Alpiner Weltcup

17. Mai 2018 10:40; Akt: 17.05.2018 12:25 Print

Vonn macht Rückzieher im Geschlechterkampf

Der US-Skistar möchte noch nicht gegen das männliche Geschlecht antreten. Sie hat andere Pläne.

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Abfahrtsdominatorin Lindsey Vonn will derweil 2018 auf ihrer Lieblingsstrecke in Lake Louise, wo sie schon 18-mal gewann, im Männerrennen mitfahren. Nun hat aber die Speed-Queen aus den USA vor, zuerst den Rekord von Ingemar Stenmark zu knacken. Ihr Rennen gegen die Männer soll erst 2019 über die Bühne gehen. Reanne Evans dominiert das Frauen-Snooker nach Belieben, ist mittlerweile elffache Weltmeisterin. Sie erhielt schon verschiedentlich Einladungen für Männerturniere, seit 2014 auch für die WM-Qualifikation. In dieser fehlte der 31-jährigen Britin dieses Jahr nur ein Sieg, um erstmals ins Haupttableau vorzustossen. Lara Gut trainiert wie Vonn oft mit Männern. Rennen gegen sie fahren will sie aber nicht. «Es genügt mir, mit ihnen zu trainieren», sagt die Schweizerin. Die Ungarin Judit Polgar spielte nach ihrem 15. Geburtstag ausschliesslich gegen Männer – bei den Frauen war sie konkurrenzlos. Und sie war erfolgreich, siegte unter anderem auch gegen die Weltmeister Anatoli Karpow (im Bild) und Garri Kasparow. 2005 erreichte sie mit Position 8 die höchste Klassierung in der Weltrangliste, 2014 trat sie 38-jährig zurück. Frauen gegen Männer – das gab es im Sport schon oft. Eine der berühmtesten Episoden ist die «Battle of the Sexes». In Houston traf 1973 die amerikanische Tennisspielerin Billie Jean King auf den fast doppelt so alten, ehemaligen Wimbledon-Sieger Bobby Riggs. Riggs hatte in der ersten «Battle of the Sexes» die 30-jährige Margaret Court 6:2, 6:1 geschlagen. In der zweiten und berühmteren Auflage schlug die Frau den Mann. Billie Jean King gewann 6:4, 6:3, 6:3. Die Schwedin Annika Sörenstam spielte 2003 das Colonial Invitational – ein Männerturnier der PGA-Tour. Sie war erst die zweite Frau, die bei den Männern mitspielte. Sörenstam verpasste den Cut um vier Schläge. Im Motorsport sind schon oft Frauen gegen Männer gefahren. Die 34-jährige Amerikanerin Danica Patrick fuhr sieben Jahre in der Indycar-Serie, in der sie 2008 ein Rennen gewann. Seit 2011 ist sie in der Nascar-Serie dabei. Ebenfalls gegen Männer fährt die Schweizerin Simona De Silvestro. Sie war vier Saisons in der Indycar-Serie engagiert, war Ersatzfahrerin beim Formel-1-Team von Sauber und fuhr zwei Saisons in der Formel E. Seit 2016 fährt De Silvestro in der australischen Rennserie Supercars. Im Ultra-Radsport fahren oft Frauen und Männer im gleichen Rennen. Das Race Across America ist einer der berühmtesten Wettkämpfe. Seana Hogan brauchte für die 3000 Meilen auf dem Velo im Jahr 1993 9 Tage, 15 Stunden und 30 Minuten. Nur zwei Männer waren schneller als sie. Wie bei Autorennen sind auch im Motorradsport Frauen in der Startaufstellung von Männerrennen nichts Aussergewöhnliches. In der Moto-3-Klasse fuhren 2015 mit Ana Carrasco und Maria Herrera zwei Frauen mit. Frauen im Männersport sind aber kein Phänomen der Neuzeit. Babe Zaharias spielte 1945 im Männergolfturnier von Los Angeles mit. Sie spielte aber nicht nur Golf: Zaharias gewann 1932 drei Olympiamedaillen in der Leichtathletik, spielte Baseball, Softball und Basketball. Auch im Eishockey kam es schon vor, dass Frauen in Männerteams spielten. Ein Beispiel ist die Schweizer Nationaltorhüterin Florence Schelling. Nach dem Bronzemedaillengewinn in Sotschi spielte sie im 1.-Liga-Männerteam von Bülach. Auch der Fussball ist nicht immer eine Männerdomäne: Clermont Foot, ein Team aus Frankreichs 2. Liga, wird von Corinne Diacre trainiert. Sie ist die erste Frau, die in Frankreich eine Männer-Profimannschaft coacht.

