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Wo kalt wirklich kalt ist
05. Februar 2012 09:14; Akt: 05.02.2012 14:32 Print
«Wir lassen die Autos tagsüber einfach laufen»
von Adrian Müller - Er braucht 10 Minuten, um sich anzuziehen, schwört auf Wodka mit Gurken als Kälte-Killer und sehnt sich nach Döner Kebab. Sascha Preiss schildert sein Leben in Sibirien - bei -41 Grad.
Seit dreieinhalb Jahren lebt Sascha Preiss (35) im sibirischen Irkutsk, wo der Deutsche als Lektor an der Universität arbeitet und nebenbei für seinen Blog schreibt. Zu später Stunde hat er 20 Minuten Online über sein Leben in der Gefriertruhe Auskunft gegeben.
Sascha Preiss (35) lebt seit über drei Jahren im sibirischen Irkutsk. Dort arbeitet er als Lektor bei der Technischen Universität.
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Eiseskälte im Januar 1987
Bei uns jammern die Leute schon bei minus 10 Grad. Wie kalt ist es bei Ihnen gerade?
Sascha Preiss: Im Augenblick ist es lediglich -23 Grad kalt, morgen erwarten wir gar ‹milde› Temperaturen von -14 Grad. Der tiefste Wert lag diesen Winter bislang bei -41 Grad.
Da gefriert ja sogar der Wodka. Wie heizt ihr in eurer Wohnung? Die russischen Plattenbauten haben nicht gerade den besten Ruf…
Irkutsk hat ein interessantes Heiz-System: Unsere Stadt verfügt über eine gigantische Zentralheizung, von der heisses Wasser in Rohren durch die Quartiere und in die Häuser gepumpt wird. Fragen Sie mich aber nicht, womit sie dieses Kraftwerk antreiben – Kohle ist es jedenfalls nicht. In unserer Wohnung ist es so schön warm. Trotzdem sind die Bauten sehr schlecht isoliert. Bei jedem Fenster hat sich ein Eisrand gebildet, durch das kleinste Ritzchen im Boden spürt man den Frost.
Selbst bei uns geht einem die Kälte in diesen Tagen durch Mark und Bein, viele Menschen bleiben lieber zu Hause. Gibt es in Irkutsk während der sechs eisigen Wintermonate überhaupt noch ein öffentliches Leben?
Die Leute meiden die Kälte so gut es geht, sie mögen den Winter nicht. Wir versuchen dennoch einigermassen normal zu leben. Bis zu einem gewissen Grad: Ab -35 Grad gibt die Polizei eine Wetterwarnung heraus, ab -38 Grad bekommen die Schüler kältefrei. Freizeitangebote sind beschränkt. Jugendlichen fehlt es weitgehend an Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Sportvereine gibt es fast keine, und wenn, dann von Kampfsportclubs. Wer Geld hat, lässt es in teuren Nachtclubs krachen.
Fühlt sich die Kälte gleich an wie bei uns?
Nein, es ist weniger schlimm. Durch die Trockenheit hier in Sibirien spürt man die Kälte weniger stark als im feuchten europäischen Winter. Die tiefen Temperaturen können aber durchaus gefährlich sein: Wenn man auf den Zug rennen und tief einatmen muss, können einem sogar die Bronchien einfrieren, das tut verdammt weh.
Die Russen halten ihren Körper bekanntlich am liebsten mit Wodka warm. Was ist ihr Geheimrezept gegen den Frost?
Da der Körper bei der Kälte sehr viel Energie verbraucht, essen wir viel und fettig, im Büro etwa gibt es oft schwere Rahmtorten. Wenn ich notgedrungen länger an die frische Luft muss, wärme ich mich am liebsten mit Wodka. Und zwar nicht pur, sondern in Kombination mit geräuchertem Speck, Käse, Wurst und Gurken. Das hilft.
Wodka pur ist also keine Lösung. Was zieht man an, wenn man bei -40 Grad einkaufen gehen muss?
Möglichst viele Schichten. Das Anziehen alleine dauert so aber mindestens zehn Minuten, das ist mit der Zeit extrem nervig. Pflicht sind ein paar gut isolierte Winterschuhe. Dazu lange Unterhosen, Skihosen, T-Shirt, Wollpullover, eine Fleecejacke und eine isolierende Winterjacke. Und Schal, Handschuhe und Mütze natürlich. So halte ich es maximal 20 Minuten an der eiskalten Luft aus, dann rette ich mich in eine Teestube.
Die eisigen Temperaturen setzen nicht nur den Menschen, sondern auch den Autos zu. Welche Tricks haben die Russen auf Lager, damit ihre Kisten den Geist nicht aufgeben?
