Der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses setzt sich auf Instagram für männliche Body Positivity ein. Wir gaben bei Schweize Männern nachgefragt, was die von Body-Positivity halten.
Der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses (23) setzt sich auf Instagram für männliche Body Positivity ein. Vor einer Woche postete er dazu einen Beitrag. Zu sehen: ein Mann oben ohne – ohne Sixpack und mit Brusthaaren. Das Thema des Beitrages: Körpervorbilder für Männer. «Frauen können offen zugeben, wenn sie unsicher mit ihrem Körper sind. Männer werden in der gleichen Situation als zu wenig selbstbewusst bezeichnet oder gar als zu eitel.» Dabei sei gerade die Konversation wichtig für betroffene Männer», lautet ein Ausschnitt des Kommentars zu dem Post, der fast 1200 Likes erhalten hat. Was denken andere Schweizer Promimänner über männliche Body Positivity? Wir haben unter anderem bei Bastian Baker, Gabirano und Brian Havarie nachgefragt, was sie über den Druck zum perfekten Aussehen denken. Ihre Antworten findest du in den folgenden Bildern. Influencer Wuschu (24), bekannt für seine ausgefallenen T-Shirts. «Ich poste das, was mir gefällt, und stehe dazu wie ich aussehe. Jedoch definiere ich mich nicht über meinen Körper. Hätte ich ‹Normalgewicht›, würde ich genauso meine crazy Shirts anziehen.» Ihm sei einfach wichtig, dass er eine positive Message rüberbringen könne und die Leute «Freude haben», ihn zu sehen. Und: Mehr Entspanntheit fände er auf jeden Fall gut. «Jeder soll so viel zeigen von sich, wie er mag, und dafür sollte man nicht verurteilt werden. Es ist schliesslich dein Körper. Wichtig ist, was du über dich denkst, und nicht, was andere über dich denken. Und da man ja sowieso denken muss – warum dann nicht gleich positiv?» : Musiker Bastian Baker (28) «Vielleicht habe ich Glück, dass ich mit einem gesunden Selbstbewusstsein geboren bin. Mir ist es grundsätzlich egal, was die Leute über meinen Look oder meinen Body sagen und denken – solange ich mich wohlfühle, ist es doch gut.» Social Media setzen ihn deswegen nicht unter Druck: «Für mich ist Instagram mehr ein Tool, um mit meinen Fans in Kontakt zu bleiben.» Er präsentiert sich aber immer so, wie er wirklich ist: «Je natürlicher und ehrlicher, desto besser. Ausserdem finde ich den Gedanken daran, etwas sein zu wollen, was ich nicht bin, irgendwie voll anstrengend.» «Switzerland's next Topmodel»-2018-Gewinner Saviour Anosike (19) «Man redet unter den Männern viel zu wenig über den Körper – und wenn man darüber spricht, geht es meistens nur um Sixpacks und wie viele Kilo man im Gym heben kann.» Er finde es schade, dass sich viele Männer körperlich so anpassen, wie die Gesellschaft es möchte. Auch er selber wurde schon mit den vorherrschenden Schönheitsidealen konfrontiert: «Ich war schon immer ein sehr schlanker Mann und musste mir viel Negatives anhören, obwohl ich immer gesund und zufrieden war und immer noch bin. Leider wusste ich damals nicht, dass es vollkommen okay ist, nicht einen ‹perfekten› Körper zu haben.» Darum sei er jetzt umso mehr stolz, seinen Körper zu zeigen, da er sich wohlfühle: «Es ist an der Zeit, mehr darüber zu reden, dass man seinen Körper auch als Mann richtig pflegen und wertschätzen soll – ohne dass man 08/15-Beauty-Standards im Hinterkopf trägt.» Influencer und Comedian Gabirano Guinand (20) Generell findet er es eine gute Message, regelmässig ins Gym zu gehen. Aber: «Perfekt trainierte Körper finde ich nicht wirklich gut. Schliesslich ist das nicht die echte Welt und für die meisten Menschen sind diese Bodys extrem schwierig zu halten. Ich persönlich bin auch einfach, wie ich bin – von klein auf dünn.» Social Media würden ihm in Sachen Körper keinen Stress machen: «Ich folge keinen Bodybuildern oder Fitness-Freaks auf Instagram – das interessiert mich zu wenig. Ich fühle mich wohl, wie ich bin, und ich habe das Gefühl, viele Männer ticken genau gleich.» Solange man «reden kann, lustig ist und Spass hat», brauche man sich über den Body nicht den Kopf zu zerbrechen. Influencer Brian Havarie (18) «Ich finde es sehr wichtig, dass man unrealistische Körperideale auch bei Männern thematisiert. Man spricht nur immer von Frauen, die schlank sein wollen. Das Wichtigste ist, dass man sich einfach wohlfühlt – solange es gesund ist.» Was andere von ihm denken, kümmert ihn wenig: «Ich ziehe das an, was mir gefällt, unabhängig davon, ob es ... ... andere Leute gut finden oder nicht. Ich weiss aber, dass viele heterosexuelle Männer denken, sie könnten schwul wirken, wenn sie über Gefühle oder Unsicherheiten sprechen. Dabei ist es wichtig, über solche Dinge zu reden – und dass auch Frauen Verständnis dafür zeigen.» Man solle sich selber treu bleiben, aber andere auch so respektieren, wie sie sind. Influencer-Award-Finalist in der Kategorie Talents, Sergio Mistretta (20) «Es überrascht mich nicht, dass wenig über Male