«Spaced Learning»

02. Dezember 2010 12:18; Akt: 02.12.2010 12:22 Print

Lernblockade - so kommt das Hirn in Schwung

von Oliver Kaftan, Students.ch - Lernen muss jeder fortlaufend. Doch manche vertrödeln unnötig viel Zeit mit Pauken. Studien zeigen, wie Lernprozesse deutlich beschleunigt werden können.

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Nicht nur Schüler und Studenten müssen täglich pauken. Ob Mechatroniker, Hebamme oder Investmentbanker - jeder muss ständig Neues lernen. Wer nicht dazu lernt, gerät allzu schnell ins Hintertreffen. Doch allzu oft wird viel unnötige Zeit aufs Lernen verschwendet. Mit effizienten Techniken lässt sich neues Wissen deutlich schneller und nachhaltiger in den grauen Zellen speichern. Eine dieser Methoden ist das sogenannte «Spaced Learning». Damit wird eine einfache Strategie bezeichnet, die darauf zielt, die Pausen zwischen den Lernphasen soweit wie möglich auszubauen.

Die Zeit vergisst nichts

Steht also beispielsweise ein Kapitel aus einem Lehrbuch auf der Lernliste, empfiehlt es sich nicht, das Kapitel zu lesen und das dabei angeeignete Wissen am selben Tag zu überprüfen. Stattdessen sollte der zu lernende Stoff auf mehrere Tage aufgeteilt werden. Das gleiche gilt, wenn mehrere Fächer anstehen: Es ist besser von jedem täglich ein bisschen zu lernen als eines nach dem anderen abzuarbeiten.

Viele sträuben sich gegen diese Methode. Sie haben Angst, durch die Zeitabstände zwischen den Lernphasen den Stoff schnell wieder zu vergessen. Ein Irrtum, wie Studien zeigen. Und übrigens, Spaced Learning lohnt sich doppelt: Der Lernstoff wird nicht nur besser, sondern auch länger erinnert.

Vermischen von mehreren Themen hilft dem Hirn

Zahlreiche Studien bestätigen den Effekt von Spaced Learning. So konnte etwa Nate Kornell von der University of California mit der weit verbreiteten Meinung aufräumen, es sei am besten, sich Vokabular mit Hilfe mehrerer kleinerer Stapel von Lernkärtchen einzuprägen. Viel wirkungsvoller ist es nämlich, alle Lernkärtchen in einem grossen Stapel zusammenzunehmen und auf diese Weise zu lernen. So dauert es länger, bis dieselbe Karte wieder kommt und Spaced Learning entfaltet seine Wirkung.

In einer anderen Studie gelang es zwei Forschern aus Florida aufzuzeigen, dass Schüler viel erfolgreicher im Lernen von Geometrie sind, wenn ihre Lehrbücher nicht nach Themen unterteilt sind, sondern stattdessen die verschiedenen Inhalte vermischt sind. So können die Schüler einerseits ein Problem nicht aufgrund der Lösung der vorhergehenden Aufgabe klären, was bei jeder Einzelaufgabe ein erneutes Nachdenken über den Lösungsweg erforderlich macht. Andererseits überprüfen sie auf diese Weise Gelerntes wiederum mit Zeitabständen, was ihre Leistung verbessert. Studien, welche dies in anderen Fächern testeten, kamen zu den gleichen Ergebnissen.