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Unser Sibirien
03. Februar 2012 13:11; Akt: 03.02.2012 14:42 Print
Im Gefrierfach der Schweiz
von Antonio Fumagalli, La Brévine - Kalt, kälter, La Brrrrrévine. Das Dorf im Jura hält seit 25 Jahren den Schweizer Frostrekord: 1987 gab es minus 41,8 Grad. Die Gemeinde zehrt noch heute davon.
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Was sagen Sie zur sibirischen Kälte?
Es ist ein schöner Frühsommertag in den Neunzigerjahren, ein Fahrzeug mit ausländischen Kennzeichen hält am Dorfeingang von La Brévine. Aussentemperatur: Vielleicht 20 Grad, angenehm warm auf jeden Fall für die offiziell kälteste Ortschaft der Schweiz. Die vier Insassen des Autos steigen aus, ziehen sich Handschuhe, Mützen und Daunenjacken an und posieren vor dem Ortsschild. Cheese! Kaum ist das Foto geschossen, legen sie ihre Winterkleidung wieder ab und fahren weiter.
«Chuenagel» garantiert: Reporter Fumagalli im kältesten Tal der Schweiz.
Bildstrecken
Eiseskälte im Januar 1987
Infografik
Frostige Zeiten
Jean-Pierre Schneider muss noch immer schmunzeln, wenn er die Geschichte erzählt. «Es ist halt wie beim Hügel von Hollywood, manche kommen nur für einen Schnappschuss hin», sagt der Inhaber eines Sportgeschäftes. Dabei wäre es den Brévinern lieber, wenn die Auswärtigen etwas länger bleiben würden. In der Tat ist die strukturschwache Region nicht gerade als Ferienparadies bekannt.
Das soll sich nun ändern – in La Brévine hat man sich entschieden, aus der Not eine Tugend zu machen. «Die Kälte ist unser Kapital, wir dürfen unsere Gegend mit gutem Recht als ‹Sibirien der Schweiz› bezeichnen», sagt Jean-Maurice Gasser. «Es gibt Leute, die einmal im Leben so richtig kalt haben wollen.» Zusammen mit Gleichgesinnten hat er deshalb einen Verein ins Leben gerufen, der sich zum Ziel gesetzt hat, erholungsbedürftige Städter in den tiefen Jura zu locken.
Bernard Challandes' Diesel
Der Startschuss fiel am 12. Januar 2012, just 25 Jahre nach jener Nacht, die in die Annalen einging. Unglaubliche –41.8 Grad Celsius zeigte das Thermometer in der Messstation von La Brévine damals an – Schweizer Rekord. «Ich kann mich noch gut daran erinnern», sagt FCZ-Meistertrainer Bernard Challandes, der seit Jahrzehnten im Tal wohnhaft ist, «es war so kalt, dass der Diesel meines Autos eingefroren ist.» Ähnlich ist es dem Einheimischen Michel Magnin ergangen: «Wir konnten vorübergehend unser Haus nicht mehr heizen, weil die Pumpe vereist war.»
Sorgen um das Auto hatte auch die Familie Richard. «Mein Mann stand mitten in der Nacht auf, um den Motor laufen zu lassen. So konnte er am Morgen zur Arbeit gehen», sagt Carmen. Tochter Alicia hingegen kann sich an gar nichts erinnern, sie kam erst im Herbst 1987 auf die Welt. «Wer weiss, vielleicht bin ich ja in jener Nacht entstanden», sagt sie und zwinkert der Mutter zu.
Zeitungspapier als Kälteschutz
Mit wem man auch immer spricht im Dorf, ein gewisser Stolz über den Kälterekord ist zumindest hinter vorgehaltener Hand stets zu spüren. Fast unisono beteuern die Bréviner aber, dass jener Winter doch gar nicht so schlimm gewesen sei. «Wenn es wie 1987 nur kurz saumässig kalt ist, kann man gut damit umgehen. Schwieriger sind die langanhaltenden Kälteperioden», sagt Robert Huguenin, der im Dorf jahrzehntelang ein Restaurant geführt hat.
Michel Magnin mischt sich ins Gespräch ein, man kennt sich im 600-Seelen-Dorf. «Auf dem Schulweg haben wir uns jeweils Zeitungspapier unter die Jacken geklemmt, um der Kälte zu trotzen», erinnert er sich. Ja, auf die Zähne beissen habe man damals, als Goretex-Jacken und Thermounterwäsche noch nicht einmal angedacht waren, manchmal schon müssen. Aber wegziehen, das sei nie zur Diskussion gestanden.
Nur ja nicht den Rekord verlieren
Das Dorffest – von den Organisatoren programmgerecht als «journée du froid» betitelt – ist mittlerweile in vollem Gang. Man feiert den neuen Verein, die Kälte – und auch ein bisschen sich selbst, schliesslich ist man Rekordhalter. Wehe, wenn eine andere Schweizer Ortschaft die –41.8 Grad unterbietet. Man schaut aufs Smartphone. Im Engadin ist es gut –20 Grad, noch meilenweit vom All-Time-Rekord entfernt. Da sehen die Bréviner gerne darüber hinweg, dass es vor der eigenen Haustüre fast schon wohlig warm ist. Das Thermometer zeigt –18 Grad an.
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Alle 33 Kommentare




























jura?
liegt es nicht in neuenburg???
Rekord geschlagen
Tja, so schnell kanns gehn, neuer Rekordhalter: Glattalp
Juf GR
Schon wal was von Juf GR gehört ? Juf gilt als die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung der Schweiz und Europas. Liegt auf 2'126 m ü. M. und hat 30 Einwohner. Gehört zur Gemeinde Avers GR.