Body Positivity gesprochen wird, weil es Männern so wichtig ist, männlich zu wirken – über Gefühle zu sprechen gehört da leider nicht dazu.» So könne sich ein Druck entwickeln, der auch für Männer selbstzerstörerisch sein könne. Und fühlt er sich selber auch unter Druck von männlichen Schönheitsidealen? «Ich habe kein Sixpack und bin nicht durchtrainiert, fühle mich aber wohl in meinem Körper. Auf meinem Account @miseit achte ich nicht gross darauf, ob ich meinen Body zeige oder nicht.» Wenn er am Strand sei und ein tolles Foto schiesse, poste er das – auch wenn sein Body zu sehen ist. Das war aber nicht immer so: «Ich war unsicher, als ich 16 oder 17 Jahre alt war. Unter anderem wegen all der perfekten Sixpack-Bilder, die auf Social Media kursieren. Dann bin ich allen makellosen Models nicht mehr gefolgt, das hat mir geholfen. Ich finde es wichtig, auf Instagram nur Accounts zu folgen, die inspirieren und motivieren.» So würde Instagram zu einer Plattform werden, «die einem hilft, sich weiterzuentwickeln». Auf Instagram gibt es sehr wenige männliche Influencer, die sich mit dem Druck um den perfekten Körper befassen – und wie man diesem entgegenwirkt. Wer sie sind und was sie zu sagen haben, erfährst du auf den folgenden Bildern. Einer von ihnen ist zum Beispiel Der Brite ist nicht nur Vater von Drillings-Mädchen und einem sechsjährigen Sohn, sondern auch Befürworter von männlicher Diversity. «Mein Gewicht hat mich schon immer gestört – jahrelang war es das Erste, an das ich beim Aufwachen und vor dem Zubettgehen dachte», schreibt er zu diesem Insta-Post. Er fühle sich inzwischen zwar besser und mache viel Sport, aber dennoch falle es ihm schwer, sich selber zu lieben: «Ich befinde mich auf einem guten Weg, ganz werden ... .... die Unsicherheiten aber nie verschwinden, da sich viele Probleme in meinem Kopf befinden.» Für alle, denen es ähnlich geht, hat er aber einen Tipp: «Wenn ihr Probleme mit eurer psychischen Gesundheit habt, dann sprecht unbedingt mit jemandem darüber, das ist der erste Schritt zur Besserung.» ist das erste männliche Plus-Size-Model, dass einen Vertrag mit der weltberühmten Modelagentur IMG bekommen hat. Auf Instagram spricht er ganz offen über die psychischen Probleme, die sein Körper ihm früher bereitet hat: «Fast mein ganzes Leben lang habe ich mich nie ohne T-Shirt gezeigt – nicht einmal am Strand. In der Primarschule war meine grösste Angst, dass mein Bauch ... ... unter meiner Kleidung hervorblitzen könnte.» Heute läuft er auch oben ohne an Fashion-Shows mit und hat schon verschiedene Kampagnen geshootet. «Body Positivity ist ein schwieriges Thema für Männer. Deshalb ist es so wichtig, dass wir darüber reden», schreibt er auf seinem Profil. Seit April schreibt Miko für den Blog Chubstr wöchentlich eine Kolumne rund ums Thema männliches Körperbewusstsein und veröffentlicht Artikel wie: «Nennst du dich selber fett?», «Wie man als Erwachsener mit Mobbing umgeht» oder «Wie kann man sich als übergewichtiger Mann im Gym wohlfühlen?» Auch (26) aus England macht auf seinem Instagram-Profil @Bopo.boy auf Body Positivity unter Männern aufmerksam: «Lange dachte ich, dass nur mein Aussehen meinen Wert definiert. Der innere Konflikt, der dadurch entstanden ist, hat meinen Körper sowie meine Psyche geschädigt.» Er habe übertrieben Sport gemacht, fast nichts mehr gegessen und sogar Geld in Operationen investiert, um den Idealen zu genügen, die ihm insbesondere Social Media aufzeigten. Unsicherheiten müssen nicht immer gleich ersichtlich sein, wie er schreibt: «Es ist lustig: Wenn mich die Leute angezogen sehen, geben sie keine blöden Kommentare ab – man sieht mir auf den ersten Blick nicht an, dass mein Körper nicht den männlichen Schönheitsidealen entspricht. Sobald sie aber sehen, wie ich unter meiner Kleidung aussehe, haben sie irgendetwas Negatives dazu zu sagen.» Er schloss aber Frieden mit seinem Körper, als er anfing, «die Normen der Gesellschaft auszublenden». Er höre jetzt einfach darauf, was sein Körper brauche. Auf dem Bild links beschreibt er seinen Körper – aber eben auch seine charakterlichen Stärken, die ihm seinen Wert geben: «Ich habe Dehnungsstreifen, Männerbrüste und hängende Haut, aber auch ein gutes Herz, einen neugierigen Geist und bin ein Powermann – und das ist es, was zählt.» Der deutsche Claus Fleissner ist ebenfalls als Plus-Size-Model tätig und teilt auf seinem Instagram-Account seine Erfahrungen als übergewichtiger Mann. «Akzeptiert eure Extra-Kilos und fangt an, euch selber zu lieben», steht in seiner Insta-Bio geschrieben. Auf seinem Blog extra-inches.de stellt er stylische Kleidung in Übergrössen für Männer vor: «Das Angebot an Herrenmode in grossen Grössen macht es mir selbst nicht immer leicht, das anzuziehen, was ich gerne möchte. Aber es gibt immer wieder ein paar coole Teile», schreibt er auf seinem Blog.
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