar «Kettle of Fish», dem Heim der Greenbay Packers. Seit dem Playoffsieg der Giants über die Packers trägt Tompkins sein Giants-Trikot täglich in die Sportbar der Konkurrenz und lässt sich lächelnd anpöbeln. Das angesprochene Konfetti hat er auch dabei, Tompkins wirft eine Hand voll hinter die Bar. Obwohl die New York Giants eigentlich New Jerseys Team sind, dürfen sie nach einem Super-Bowl-Gewinn eine Parade durch den Canyon of Heroes veranstalten, ein Streckenabschnitt im Finanzdistrikt von Manhattan zwischen «Bowling Green» und «City Hall Park», wo die Strassenschluchten aufgrund der Hochhäuser wie ein Canyon nördlich verlaufen. 50 Tonnen Konfetti werden dann jeweils wie ein Schneesturm aus den umliegenden Gebäuden auf die Helden geworfen. Amerikanischen Präsidenten, Kriegsveteranen und eben Sportteams wurde die Ehre schon zuteil. Ihre Namen sind alle in schwarzen Granit entlang der Strassenroute gemeisselt.
Der Sport ist Entschuldigung für die Super-Bowl-Aufruhr
«Die Patriots sind ein Schaf im Wolfspelz», sagt Britton Simone, «ausser in den Wettbüchern von Las Vegas sind die nirgends ein Favorit. Ich habe auf jeden Fall schon die ganze nächste Woche Ferien eingegeben, dass ich bei der Siegerparade auch zuvorderst stehen kann.» Simone geht von einer ertragreichen Woche aus. Als die Giants im November und Dezember vier Spiele in Serie verloren, haben die Wettanbieter in Las Vegas die Chancen, dass die Giants den Super Bowl gewinnen, mit 1:80 berechnet. Zu diesem Zeitpunkt hat Simone 100 Dollar auf sein Team gesetzt. Gewinnen die Giants am Sonntag, schulden ihm einige Buchmacher in Las Vegas 8000 US-Dollar. «In der Sündenstadt schwitzen im Moment einige Wettanbieter noch mehr als Patriots-Quarterback Tom Brady», sagt Simone siegessicher.
Las Vegas sieht in den Patriots auch heute noch den Favoriten. 1:3 stehen die Chancen für einen Gewinn der Giants. «Das hat doch den Wert einer Bedienungsanleitung für Kopfschmerztabletten», meint Nina Ferradino. «Wir waren bisher in jeder Playoffpartie der Underdog und wir haben jedes Spiel gewonnen. So wird es auch im Super Bowl sein. Las Vegas wird am Montag Kopfschmerzen haben.» «Ihr New Yorker könnt doch einfach nicht akzeptieren, dass Patriots-Quarterback Tom Brady mit Supermodel Giselle Bündchen liiert ist», winkt ein anderer Fan der Patriots ab. «Ihr meint doch, alles Schöne und Reiche gehöre Euch, dabei stehen die Bündchens auf Boston.» Der Fan der Patriots hat sich unter das New Yorker Volk gemischt und prahlt damit, dass er während der Baseball-Saison auch gerne in Fanbars der Yankees gehe und den Barkeeper frage, ob er nicht das Spiel der Boston Red Sox einschalte. Von Freibier bis zu einer Wasserdusche aus dem Sodahahn habe er schon alle Reaktionen erlebt.
Wo sind die Fans der New York Jets?
Was in diesem bunten Treiben in den New Yorker Bars vor dem Super Bowl XLVI gänzlich fehlt, sind die Stimmen der Fans der New York Jets. Sie sind das wahre Team New Yorks, die Giants werden dem Nachbarstaat New Jersey zugeschrieben. Die zwei grössten Rivalen der Jets sind die New England Patriots und die New York Giants. «Ich denke, ich werde mich am Sonntag auf eine Zugfahrt nach Montauk, an der Spitze von Long Island, begeben und danach zu Fuss zurückgehen», sagt Matt Shewchuck. Er bekennt mit seiner grünen New York Jets Jacke Farbe, doch eine Sportbar sucht er diese Tage nicht auf. «Auf diesem Sonntagsspaziergang entgehe ich dem Spiel, in dem einer meiner Rivalen gewinnen wird und wenn ich am Montag wieder in New York bin, ist alles, was vom Super Bowl XLVI übrigbleibt, die Diskussion über die Werbeeinblendungen und die Halftime-Show von Madonna.»
Die New York Jets, in New York jahrein jahraus omnipräsent, sind für einmal aus ihrer eigenen Sportstadt ausgeschlossen. Und Shewchuck hat recht. Eigentlich geht es beim Super Bowl doch um Werbung, Show, Prominenz und die amerikanische Unterhaltungsindustrie. Das Spiel vom Sonntag ist nur die Entschuldigung für die ganze Aufruhr.
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Jürg Federer ein Jets Fan?
Oh Gott Jürg Federer! Zum wiederholten Mal muss ich nun lesen, die Giants seien ein Team von NJ, und die Jets seien das wahre Team von NY - was für ein Schwachsinn! Die 1925 in NY gegründeten Giants spielten 50 Jahre lang in der Stadt, bevor sie ins Giants Stadion wechselten, das in NJ liegt. Über die Fans der Jets, die erst 1960 gegründet wurden und die im gleichen Stadion wie die Giants in NJ spielen gibt es ein gutes Sprichwort: Jets Fans sind eigentlich Giants Fans die keine Saisonkarte für die Giants bekommen haben! Gruss aus Florida, Go Giants!