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Höhere Fachschule vs. Unis
15. Februar 2010 12:18; Akt: 15.02.2010 12:23 Print
Uni-Abgänger werden schneller gefeuert
von Werner Grundlehner - Sie gehen in der Diskussion um Uni und Fachhochschulen oft vergessen: die Höheren Fachschulen. Zu unrecht. Erzielen ihre Abgänger doch eine bessere Bildungsrendite als Uni-Absolventen – und sitzen im Gegensatz zu diesen in der Arbeitswelt nicht auf dem Schleudersitz.
In die Schweizer Hochschulstufe (Universitäten, ETH, Fachhochschulen) fliessen jährlich rund 6 bis 7 Milliarden. Die höhere Berufsbildung - dazu gehören auch die Höheren Fachschulen, muss sich mit lediglich 460 Millionen begnügen. Nach Angaben von Urs Gassmann vom Schweizerischen Verband der Absolventen höherer Fachschulen ODEC würden jedoch beide Bildungsrichtungen jährlich etwa gleich viel Absolventen in die berufliche Zukunft entlassen. «Zudem hat sich gezeigt, dass die Absolventen von Höheren Fachschulen weniger von Entlassungen betroffen sind als ehemalige Hochschulstudenten». Der ODEC wirft daher die Frage auf: «Fliesst der Bildungsfranken an den richtigen Ort?»
Unterschied: Höhere Fachschule/Fachhochschule
Fachhochschulen bieten eine berufsbegleitende und vollzeitliche Aus- und Weiterbildung in den verschiedensten Fachgebieten an und geniessen eine Anerkennung vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT). Gemäss dem neuen Hochschulgesetz der Schweiz ist die Ausbildung an einer Fachhochschule jener an einer Universität gleichgestellt. Im Gesetz heisst es «gleichwertig aber andersartig». Durch die Erklärung von Bologna (1999) wurden die verschiedenen länderspezifischen Hochschulsysteme vereinheitlicht.
Höhere Fachschulen sind dagegen stärker auf Beruf und Praxis ausgerichtet. Die Zulassungsbedingungen sind weniger streng – ein eidgenössischer Fachausweis genügt. Zudem nehmen die Institute keinen Forschungsauftrag wahr.
Grosse Unterschiede von Kanton zu Kanton
Urs Gassmann von der ODEC ist sich bewusst, dass sich die Bildungsbeiträge nicht einfach umleiten lassen. Im aktuellen Umfeld auf zusätzliche Mittel zu hoffen, wäre auch nicht realistisch. «Als erstes wären faire interkantonale Abkommen ein Erfolg», meint er. So kann es für einen Aargauer der in Zürich studiert, wegen unterschiedlicher öffentlicher Beiträge viel teurer werden, als für einen Zürcher an der gleichen Höheren Fachschule. «Zukünftig wollen wir zudem im gleichen Ausmass von einer Erhöhung der öffentlichen Mittel profitieren wie Hochschulen – das war bisher nicht so», ergänzt Gassmann.
Uni-Abgänger bringen Wachstum
Patrik Schellenbauer, Bildungsexperte von Avenir Suisse, mag der Begründung der ODEC nicht vollumfänglich beipflichten. «Obwohl die Absolventen der Höheren Fachschulen einen grösseren Anteil der Kosten selbst tragen, ist ihre persönliche Rendite auf der Bildungsinvestition höher als bei den Uni-Absolventen.» Daraus aber den Schluss zu ziehen, die öffentlichen Mittel seien falsch verteilt, wäre laut Schellenbauer voreilig. Denn für den Staat sei die soziale Rendite massgebend, die neben allen fiskalischen Kosten und Erträgen auch den Nutzen für die Gesellschaft umfasst, also für uns alle. Dies sei durch unzählige Studien bestätigt und sei der Grund, warum der Staat Bildung finanziert. Schellenbauer: «Ich gehe davon aus, dass diese externen Nutzen bei den Universitäten höher sind als bei Fachschulen, denn wir leben in einer Wissensgesellschaft, in der allgemeines und abstraktes Wissen immer wichtiger wird, auch für das Wachstum. Das trifft für die Schweiz besonders zu. Sehr spezifisches Wissen veraltet zudem schneller.»
Wahl der Schule ist auch ein abschätzen von Risiko und Rendite
Die Lohnexpansion setzt bei den Uni-Abgängern später ein und das Risiko ist höher. Und natürlich hängt das auch vom Studienfach ab, für Ethnologen ist es schwieriger als für Ingenieure. «Schlussendlich ist die Wahl des Bildungspfades darum auch ein Abwägen von Risiko und Ertrag», sagt Schellenbauer. Viele Uni-Studenten werden nicht gleich nach dem Studium den idealen gutbezahlten Job finden. Langfristig hätten sie jedoch mehr Optionen und darum viele Entwicklungschancen. Auf gut deutsch: Ein Uni-Abgänger erhält nicht sofort einen hohen Lohn, die Chancen auf eine sehr gute Bezahlung sind jedoch höher als für Fachschul-Absolventen.
Theoretiker werden entlassen
«Die Berufsweiterbildung wird in der Schweiz traditionell eher privat finanziert», fügt Schellenbauer an. Das ist einerseits der Studierende selbst aber auch der Arbeitgeber, der ein Interesse an der Weiterbildung seines Mitarbeiters hat. Zudem: Wer eine Höhere Fachschule macht, ist beruflich schon etabliert und weiss genau, welches spezifische Wissen er erwerben will. «Dafür ist er auch bereit, eigenes Geld einzusetzen», so Schellenbauer. Wer an die Uni geht, ist in der Regel jünger, verfügt noch nicht über eigenes Geld und die Berufsvorstellung ist meist weniger konkret. Auch die tiefere Entlassungsrate von Fachschulabgängern überrascht kaum. Bei ihnen handelt es sich um Praktiker, die das duale Bildungssystem durchlaufen haben. Theoretiker, die erst vor kurzem von der Uni kamen, haben es zu Beginn schwieriger, sich in der Arbeitswelt zu etablieren.
