Während des Tages lässt man die Autos einfach laufen, wenn man etwa einkaufen geht. Für längere Stopps gibt es bewachte Parkplätze, wo Wachmänner alle paar Stunden den Motor laufen lassen. Generell lassen die Leute ihr Auto – am liebsten haben sie japanische Offroader - eine halbe Stunde laufen, bevor sie auch nur einen Meter fahren. Meine Familie hat aber kein Auto, der ÖV ist ganz akzeptabel. Wir gehen sowieso im Winter eher selten aus der Stadt raus. Im Januar sind wir zwei Wochen an den Baikalsee gefahren, der ist wunderschön. Denn eines darf man nicht vergessen: Wir zählen hier 300 Sonnentage im Jahr, bei Sonnenschein fühlt sich die trockene Kälte gar nicht so kalt an.
Sonnenschein hin oder her: Warum leben Sie freiwillig in einer Stadt, wo der Winter ein halbes Jahr andauert?
Die Arbeit als Lektor an der Universität gefällt mir, ich bin mit meiner Familie glücklich hier. Nach vier Monaten Winter reicht es aber auch mir langsam. Wie gesagt, am nervigsten ist das ewige sich An- und Ausziehen. Die Faszination an Sibirien ist aber stärker: Russland ist ein extrem aufregendes Land, die Baikal-Region wunderschön. Und die Menschen sind hier längst nicht so unfreundlich, wie man in Europa die Russen immer macht.
Was vermissen Sie am meisten in der Gefriertruhe Irkutsk?
Natürlich meine Freunde. Was mir aber extrem fehlt sind gute Fressbuden: Ich habe verdammt Appetit auf einen guten Döner Kebab. Hier gibt es nur zwei Imbissstände in der Innenstadt, die tischen den russischen Kebab, den Schwarma, auf. Leider ohne Salat.
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Alle 39 Kommentare





























Heizung!
Als ich in Ende der 60er Jahre in Kanada wohnte, hatte ich bei meinem Mustang 1965 eine elektrische Motorheizung eingebaut. Über Nacht heizte diese, damit das Öl flüssig, und der Motor warm blieb.
Schwachsinn
Autos tagsüber einfach laufen lassen, -so ein Schwachsinn. Sollten mal in Skandinavien nachfragen wie man das macht.
Also in Finnland
lassen die Leute ihre Autos vor dem Supermarkt auch laufen wenn sie einkaufen gehen, von wegen bei den Skandinaviern nachfragen
schon ok
aeh laufen lassen ist schon recht.machen wir hier im norden der usa auch.schau mal motorenoel an wenn du es eine nacht in die gefriertruhe stellst,und die batterien .....
Keine Ahnung, hauptsache was schreiben
Daran sieht man das Sie noch nie in einem solchen Land gelebt haben.Wen Sie kein Auto ohne elektrische Zusatzheizung mit Steckdose besitzen ist das nämlich der einzige Weg, aber zuerst müsste ihnen das Auto einmal einfrieren resp Batterie schlapp machen. Zudem Strom verursacht auch CO2!
Kein Schwachsinn
Es gibt viele Regionen wo dies im Winter absolut normal ist und das hat auch seine Berechtigung.
Skandinavien
In Skandinavien lassen die Leute den Motor sogar manchmal im Sommer laufen wenn sie an der Tankstelle einen Frühstückskaffee trinken gehen...weil sie es sich gewöht sind vom Winter...
VERGESSEN? noch nicht lange her
Ist doch keine Frage, gibt ja die Nebenaggregate wie WEBASTO oder EBENSBÄCHER, hat ein Timer und Thermostat der das laufen lässt bei max 1/2 Liter Treibstoff pro Stunde. Früher hatte auch jeder Ami serienmässig ein Kabel mit Stecker unter der Haube das dann die Elektroheizung unter der Oelwanne warm hielt. Nur die bekannten Syteme woe oben genannant wärmen auch das Kühlwasser etc. wobei die Elektroheizung nur örtlich.
Gehört...
Ich hab mal irgendwo gehört dass das Auto selbst bei so kalten Temperaturen problemlos anspringen kann weil Benzin und Öl nicht wirklich gut frieren.
Falsch gehört
Es kommt nicht auf Benzin und Öl an, sondern z.B. auf die Kühlflüssigkeit. Selbst dem Frostschutz sind Grenzen gesetzt. Dazu kommt erschwerend, dass Kälte Metall porös macht. Das kann innert Sekunden zu kapitalen Motorschäden führen.
Technikfreak
... und wie siehts mit der Leistung der Batterien aus ...
diesel
Diesel hat da schon mehr probleme...
diesel -paraffin
@ marcus ... ja beim Diesel scheidet sich das Paraffin aus und verblockt dann Filter uand anderes mehr. Darum machten früher die Lastwägeler Feuerchen unter dem Auto. Beschränkter Trick, man mische den Diesel mit 10 - 20% Benzin, verhüte dann aber Höchsleistung aus dem Motor zu holen wenn er dann fährt.