Sibirische Kälte

05. Februar 2012 16:10; Akt: 06.02.2012 18:03 Print

Schneechaos und 300 Kältetote in EuropaSchneechaos und 300 Kältetote in Europa

Auf dem Balkan sind tausende Menschen eingeschneit, in Grossbritannien fielen hunderte Flüge aus, in Rom musste das Kolosseum geschlossen werden. Allein in der Ukraine erfroren 131 Menschen.

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Am 9. Februar steigt die offizielle Anzahl der Kältetoten auf über 500. In der Nacht auf den 7. Februar kamen in Italien wegen der extremen Kälte sieben Menschen ums Leben. Die Stadt Rom stellt 2000 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung. Seltener Anblick: Das Römer Kolosseum am 4. Februar 2012 im Schneetreiben. Noch seltenerer Anblick: Ein Langläufer im Circus Maximus, ebenfalls in Rom. Seltsam, dass hier der Mann auf den Skiern auf den Auslöser drückt und nicht die Frau gegenüber den erinnerungswürdigen Moment festhält. Gut eingepackt: Frauchen und Hund zeigen sich in Rom gleichermassen wetterfest. Damit das auch für sein Auto gilt, legt ein junger Mann in den schneebedeckten Strassen selber Hand an. Auch Serbien versinkt im Schnee. Im Bild das Schloss Kalamegdan, mitten in Belgrad, am 3. Februar. Da hilft auch ein Bart nicht mehr viel. In Uzice, 200 Kilometer südwestlich von Belgrad, hält ein Mann Ausschau. In Serbien soll wegen der Kälte der Ausnahmezustand ausgerufen werden. Auch im nordfranzösischen Lille liegt Schnee. Allein in der Nacht auf den 3. Februar fielen in der Ukraine 38 Menschen der Kälte zum Opfer. In Athen liegt am 2. Februar 2012 eine dicke Schneeschicht. Seltenes Bild: Die Kathedrale von Siena in Italien, schneebedeckt, am 1. Februar 2012. Die blaue Moschee im türkischen Istanbul ist für einmal eher weiss. Palmen und Schnee. Diese seltene Kombination zeigt sich in der Türkei. Die Suleyman-Moschee in Istanbul muss vom Schnee befreit werden. Spektakuläre Bilder liefert uns ein Reutersfotograf aus dem deutschen Wendelstein bei Bayrischzell Kalt, kalt, kalt: Der Winter hält Europa fest im Griff. Im weissen Kleid präsentierte sich am 1. Februar selbst Nizza. Orangen im Schnee... ...die Palme an der Uferpromenade streckt sich hartnäckig grün in den Himmel. In der Elbe bei Dresden bilden sich Eisschollen Machen sich so klein wie möglich: Enten und ein Schwan in Weissrussland. Schnee liegt auch in Mailand. Schnee und Kälte auch in Genua, aufgenommen am 31. Januar 2012. Schneeräumung im Stadion von Juventus Turin am Montagabend, 30. Januar 2012. Schnee in Sotschi, Russland, Austragungsort der Olympischen Spiele 2014. Mitarbeiter des Roten Kreuzes helfen in Berlin einem Obdachlosen. Der gefrorene Wasserfall von Radau in der Nähe von Bad Harzburg (D). Vom Wind zugeweht und festgefroren. Schnee an der Kirche auf dem Wendelstein in der Nähe von Bayrischzell (D). Die Kältewelle hat auch Griechenland erfasst: In Athen versucht sich einer der 20 000 Obdachlosen zu erwärmen. In der Tat ein weisser Strand: In Südkreta könnte es schon bald wieder so aussehen. Noch kälter ist es in Rumänien, wo das Thermometer am Dienstag gerade einmal noch -27 Grad erreichte. Prekär ist die Lage in der Ukraine: Bereits sind 18 Menschen erfrorer. Auf der Strasse werden deshalb warme Mahlzeiten an Bedürftige abgegeben. In Bulgarien wurden rekordtiefe Temperaturen gemessen. Die Kältewelle fordert in zahlreichen Ländern Opfer: In Serbien sind bereits drei Menschen erfrorern. Russland, hier das Dorf Sliznevo in Taiga, muss Temperaturen von unter minus 30 Grad ertragen.

