Vielseitiger Professor

10. November 2011 19:35; Akt: 10.11.2011 19:42 Print

Der Getriebene, der schreiben mussDer Getriebene, der schreiben muss

von Fee Riebeling - Oliver Bendel führt ein Doppelleben: Als Professor lehrt er Wirtschaftsinformatik, als Autor schreibt er Literatur– auch fürs Handy. Eine Kombination, die offenbar funktioniert.

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Oliver Bendel wirft in seiner Freizeit mit Wörtern um sich. (Bild: B. Maerki)

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Der Weg von Oliver Bendel schien klar: Im Alter von sieben Jahren schrieb er seine ersten Gedichte, mit 16 hielt er Lesungen. Dann nahm sich der Lektor von Michael Ende seiner an. Es folgten Literaturstipendien und ein Studium der Philosophie und Germanistik. Dann: eine Schreibblockade.

«Die ständige Beschäftigung mit Literatur hat meine Kreativität aufgefressen», sagt Bendel, heute Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Also studierte er ein weiteres Fach und promovierte schliesslich im Bereich Wirtschaftsinformatik. Erst zehn Jahre später wagte er sich wieder an seine alte Leidenschaft. Er veröffentlichte einen Gedichtband, später klassische Romane. Das alles parallel zu seinem «Hauptberuf», dem wissenschaftlichen Arbeiten. «Um das zu schaffen, muss man alles andere reduzieren», sagt Bendel.

2007 weitete er seine literarische Tätigkeit aus. Damals entdeckte er die ursprünglich aus Japan stammenden Handyromane für sich – literarische Texte, die meist direkt auf dem Mobiltelefon verfasst und vornehmlich dort gelesen werden. Er experimentierte und machte sie im deutschsprachigen Raum bekannt. Sieben Bände von ihm stehen derzeit zum Download bereit.

Bendel reicht das nicht: «Ich bin ein Getriebener.» Derzeit gilt sein Interesse traditionellen japanischen Kurzgedichten – so genannten Haikus –, die nicht länger als 17 Silben sein dürfen. Hundert solcher literarischer Kleinkunstwerke finden sich in dem gedruckten Band «handyhaiku». Er ist der erste seiner Art: Denn über den Texten ist jeweils ein QR-Code abgebildet, der mit der Handykamera eingescannt werden kann. Das entsprechende Gedicht erscheint dann auf dem Display und man kann es auch unterwegs immer wieder lesen. So bringt Bendel Technik und Literatur zusammen. Dies ist auch in seinem Hochschuljob zu spüren: Der kurze und prägnante Stil der Handyliteratur hat auf seine wissenschaftlichen Texte abgefärbt, wie er sagt: «Zum Glück. Früher habe ich nämlich ganz umständlich geschrieben.»

www.oliverbendel.net