Schnelle Teamsportart

27. Juli 2009 12:02; Akt: 10.08.2009 14:46 Print

Wie schwierig ist eigentlich Lacrosse?

von Herbie Egli und Reto Fehr - Wenn Rugby und Eishockey aufeinanderprallen, das Spielgerät mit bis zu 180 km/h durch die Luft flitzt und Bodychecks ausgeteilt werden, dann ist das Lacrosse. 20 Minuten Online hat die schnellste Teamsportart auf zwei Beinen ausprobiert – und kehrte mit blauen Flecken zurück.

(Video: 20 Minuten Online)
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In Kanada ist Lacrosse hinter Eishockey eine der populärsten Sportarten. Das ursprünglich von Indianern erfundene Spiel ist unglaublich dynamisch, hart und schnell. Je zehn Feldspieler stehen sich auf einem 100x55 Meter grossen Feld gegenüber und versuchen den 140 Gramm schweren Hartgummi-Ball mit ihren Netzstöcken (Sticks) ins 1,83x1,83 Meter grosse Tor zu schleudern. Geschützt sind die Akteure mit einem Helm, einem Oberkörper- und Ellbogenschutz sowie Handschuhen. Erlaubt ist vieles: Bodychecks, Schläge und Stiche mit dem Stick und unbewegte Blocks setzen wie beim Basketball (Video siehe unten). Trotzdem sind Verletzungen nicht an der Tagesordnung. «Wenn ein Spieler einen harten Check kassiert, ist er meist selbst Schuld», so Dominik Kaiser von Zürich Lions Lacrosse. Denn dies geschehe meist bei Unachtsamkeiten des Spielers. Herbie Egli und Reto Fehr machten bei ihren ersten Gehversuchen diese Erfahrung: Herbies Unterarm erlitt genauso einen Kratzer wie Retos Schienbein.

Im Wissen, dass es weh tun könnte, wagten wir uns zum Duell gegen Dominik und Thomas vom aktuellen Schweizer Meister Zurich Lions Lacrosse. Dass die beiden zweimal wöchentlich trainieren, zeigte sich schon beim kurzen Einspielen: Während der Ball bei den Profis präzise und scharf von Netz zu Netz flitzte, sah das Ganze bei Laien wie Herbie und Reto eher aus wie ein munteres Schmetterlingfangen – wobei die Erfolgsquote noch Steigerungspotenzial hatte.

Spiel 1: Tore schiessen

Nach dem Aufwärmen versuchten wir uns als Goalgetter. Aus einer Distanz von rund zehn Metern sollte Goalie Thomas bezwungen werden. Leider endete die Übung im Desaster. Nicht nur das Schiessen, sondern auch schon das Fangen des Passes stellte uns vor grosse Probleme. Zielen mit dem Short Stick (für Angreifer) sieht einfacher aus, als es ist. Und wenn der Ball dann mal aufs Tor kam, war dies eher ein Rückpass, als ein Knaller. Das Resultat: Ein mickriger Treffer für 20 Minuten Online. Auch wenn dieser vom Schützen als «unhaltbar» bezeichnet wurde, ist «Zufall» wohl das passendere Wort.

Spiel 2: Tore verhindern

So schwach wie unsere Abschlüsse waren, hofften wir, als Goalie eine bessere Falle zu machen. Doch so wie uns der Schweiss unter dem Helm über das Gesicht lief, so knickte auch dieser Strohhalm weg. Obwohl Thomas nicht mit voller Wucht losballerte, waren unsere Abwehrversuche praktisch nur bei Fehlschüssen des Profis erfolgreich. Auch der Tipp von Dominik «Ihr müsst in den Ball gehen», nützte nichts mehr, als das Geschoss auf uns zusauste. Zu gross war der Respekt vor Beulen und blauen Flecken. Denn Lacrosse ist ein Sport für harte Kerle, die brauchen wenig Körperschutz. Darum ist auch der Torhüter nur mit einem Netzstock, einem (etwas stärkeren) Brustpanzer und Handschuhen ausgerüstet. Prallt der Ball unterhalb des Brustkorbes auf den Körper, sind blaue Flecken und Schmerzen vorprogrammiert. Übrigens: Unser Gegner Dominik hielt fünf von fünf Versuchen.

Spiel 3: Zweikampf

Zum Abschluss versuchten wir uns nochmals in der angreifenden Position. Die Aufgabe war grundsätzlich einfach: Den Ball aus dem Lauf ins leere Tor befördern. Das Problem: Thomas, der Verteidiger. Er stellte sich uns nicht nur in den Weg, sondern attackierte mit Stockstichen auf den Oberkörper, -schlägen auf die Hände und Checks. Durchgeschüttelt wie nach einem Schleudergang in der Waschmaschine, notierte 20 Minuten Online von zehn Versuchen ein erfolgreiches Dribbling. Dabei gilt aber zu erwähnen, dass Reto vor lauter Freude über den Coup den Ball danach noch vor dem Schuss aus dem Pocket (Schlägernetz) hüpfte. Denn nur schon das schnelle Drehen oder Stoppen mit dem Ball im Netz will gelernt sein.

Crashkurs nicht bestanden

Den Crashkurs haben wir nicht bestanden. Aber normalerweise werden neue Spieler auch langsamer in die Lacrosse-Kunst eingeführt. Denn um den schnellsten Mannschaftssport auf zwei Beinen zu beherrschen, sind Grundlagen wie Passen und Fangen elementar. In der Schweiz besteht die Liga aus sieben Teams, ab der nächsten Saison sollen zehn Mannschaften gemeldet werden. Herbie und Reto werden vermutlich in keinem Team mitspielen.

Das ist Lacrosse

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(Quelle: YouTube)