Core Skis

28. November 2012 11:16; Akt: 28.11.2012 12:40 Print

Eine Bündnerin schlägt K2 ein Schnippchen

von Leo Helfenberger - Eine Idee, zwei stylishe Latten und eine Portion Unternehmergeist - das sind die Zutaten für einen neuen Ski und dessen Erfolgsgeschichte made in Switzerland.

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Im Jahr 2012 werden voraussichtlich 3,3 Millionen Paar Ski weltweit verkauft. Der Markt ist aufgeteilt. 96 Prozent der abgesetzten Skier wurden 2010 in der Schweiz von nur acht Herstellern produziert. Dennoch gibt es auch in diesem Bereich noch Nischen. Eine davon hat offenbar Veronika Jud-Frei gefunden. Die Wahl-Bündnerin hat im Jahr 2006 ihre ersten eigenen Latten verkauft. Seit dieser Zeit ist die Nachfrage nach ihren Skiern Jahr für Jahr gewachsen; ihr Unternehmen Core Skis ist mittlerweile nicht mehr nur Experten bekannt.

Doch wie kommt man eigentlich auf die Idee, sich ausgerechnet mit einer Skiproduktion selbstständig zu machen und gegen Giganten wie Rossignol, Salomon oder Stöckli anzutreten? Wie müssen Skier beschaffen sein, um gegen namhafte Latten zu punkten? Und wie entsteht eigentlich ein Ski? Die Jungunternehmerin verrät im Gespräch mit 20 Minuten Online, wie sie zu den Brettern kam, die mittlerweile für sie die Welt bedeuten.

Ein ehrgeiziges Ziel

Veronika Jud-Frei ist Importeurin von K2 Ski in der Schweiz. Als sie eines schönen Tags von der Firmenleitung erfährt, dass der Vertrieb künftig wieder aus den USA gesteuert wird, ist sie wie betäubt. Sie weiss nicht, ob sie die neue Situation akzeptieren oder ob sie ihren Job bei K2 an den Nagel hängen soll. Sie entscheidet sich für Letzteres, denn da gibt es eine Idee, über die sie schon länger nachdenkt: sich mit einer eigenen Skimarke selbständig zu machen. Immerhin hat sie sich in den vergangenen Jahren das notwendige Know-how angeeignet und eine Infrastruktur aufgebaut, die sie nicht ungenützt lassen will.

Nachdem der Entschluss gefasst ist, begibt sich Veronika Jud-Frei auf Mitarbeitersuche. Gezielt schaut sie sich nach Leuten um, die ihre Vision teilen: Einen Ski herzustellen, der in puncto Design, Materialien und Fahreigenschaften einzigartig ist.

Für die ehemalige Rennskifahrerin ist klar, dass ihr eigenes Unternehmen kein Skigrosskonzern werden soll. Ihr geht es mehr um das Produkt. Sie will eine neue Art von Skiern herstellen, die anders sind als die Massenware. Ihr schwebt ein exklusiver Ski vor, der ausschliesslich über ausgewählte Händler vertrieben wird.

«Bloss keine knallbunten Bretter»

Im Kern geht es ihr um den Ski. Schnell ist deshalb der Name für die neue Marke kreiert: «Core Skis». Um diese zu entwerfen, schart sie ein Team von ehemaligen Kollegen um sich, die ihre Vision teilen: Einen Ski herzustellen, der länger als nur ein Jahr hält und der nicht mit dem Start einer neuen Skisaison aus der Mode kommt. So hat sich Core Skis entschlossen, nur alle zwei bis drei Jahre ein neues Modell herauszubringen.

Schwieriger hingegen ist es, in Sachen Fahreigenschaften innovativ zu werden. Für die Entwicklung und Materialbeschaffung ist deshalb der Ski-Cross-Weltcup-Fahrer Mirco Auer zuständig. Er war vorher beim «Institut für Schnee- und Lawinenforschung» in der Gruppe «Schneesport und Industrieapplikation» tätig. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag beim Entwickeln von Rennski-Equipment. Veronika Jud-Frei kennt er durch den Rennsport in Klosters.

Die Black Series

Die Idee, schwarze Ski zu entwerfen, kam Skiherstellerin Veronika Jud-Frei schon früher, denn sie hat sich immer an der Farbenvielfalt in den Skiregalen gestört. Sie hörte von vielen Skifahrern, dass sie gerne einmal einen schlichten schwarzen Ski hätten. Das war die Steilvorlage für die Idee zur «Black Series», welche dieses Jahr lanciert wurde.

Auch wenn die Idee simple ist, in der Praxis erweist sie sich als grosse Herausforderung. «Die Schwierigkeit bestand darin, einer schwarzen Oberfläche Kratzfestigkeit zu verleihen», erklärt Skikonstrukteur Mirco Auer. Skier verkratzen aufgrund der scharfen Kanten sehr schnell. Dass fällt bei einem einfarbigen schwarzen Ski natürlich störend ins Auge. Also tüftelt der Ingenieur und experimentiert mit unterschiedlichsten Materialien. Schliesslich entwickelt Auer eine Oberfläche mit Struktur, die Kratzer weniger sichtbar werden lässt, gleichzeitig aber auch robuster ist. Diese wird zuerst beim Flaggschiff der Serie, dem «Guide», angewendet, da er als «All-Mountain-Modell» besonders kratzresistent sein muss.

Ski-Herstellung: Eine Männerdomäne

Eigentlich steht damit dem Verkauf und der Vermarktung des neuen Skis nichts mehr im Wege. Doch da tut sich für die Jung-Unternehmerin ein weiteres Problem auf: Core Skis ist wohl die einzige Skimanufaktur in Frauenhand. Als sie sich an verschiedene Skigeschäfte wendet, um ihre Skier zum Verkauf anzubieten, wird sie von den meist männlichen Einkaufsleitern eher belächelt. Statt nach technischen Details wird sie nicht selten gefragt, ob man nicht einmal einen Kaffee trinken gehen solle.

Doch die Vertriebsexpertin hat noch ein Ass im Ärmel. Kurzerhand unterbreitet Jud-Frei auf die Avancen hin den Vorschlag, dass man statt in ein Café besser gemeinsam auf die Piste gehe, um ihre Skier auszuprobieren. Tatsächlich folgen einige Geschäftspartner diesem Vorschlag. Mit ihren Skiern und ihrem Können auf der Piste hinterlässt sie einen starken Eindruck bei den potenziellen Käufern. Kurze Zeit später sind die ersten Core Skis in ausgewählten Geschäften erhältlich.

Müssen sich die Grossen am Skimarkt bald warm anziehen?

Wird Core Skis mittelfristig vielleicht doch ein weiterer Grosshersteller, so wie Salomon oder Head? Die Unternehmerin winkt ab: «Das ist nicht das, was ich möchte.» Schon während ihrer Tätigkeit bei K2 hat sie sich stets an der Grösse des Konzerns und den damit einhergehenden Strukturen gestört.

Für Jud-Frei steht fest: Sie will die kleine Fabrik in Norditalien, in der, neben dem Hauptsitz in Klosters, ein Teil der Bestandteile der Skier hergestellt wird, so belassen. Eine Expansion strebt sie nicht an. «Core Skier sollen auch weiterhin etwas Spezielles bleiben.»

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