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Pistenfun auf Rezept
28. Februar 2010 10:01; Akt: 28.02.2010 10:01 Print
Skifahren hilft sogar gegen Burnout
von Felix Burch - Was Powderfreaks schon lange wissen, hat jetzt auch das Gesundheitswesen erkannt: Ein paar Tage mit den Brettern über Piste fahren und Alpenluft schnuppern, hilft den Kopf frei zu bekommen. Skitherapeutin Karo Steinberg kuriert damit sogar Burnout-Patienten.
Lange ist es her, seit braungebrannte Skilehrer lässig vor ihren Schülern herwedelten und ihnen ab und zu sagten, was sie so alles falsch machen auf den Brettern. Heute wird Pädagogik in vielen Skischulen grossgeschrieben und von den Kunden auch geschätzt. Jetzt wird das Ganze noch ein bisschen weitergetrieben. In Davos bietet die 25-jährige Karo Steinberg seit dieser Saison als wohl erste in der Schweiz eine Skitherapie an.
Skitherapeutin Steinberg bei der Arbeit.
Karo Steinberg ist 25 Jahre alt und ursprünglich aus Marbug in Deutschland. Sie studierte Tanz- und Bewegungstherapie in Zürich und arbeitete im Winter in verschiedenen Gebieten als Skilehrerin. Dadurch kam sie auf die Idee der Skitherapie, welche sie nun in Davos anbietet.
Viele Skitherapie-Teilnehmer mit Burnout
Beim Gruppenunterricht ist ihr aufgefallen, dass es immer wieder Leute gab, die nicht mitkamen, die dann den Unterricht abbrachen. «Die einen hatten körperlich Mühe, andere waren mental blockiert», sagt Steinberg. Überraschenderweise waren darunter auch viele, die am Burnout-Syndrom leiden. Und es werden immer mehr, die mit Skifahren dagegen ankämpfen. «Hauptsächlich handelt es sich dabei um Leute, die im sozialen Bereich arbeiten», so Steinberg. Kindergärterinnen oder Krankenschwestern seien häufig Gäste in der Skitherapie - allerdings nehme die Zahl der Männer zu, die ihr Angebot nutzen, meint Steinberg. Das therapeutische Skifahren könne sehr hilfreich sein gegen Burnout, wenn im Bereich Geist und Seele richtig gearbeitet werde. Es gebe Leute, die unbedingt wieder Skifahren wollen, weil sie so wieder einen Bezug zur Gesellschaft und ihrem eigenen Platz in der Gesellschaft bekämen. In der Skitherapie werde der Körper geschult und durch Erfolgserlebnisse beim Skifahren das Selbstbewusstsein gestärkt.
Querschnittgelähmter lernt wieder Skifahren
Nebst Gästen mit Burnout, gehen viele Menschen, die einen schweren Unfall hatten, in die Skitherapie. «Solche Leute brauchen einfach etwas länger, um Skifahren neu zu lernen oder wieder zu lernen», so Steinberg. Diesen geht im Gruppenunterricht alles zu schnell, ganz im Gegensatz zur Skitherapie. Hier wird mit Körper, Geist und Seele gearbeitet. «Bei Menschen, die einen Skiunfall hatten etwa, ist es wichtig, dass ihr Körper schon vor dem Skifahren fitgemacht wird», sagt Steinberg. Deshalb bietet sie ganze Packages an. Begonnen wird mit einem Gespräch, in dem Steinberg herausfinden will, was die Bedürfnisse des Kunden sind, wo seine «Probleme» sein könnten. Je nach dem gebe es dann vor dem Unterricht eine Massage um den Körper richtig vorzubereiten auf das Skifahren. Auf dem Schnee werde gezielt geschult, mit Körperwahrnehmung zu erfahren, welche Bewegungsabläufe beim Skifahren einfach, sicher und effizient seien. Wichtig sind Steinberger genügend Pausentage, diese können auch schon Mal mit einer Yogalektion bereichert werden. Aktuell arbeitet sie mit einem 60-jährigen Mann, der querschnittgelähmt ist, wieder laufen lernte und nun zurückkehren zum Skifahren will.
Skitherapie ist im Wachstum
Oberstes Ziel ist es für Steinberg und ihre Skitherapie, den Teilnehmern mehr Sicherheit auf den Skis zu vermitteln und somit mehr Freude. Das Skitherapie-Angebot ist laut Steinberg gut angelaufen, brauche aber noch etwas Zeit, sich zu etablieren. Zur Zeit arbeitet sie einen Drittel als Skitherapeutin, den Rest als «normale» Skilehrerin. Die Preise für Skitherapie sind die selben wie für herkömmliche Skiunterrichtsstunden.


