Zum Thema
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Im Rahmen des FIS-Kongresses im griechischen Costa Navarino wurde das Thema Lindsey Vonn rasch abgehakt. Die Amerikanerin kam von ihrem lang ersehnten Wunsch, eine Männer-Abfahrt in Lake Louise zu bestreiten, wieder ab. Zuerst wolle sich die 33-Jährige darauf konzentrieren, den Rekord an Weltcupsiegen des Schweden Ingemar Stenmark zu knacken, erklärte Jesse Hunt, der Direktor des US-Alpin-Teams.

Stenmark fuhr 86 Weltcup-Triumphe heraus, Vonn hat 82 Erfolge auf ihrem Konto. Es ist davon auszugehen, dass die amerikanische Speed-Queen später doch noch einmal Lust verspürt, die Männer herauszufordern. Jedenfalls hat Vonn dieses Vorhaben in einem Tweet bereits angekündigt. «Ich habe das noch nicht aufgegeben. Ich zögere es ein Jahr hinaus.»

(fal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 17.05.2018 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respektieren aber ...

    Ich respektiere Vonn als Skisportlerin sehr,ihre Leistungen sind bewundernswert. Aber der Geschlechterkampf in der Abfahrt finde ich keine gute Idee,im Prinzip kann Vonn dabei nur Verlieren. Vorallem würde dies kaum etwas Handfestes bringen.

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  • hobbysportler am 17.05.2018 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leidiges Thema

    Momentan ist Lindsey Vonn doch nicht mal überlegene Seriensiegerin bei den Frauen. Darum sehe ich keine Berechtigung für diesen Anlass. Da sie aber auch nicht jünger wird, wäre der Zeitpunkt trotzdem jetzt am Besten um das durchzuführen.Fazit: Entweder jetzt oder Thema abhaken

  • Michi am 17.05.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Rein physisch hat sie keine Chance. In keiner Sportart können Frauen mit den Männern mithalten. Deshalb ist es auch nicht fair, dass z.B. Tennisspielerin bei Grand-Slam-Turnieren das gleiche Geld bekommen wie die Männer, obschon sie nur über 2 Gewinnsätze spielen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fastreader am 17.05.2018 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwächer aber nicht schlechter

    Für Sportarten wie Snooker oder Motorrennsport verstehe ich nicht, wieso Männer und Frauen getrennt sein müssen. Beim Curling gibt es ja jetzt auch die Mixed Kategorie. Für alle anderen Sportarten: Natürlich gibt es einen Unterschied in den körperlichen Aspekten, aber das verändert auch das Spiel komplett (und nicht zum Schlechteren). Auf taktischem Niveau sind Frauen in z.b. Volleyball, Fussball, Eishockey genau so interessant wie die Männer. Deshalb verstehe ich auch nicht, wieso Frauen so viel weniger bezahlt werden.

  • marko 33 am 17.05.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeigen

    Dieser Kampf lässt sich zeigen

  • Flavia am 17.05.2018 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War zu erwarten.

    Da hat wohl jemand weiche Knie bekommen.

  • Bündner am 17.05.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Soll sie in Kitzbühel gegen die Männer fahren. Dann weiss sie was Sache ist.

  • T. Estosteron am 17.05.2018 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau ist gleich Mann?

    Feminismus wie er leibt und lebt: Gross reden, Leistungen verlangen, Floskeln wie "Frauen können dasselbe wie Männer", doch wenn es gilt, dies zu beweisen, hat frau plötzlich "andere Pläne". Das Traurige: Es gibt noch Menschen, die Feminismus ernst nehmen.