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Das sibirische Hochdruckgebiet, das derzeit für hartnäckigen Frost in ganz Europa sorgt, fordert immer mehr Todesopfer. Seit Beginn der Kältewelle vor elf Tagen sind bereits mehr als 300 Menschen erfroren, die meisten von ihnen in Osteuropa.

In der Ukraine starben in der Nacht auf Montag bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad vier Menschen. Damit liegt die Zahl der Kälteopfer dort bislang bei mindestens 135. Den eisigen Temperaturen fielen vor allem Obdachlose zum Opfer.

In Polen starben allein in der Nacht zum Montag neun Menschen wegen der Kälte. Damit stieg die Zahl der Kältetoten auf 61, wie das Warschauer Innenministerium mitteilte.

In Rumänien starben bisher mindestens 34 Menschen wegen der Kälte. In Litauen erfroren erneut sieben Menschen, die Zahl der Kälteopfer kletterte seit Freitag auf zwölf.

In Tschechien erfroren am Wochenende mindestens fünf Menschen. Den Kälterekord des Landes hält die Gemeinde Kvilda an der Grenze zu Deutschland: Dort zeigte das Thermometer am Montag minus 39,4 Grad.

Zehntausende eingeschneit

Nach der arktischen Kälte führten in Bulgarien starke Regenfälle zu Überschwemmungen. Dabei kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, wie das Staatsradio in Sofia berichtete.

Weiterhin mit extremer Kälte und Schneemassen zu kämpfen haben auch Bosnien und Serbien. Schulen wurden am Montag für eine Woche geschlossen.

In Serbien waren rund 70 000 Menschen eingeschneit; die Zahl der Toten stieg auf zehn. In Bosnien waren hunderte Dörfer angesichts zugeschneiter Strassen von der Aussenwelt abgeschnitten.

Neue Tiefstwerte gemessen

Auch Südeuropa macht die ungewöhnliche Kälte zu schaffen: In Italien starben Schätzungen zufolge bislang zehn Menschen. Ein LKW- Fahrer wurde tot in seinem Fahrzeug auf einer Schnellstrasse in den Abruzzen aufgefunden, die von heftigen Schneefällen heimgesucht wurde.

Die Leiche eines 84-Jährigen wurde in seiner Wohnung unweit der süditalienischen Stadt Tremoli gefunden. Der Mann war nach heftigen Schneefällen durchnässt in seine Wohnung zurückgekehrt, Unterkühlung dürfte zum Tod geführt haben.

In Deutschland wurden in der Nacht zum Montag neue Tiefstwerte gemessen. In der Stadt Usedom sanken die Temperaturen auf minus 29,1 Grad. Damit wurden die bisherigen Kälterekorde aus dem Eiswinter 1956 leicht übertroffen. Die Kältewelle legte zudem die Binnenschifffahrt in Deutschland weitgehend lahm.

Auch der Schweiz bescherte die Nacht auf Montag einen neuen Kälterekord. In Samedan GR wurden -35,1 Grad gemessen. Auf der abgelegenen Glattalp SZ war es gar -45 Grad kalt.

Schnee statt Sand am Strand

Auf Mallorca wurden die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. Wie die Lokalpresse berichtete, waren an der Balearen- Universität in Palma de Mallorca am Vortag minus 5,7 Grad gemessen worden. Mallorca erlebte am Wochenende zudem die stärksten Schneefälle seit 1956. Zeitweise waren auch die Badestrände eingeschneit.

Angesichts der Rekordkälte warnte die tschechische Feuerwehr davor, Metallgegenstände zu berühren. Drei tschechische Jugendliche froren seit dem Kälteeinbruch vor einer Woche mit ihrer Zunge an Laternenpfosten fest, weil sie am Eis lecken wollten. Zuletzt mussten die Beamten in der Gemeinde Chodov einen 14-Jährigen mit warmen Tüchern aus seiner Notlage befreien.

(meg/sda/dapd)

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